[Filmkritik] „Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten“ von John Crowley

Juhu, ich konnte die Verfilmung des Romans „Brooklyn“ sehen und sie hat mir – ebenso wie das Buch – sehr gut gefallen. Die Adaption von Regisseur John Crowley wird dem Buch in jeder Hinsicht gerecht. Crowley ist unter anderem bekannt für den großartigen Film „Boy A“ mit Andrew Garfield. Das Drehbuch schrieb Nick Hornby. Mit einem feinem Gespür hat er einfühlsame Szenen und detaillierte Beobachtungen, die auch das Buch schon ausgezeichnet haben, für die Leinwand übersetzt.

Original Trailer

Mein erster Blick gilt immer den Darstellern. Das Saoirse Ronan die Rolle der Eilis spielt, machte mich schon im Vorfeld glücklich. Sie ist eine hervorragende Schauspielerin, bei der jede kleinste Gefühlsregung in ihrem Gesicht ablesbar ist. Anfangs verkörpert sie die unsichere und steife Eilis und drückt damit wunderbar die ständige Anspannung aus, unter der sie im fremden Land steht. Später gibt sie sich befreit und selbstbewusst wobei es Saoirse gelingt, bei dieser Wandlung den Charakter nicht aus den Augen zu verlieren.

Emory Cohen als Tony und Domhnall Gleeson als Jim kannte ich nicht, beide haben mich aber angenehm überrascht. Emory erweckte einen herrlich sympathischen, zurückhaltenden und freundlichen Tony zum Leben. Anfangs eher unscheinbar, gewinnt er schnell an Kraft und Ausdruck. Doch auch Domhnall nutzt seinen Auftritt gut, so dass der Zwiespalt in dem Eilis sich bei ihrer Rückkehr nach Irland befindet, absolut nachvollziehbar ist. Er wird im Film sogar noch deutlicher als im Buch.

Das zweite Augenmerk setze ich auf die Adaption. Wurde viel geändert? Wo weicht der Film von der Vorlage ab? Crowley hält sich weitestgehend und vor allen bei den – wie ich finde –  schönsten Momenten an die Buchvorlage. Man merkt, dass der Stoff sowohl ihm als auch Hornby wichtig war. Das gilt insbesondere für das Erzähltempo. Im Buch lässt sich Autor Colm Tóibín viel Zeit für seine Geschichte und die Entwicklung seiner Charaktere. Glücklicherweise wurde das in der Verfilmung durch lang gehaltene Einstellungen berücksichtigt. Es ist fantastisch zu sehen, wie die Schauspieler durch diese gewonnene Zeit an Ausdruckskraft gewinnen.

Natürlich wurde auch Material gekürzt. Doch immer an den richtigen Stellen, ohne das es ein Verlust gewesen wäre. Lediglich der Flirt mit Jim geriet meiner Meinung nach ein wenig zu harmlos und beiläufig. Hier hat das Buch im Vergleich die Nase vorn, der Film hätte durchaus noch konkreter werden können. Das Ende hingegen wurde noch ein wenig erweitert. Das Buch endet mit Eilis Entscheidung für oder gegen ihre Rückkehr zu Tony. Im Film sehen wir einige weitere Szenen, die sie in der Heimat und mit dem Mann zeigen, für den sie sich entschieden hat. Davon bin ich nicht immer ein Freund, doch hier war es ein schöner Ausklang, der mich durchaus glücklich zurückgelassen hat.

Zum Film

Die junge Eilis Lacey (Saoirse Ronan) wandert Anfang der 1950er Jahre von Irland nach Amerika aus. Im Stadtteil Brooklyn von New York City findet sie ein neues Zuhause und auch eine Arbeit. Zwar wird die vom Versprechen eines besseren Lebens angelockte Eilis anfangs noch von Heimweh geplagt, doch es dauert nicht lange, bis ein Verehrer der Immigrantin den Hof macht und ihr über das Sehnen nach der alten Heimat hinweghilft: Der Italo-Amerikaner Tony (Emory Cohen) umwirbt sie mit seinem Charme.

Eine Familientragödie zwingt Eilis jedoch einige Zeit später, Brooklyn wieder zu verlassen und zumindest temporär nach Irland zurückzukehren. Von der Vergangenheit eingeholt, trifft sie dort auf den sympatischen Jim Farrell (Domhnall Gleeson), und auf einmal muss sie sich entscheiden, in welchem der zwei Länder sie nun tatsächlich leben will – in ihrem alten Umfeld oder doch in den Verheißungen der neuen Welt. (Quelle: moviepilot.de)

Länge: 1 Std. 52 Min.
Regie: John Crowley
Darsteller: Saoirse Ronan, Emory Cohen, Domhnall Gleeson
Genre: Drama, Romanze

Im Kino ab dem 21. Januar 2016

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2 Gedanken zu “[Filmkritik] „Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten“ von John Crowley

  1. Hallo Anna,

    wie toll, dass du dir den Film schon anschauen konntest! Diese Verfilmung steht auch auf meiner „Muss-ich-im-Kino-sehen“-Liste ganz oben. Allein schon die Namen – Nick Hornby und Saoirse Ronan – lassen mein Herz höher schlagen. 🙂 Und der Trailer hat mich gleich verzaubert.

    Vielen Dank für deine wunderbare Filmbesprechung! 🙂

    Liebe Grüße
    Tina

    Gefällt 1 Person

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