[Rezension] „Für einen Sommer und immer“ von Julie Leuze

Nachdem ich „Sternschnuppenträume“ von Julie Leuze gelesen hatte, war es um mich geschehen. Was für ein wunderschönes Buch. Perfekt für die Sommermonate – eine leichte, aber feine Geschichte. In diesem Jahr erschienen nun zwei neue Bücher von ihr: „Für einen Sommer und immer“und „Herzmuschelsommer“. Natürlich wollte ich sie mir nach dieser ersten Begegnung nicht entgehen lassen. Und das Glück spielte mit: „Für einen Sommer und immer“ habe ich mit einer Portion Glück gewonnen. Lieben Dank an die Autorin und den INK-Verlag.

leuze_für einen sommer und immer

Über „Für einen Sommer und immer“

Als Annikas Mutter ihr erzählt, dass sie schwer krank ist und bald sterben wird, will Annika nur noch eins: weg, und zwar schnell. Sie nimmt ihren lange überfälligen Urlaub und flüchtet sich in ein abgeschiedenes Dorf in den Südtiroler Dolomiten. Doch im Entspannen war die dreißigjährige Karrierefrau noch nie sonderlich gut, und schon nach einem Tag fällt ihr in ihrem schicken Hotel die Decke auf den Kopf. Um der erdrückenden Leere in ihrem Inneren zu entkommen, beschließt sie, sich beim Gipfelstürmen auszupowern, und nimmt sich kurzentschlossen einen Bergführer. Samuel ist vollkommen anders als alle Männer, die Annika je kennengelernt hat. Seine Liebe zu den Bergen ist mitreißend, ansteckend, und bald bemerkt Annika, dass sie mit jedem Meter, dem sie sich der Bergspitze nähert, auch ihrem eigenen Herzen näher kommt … 

leuze_für einen sommer und immer
Verlag und Copyright: Egmont INK
Preis:
 14,99 Euro
Format: Paperback
ISBN: 978-3-86396-081-0

Erschienen: 07.04 2016
Weitere Infos zum Buch

Es ist, als hätte ich einen Virus und müsste alles ausspeien, was mich krank macht, seit Wochen, Monaten, Jahren. (Seite 93)

Auf den ersten Seiten war ich ehrlich gesagt ziemlich schockiert und fassungslos. Ich rechnete mit einer ähnlich feinfühligen Story wie in „Sternschnuppenträume“ und wurde stattdessen mit einer sehr vorhersehbaren Geschichte im Stil von Traumschiff und Rosamunde Pilcher konfrontiert. Beinahe hätte ich es abgebrochen, da ich einer derart platten Erzählung nichts abgewinnen kann. Die Charaktere, der Plot, die Dialoge – einfach alles ließ zu wünschen übrig.

Dann jedoch wendete sich das Blatt allmählich und mein Interesse war wieder geweckt. Denn die anfangs ziemlich naiv und unsympathisch durch die Szenen stolpernde Protagonistin Annika entwickelt sich doch noch recht angenehm. Die einfallslose Geschichte wird um bewegende Einsichten reicher, je mehr sich Annika mit ihrem Leben auseinandersetzt. Zwar kommen diese Erkenntnisse sehr rasch und ich stellte mir des Öfteren die Frage, weshalb sie nicht schon früher etwas an ihrem Leben geändert hat, nichtsdestotrotz waren diese Momente geprägt von ehrlicher und reifer Ernsthaftigkeit.

Die Auseinandersetzungen mit den eigenen Wünschen, unter anderem natürlich auch ausgelöst durch den Tod von Annikas Mutter, waren intensiv und ließen mich mitfühlen. Julie Leuze ist das Thema Leben mit den jeweils von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlichen Erfahrungen und Erwartungen ganz reflektiert angegangen und hat mich letztendlich doch berührt. So wurde „Für einen Sommer und immer“ völlig unerwartet nach dem holprigen Anfang noch zu einem sommerlichen Lesevergnügen.

