[Rezension] „Maybe Someday“ von Colleen Hoover

Da war eine gehörige Portion Glück im Spiel! Denn „Maybe Someday“, den neuen Roman von Colleen Hoover, hatte ich bei der Vorab-Bloggeraktion des dtv Verlags gewonnen. Eine tolle Aktion, für die ich sehr dankbar bin. Denn sonst wäre dieses romantisch-gefühlvolle Leseerlebnis womöglich noch an mir vorbeigegangen.

hoover_maybe someday

Über das Buch

Sydney, 22, hat gerade ihren Freund verlassen, der sie mit ihrer besten Freundin und Mitbewohnerin betrogen hat – und das schon seit Jahren. Nun steht sie plötzlich und sprichwörtlich völlig im Regen mit ihren zwei Koffern und wird von Ridge, ihrem Gitarre spielenden Nachbarn, den sie seit einiger Zeit abends auf dem Balkon belauscht, übergangsweise aufgenommen. Das Letzte, was Sydney will, ist, sich in Ridge zu verlieben – denn Ridge hat eine Freundin. Doch als sie das erfährt, ist es schon zu spät…

hoover_maybe someday
Verlag: dtv – das junge Buch
Preis:
 9,99 Euro
Format: Taschenbuch
ISBN: 978-3-423-42897-2

Erschienen: 18. März 2016
Weitere Infos zum Buch

„Ich drücke auf Senden und beobachte, wie er die Nachricht liest. Er lacht, und das irritiert mich. Vor allem, weil sein Lächeln so…lächelig ist.“ (Seite 30)

In diesem Buch dreht sich alles um Musik und die ganz großen Gefühle. Und ich war süchtig ab Seite 1. Es ist mir ein Rätsel, wie Colleen Hoover das immer wieder – bis auf eine Ausnahme bisher – schafft. Ist es der humorvolle Schreibstil? Sind es die sympathischen Charaktere? Ist es diese spezielle Mischung aus beinahe schon kitschigem Herzschmerz und lebensnaher, bisweilen auch ernster Story? Wahrscheinlich von allem etwas.

Mich überzeugte „Maybe Someday“ zumindest vom Fleck weg, wenn auch das Ende selbst für meinen Geschmack etwas zu sehr in Gefühlsduselei ausartete. Folgenden Vergleich vermerkte ich in meinen Notizen: „ein Buch wie Zartbitter-Schokoeis mit Karamellsoße“. Super lecker, aber am Ende einfach eine Spur zu süß.

Der Anfang war wohlig-sehnsuchtsvoll und gleichzeitig brach ich immer wieder in Lachen aus. Die ideale Kombination, wie ich finde. Die Story empfand ich weitestgehend als realistisch und nachvollziehbar. [Achtung, kleiner Spoiler im folgenden Satz.] Allerdings ist mir schleierhaft, wie Ridge, ein von Geburt an gehörloser Mann, ein derart musikalisches Talent besitzen kann. Hier wurde die Glaubwürdigkeit ein wenig überstrapaziert. Doch es erfüllt seinen Zweck: Denn was transportiert Gefühle ganz hervorragend? Natürlich Musik. Dadurch entsteht im Buch eine schöne Wechselwirkung, denn einerseits entsteht der Kontakt zwischen Ridge und Sydney über Musik, während parallel die Gefühle wachsen. Eine wunderschöne Kombination.

Schreibstil

„Ich drehe mich wieder um und sehe die beiden an, die beiden Hälften meines Herzens, eng zusammengekuschelt auf einem Lager der Ironie.“ (Seite 271)

Bezeichnend für Colleen Hoover ist die amüsante und herzliche Sprache. Ihre Romane lassen sich mit enormer Leichtigkeit lesen. Sie schreibt sehr unverblümt und nimmt kein Blatt vor den Mund. Das mag ich sehr. In diesem Roman kam hinzu, dass ein Großteil der Kommunikation per Kurznachrichten, Chat oder Zeichen, Gesten und Mimik stattfindet. Ein spannendes Stilelement.

Auf den letzten 100 Seiten wiegt allerdings die melancholisch-gefühlvolle Bildsprache etwas zu schwer und verdrängt dadurch leider die Natürlichkeit. Ich hatte das Gefühl, als würde ich – um bei meinem ersten Bild zu bleiben – in Karamellsoße baden.

Charaktere

„Beruhige dich, Herz. Bitte. Ridge hat übersinnliche Fähigkeiten und wird durch die Vibration der Matratze spüren, wie du schlägst.“ (Seite 127)

Hoover schafft es einfach, ihre Charaktere absolut liebenswert und authentisch zu entwerfen – das gilt sowohl für Ridge und Sydney, als auch für die Nebencharaktere. Alle sind angenehm reif, erwachsen und vernünftig und obwohl wir Zeuge großer Gefühle werden, blicken sie nie durch die sprichwörtliche rosarote Brille. Stattdessen gehen Ridge und Sydney äußerst ernsthaft und reflektiert mit ihren Gefühlen um. Das hat mich enorm angesprochen. Was mich störte war, dass Ridge ab und an einfach zu perfekt war. Manchmal wünschte ich mir etwas mehr – verzeiht diesen Bezug – Hardin in ihm. Ihr wisst was ich meine. Es war mir schleierhaft, wie ein Mann so gefühlvoll sein kann.

