[Rezension] „Heart. Beat. Love.“ von James Patterson

Wenn ich eines gelernt habe mit diesem Buch, dann, dass man immer erst einen Blick hinein werfen sollte, bevor man es kauft. Denn so entging mir, dass „Heart. Beat. Love“ mit Fotos von den Protagonisten bebildert ist. Die Fotos auf dem Cover zeigen einige Beispiele. Empfinde nur ich das so, oder würde euch das auch enorm stören? Ich versuchte während des Lesens verzweifelt, nicht auf die Bilder zu achten und mich stattdessen auf die Geschichte zu konzentrieren. Ob mir das gelang, erfahrt ihr in meiner Rezension.

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Über „Heart. Beat. Love.“

Kurz vor ihren Abschlussprüfungen packen Axi und ihr bester Freund Robinson ihre Sachen und brennen durch. Aus dieser Spontanaktion entsteht ein Roadtrip quer durch die USA. Der Traum vom ganz großen Abenteuer: eine gestohlene Harley, Schlafen im Freien, billige Motels, Freiheit und immer mehr knisternde Spannung zwischen Axi und Robinson.

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Verlag und Copyright: dtv
Preis:
 16,95 Euro (neue Ausgabe ab Dezember 2016: 10,00 Euro)
Format: Hardcover
ISBN: 978-3423761079

Erschienen: 01.04.2015
Zur Verlagswebseite

„In diesen Sekunden legte ich das Bild des braven Kleinstadtmädchens ab wie einen hässlichen Pulli und verbrannte es in den Auspuffabgasen der Harley.“ (Seite 45)

Um es kurz zu machen: Die Bilder störten mich so sehr, dass ich mich nicht auf die Geschichte konzentrieren konnte. Stattdessen habe ich die Bilder angestarrt, oder vielmehr habe ich versucht sie nicht anzustarren. Am Ende blieben mir die Bilder besser in Erinnerung als die Geschichte. (Sogar so sehr, dass ich in dieser Rezension als Erstes davon schreibe.)

Ein paar Worte aber dennoch zur Story. Der Roadtrip beginnt unmittelbar auf den ersten Seiten mit dem Diebstahl einer Harley. Sie klauen ein Motorrad. Sie KLAUEN EINFACH SO ein Motorrad! Und dabei bleibt es nicht. Ich kam im gesamten Verlauf des Buches nicht darüber hinweg, mit welcher Nonchalance Axi und Robinson Fahrzeuge stehlen. Sie zögern kaum, schon brettern sie über die Straße. Ich fühlte mich davon ziemlich überrumpelt, mir wäre es als Jugendliche im Traum nicht eingefallen, ein Fahrzeug zu klauen – ich hätte panische Angst erwischt zu werden (jaja, ich war echt brav). Axi hat jedoch so gut wie keine Gewissensbisse und beide fürchten nicht die Konsequenzen. Es wird angedeutet, dass sie ihre Gründe für ihre waghalsigen Aktionen haben, doch mir fehlte etwas Vorgeschichte, um überzeugt werden zu können. Warum will Axi so dringend fort? Ist es, weil ihr Vater trinkt? Woher kennt sie Robinson? Da diese Fragen zu Beginn unbeantwortet blieben, wurde ich emotional abgehängt und konnte später nicht mehr richtig aufholen.

„Heart. Beat. Love.“ bietet ansonsten wenig Überraschungen. (Achtung Spoiler) Denn Robinson hat Krebs und wird voraussichtlich nicht mehr lange zu leben haben. Zur Sprache gebracht wird das zwar erst etwa nach der ersten Hälfte des Buches, doch dem aufmerksamen Leser entgehen die früheren Andeutungen nicht. Weiß man dies, ist der weitere Weg, den die Geschichte nehmen wird, vorgezeichnet. Frei nach dem Prinzip: Kennst du eine, kennst du sie alle. Leider gab es in den letzten Jahren zu viele Jugendbücher zum Thema Krebs, die alle in die gleiche Kerbe schlagen. Nutze die Zeit die dir noch bleibt, und tue etwas Außergewöhnliches.

Was mich außerdem sehr irritierte war der autobiografische Charakter, den das Buch durch die Fotos erhält. Am Ende ist sogar ein Foto von Axi und Robinson zu sehen, unter dem Robinsons Geburts- und Sterbedatum vermerkt sind. Tatsächlich, so James Patterson in einem Interview, wurde die Geschichte von einer Frau namens Jane inspiriert, mit der Patterson in seinen Zwanzigern zusammen war. Sie erkrankte an einem Gehirntumor und starb. Warum dann im Buch diese Bilder? Stammen sie aus Pattersons persönlichem Bestand? Sicherlich nicht. Angesichts dieser Tatsache konnte ich mich einfach nicht mit der Gesamtdarstellung des Buches anfreunden. Entweder ich lese eine Biographie oder Fiktion. Diese Mischung war nichts für mich.

