[Rezension] Nächstes Jahr am selben Tag von Colleen Hoover

Ich mag Colleen Hoover bis auf wenige Werke sehr gerne. Sie schreibt Young Adult Romane voller Unbeschwertheit und Feingefühl, vermischt mit ernsten Facetten, wie das Leben einem eben so mitspielen kann. Mich überzeugte sie mit „Love and Confess“ sowie allen darauffolgenden Romanen, nur „Weil ich Layken liebe“ traf zuvor nicht meinen Geschmack. Demnach hatte ich sicherlich die eine oder andere Erwartung an ihren neuen Roman „Nächstes Jahr am selben Tag“, den ich bei einer Bloggeraktion des dtv Verlags gewonnen hatte. Mit dieser Geschichte konnte sich Colleen Hoover jedoch leider nicht in mein Herz schreiben. Weshalb das so ist, erfahrt ihr in meiner Rezension.

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Nächstes Jahr am selben Tag

Ausgerechnet am Abend, bevor sie von Los Angeles nach New York zieht, lernen sie sich kennen: die 18-jährige Fallon, Tochter eines bekannten Filmschauspielers, und der gleichaltrige Ben, der davon träumt, Schriftsteller zu werden. Beide verlieben sich auf den ersten Blick ineinander und verbringen die Stunden vor dem Abflug zusammen. Doch wie soll es weitergehen? Wollen sie sich wirklich auf eine Fernbeziehung einlassen und ihren Alltag nur halbherzig leben? Um das zu verhindern, beschließen die beiden, sich die nächsten fünf Jahr jedes Jahr am selben Novembertag zu treffen, dazwischen jedoch auf jeglichen Kontakt zu verzichten. Und wer weiß, vielleicht, so die Hoffnung, klappt es am Ende der fünf Jahre ja mit einem Happyend.
Doch fünf Jahre sind eine lange Zeit – und so kommt ihnen trotz aller intensiven Gefühle, die bei jedem Treffen der beiden hochkochen, ganz einfach das Leben dazwischen …

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Verlag und Copyright: dtv Verlag
Preis:
 14.95 Euro
Format: Klappenbroschur
ISBN: 978-3-423-74025-8

Erschienen: 10. März 2017
Zur Verlagswebseite

„Irgendwann reißt er sich von mir los. ‚Fallon…‘ Seine Stimme klingt drängend. Ich öffne die Augen und sehe in seine. ‚Wir haben die gleichen Bücher gelesen. Du weißt, wo das alles hinsteuert. Wenn du willst, dass ich aufhöre oder langsamer mache, dann…'“ (Seite 186)

Kennt ihr diese Spiegelillusion, in der sich das eigene Spiegelbild in einem Spiegel spiegelt, das sich wiederum in einem Spiegel spiegelt, und so weiter? Ihr seht euch selbst in unendlicher Wiederholung und immer gleicher Erscheinung. So ähnlich fühlte sich für mich das Lesen der ersten Hälfte von „Nächstes Jahr am gleichen Tag“ an, nur dass sich die Protagonisten statt in Spiegeln in Romanfiguren aus Liebesromanen widerspiegeln. Fallon und Ben erleben ihre eigene Liebesgeschichte, richten diese aber an fiktiven Liebesgeschichten aus, so dass ich als Leser das Gefühl hatte, eine ständige Wiederholung von aus zig Büchern vertrauten Momenten zu erleben.

Dabei klang die Idee, dass Fallon und Ben ihr Kennenlernen und das Wiedersehen am selben Tag in fünf aufeinanderfolgenden Jahren als Vorlage für einen Roman nutzen, sehr süß. Es erinnert an „Before Sunrise“ oder „Zwei an einem Tag“. Schnell störte ich mich allerdings an den Vergleichen mit Protagonisten aus Liebesromanen, dem ständigen „im Buch würde XY jetzt dies und jenes machen“ oder „ich weiß, ich sollte eigentlich ein Macho-Typ sein, so wie in den Büchern, doch das bin ich eben nicht“. Positiv wäre es gewesen, hätte die Autorin auf dieser Basis bewusst mit einigen Klischees gebrochen, doch stattdessen lässt sie ihre Charaktere genau in jene Klischeefallen tappen, so dass sich ihr neuestes Werk in der ersten Hälfte durch keinerlei Besonderheit hervorheben kann.

Mir fehlte der Hoover-typische ernste Twist. Zwar haben beide mit Ereignissen aus ihrer Vergangenheit zu kämpfen und auch einige Narben davongetragen, doch diese für mich tragenden Elemente standen vor allem in den ersten zwei Dritteln immer etwas im Schatten der Liebesgeschichte, die fiktionale Perfektion anstrebt. Ich hatte das Gefühl, als wollte Colleen Hoover es mit „Nächstes Jahr am selben Tag“ ihrer Leserschaft recht machen und gezielt die junge, über Bücher bloggende Zielgruppe ansprechen. So sind Fallon beispielsweise Begriffe wie „SuB“ und „Insta-Love“ geläufig, und sie hat natürlich so gut wie alle Liebesromane der Genres Young und New Adult gelesen.

