[Rezension] „Die Spuren meiner Mutter“ von Jodi Picoult

Eine Woche lang hat mich dieses Buch begleitet. Und es begleitet mich noch immer, denn die Geschichte lässt einen so schnell nicht mehr los. Tatsächlich habe ich seit Ewigkeiten kein Buch mehr gelesen, das mich so fasziniert und berührt hat wie „Die Spuren meiner Mutter“. Mein Herz schmerzte regelrecht, so schön, so traurig und so verzaubernd war es. Ich möchte mich ganz herzlich beim Bloggerportal und bei der Verlagsgruppe Random House dafür bedanken, dass ich dieses Buch lesen durfte.

picoult_die-spuren-meiner-mutter


Über „Die Spuren meiner Mutter“

Die dreizehnjährige Jenna sucht ihre Mutter. Alice Metcalf verschwand zehn Jahre zuvor spurlos nach einem tragischen Vorfall im Elefantenreservat von New Hampshire, bei dem eine Tierpflegerin ums Leben kam. Nachdem Jenna schon alle Vermisstenportale im Internet durchsucht hat, wendet sie sich in ihrer Verzweiflung an die Wahrsagerin Serenity. Diese hat als Medium der Polizei beim Aufspüren von vermissten Personen geholfen, bis sie glaubte, ihre Gabe verloren zu haben. Zusammen machen sie den abgehalfterten Privatdetektiv Virgil ausfindig, der damals als Ermittler mit dem Fall der verschwundenen Elefantenforscherin Alice befasst war. Mit Hilfe von Alices Tagebuch, den damaligen Polizeiakten und Serenitys übersinnlichen Fähigkeiten begibt sich das kuriose Trio auf eine spannende und tief bewegende Spurensuche – mit verblüffender Auflösung.

picoult_die-spuren-meiner-mutter

Verlag und Copyright: C. Bertelsmann
Preis: 19,99 Euro
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-570-10236-7
Erschienen: 29.08 2016
Zur Verlagswebseite

„Ich arbeite mit Elefanten, weil es ist, als würde man Menschen in einem Café beobachten“, erklärte ich Thomas. „Sie sind lustig. Herzzerreißend. Einfallsreich. Intelligent. […] In ihnen steckt einfach so viel von uns.“ (Seite 220)

„Die Spuren meiner Mutter“ ist eine Geschichte über die Trauer und das Loslassen eines geliebten Menschen. Jodi Picoult schreibt aber auch über die Stärke von Gemeinschaft und die Liebe zwischen Müttern und ihren Kindern. Und immer einen Platz finden Elefanten in dieser Geschichte. Anfangs war ich skeptisch, ob mich die Welt der Elefanten zu fesseln vermag, doch die Autorin stürzt sich so voller Leidenschaft auf das Leben dieser Tiere und erzählt derart passioniert von ihren Empfindungen, dass ich zu Tränen gerührt war. Der Leser erlebt auf diese Weise viele Facetten von Trauer und Mutterliebe, sowohl beim Menschen als auch bei Tieren.

„Die Spuren meiner Mutter“ ist Detektivroman, Familiendrama, Tiergeschichte und wissenschaftliche Arbeit in einem. Und so unterschiedlich diese Genres auch sind, so harmonisch fügen sie sich hier zusammen. Im Laufe des Lesens wurde mir eines immer klarer: nichts ist so wie es scheint. Jodi Picoult spielt mit den Erwartungen, führt einen in die eine Richtung, nur um alles wieder umzudrehen. Die größte Überraschung erwartet den Leser auf den letzten Seiten. Alles verschiebt sich, so dass ich völlig sprachlos war.

Schreibstil


In der Wildnis bleiben eine Mutter und ihre Tochter so lange zusammen, bis eine von ihnen stirbt. (Seite 243)

Erzählt wird aus den Perspektiven von Jenna, ihrer Mutter Alice, dem Medium Serenity und Detektiv Virgil. Diese Wechsel machen die Geschichte sehr interessant. Von jedem Erzähler erfährt man nur Bruchstücke, die immer wieder neu zusammengesetzt werden können und so die verschiedensten Szenarien möglich machen. Nicht zuletzt erfährt der Leser dadurch natürlich auch viel über die Lebensgeschichte der einzelnen Charaktere.

Zudem bewegen wir uns auf zwei verschiedenen Zeitebenen. Alice erzählt aus der Vergangenheit, während die übrigen Charaktere aus der Gegenwart erzählen. Beide Ebenen bewegen sich stetig aufeinander zu, bis es am Ende zu einer faszinierenden Überschneidung kommt.

Charaktere


Mein Leben war zu drei Vierteln ein Rollenspiel, das mir jederzeit erlaubte, von der Bühne abzutreten und mich meiner Verkleidung zu entledigen.“ (Seite 404/405)

Ein spröder Charme zeichnet die Charaktere maßgeblich aus. Sie sind alle nicht perfekt und vom Leben gezeichnet. Jeder einzelne Charakter ist sehr fein ausgearbeitet. Wir lesen nur Sequenzen, doch die stehen für sich und sind enorm aussagekräftig.

Alice erlebt der Leser über ihre wissenschaftlichen Notizen. Diese sagen mehr über sie aus, als man vermuten mag. Denn ihre Beobachtungen der Verhaltensweisen von Elefanten kann man als Spiegelung ihrer eigenen Gefühlslage interpretieren. Das fand ich ungeheuer spannend.

Serenity und Virgil fand ich am interessantesten. Sie sind Menschen, die sich selbst durch bestimmte Umstände im Leben verloren haben. Picoult hatte die Entwicklung beider sehr gut im Blick, so dass man als Leser hervorragend an deren Motivation Jenna zu helfen teilhaben kann.

Jenna selbst ist weniger ein wichtiger Charakter als vielmehr ein notwendiger Katalysator. Sie bringt den Stein ins Rollen und führt die Charaktere zusammen. Sie ist das Zentrum und gleichzeitig ein blinder Fleck in der Geschichte, da sie am wenigsten ausgearbeitet ist. Das ist aber keineswegs störend, sondern absolut sinnvoll.

Fazit


Es kommt nicht oft vor, dass ich sage ein Buch sei ein Muss. Hier ist es aber so: „Die Spuren meiner Mutter“ ist ein Muss. Ein intelligentes, berührendes und extrem spannendes Romanhighlight!

Über Jodi Picoult


Jodi Picoult, geboren 1967 auf Long Island, New York, lebt heute nach ihrem Studium in Princeton und Harvard mit ihrem Mann und den drei Kindern in Hanover, New Hampshire. Sie gehört zu den faszinierendsten angelsächsischen Erzählern und besitzt die seltene Gabe, die Zerbrechlichkeit und Komplexität menschlicher Beziehungen in ihren Romanen festhalten zu können. 2003 wurde sie mit dem New England Book Award ausgezeichnet. Zuletzt erschienen auf deutsch mit großem Erfolg ihre Romane »Beim Leben meiner Schwester« und die »Die Wahrheit meines Vaters«.

Rezensionen anderer Blogger


 

Advertisements

5 Gedanken zu “[Rezension] „Die Spuren meiner Mutter“ von Jodi Picoult

  1. Pingback: [Aus der Szene] #Leseparty zur Frankfurter Buchmesse 2016 | Buchstabenträumerei

  2. Pingback: [Neuzugänge] Bettina Belitz, David Levithan und mehr | Buchstabenträumerei

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s