Schreibstil

Jahrelang hatte ich alles unter Kontrolle, meine Emotionen, meine Gedanken, meine Seele und meinen Körper. Warum in aller Welt entgleitet mir diese Kontrolle ausgerechnet jetzt? (Seite 107)

Die Dialoge waren anfangs beinahe unerträglich. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Es wirkte wie heruntergeleiert, als würden Darsteller im Film ihren Text nur aufsagen, ohne etwas dabei zu empfinden. Kennt man alles aus Daily Soaps und besagten TV-Sendungen. Damit konnte mich die Autorin überhaupt nicht überzeugen. Doch in gleichem Maße, wie die Geschichte interessanter wurde, entsprach auch der Schreibstil später immer mehr meinem Geschmack. Gut fand ich vor allem, wie die Gedanken von Annika bezüglich ihres Lebens auf den Punkt gebracht wurden. Hier kam der Sinn für Feinheiten zum Vorschein, den ich an Julie Leuze bereits zu schätzen gelernt hatte.

Charaktere

„Und ich wünschte, ich dürfte auch einmal schwach sein. Aber irgendwas ist immer“, sie seufzt, „irgendetwas in mir lässt mich nicht.“ (Seite 242)

In der ersten Hälfte des Buches ist Annika eine Protagonistin, die ich nicht weniger hätte leiden können. Sie gibt sich so stark und ist dabei so schwach. Sie lässt sich viel zu leicht von ihrer Familie und ihrer Freundin lenken und beeinflussen. Das geht so weit, dass sie völlig aus den Augen verliert, was sie eigentlich möchte. Am liebsten hätte ich ihr mal kräftig die Meinung gesagt. Nun, vielleicht habe ich das auch ein wenig während des Lesens ;-). Später wurde sie mir viel sympathischer. Als sie sich darüber klar wird, was in ihrem Leben alles schief läuft. Als sie beginnt, ihre Ziele und Motivationen zu hinterfragen. Diese Auseinandersetzung fand ich sehr gelungen.

Samuel ist natürlich total sexy und attraktiv, humorvoll und feinfühlig. Zudem ist er nicht nur ein klasse Bergführer, sondern ganz nebenbei auch noch äußerst geschickt darin, Annikas angeknackstes Selbstbewusstsein zu richten. Darüber hinaus erfährt man aber auch noch einiges über seine Vergangenheit und sein Leben, in dem auch nicht alles einfach ist. Durch ihre Charakterzüge ergänzen sich beide ideal – fast schon zu ideal für meinen Geschmack. Insgesamt aber eine angenehme Kombination.

Fazit

„Für einen Sommer und immer“ ist eine locker-leichte Sommerlektüre, die nach anfänglichen Startschwierigkeiten doch noch an Tiefe gewinnt. Leider kein Highlight, aber im Großen und Ganzen auch nicht zu verachten.

Über Julie Leuze

Julie Leuze, geboren 1974, studierte Politikwissenschaften und Neuere Geschichte in Konstanz und Tübingen, bevor sie sich dem Journalismus zuwandte. Mittlerweile widmet sie sich ganz dem Schreiben von Romanen für Erwachsene und Jugendliche. Ihr Buch „Der Geschmack von Sommerregen“ wurde als bester deutschsprachiger Liebesroman des Jahres 2013 mit dem Literaturpreis „DeLiA 2014“ ausgezeichnet.
Julie Leuze lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in Stuttgart.
(Quelle: www.julieleuze.de)

Advertisements

3 Gedanken zu “[Rezension] „Für einen Sommer und immer“ von Julie Leuze

  1. Hihi ich fands so lala, aber nach deiner Rezi hab ich das Gefühl, ich würde es plötzlich lieber mögen. Aber es ist schon aussortiert, weil mir Annika zu kalt war, ich mich an Samuel nicht mehr erinnern kann und ich eigentlich bloß die Bergwelt so richtig gern mochte (weil: Berge!)

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s