Lediglich das letzte Drittel konnte mich nochmal vollkommen überraschen und auch etwas mit dem Roman versöhnen. Hier fand Hoover wieder zu der von mir gewohnten Form zurück, die sie dazu befähigt, einen Young Adult Roman um interessante Hintergründe anzureichern, die dem Ganzen mehr Tiefe geben.

Schreibstil


Colleen Hoover schreibt wie gewohnt locker und schwungvoll, das ist einfach ihr „Ding“. Die Seiten rannen mir beim Lesen nur so durch die Finger, so dass ich das Buch in kürzester Zeit beendet hatte. Ich liebe ihr Gespür für amüsante Situationen und ihre Direktheit, mit der sie ihre Charaktere miteinander sprechen lässt. Sie lässt Fallon und Ben im Wechsel zu Wort kommen und schafft es mühelos, ihnen eine jeweils eigene Stimme zu geben. In dieser Hinsicht hat sie in „Nächstes Jahr am selben Tag“ vollkommen meine Erwartungen erfüllt.

Charaktere


Fallon und Ben sind die Protagonisten der Story und auch die einzigen wirklich detailliert ausgearbeiteten Charaktere. Alle anderen Nebencharaktere sind zwar ebenfalls gut entwickelt, doch treten sie viel zu selten in Erscheinung, als dass ich sie genauer wahrgenommen hätte. Das soll der Geschichte aber nicht zum Nachteil gereichen, denn Fallon und Ben sind sehr präsent und – ungeachtet der Story – so interessant und sympathisch angelegt, dass ich nichts und niemanden vermisste.

Mir gefiel vor allem gut, wie die Autorin die Entwicklung von Ben handhabte. Mit jedem Kapitel entfaltet sich sein Charakter mehr, konnte ich tiefer in seine Gedanken und Gefühle blicken, bis sich mir dann gegen Ende die volle Bandbreite offenbarte. Wo er anfangs vielleicht noch ein wenig zu perfekt war, zeigt er sich gegen Ende als vielschichtiger junger Mann, der ganz ähnlich wie Fallon seine eigene Tragödie erlebt hatte.

Fazit


Die Story von „Nächstes Jahr am selben Tag“ konnte mich leider nicht so überzeugen wie andere Romane von Colleen Hoover. Das liegt vor allem daran, dass Fallon und Ben ihre Beziehung bewusst wie einen Roman inszenieren und sich allzu sehr an Liebesromanen orientieren. Das hinterließ bei mir einen eher faden Beigeschmack. Das letzte Drittel konnte mich allerdings wieder mit dem Buch versöhnen, da ich darin den von mir geschätzten – und meiner Ansicht nach auch für die Autorin typischen – ernsten Ton wiederfand.

♥ ♥ ♥  

Über Colleen Hoover


Colleen Hoover stand mit ihrem Debüt ›Weil ich Layken liebe‹, das sie zunächst als eBook veröffentlichte, sofort auf der Bestsellerliste der ›New York Times‹. Mittlerweile hat sie auch in Deutschland die SPIEGEL-Bestsellerliste erobert. Mit ihren zahlreichen Romanen, die alle zu internationalen Megasellern wurden, verfügt Colleen Hoover weltweit über eine riesengroße Fangemeinde. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Texas.

Weitere Stimmen zum Buch


Romane von Colleen Hoover auf Buchstabenträumerei


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3 Gedanken zu “[Rezension] Nächstes Jahr am selben Tag von Colleen Hoover

  1. Pingback: Nächstes Jahr am selben Tag {Rezension}

  2. Ich lese deine Rezensionen wirklich sehr gerne. Auch wenn wir bei Büchern nicht immer einer Meinung sind (Der Kuss der Lüge) mag ich deine Sicht auf ein Buch immer wieder gerne lesen. Man merkt wirklich jeder Rezension die Mühe an, die du dir gibst. Du machst dir Gedanken und versuchst die Figuren zu ergründen. Genau so sehen (für mich) wirklich gute Rezensionen aus. Sorry, das musste einfach mal gesagt werden. ❤

    Bisher mochte ich nur ein Buch von ihr (It ends with us), aber vielleicht gebe ich diesem hier noch eine Chance.

    Gefällt 1 Person

    • So, nach einem Tag Home Office und Arztbesuch und Kind, komme ich endlich dazu deinen super lieben Kommentar zu beantworten ☺️ Wobei, eigentlich bin ich ja ein wenig sprachlos 😅 Allerdings kann ich das Kompliment nur zurückgeben! Dein Blog zählt zu denen, die ich am liebsten Besuche, und du zählst ganz klar zu den Bloggerinnen, mit denen ich mich am allerliebsten austausche 😊❤
      Im Grunde könnte dir das Buch hier von Colleen Hoover schon gefallen, denke ich. Es ist auf jeden Fall eine süße Geschichte.
      Liebe Grüße,
      Anna

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