[Rezension] „Alles, was ich sehe“ von Marci Lyn Curtis

Twitter sei Dank wurde ich auf die Bloggerseite des Carlsen Verlags aufmerksam. Habt ihr die Seite schon mal besucht? Dort sind Informationen für Blogger zusammengestellt und es werden eine Vielzahl an Möglichkeiten der Zusammenarbeit aufgezeigt. Unter anderem wird Bloggern mit einem noch recht jungen Blog ein Willkommens-Buchgeschenk angeboten. Ich fand das eine wahnsinnig nette Initiative und „meldete mich an“. Kurz darauf hielt ich diesen Buchschatz in meinen Händen. Vielen Dank an den Carlsen Verlag und im Besonderen Ute Nöth!

In diesem Zusammenhang: Pssst! Ich kann euch schon mal verraten, dass es hier auf meinem Blog bald eine kleine, schöne Überraschung für euch geben wird. Mehr dazu am 10. Juli 🙂

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Über „Alles, was ich sehea“

Maggie hasst ihr neues Leben als Blinde. Sie will keine tapfere Kranke sein, und auf Unterricht von anderen Blinden kann sie gut verzichten. Nach einem missglückten Streich passiert es: Sie kann wieder sehen! Nur einen Ausschnitt der Welt, genauer: einen zehnjährigen Jungen namens Ben. Mit Hilfe des altklugen und hinreißenden Jungen scheint sie einen Teil ihres alten Lebens zurückzubekommen. Und Bens großer Bruder Mason ist Sänger in Maggies Lieblingsband. Und ziemlich attraktiv. Doch er lässt sie abblitzen, weil er denkt, dass Maggie ihre Blindheit vortäuscht – was ja irgendwie stimmt.
Dann kommt heraus, warum sie ausgerechnet Ben sehen kann.

curtis_alles was ich sehe
Verlag und Copyright: Carlsen Verlag
Preis:
 18,99 Euro
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-551-56022-3

Erschienen: 18.03 2016
Weitere Infos zum Buch

„Ich vermisse diese Minuten in der Abenddämmerung, wo es nicht mehr Tag, aber auch noch nicht Nacht ist. Das ist irgendwie eine magische Zeit, als könnte man so ganz nebenbei etwas Außergewöhnliches vollbringen. Ich vermisse das leuchtende Rot der Sonnenaufgänge. Und Wolken. Sterne. Gott, ich vermisse die Sterne.“(Seite 157)

Ein blindes Mädchen, das auf einmal einen Jungen sehen kann? Klar, dass ich schon nach den ersten Seiten unbedingt wissen wollte, wie diese Geschichte weitergeht. Das Thema an sich ist einfach schon so ungewöhnlich und die Umsetzung hat mir zudem ebenfalls von Anfang an gefallen.

Marci Lyn Curtis beschreibt das Schicksal einer Erblindung äußerst sensibel und realistisch. Außerdem beleuchtet sie den Zwiespalt eines Teenagers im Kontakt mit seinen Eltern. Einerseits will Maggie geliebt und beachtet werden, andererseits fühlt sie sich vollkommen fremd und losgelöst von Familie und auch Freunden. Erst der Kontakt zu Ben ermöglicht es ihr, einen Weg aus dieser verfahrenen Situation zu finden und lässt sie Mut fassen, mit ihrer Situation umzugehen.

Mir gefiel sehr, dass sich die Probleme von Maggie nicht in einem Wimpernschlag lösen lassen, dass es einiger Anstrengung bedarf und eigenen Einsatz erfordert. Das gilt im Grunde für alle Charaktere, die alle ihren Teil an Sorgen mit sich tragen. Sie sind interessante Gegenparts zu Maggie und bereichern die Geschichte. Mehr noch: Die Geschichte lebt quasi von den Charakteren – von Maggie und ihren Eltern, Ben und Mason sowie den Freundinnen von Maggie. Es ist folglich nicht nur die Geschichte der erblindeten Maggie, sondern eine Geschichte über Familien, die Schicksalsschläge erlitten haben, deren Träume zerplatzten und was danach zurückbleiben kann: Leere, Schweigen und Trauer.

