[Rezension] „Romeo & Romy“ von Andreas Izquierdo

Sämtliche Erwartungen an dieses Buch wurden nicht erfüllt…zum Glück! Denn so hat es mich vollkommen überrascht – und zwar absolut positiv. Danken möchte ich dem Suhrkamp bzw. Insel Verlag für das Rezensionsexemplar, inklusive toller Leseproben. Dies ist übrigens nach „Moxyland“ das zweite Buch, das ich gemeinsam mit Tina vom Blog super.lese.helden gelesen habe. Ich bin schon sehr gespannt auf ihre Rezension, auf die ich hier verweise, sobald sie fertig ist. Wie ich das Buch fand, erfahrt ihr jetzt.

izquierdo_romeo & romy

Über das Buch

Romy könnte eine große Schauspielerin sein, aber niemand sieht sie, denn sie ist nur die Souffleuse. Aber auch das nicht lange, denn nach einem harmlosen Flirt mit Hauptdarsteller Ben, dessen einzige schauspielerische Glanzleistung sein Auftritt als »Frischedoktor« in einem Waschmittelspot ist, wird sie gefeuert. Und Ben kurz nach ihr.
Romy kehrt zurück in ihr winziges Dorf, um dort ihr Erbe anzutreten. Hier leben nur noch Alte. Und die haben sich in den Kopf gesetzt, rasch das Zeitliche zu segnen, denn auf dem Friedhof sind nur noch zwei Plätze frei. Wer da zu spät kommt, muss auf den Friedhof ins Nachbardorf. Und da gibt es – wie jeder weiß – nur Idioten.
Romy schmiedet einen tollkühnen Plan: Sie will mit den Alten ein elisabethanisches Theater bauen. Aus der gammeligen Scheune hinter ihrem Hof. Und mit ihnen Romeo und Julia auf die Bühne bringen. Sie haben kein Geld, keine Erfahrung, aber einen Star: Der »Frischedoktor« soll Regie führen! Ben ist begeistert: Regisseur! Das könnte unter Umständen der erste Job werden, den er nicht voll gegen die Wand fährt … 

izquierdo_romeo und romy
Verlag und Copyright: Suhrkamp / Insel
Preis:
 14,99 Euro
Format: Taschenbuch
ISBN: 978-3-458-36141-1

Erschienen: 11. 04 2016
Weitere Infos zum Buch

„Er trug zu einem nicht unerheblichen Teil dazu bei, dass bald schon Geschichten auf spitzen Zehen durch das Erzgebirge schlichen, […], dass es da draußen ein paar verrückt gewordene Alte gab, die die Zeit zurückgedreht hatten. Und die offenbar ein Theater bauten, um darin zu spielen.“ (Seite 397)

„Romeo & Romy“ ist eine unbeschwerte Erzählung, und das trotz der schwerwiegenden Themen Altern und Sterben. Die Geschichte beginnt sogar mit einem geradezu aberwitzigen Plot, gespickt mit wunderbar absurdem Wirz. Autor Andreas Izquierdo hat wahrlich ein Gespür für Situationskomik, die nicht platt und gewollt wirkt, sondern so natürlich lustig daherkommt, dass ich öfters laut auflachen musste. Manchmal rutschte diese Komik gefährlich nahe an Slapstick heran, Izquierdo wies sie jedoch stets rechtzeitig in ihre Schranken.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass ich anfangs dachte, die Geschichte darf ich – im positiven Sinne – nicht allzu ernst nehmen. Im nächsten Moment jedoch brechen klammheimlich die tiefsten Emotionen durch. Diese Augenblicke haben mich mitgerissen und mir auch des Öfteren die Tränen in die Augen getrieben. Ein Verdienst des Autors, der mit den Dorfbewohnern lebensnahe und authentische Charaktere erschaffen hat.

Lesenswert wird „Romeo & Romy“ zudem durch die vielen geschichtlichen und zwischenmenschlichen Verstrickungen, die Izquierdo in Nebenhandlungen einfließen lässt. Jede für sich genommen ist bereits interessant, zusammengenommen ergeben sie ein dichtes und packendes Geschichtennetz, das einen so schnell nicht mehr loslässt.

