[Rezension] „Brooklyn“ von Colm Tóibín

Wie ihr am Rande vielleicht mitbekommen habt, hat mein altes Laptop vor einigen Wochen den Geist aufgegeben. Seitdem arbeite ich mit dem (noch älteren) Ersatz-Laptop, das mir zunehmend Nerven und Zeit raubt. Es ist einfach sooooo langsam, es ist zum aus der Haut fahren. Daher hinke ich im Moment ein wenig mit Beiträgen hinterher. Zum Glück kann ich mir nächste Woche ein neues Schmuckstück holen 🙂 Nun muss ich euch aber unbedingt von dem Buch erzählen, dass ich gestern beendet habe. Vielen lieben Dank an den dtv Verlag, dass ich das Buch lesen durfte!

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Autor Colm Tóibín erzählt in seinem Roman von Eilis, einem irischen Mädchen, das für Arbeit und eine Ausbildung nach Amerika auswandert. Sie verlässt ihre Mutter, ihre ältere Schwester Rose sowie ihre Brüder und kämpft sich alleine durch die Herausforderungen, die ein Umzug in ein fremdes Land mit sich bringen. Nach einigen Monaten lernt sie den Italiener Tony kennen und verliebt sich in ihn. Doch als ein Schicksalsschlag sie zurück nach Irland zwingt und sie sich auch dort in einen Mann verliebt, gerät sie in einen Zwiespalt. Wo gehört sie hin, welches Land ist ihr Zuhause?

Es ist schwer zu sagen, warum ich das Buch so gut fand. Es hat mich einfach nicht mehr losgelassen. Dabei ist es unaufdringlich und sehr angenehm zu lesen. Der Leser taucht tief in die Erfahrungswelt von Eilis ein, durch deren Augen wir alles betrachten. Sie ist zurückhaltend, still und eine gute Beobachterin. Dabei aber auch humorvoll und durchsetzungsfähig. Ich mochte sie auf Anhieb und habe es genossen, von ihren Erlebnissen zu lesen. Auch die anderen Charaktere sind interessant und einzigartig.

Was das Buch insbesondere so gut macht, ist der ausgewählte Schreibstil. Die Sätze fließen einfach harmonisch ineinander über und bewirken, dass auch die genauesten Beobachtungen nicht langweilig werden. Wie beispielsweise die Überfahrt nach Amerika oder die ersten Eindrücke von New York City. Im Gegenteil, sie üben eine stille Faszination aus, der man sich einfach nicht entziehen kann.

Tóibín beschreibt sehr detailliert und anschaulich, wie schwer es ist, sich alleine in einem fremden Land einzuleben. Mit Irland und Amerika, New York City, prallen Welten aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Konservatismus und Liberalismus, Emanzipation und Tradition, Fortschritt – all diese Dinge  werden am Rande thematisiert und runden die Geschichte rund um Eilis zu einem Ganzen ab.

Auch der Zwiespalt, in dem sich Eilis nach ihrer Rückkehr nach Irland befindet, wird vollkommen nachvollziehbar geschildert. Gefühle, die in Aufruhr geraten, Zweifel an der eigenen Identität und der richtigen Zukunft, die Angst vor einer Entscheidung – all das wird sehr lebensnah und einfühlsam geschildert.

Es gibt wirklich nicht, was an diesem Buch auszusetzen wäre. Mir hat jede Seite Freude bereitet und ich empfehle dieses Buch auf jeden Fall und von Herzen gerne weiter.

Fazit

Eine sehr authentische und einfühlsame Geschichte über das Auswandern, das Suchen und finden der eigenen Identität und die erste große Liebe. Das Buch ist reich an detaillierten Beobachtungen, die den Leser mitten in das Geschehen aufnehmen.

Über das Buch

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Credit: dtv Verlag

Eilis Lacey ist kaum jemals aus ihrer Heimatstadt im Süden Irlands herausgekommen. Nun soll sie auf Wunsch der Mutter nach Amerika auswandern und sich dort eine Zukunft aufbauen. Eilis geht nach Brooklyn, in einem Warenhaus findet sie eine Anstellung als Verkäuferin. »Manche Leute sind nett«, sagt sie sich, »und wenn man mit ihnen auf die richtige Weise redet, können sie sogar noch netter sein« – das ist ihre Devise, aber sich einzuleben ist sehr schwer. Kommt ihr Leben ins Lot, als sie sich endlich verliebt? Ein einfühlsamer, sensibler Roman über Selbstbestimmung und Fremdsein.

Preis: 10,90 Euro
Taschenbuch:
 304 Seiten
ISBN-13: 978-3-423-14172-7
Erscheint: 1. Dezember 2012

Autoreninfos und eine Leseprobe auf der Verlagswebsite

♥ Herzlichen Dank an den dtv Verlag ♥

Über den Film

Übrigens: Das Buch wurde 2015 verfilmt! Mit der wunderbaren Saoirse Ronan in der Hauptrolle. Ich kann es kaum erwarten, den Film anzusehen!

Original Trailer

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5 Gedanken zu “[Rezension] „Brooklyn“ von Colm Tóibín

  1. Pingback: [Filmkritik] “Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten” von John Crowley | Buchstabenträumerei

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