[Rezension] „Totenläufer: Silver Coin 203“ (Band 1) von Mika M. Krüger

„Totenläufer“ – ein abschreckender Buchtitel, oder? Das dachte ich zumindest, als ich den Titel zum ersten Mal vorgestellt bekam. Doch hinter diesem Titel verbirgt sich eine fesselnde und kluge Dystopie, die mich auch jetzt noch sehr nachdenklich stimmt und sicherlich nicht so schnell loslassen wird. In meiner Rezension erfahrt ihr mehr. Danke, Mika, dass du auf mich zugekommen bist!

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Copyright: Mika M. Krüger

Über „Totenläufer: Silver Coin 203“

Rina gehört zu jenen in Red-Mon-Stadt, die keinen Wert haben. Sie gilt als nutzlos, wird verfolgt und lebt in ständiger Angst um sich und die Menschen, die sie liebt. Als sie dann in die Mündung einer Waffe blickt, glaubt sie, den Kampf ums Überleben verloren zu haben. Doch der Soldat mit dem Schießbefehl lässt sie laufen, zeigt ihr sogar den Weg zu den Rebellen. Nur wieso hat er seinen Befehl missachtet? Wieso hat er sich gegen die gewandt, die ihm Sicherheit garantieren? Diese Fragen rotieren in Rinas Kopf, bis sie herausfindet, wer sich wirklich hinter der Uniform verbirgt.

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Copyright Bild und Klappentext: Mika M. Krüger
Preis:
 12,99 Euro
Format: Taschenbuch
ISBN: 978-3741869341

Erschienen: 22. November 2016
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„Freiheit gegen Sicherheit, das war das Versprechen der Verwaltung.“ (Seite 165)

Eine Insel, auf der alle Menschen in Sicherheit leben? Wo jeder seinen Nutzen hat, zufrieden ist, und dadurch die Kriminalitätsrate auf Null reduziert wird? Das soll möglich sein in Red-Mon-Stadt, einer Insel mitten im Meer. Hier leben die Menschen abgeschnitten vom Festland, das gefährlich und von Seuchen heimgesucht sein soll. Viele Menschen kommen voller Hoffnung nach Red-Mon-Stadt, und diejenigen, die ein Testverfahren bestehen und von Nutzen sind, dürfen bleiben. Was nach einer utopischen Lebenswelt klingt, ist in Wahrheit jedoch eine skrupellose Welt. Denn die Bewohner werden kontrolliert von einer Verwaltung, die die Medien und die Menschen nach ihrem Willen steuert.

Viele Elemente erinnern an reale Vorkommnisse der Vergangenheit und Gegenwart. Rassismus, Unterdrückung, Verfolgung von Minderheiten, Staatsgewalt und Widerstand, das sind alles bekannte Komponenten, die hier einen spannenden, futuristischen Mix ergeben. Hinzu kommen fantastische Elemente, wie die Lorca, eine Minderheit in der Bevölkerung, der nachgesagt wird, die gefährliche Seuche zu übertragen. Sie sollen ausnahmslos der Stadt verwiesen werden, doch in Wahrheit werden alle Lorca sowie Bewohner mit Status PON (Person ohne Nutzen) verfolgt und getötet. Mich hat die komplexe Story von Seite eins an in den Bann gezogen. Die Autorin wählte mit Red-Mon-Stadt ein interessantes Setting und würzte ihre Dystopie mit unerwarteten und cleveren Wendungen.

„Totenläufer: Silver Coin 203“ ist ein faszinierendes Katz und Maus Spiel, bei dem ich mir bis zum Ende nicht sicher sein konnte, wer welche Ziele verfolgt und wer zu wem hält. Was mich aber vor allem begeisterte, waren die Emotionen, die Mika M. Krüger transportieren konnte. Die Ängste, Sorgen und Hoffnungen ihrer Charaktere waren so greifbar, dass ich mich selbst mittendrin wähnte.

Charaktere


Ebenso komplex wie die Story sind auch die Charaktere. Rina ist eine Lorca, die ständig in Gefahr lebt, von der SDF, einer Spezialeinheit der Verwaltung, verfolgt und getötet zu werden. Jeder, dem sie sich bisher anschloss, wurde eliminiert, so dass sie immer wieder auf sich alleine gestellt ist. Dieses Schicksal hat sie zu einer Einzelgängerin gemacht. Ich konnte sofort eine Bindung zu Rina aufbauen, sie ist sympathisch und ihre Gedanken und Taten sind nachvollziehbar.

Als Protagonistin nehmen ihre Gedanken einen Großteil der Handlung ein, doch neben ihr gibt es noch weitere sehr differenzierte Charaktere. Allen voran Neel Talwar, der Totenläufer, und Tom, ein Mitglied der Rebellengruppe REKA. Beide entwickeln sich im Roman recht individuell und verfolgen vermehrt eigene Ziele. Weitestgehend waren diese Entwicklungen für mich vorhersehbar, doch das empfand ich nicht weiter als störend. Das lag daran, dass der Schwerpunkt meiner Meinung nach auf der eingehenden und ausgefeilten Darstellung der Charaktere lag – was sie antreibt, welche Gefühle sie verbergen oder unterdrücken und wie sie zueinander stehen. Dadurch entsteht innerhalb der an sich schon brisanten Story eine weitere starke Dynamik, die mir sehr gut gefiel.

