[Rezension] [#Leseparty fbm15] „Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe“ von A. J. Betts

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© S. Fischer Verlage

A. J. Betts erzählt in ihrem Roman „Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe“ von zwei Teenagern aus Perth, Australien, die an Krebs erkrankt sind. Zac leidet an Leukämie, bei Mia wurde ein Tumor im Fußknöchel entdeckt. Sie liegen im gleichen Krankenhaus, ihre Zimmer grenzen aneinander. Zwischen ihnen nur eine dünne Wand. Sie kennen sich nicht, sehen einander nicht, und dennoch verbindet sie die gemeinsame, beängstigende Erfahrung. Aus ersten Klopfzeichen an der Wand werden Chat-Gespräche mitten in der Nacht. Aus einer Leidensgemeinschaft wird tiefe Freundschaft.

Anfangs wird die Geschichte ausschließlich aus Zac’s Perspektive erzählt. Er bekam eine Knochenmarktransplantation und muss nun viele Tage in einem isolierten Zimmer verbringen, bis sich sein Körper von dem Eingriff erholt hat. Seine einzige Gesellschaft ist seine Mutter. Klar, dass man sich da über die Maßen freut, wenn jemand im gleichen Alter direkt in das Zimmer nebenan einzieht. Noch dazu ein Mädchen! Und obgleich sie viel zu laut Musik hört und jeden anschreit, der sich ihr nähern will, möchte Zac mehr über das Mädchen wissen.

Als Leser ist man ganz nah bei Zac. Man erlebt seine Isolation, man lebt mit ihm in seiner kleinen Welt. Wer Mia ist, weiß der Leser ebenso wenig wie Zac. Das ist gut so, denn auf diese Weise hat man die Freiheit, eigene Vermutungen anzustellen und kann sich folglich ebenso überraschen lassen wie Zac. Erst als Zac nach der erfolgreichen Behandlung das Krankenhaus verlässt, kommt auch Mia zu Wort. Jetzt erfährt man, weshalb Mia so wütend, entmutigt und enttäuscht ist. Weshalb sie einfach nur noch wegrennen, ihren Problemen entkommen möchte. Glücklicherweise trifft sie bei ihrer Flucht auf Zac, der sich in den Kopf gesetzt hat, ihr zu helfen.

Sensibel und teilweise richtig poetisch, beschreibt A.J. Betts, wie zwei ungleiche Teenager sich annähern und sich in einer schwierigen Zeit unterstützen. Dabei bleibt sie immer realistisch, wozu sicherlich ihre persönliche Erfahrung beiträgt: Neben ihrer Arbeit als Lehrerin arbeitete sie auch in einem Krankenhaus. Ihre Erfahrungen reichert sie um eine Vielzahl an Zahlen und Fakten zum Thema Krebs an. Für Zac ist die Mathematik sehr wichtig, daran hält er sich fest. Überlebenschancen, Unfall- und Todesfallstatistiken – daran errechnet er sich seine eigenen Chancen. Gleichzeitig wird der Leser mit den Tatsachen der Krankheit Krebs konfrontiert. Das macht nachdenklich. Doch ich persönlich habe mich sehr darüber gefreut, dass nichts beschönigt wurde. Es ist nun mal wie es ist.

Diese Einstellung findet sich im gesamten Buch. Das Leben kann unfair und schmerzhaft sein, es kann einen selbst und die Menschen um einen herum unermesslich fordern – doch so ist es nun mal. Dabei vertritt die Autorin aber meiner Ansicht nach nicht die Botschaft: „Hey, mach das Beste draus!“ Es kann ja auch durchaus anstrengend sein, immer dem „Besten“ hinterher zu rennen. Stattdessen trägt trägt das Buch vielmehr die Botschaft, dass man das Leben einfach so nehmen muss, wie es kommt. Und wenn es nicht so super läuft, dann kann man nur eines tun: trotzdem weitermachen.

Mit „Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe“ wurde ich ziemlich vom Hocker bzw. vom Sofa gerissen. Es ist so vielschichtig, so intensiv und gefühlvoll! Es stellt so viele Fragen auf, denen man bis ins Detail nachgehen möchte. Zum Beispiel: Was ist Glück? Was ist Pech? Ist man ein Bruchstück oder ist man ein Ganzes? Was bedarf es, ein Ganzes zu sein? Dies zu interpretieren würde hier aber deutlich zu weit gehen 🙂

Zusammenfassend nur noch dies: Am Ende des Buches habe ich geheult und gelacht – geheult – – und gelacht.

Über das Buch

Kopf an Kopf liegen Zac und Mia in ihren Krankenhausbetten, nur durch eine dünne Wand getrennt. Diagnose: Krebs. Gefühlszustand: isoliert und allein. Im normalen Leben hätten sie wahrscheinlich nichts miteinander zu tun. Aber im Krankenhaus gelten andere Regeln. Man braucht Kraft, um die Zeit dort durchzustehen. Und noch mehr Kraft, um in die normale Welt zurückzukehren. In einer dieser Welten braucht Zac Mia. Und in der anderen braucht Mia Zac. Oder vielleicht brauchen sie sich gegenseitig. Jetzt und für immer.

Preis 8,99 Euro
ISBN: 978-3-10-403048-7

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6 Gedanken zu “[Rezension] [#Leseparty fbm15] „Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe“ von A. J. Betts

  1. Pingback: [Rezension] “Ich bin Princess X” von Cherie Priest | Buchstabenträumerei

  2. Hallo Anna,

    deine Zeilen lesen sich sehr einfühlsam. Ich hatte das Buch irgendwann auf dem Wunschzettel geparkt und schon wieder vergessen. Ich denke, da sollte es nicht zu lange verweilen, denn es scheint sich zu lohnen.

    Liebe Stöbergrüße,

    Steffi

    Gefällt 1 Person

  3. Pingback: #Leseparty fbm15 – Der 2. Tag | buchstabentraeumerei

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