[Rezension] „Wenn der Sommer endet“ von Moira Fowley-Doyle

Ok ok. Ich hatte mich ja eigentlich schon in den Urlaub abgemeldet… Doch dieses Buch habe ich heute früh zu Ende gelesen und es ist so unglaublich gut, dass ich die Rezension unbedingt noch vor der Abreise schreiben muss. Das Buch habe ich von der Verlagsgruppe Random House als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen – herzlichen Dank daher an das Bloggerportal und im Besonderen an Sebastian Menacher.

fowley-doyle_wenn der sommer endet

Über „Wenn der Sommer endet“

So lasst uns die Gläser erheben auf die dunkle Zeit … Die dunkle Zeit, wie die 17-jährige Cara, ihre Schwester Alice und ihre restliche Familie es nennen, scheint wie ein Fluch, der sie einmal im Jahr für ein paar Wochen heimsucht. In diesem Zeitraum passieren Unfälle, geliebte Menschen sind schon gestorben. Und dieses Jahr soll es eine der schlimmsten dunklen Zeiten werden, prophezeit Caras Freundin Bea. Mysteriöse Dinge geschehen und bald weiß Cara nicht mehr, was Traum und was Realität, was Magie und was echt ist. Die Grenzen verschwimmen, und als lange vergessene tragische Ereignisse ans Licht kommen, könnte es für Cara, ihre große Liebe Sam und ihre Schwester Alice schon zu spät sein …

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Verlag und Copyright: Verlagsgruppe Random House
Preis:
 16,99 Euro
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-570-16407-5

Erschienen: 27.06 2016
Weitere Infos zum Buch

Wir sind inzwischen alle sehr gut darin, Dinge vor anderen zu verbergen. Um genau zu sein sind wir alle ein bisschen zu gut darin, Geheimnisse vor unseren Freunden zu bewahren. (Seite 110)

Es gibt einige Worte, die diese wundervolle Geschichte hervorragend beschreiben: Sie ist geheimnisvoll und ungewöhnlich. Mysteriös, verwunschen und märchenhaft. Aber auch rätselhaft, düster und beunruhigend. Sie zog mich in einen seltsamen Bann, von dem ich bis zum Ende vollkommen gefangen genommen wurde. Selten gibt es Bücher, die mich so sehr über die aktive Lesezeit hinaus beschäftigen – dieses Buch aber ließ mich einfach nicht los. Meine Gedanken schwirrten ständig um die Frage, was es mit dieser dunklen Zeit auf sich hat. Und wer ist Elsie?

„Wenn der Sommer endet“ erinnerte mich an den Film „The Sixth Sense“. Diese dichte Atmosphäre und das stets vorhandene, subtile Gefühl, dass etwas nicht stimmt, dass nichts so ist, wie es es scheint. Wir begegnen sonderbaren Wesen – auf der Straße, in Fotografien, Träumen und Spiegelungen. Fast wirkt es, als verberge sich unter der Oberfläche der realen Welt eine ganz andere, unbekannte Dimension. Oder sind es gar keine Geister, sondern Einbildung und Wahnvorstellungen? Geklärt werden diese Fragen bis zum nicht ganz überraschenden, aber dennoch mitreißenden Ende nicht, obgleich vieles Verborgene ans Tageslicht kommt.

Im Laufe der Geschichte fühlte ich mich stellenweise wie in einem Traum gefangen. Die Stimmung war energiegeladen und beklemmend, wie die schwüle Hitze an Sommertagen, ehe sich die Luft in einem Gewitter entlädt. Das Buch lebt von dieser eigen- und einzigartigen Stimmung sowie – und das fand ich wirklich enorm gelungen – von einer wunderschönen Liebesgeschichte.

Schreibstil

Ich schaue mich im Wohnzimmer um, das eingepackt ist wie ein zerbrechliches Paket, und denke an all die Geheimnisse, die sich in den scharfen Kanten der Dinge verbergen. (Seite 161/162)

Die Autorin erzählt ihre Geschichte aus Sicht von Cara und mit übersprudelnder Fantasie. Sie wechselt übergangslos und harmonisch zwischen dem realen Leben der Geschwister Cara, Alice und Sam und deren Freundin Bea sowie unwirklichen, entrückten Momenten. Diese zwei erzählerischen Ebenen – die eine magisch-märchenhaft, die andere realistisch – sind besonders prägend für das Werk von Moira Fowley-Doyle: Die Grenzen verschwimmen zunehmend, sie ergänzen sich und verleihen verdrängten Gefühlen und Erfahrungen Ausdruck. Das fand ich ungeheuer spannend. Das Unterbewusstsein lässt Erlebtes in verzerrter, übernatürlicher Form aufleben. Dadurch gewinnt „Wenn der Sommer endet“ sehr an Intensität.

Charaktere

Niemand ist dort. Keine Elsie. Keine Geister. Nur der Staub im Lampenlicht, unser Atem und der Wind in der Stille – und das Gefühl, dass etwas oder viele Etwasse uns beobachten. Also gibt es hier vielleicht doch Geister. (Seite 208)

Cara erzählt von diesem einen Monat im Leben ihrer Familie – der dunklen Zeit. Cara, Alice und Sam sind mit dem Wissen um die Gefahren in dieser Zeit aufgewachsen, haben sie aber nie hinterfragt. Diese Unsicherheit und Ratlosigkeit ist in Worten, Blicken und Gesten sehr greifbar. Gleichzeitig sind sie recht empfänglich für alles Magische und Sonderbare, lassen sich beispielsweise von ihrer Freundin Bea die Karten legen. Zwischen den vier Jugendlichen herrscht eine starke Dynamik, die mir sehr gefiel. Die Charaktere sind hervorragend ausgearbeitet und jeder für sich interessant. Cara und Sam stachen für mich persönlich besonders hervor.

Die Mutter, so ahnt man es nach einer Weile, scheint mehr über die dunkle Zeit zu wissen. Doch sie hält an ihren Geheimnissen fest. Überhaupt spielen Geheimnisse eine große Rolle, unausgesprochen und verdrängt, so dass es ihn Wahrheit sie sind, die der wichtigste Charakter in diesem Buch sind.

Fazit

Ein faszinierendes Buch! Sehr intensiv, aufregend und wunderschön. Aufgrund der Vielschichtigkeit möchte ich es am liebsten gleich nochmal lesen. Ich habe jeden Moment damit genossen. Absolut empfehlenswert!

Über Moira Fowley-Doyle

Moïra Fowley-Doyle ist halb Französin, halb Irin und lebt mit ihrem Mann, ihren beiden Töchtern und einer alten Katze in Dublin. Moïras französische Hälfte mag Rotwein und düstere Bücher, in denen alle sterben. Ihre irische Hälfte mag Tee und Happy Ends.
Wenn der Sommer endet ist ihr erster Roman.

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8 Gedanken zu “[Rezension] „Wenn der Sommer endet“ von Moira Fowley-Doyle

  1. Pingback: [Montagsfrage #43] Was macht ein Lese-Highlight aus? | Buchstabenträumerei

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