Als Gegenspieler hat die Autorin mit Amanda eine skrupellose und eiskalte Figur geschaffen, die sich gut einfügt und mit Fortschreiten der Geschichte eine immer größere Rolle spielt. Amanda ist getrieben von dem Willen alles zu kontrollieren und zu leiten, dabei handelt sie intelligent und kompromisslos. Ich bin gespannt, wie sich ihr Charakter weiter entwickeln wird.

Schreibstil

„Die Verwaltung spielte mit den Menschen, ihren Hoffnungen und ihren Ängsten. Gezielte Manipulation, etwas anderes war das nicht.“ (Seite 328)


Der Schreibstil ist eingängig, so dass sich das Buch wunderbar lesen lässt. Ich war sehr positiv überrascht, wie pointiert Mika M. Krüger die Gefühle ihrer Charaktere mit wenigen Worten oder Beobachtungen zum Leben erwecken konnte. Auch die Stimmungen innerhalb der Stadt sowie innerhalb der Rebellengruppe werden gut transportiert. Dadurch wurde „Totenläufer“ zu einem Buch, das ich schwer aus der Hand legen konte. Vor allem ab der Mitte, wenn weitere Erzähler Rück- und Einblicke in ihre Gedankenwelt erlauben. Diese waren geschickt platziert, so dass die Story insgesamt an Komplexität gewann.

Fazit


Eine sehr spannende Dystopie mit einem äußerst kritischen Blick auf eine unterdrückte Gesellschaft mit fragwürdigen Strukturen. Mika M. Krüger greift historische und aktuelle Missstände auf und formt daraus eine beängstigende und beklemmende Zukunftsvision. Ich freue mich schon auf den Folgeband!

♥ ♥ ♥ ♥ 

Über Mika M. Krüger


Mika M. Krüger veröffentlicht seit 2012 Bücher und Kurzgeschichten in den Genres Krimi, Thriller und Dystopie. Ihre Geschichten sind düster-melancholisch und mit etwas Gesellschaftskritik gewürzt. Mika hat Japanologie und Deutsch als Fremdsprache im beschaulichen Halle studiert und sich während ihrer Studienzeit mehrmals nach Japan verirrt. Ein Land, das ihren Schreibstil und ihre Sicht auf die Welt stark beeinflusst hat. Wenn ihr Lust habt, euch auf ein Leseerlebnis abseits vom Mainstream einzulassen, seid ihr bei Mika richtig. Mehr Informationen findet ihr unter: www.dunkelfeder.com.
Hier gelangt ihr darüber hinaus zu einem kurzen Interview mit Mika auf meinem Blog.

Rezensionen anderer Blogger


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12 Gedanken zu “[Rezension] „Totenläufer: Silver Coin 203“ (Band 1) von Mika M. Krüger

  1. Pingback: Totenläufer - Mika M. Krüger ⋆ lohnt das Lesen

  2. Hallo Anna 🙂
    es freut mich so sehr, dass du dir den Totenläufer durchgelesen hast 🙂 es ist wirklich ein wunderbarer Roman, der so unglaublich viele Themen anspricht, die einen mitreißen. Wir können von Mika noch einiges erwarten 🙂
    Liebe Grüße
    Sarah

    Gefällt 1 Person

    • Ich glaube auch 🙂 Mika schreibt so toll! Vom Plot des Totenläufers ganz zu schweigen. Ich finde es vor allem ungeheuer spannend, da man als Leser wirklich gar keine Ahnung hat, in welche Richtung sich die Story weiterentwickeln wird. Es können so viele Wege eingeschlagen werden 🙂 Na toll, jetzt bin ich wieder ganz kribbelig und ungeduldig zu erfahren, wie es weitergehen wird 😉
      Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Autoreninterview Mika M. Krüger und Buchvorstellung „Totenläufer“ – Booknerds by Kerstin

  4. Pingback: {Rezension} Silver Coin 203 Band 1: Totenläufer von Mika M. Krüger - Tintenmeer

  5. Liebe Anna,

    vielen lieben Dank erstmal für das Verlinken meiner Rezension. Das hat mich wirklich sehr gefreut! 🙂 ❤

    Eine tolle, hilfreiche und ausführliche Rezension hast du da geschrieben, die es genau auf den Punkt trifft. Hut ab!

    Viele liebe Grüße und ich geh dann gleich mal ein bisschen stöbern… 😉

    Kristina

    Gefällt 1 Person

  6. Hat dies auf + Dunkelfeder + rebloggt und kommentierte:
    Anna von Buchstabenträumerei hat eine Rezension über mein Büchlein „Totenläufer“ veröffentlicht und ich war beim Lesen den Tränen nahe. Mit so einer guten Bewertung hätte ich nicht gerechnet. Wirklich erleichternd, zu sehen, dass meine Worte Anklang finden. Vielleicht habt ihr ja Zeit und Lust ihren Beitrag zu lesen, der mit sehr viel Herzblut geschrieben worden ist.

    Gefällt 1 Person

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