Bei den Nebencharakteren stach in meinen Augen insbesondere Warren hervor. Er gefiel mir außerordentlich und uneingeschränkt gut. Sein wahrer Charakter bleibt anfangs im Verborgenen und zeigt sich erst später vollständig – das war eine schöne Überraschung.

Fazit

Colleen Hoover kann es halt. Wenn es um große Gefühle und Sehnsucht sowie besondere Umstände geht, die eben jene Gefühle unmöglich machen, zählt sie einfach zu den Meistern. Dabei verliert sie nie den Humor aus den Augen und erweckt Charaktere zum Leben, die einem sofort nahestehen. Dieses Buch empfehle ich jedem, der gute Liebesgeschichten mag.

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14 Gedanken zu “[Rezension] „Maybe Someday“ von Colleen Hoover

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  4. Ich habe das Buch schon häufig in den Bücherregalen der Händler gesehen, doch irgendwie konnte mich der Klappentext noch nicht so recht verführen.

    Deine Rezension klingt wirklich vielversprechend, die Zitate sind schön und malerisch, was mir sehr gefällt. Ich mag Bücher nicht, die einen begrenzten Wortschatz haben und wenig künstlerische Vielfalt.

    Das mit dem Musizieren ohne gehört habe ich zuvor schon einige Male gehört. Ich habe gelesen, dass sie sich meist am Bass orientieren, dessen starkes Pulsieren wie ein Leitfaden die Musik interpretiert und es ihnen so ermöglichst zu spielen. Doch jemanden wirklich kennen gelernt habe ich nicht, daher kann ich deine Skepsis verstehen. Allerdings ist es immer noch ein Roman *verträumtenBlickaufsetz*

    Ich stelle das Buch zu meiner Wunschliste 🙂 Mal sehen, wann ich die Zeit dafür finde, hehe.


    Sarah

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Sarah,
      was den Wortschatz angeht, könnte dich das Buch schon glücklich machen – es gibt aber auf jeden Fall bessere. Es ist nicht durchweg so malerisch, wie in den Zitaten.
      Ja, ich habe auch gelesen, dass viele aufgrund des Basses z.B. tanzen können. Doch Musik selbst zu schreiben ist nochmal etwas anderes 🙂 Ein durchaus spannendes Thema.
      Falls du dazu kommst es zu lesen bin ich enorm gespannt auf deinen Meinung 😀
      Liebe Grüße,
      Anna

      Gefällt 1 Person

  5. Hey Anna,
    Ich habe mir auch zuerst gedacht, wie soll Ridge so ein gutes Händchen für das Komponieren der Lieder haben? Aber ok, ich fand die Erklärung so halbwegs passabel.

    Hat dich die Moral dieser Geschichte nicht gestört? Ich hatte echt Probleme mit Sydney und ihrem Verhalten. Einerseits schlägt sie ihre beste Freundin und auf der anderen Seite, ist es ihr doch irgendwie egal gewesen, dass es Maggie gab, als sie es dann wusste.

    Ich mag Colleen Hoovers Schreibstil, aber die Geschichte war nicht ganz so meins. Mir war das zu scheinheilig und kitschig. Klar war es spannend, aber stellenweise war es zu viel. Mein Liebling war Maggie. ^^ Ridge war mir zu romantisch. 😛
    Liebe Grüße,
    Sarah

    Gefällt 1 Person

    • Hi Sarah,
      ich hatte deine Rezension noch gut in Erinnerung und vor allem deine Sicht zu der Moral 🙂 Ich finde aber, dass sie eigentlich schon sehr moralisch handeln – es lässt sich halt irgendwann schlicht nicht mehr aushalten. Ich kann diese Gefühle sehr verstehen und auch, dass man dadurch so (ähnlich) handelt, wie jemand, der einen zuvor durch eben solch ein Verhalten sehr verletzt hat. Es sind Gefühle. Und ich finde, sie haben sehr gekämpft, Herr dieser Gefühle zu werden. Wäre die Entdeckung der Korrespondenz nicht gewesen, wäre Sydney ja auch ausgezogen und wer weiß, wie es dann geendet hätte…Ach, wäre, hätte – schlimm 😉 Darüber lässt sich auf jeden Fall diskutieren – was ja auch gut ist. Und ich kann deine Einstellung absolut nachvollziehen. Es ist ein schwieriges Thema.
      Und ja, Maggie war auch toll 🙂 Und Ridge war definitiv zu romantisch 😉
      Liebe Grüße,
      Anna

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