[Rezension] „Scherbenmond“ – Band 2 der Trilogie von Bettina Belitz

Was war ich froh, wieder zu Ellie in den Westerwald zurückkehren zu können. Nachdem mich Band 1, Splitterherz, ab der Mitte vollkommen gefesselt hatte, konnte ich es kaum abwarten weiterzulesen. Es war ein bisschen wie nach Hause zukommen. Ob Scherbenmond mich letztendlich überzeugen konnte, erfahrt ihr in meiner Rezension.

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Über „Scherbenmond“

Längst ist der Sommer vergangen, der Elisabeth Sturm die Augen öffnete für die gefährliche Welt der Mahre, der Sommer, in dem sie sich in einen von ihnen verliebte. Seit Monaten ist Colin nun verschwunden und Ellie quält sich durch einen nicht enden wollenden Winter. Die Tage tröpfeln gleichförmig vor sich hin, in den Nächten dagegen wird Ellie von Albträumen heimgesucht, die sie verstört zurücklassen.
Um auf andere Gedanken zu kommen, quartiert Ellie sich bei ihrem Bruder in Hamburg ein. Doch sie erkennt Paul kaum wieder: Er wirkt erschöpft und gehetzt und scheint etwas vor ihr zu verbergen. Je mehr sie in Pauls Welt eintaucht, desto deutlicher überkommt Ellie ein Gefühl der Bedrohung und plötzlich weiß sie nicht mehr, wem sie noch trauen kann. Sie ahnt nicht, dass ihre Sorge um Paul und ihre Liebe zu Colin sie tiefer verletzen könnten als der abgründigste Traum.

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Verlag und Copyright: script5

Preis:
 19,95 Euro
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-8390-0122-6

Erschienen: 01.01.2011
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„Die Stadt war tot. Niemand atmete außer uns. Und trotzdem bewegte sich etwas unterhalb des Hauses, erhob sich aus dem Wasser. Kroch die Wand hinauf.“ (Seite 257)

Direkt zu Beginn der Geschichte stürzen wir uns in eine düstere Stimmung, alles verströmt eine bleierne Schwere. Sehr atmosphärisch werden Ellies Zustand und ihr Leben nach dem Abschied von Colin beschrieben. Sie ist krank, antriebslos und orientierungslos. Ich fühlte mich als Leserin sehr gut abgeholt, da diese Grundstimmung den ersten Band Splitterherz weitestgehend prägte und Scherbenmond demnach passend anknüpft. Hinzu kommt ein subtiler, unterschwelliger Horror, unheimliche und geheimnisvolle Ereignissen häufen sich.

Insgesamt wirkten die ersten Seiten wie ein Traum, alles blieb diffus und verschwommen, war aber gleichzeitig enorm spannend, da man wissen möchte, wie es nun mit Ellie und Colin weitergeht. Werden sie sich wiedersehen? Werden sie eine Chance haben miteinander? Doch ehe es dazu kommt, verlagert sich der Schwerpunkt vollkommen, was der Geschichte sehr gut tut. Ellie fährt zu ihrem Bruder Paul nach Hamburg und wird dort mit Dingen konfrontiert, die alles bisher erlebte in den Schatten stellen. Mir hat diese neue Ausrichtung sehr gut gefallen.

Hervorragend fand ich, wie die Autorin Bettina Belitz die gemeinsame Zeit mit Paul in der Hamburger Speicherstadt aufbaut. Das Miteinander von Ellie, Tillmann und Paul wirkt wie ein Kammerspiel, der Fokus liegt ganz stark auf den Charakteren und deren Beziehung zueinander sowie deren Entwicklung. Auch eine ganz starke psychologische Ausrichtung kommt hinzu, denn wir tauchen tief in die Gedanken- und Gefühlswelt von Ellie ein.

Charaktere


Um es mal so zu sagen: Edward und Bella aus der Twilight-Reihe von Stephenie Meyer können einpacken. Sie sind im Vergleich zu Ellie und Colin blass und eindimensional. So zumindest meine bescheidene Meinung. Doch Spaß beiseite, ich liebe einfach die komplexe Beziehung der beiden, die sich logisch und vor allem realistisch entwickelt.

Zudem wird der zweite Band um einige markante Gesichter reicher, wie Ellies Freund Tillmann, der mutig und rigoros allen Gefahren trotzt. Ihr Bruder Paul, der sich auf unerklärliche Weise in seinem ganzen Wesen verändert, und Gianna, eine Hamburger Journalistin, die unversehens mitten in die Geschichte hineingezogen wird. Jeder Charakter ist sehr eigenständig und entwickelt sich individuell weiter. Ich war besonders von Tillmann überrascht, der sich von einer unerwarteten Seite zeigt. In Band 3 wird seine Rolle hoffentlich weiter auswachsen.

Schreibstil

„Während das Tier in meinem Bauch sich knurrend in sein gewohntes Revier zwischen Herz und Zwerchfell, übernahm die Angst wieder das Ruder – aber diesmal nicht mit heilloser Panik, sondern einem schwelenden, dämmrigen Gefühl permanenter Bedrohung.“ (Seite 530)


Ich fand es ganz wunderbar, wie Belitz von einer ziemlich großen Liebesgeschichte erzählen kann – immerhin verlieben sich hier Mensch und Dämon ineinander, so viel zu unüberwindbaren Hindernissen -, ohne dem Kitsch zu verfallen. Im Gegenteil, sie schreibt so herrlich frisch und humorvoll, dass ich teilweise sogar lauthals lachen musste. Das strahlt natürlich auch auf die Charaktere ab, sie wurden dadurch nochmal sympathischer. Gleichzeitig versteht sie sich aber auch aufs Feinste darauf, beim Leser eine Gänsehaut den Rücken hochwandern zu lassen. Ihre Worte haben eine Intensität, die einen noch lange nach dem Beenden des Buches gefangen hält.

Fazit


Scherbenmond hat meiner Ansicht nach Splitterherz übertroffen. Die Stimmung, die Story, die Charaktere – alles konnte mich zu 100 Prozent überzeugen. Ich kann es nicht erwarten, mit Band 3 fortzufahren und bin gleichzeitig schon jetzt traurig, wenn die Geschichte damit zu Ende ist. Am besten besorge ich mir direkt ein neues Buch von Bettina Belitz zum Trost.

♥ ♥ ♥ ♥ 

Die Splitterherz-Reihe


Über Bettina Belitz


Bettina Belitz, geboren 1973 in Heidelberg, verliebte sich schon früh in die Magie der Buchstaben. Lesen allein genügte ihr bald nicht mehr – nein, es mussten eigene Geschichten aufs Papier fließen. Nach dem Studium arbeitete Bettina Belitz als Journalistin, bis sie ihre Leidenschaft aus Jugendtagen zum Beruf machte. Heute lebt sie umgeben von Pferden, Schafen, Katzen und Hühnern in einem 400-Seelen-Dorf im Westerwald und lässt sich von der Natur und dem Wetter zu ihren Romanen inspirieren.

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