Unbedingt erwähnen muss ich noch einen Fehler im Text, da dieser sich auf zwei meiner liebsten Filme aus den 80er Jahren bezieht: Auf Seite 79 beschreibt Axi eine Szene aus ihrem und Robinsons Lieblingsfilm „Teen Lover“. Die Szene stammt jedoch nicht aus diesem wundervollen Film mit John Cusack (Originaltitel „Say Anything“), sondern aus dem Film „Ist sie nicht wunderbar“ (Originaltitel „Some Kind of Wonderful“).

Charaktere

„Im Morgengrauen, als die Sonne golden über den Bergen auftauchte, klauten wir einen Pick-up.“ (Seite 157)


Axi und Robinson sind in ihrem Miteinander sehr sympathisch. Sie necken sich, sie witzeln herum und gehen wunderbar aufeinander ein. Diese Beziehung ist sehr stark und das spürt man auch. Diesen Aspekt der Geschichte hat Autor James Patterson wunderbar umgesetzt. Als Leser spürt man die Verbindung zwischen den beiden intensiv. Sie geben sich Halt und sind in gewisser Weise alles, was sie im Leben brauchen.

Negativ fiel mir wie gesagt die Leichtfertigkeit auf, mit der sie stehlen und noch Schlimmeres machen. Natürlich lässt sich das durch die Unabwendbarkeit des Schicksals ein Stück weit erklären, aber das genügte mir nicht. Zumal Axi anfangs kurz als durchweg brave Schülerin und zielorientiertes Mädchen beschrieben wurde. Einzig Robinson konnte ich das Verhalten abkaufen. Abkaufen konnte ich ihm hingegen nicht, dass er Axi in diese kriminelle Welt hineinzieht.

Schreibstil

„Man kann seine Flucht planen, sein Leben und seine Familie zurücklassen und in einem gestohlenen Wagen über den Highway rasen. Aber vor manchen Dingen kann man einfach nicht weglaufen.“ (Seite 165)


Da das Buch viele Bilder beinhaltet, steht teilweise wenig Text auf den Seiten. Hinzu kommt ein großer Druck, so dass man sich recht schnell durch die Geschichte liest. Grundsätzlich mag ich es eher nicht, wenn ich so über die Seiten fliege. Lieber habe ich etwas mehr „Substanz“, mehr Zeilen, die mich in Atem halten und berühren. In diesem Fall hat es mich jedoch nicht gestört, da ich froh war, schnell zum Ende kommen zu können.

Der Schreibstil an sich ist gut, die Geschichte liest sich angenehm und flüssig. Die Dialoge zwischen Axi und Robinson gefielen mir sehr gut. Sie sprühen vor Witz und Lebendigkeit und machten vieles wett, was ich ansonsten vermisste.

Fazit


Eine nette Roadtrip-Story, eine süße Liebesgeschichte, aber eben auch eine Krebs-Story, wie ich sie schon zu oft gelesen habe. Patterson konnte mir nicht Neues damit bieten. Es war für mich wenig mehr als ein kurzweiliges Lesevergnügen mit Abstrichen hinsichtlich Originalität und Glaubwürdigkeit.

♥ ♥  ♥ ♥

Über James Patterson


James Patterson geboren in New York, arbeitete in einer Werbeagentur, bevor er in den 70er-Jahren anfing, Kriminalromane zu schreiben. Bis heute hat er fast 100 Bücher verfasst und zählt zu den erfolgreichsten Autoren aller Zeiten. Seine Bücher haben sich weltweit über 280 Millionen Mal verkauft und wurden in 40 Sprachen übersetzt. Er lebt in Florida. Diesen Roman hat er gemeinsam mit Co-Autorin Emily Raymond verfasst.

Rezensionen anderer Blogger


Weitere Informationen gibt es in einem Website-Special zu „Heart. Beat. Love“.

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12 Gedanken zu “[Rezension] „Heart. Beat. Love.“ von James Patterson

  1. Liebe Anna,

    auch ich lese deine Rezensionen immer sehr gerne, und da wir einen ähnlichen Büchergeschmack haben, kann ich mich auf dein Urteil supergut verlassen. 🙂 Also werde ich diesen Roman jetzt auf keinen Fall lesen. 😉 Aber ich habe mal gehört, dass Patterson zu den bestverdienenden Autoren der Welt gehört, und daher ist es wohl nicht schlimm, wenn dieser Titel nicht so viele Leser findet. 😉

    Sei herzlich gegrüßt,
    Tina

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Tina,
      da geht es mir bei dir aber genauso 🙂 Schön, so etwas zu hören. Patterson hat vor allen Dingen schon unglaublich viele Bücher geschrieben! Da hatte ich auch gebührend Respekt 😉 Aber was soll man machen, wenn es nicht den persönlichen Geschmack trifft.
      Liebste Grüße,
      Anna

      Gefällt 1 Person

    • Bilder ist glaube ich einfach sehr stark Geschmackssache 🙂 Der 2. Teil war insgesamt besser, auf jeden Fall! Rausreißen konnte es das aber für mich leider nicht mehr. Es war interessant, es gibt so verschiedene Meinungen. Hast du auch eine Rezension? Wenn du magst, verlinke ich dich 😊
      Liebe Grüße,
      Anna

      Gefällt mir

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