Der übernatürliche Aspekt fügt sich dabei ganz harmonisch in die ansonsten sehr realistische Geschichte.

Schreibstil

Mit Mom zu reden war genauso unmöglich, wie ein Spannbettlaken glatt zusammenzulegen: Egal wie gründlich mal es versuchte, man brachte nie mehr als einen unförmigen Ballen zu Stande. (Seite 158)

Die Autorin erzählt ihre Geschichte aus der Perspektive von Maggie mit viel Schwung, humorvoll und locker. Das passt zum Charakter des Mädchens. Die Ausdrucksweise ist umgangssprachlich und angenehm authentisch jugendlich. Was mir besonders ins Auge fiel, waren die witzigen, aber vor allem äußerst klugen und treffsicheren Vergleiche. Das oben genannte Zitat ist eines von vielen Beispielen. Stellenweise war der Text zwar etwas zu angehäuft damit, doch das ist übergreifend gesehen kein Minuspunkt.

Charaktere

Das ist das Ding, wenn man blind ist: Man sieht die Leute, wie sie wirklich sind. (Seite 8)

Maggie… Mein Güte, Maggie ist wirklich ein Charakter! Sie ist schlagfertig, kratzbürstig, launisch und einfach nicht nett. Ich mochte sie anfangs überhaupt nicht, mochte ihre Art nicht und ihre Sprüche noch weniger. Trotzdem spürt man im Verlauf des Buches ihre riesige Sehnsucht nach Geborgenheit und Sicherheit, danach, von ihren Eltern beachtet zu werden und wieder sehen zu können.

Die Familie war vor der Erkrankung und der Erblindung eine Einheit, nun sind sie drei Einzelteile, die einfach nicht zusammenfinden wollen. Es herrscht eine große Distanz zwischen den Eltern und Maggie – jeder hat seine Last zu tragen und geht damit auf seine Weise um. Dass das nicht immer die richtige Art ist, ahnen sie zwar, doch das Verhalten zu ändern, ist manchmal nicht so einfach. Was erst als mit Fantasy angehauchtes Jugendbuch beginnt, entwickelt sich zu einem vielschichtigen Familienporträt und einer sensiblen und glaubwürdigen Coming-of-Age Geschichte.

Was mich besonders begeistert hat, war die richtig gut gelungene Charakterentwicklung von Maggie. Die Autorin hat sich enorm gut in sie eingefühlt und arbeitet sich von A bis Z durch die vielen Schichten bis an den Kern ihrer Gefühle und Ängste heran. Dies zu beobachten war sehr berührend.

Fazit

Ich bin schlichtweg begeistert von „Alles, was ich sehe“. Für mich ist es eines dieser Bücher, das wirklich und wahrhaftig mit jeder Seite besser wird! Eine Entdeckung in diesem Lesejahr.

Über Marci Lyn Curtis

Marci Lyn Curtis wuchs in Nordkalifornien auf, wo sie Biologie studierte. Sie lebt mit ihrem Mann, ihren zwei Kindern und einem Dackel in Maryland. „Alles, was ich sehe“ ist ihr erster Roman.

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14 Gedanken zu “[Rezension] „Alles, was ich sehe“ von Marci Lyn Curtis

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  7. Hallöchen liebe Anna,
    ich habe gerade meine Rezension zu diesem Buch online gebracht und ich wollte dir einmal Bescheid geben, dass ich deine Rezension bei mir verlinkt habe. 🙂 Ich hoffe, dass das für dich in Ordnung ist. Ich habe mir deine Rezension ausgesucht, weil sie so voller Begeisterung steckt und wir ein Zitat gleich haben. 😀 Ich fand den Vergleich einfach so gut gemacht. ^^ Das kennt doch irgendwie jeder von uns mit dem Spannbettlaken, oder? 😀

    Liebst, Lotta

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Lotta,
      sehr gerne und danke!
      Ich bin sogar auch schon über deinen Beitrag gestolpert und da fiel mir natürlich direkt auf, dass du das gleiche Zitat ausgesucht hast 🙂 Ich fand es so ungeheuer gut, das musste einfach verbreitet werden 😀 Schön, dass es dir da ähnlich ging.
      Viele liebe Grüße,
      Anna

      Gefällt mir

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