[Rezension] „Young World – Nach dem Ende“ von Chris Weitz

Da war ich also wieder im New York nach der großen Katastrophe zu Besuch – nachdem alle Erwachsenen und alle kleinen Kinder an einer mysteriösen Krankheit starben und nur noch Jugendliche überlebten. Die Rede ist von der Dystopie-Reihe von Chris Weitz. In Band 1 wurden wir in diese harte und hoffnungslose Welt eingeführt, lernten unter anderem Jefferson und Donna kennen und begleiteten sie auf der gefährlichen Suche nach einem Heilmittel. Band 2 knüpft nahtlos an das Ende von Band 1 an. Vielen Dank an dtv – das junge Buch für dieses Rezensionsexemplar.

Achtung, wer nicht zu viel erfahren möchte, sollte den folgenden Klappentext nicht lesen. Meine Rezension ist frei von Spoilern.

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Über das Buch

Nachdem eine mysteriöse Krankheit alle Erwachsenen ausgelöscht hat, übernehmen Teenager das Kommando. In Manhattan organisieren sie sich in Clans. Donna und Jeff vom Washington Square Clan wagen sich auf die riskante Suche nach einem Gegenmittel. Gerade als sie zusammen mit einigen Freunden an ein Antiserum gelangen, wird die Clique getrennt. Jeff kehrt nach New York zurück, während es Donna nach England verschlägt. Dort wird sie vom britischen Geheimdienst immer wieder zu den Ereignissen kurz vor der Krise befragt. Und erst fast zu spät begreift sie: dort wo Jefferson ist, mitten in New York, liegt der Schlüssel zu einer noch viel größeren Bedrohung, als die Krankheit es jemals war.

weitz_young world 2
Verlag und Copyright: dtv – das junge Buch
Preis:
 18,95 Euro
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-423-76137-6

Erschienen: 27.06 2016
Weitere Infos zum Buch
Website-Special

„Ich kann nicht dem einen das Leben schenken und den anderen sterben lassen. Das kann ich einfach nicht. Ich muss so viel Leben schenken wie möglich. Wir sind doch alle noch so jung…“ (Seite 125)

Band 2 startet mit hohem Tempo und sehr viel Action – ganz so also, wie wir es bereits aus Band 1 „Young World – Die Clans von New York“ gewohnt sind. Ein Teil der Spannung  wird mit relativ einfachen und bewährten Mitteln erzeugt, das heißt aber nicht, dass sie weniger wirkungsvoll sind. Vor allem in der ersten Hälfte habe ich kräftig mitgefiebert.

Hinzu kommt, dass die Handlung sich in eine komplett neue Richtung entwickelt. Die Handlung wird um neue Blickwinkel und Erkenntnisse sowie politische Überlegungen ergänzt, wodurch der zweite Band sehr an Komplexität gewinnt. Weltweite Auswirkungen und Wechselwirkungen der Katastrophe treten in den Fokus. In der zweiten Hälfte des Buches drohte allerdings eben diese Komplexität die Handlung zu verlangsamen. Stellenweise wurde sie für meinen Geschmack zu stark ausgebremst und ich hatte Schwierigkeiten mein Interesse im gleichen Maße wie zu Beginn aufrechtzuhalten.

Es ist wohl einfach eine Gratwanderung – und vielleicht auch typisch für einen Zwischenband -, dem Leser eine neue inhaltliche Ebene vorzustellen und zu erläutern und gleichzeitig die Spannung beizubehalten. Da gerät die Action unweigerlich ein wenig ins Hintertreffen. Ich vermute jedoch stark, dass Band 3 wieder durchgehend mitreißend ist.

Schreibstil

Am Schluss bleibt auf dem Topfboden nur noch eine Handvoll weißlicher Kristalle übrig. […] „Ist ja wie bei Breaking Bad“, sage ich. „Was?“ „War ’ne Fernsehserie. Egal.“ (Seite 143)

Jefferson und Donna, die beiden Protagonisten, erzählen überwiegend aus der eigenen Perspektive. Hinzu kommen wenige weitere Charaktere, wie Peter und Brainbox. Die Ausdrucksweise ist sehr umgangssprachlich, ironisch, direkt und regelrecht vulgär. Mein Gedanke zwischendurch: Wenn Jugendliche tatsächlich so reden, bin ich ziemlich froh, erwachsen zu sein. Bei einigen Charakteren war mir die Sprache zu derb, glücklicherweise kamen sie aber nicht oft zu Wort.

Sämtliche Actionszenen werden sehr gut beschrieben, sie sind dynamisch und spulen sich wie ein Film vor den Augen ab. Natürlich spürt man auch in Band 2, dass Chris Weitz aus der Filmbranche kommt. Er bringt sehr gerne Schauspieler, Filme und Musiker mit ins Spiel – Brad Pitt beispielsweise hat die Katastrophe zum Glück überlebt! Das ist amüsant, wenn auch manchmal zu viel des Guten.

Charaktere

Jefferson ist bedächtig, ausgeglichen und gutherzig – also so, wie wir ihn aus Band 1 kennen. Auch Donna ist noch ebenso scharfzüngig, mutig und draufgängerisch. Beide haben mir gut gefallen und ihre Entwicklung passt zu den Begebenheiten.

Einige der übrigen Charaktere haben mich mit ihrer Kurzsichtigkeit und Dummheit, ihrer Herz- und Hirnlosigkeit sowie ihrer Gewaltbereitschaft allerdings regelrecht zur Weißglut gebracht. Zum Glück waren es nur wenige Charaktere und sie nahmen auch nur wenig Raum in der Geschichte ein. Sie dienen dem Spannungsaufbau und provozieren den Leser in dieser Hinsicht natürlich ganz bewusst.

Fazit

Band 2 brachte viele neue Erkenntnisse, politische Verwicklungen und Spannung. Die Spannung leidet ein wenig unter dem politischen Kalkül – dieses Element ist jedoch für den Fortgang der Geschichte wichtig. Band 3 könnte spektakulär werden. Und, nur so am Rande, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Reihe verfilmt wird, oder? Sie bietet auf jeden Fall das nötige Material.

Die Reihe

Erscheinungstermin von Band 3 bisher nicht bekannt.

Über den Autor

Chris Weitz, geboren 1969 in New York, hat Englische Literatur studiert, landete dann aber in der Filmbranche. Er ist der Oscar®-nominierte Drehbuchautor und Regisseur von ›About a Boy‹, ›Twilight‹, ›Cinderella‹ und anderen Kino-Hits der letzten Jahre. ›Young World – Die Clans von New York‹ ist sein Romandebüt.

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4 Gedanken zu “[Rezension] „Young World – Nach dem Ende“ von Chris Weitz

  1. Ich lese das Buch momentan und hab schon mal heimlich in deine Rezi geschaut. In vielen Punkten stimme ich mit dir überein. Aber ich muss das Ende noch mal abwarten, um abschließend was sagen zu können.
    LG

    Gefällt mir

  2. Ah ah ah omg ja ich muss es haben. Band 1 hat mir auch so super gefallen!!! Deine Rezension hat mir gleich Lust auf mehr gemacht. Eines der wenigen Bücher, die ich diesen Monat noch kaufen muss.
    Ich finde das Cover auch so schön! *.*
    Und der film kommt definitiv. So wie das aufgebaut ist und wenn Chris eh Drehbuchautor ist… hundertpro.

    Gefällt 2 Personen

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