Schreibstil

„Wieder lag das Dorf verschlafen vor ihr, wieder rauchten die Kamine, wieder zwitscherten die Vögel, und die Küchenfenster sendeten wie üblich sanfte Positionslichter in den anbrechenden Tag.“ (Seite 62)

Komik braucht Tempo. Beim Lesen kam es mir vor, als hüpfte ich verspielt über die Zeilen. Die Worte und Dialoge sind mal ironisch, dann scharfzüngig und manchmal regelrecht frech. Doch kaum hat man sich an diese Tonalität gewöhnt, tauchen kreative, eigenwillige und überraschende Sprachbilder auf – wunderschöne Vergleiche und treffsichere Beschreibungen. Ich konnte mich nicht sattlesen daran und lese auch jetzt noch immer wieder gerne meine Lieblingszitate.

Charaktere

„Sie ließ Einfälle wie flache Steine über Wasser tanzen, und je öfter sie auftippten und weitersprangen, desto besser waren sie und wurden damit Teil eines fantastischen Luftschlosses.“ (Seite 111)

Wo fange ich nur bei diesen Charakteren mit der Beschreibung an? Sie sind zauberhaft, absolut verschroben und schrullig. Liebenswert und verrückt. Und sie wuchsen mir im Laufe der Seiten so sehr ans Herz, wie es lange keine Charaktere mehr bei mir geschafft haben. Das Buch wird getragen von allen Nebencharakteren – die Protagonisten Romy und Ben verblassen ihnen gegenüber. Und das war für mich vollkommen in Ordnung, denn im Grunde geht es auch nur um sie, die Dorfbewohner. Sie sind das Zentrum der Geschichte, so wenig außergewöhnlich sie auch sein mögen. Gerade das macht sie so unglaublich stark.

Zu Romy und Ben bleibt zu sagen: Beide sind auf ihre Weise sympathisch hoffnungslose Fälle. Sie scheitern, sie rappeln sich wieder auf und suchen das, was sie glücklich macht im Leben. Ben empfand ich allerdings als etwas übertrieben nervig, ein selbstgefälliger Mann, der sich dann aber im Verlauf der Geschichte ganz angenehm entwickelt.

Fazit

Wer mit „Romeo & Romy“, wie der Titel andeuten mag, eine schlichte Liebesgeschichte erwartet, wird enttäuscht werden. Es ist eine Liebesgeschichte – aber auch wieder nicht so richtig. Vielmehr sind es ganz viele unscheinbare und dennoch eindringliche Liebesgeschichten, auf ganz vielen Ebenen. Für mich war der Roman so viel mehr als erwartet. Schlicht und schön.

Blog-Connection

Mit Tina vom Blog super.lese.helden lese ich sehr gerne Bücher gemeinsam. Der Austausch während des Lesens ist immer unglaublich spannend und überhaupt ist sie wahnsinnig nett und ihr Blog ist wahnsinnig toll! Schaut also unbedingt bei ihr vorbei und lest ihre Rezension zu diesem Buch!

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5 Gedanken zu “[Rezension] „Romeo & Romy“ von Andreas Izquierdo

  1. Pingback: [Neuzugänge] Bettina Belitz, David Levithan und mehr | Buchstabenträumerei

  2. Liebe Anna,

    was für eine schöne Rezension! 🙂 Toll auch, was du zum Schreibstil des Autors geschrieben hast. Den fand ich nämlich auch sehr, sehr abwechlungsreich und einfach grandios. 🙂

    Herzlichen Dank auch fürs Verlinken und für deine total lieben Worte dazu!!! 🙂

    Liebe Grüße
    von Tina

    PS: Weißt du schon, ob du noch weitere Romane von Andreas Izquierdo lesen wirst? Mich hat auf jeden Fall das Fieber für seine Titel gepackt! 😉

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Tina,
      ja, die Abwechslung macht wirklich viel aus. Diese Sprünge zwischen Humor und Ernst, ohne dabei aber „sich selbst“, also seinen Tonfall, zu verlieren – großartig!
      Den Autor werde ich mir auf jeden Fall merken. „Der Club der Traumtänzer“ und „Das Glücksbüro“ klingen äußerst interessant!
      Liebe Grüße,
      Anna

      Gefällt 1 Person

  3. Pingback: [Neuzugänge] Mai 2016 – Krystyna Kuhn, Sabine Schoder und mehr | Buchstabenträumerei

  4. Pingback: *Rezension* Romeo & Romy / Andreas Izquierdo | super.lese.helden

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