Aus der Szene | LitBlog Convention 2017

Die diesjährige LitBlog Convention im Hause Bastei Lübbe in Köln war wirklich überwältigend. Am 10. Juni 2017 trafen zum zweiten Mal Blogger auf Autoren und Verlage aufeinander, um sich während der Bloggerkonferenz in Workshops auszutauschen und einen Einblick in die Verlags- und Autorenwelt zu erhalten. Mit dabei war in diesem Jahr erstmals der Schweizer Diogenes Verlag sowie die Kölner Verlage Bastei Lübbe, DuMont Kalenderverlag, Kiepenheuer & Witsch. Außerdem stellte sich der neu gegründete Verlag für Social Media Influencer vor: Community Editions. Ich war ziemlich gespannt, nachdem ich die LitBlog Convention 2016 zwar glücklich verließ, aber dennoch Luft nach oben witterte. Dieses Mal wurde ich sehr positiv überrascht – es war ein toller Tag, mit vielen tollen Menschen! Mehr dazu erfahrt ihr in meinem Beitrag.

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Die Vorfreude auf die LitBlog Convention begann bereits mehrere Tage vor dem eigentlichen Event. Denn Twitter sei Dank fanden sich einige wahnsinnig nette Blogger spontan zu einer Whatsapp-Gruppe zusammen: Nise von Kitsunebooks, Juliane von I am Jane, Julia von Literameer, Nanni von Fantasie und Träumerei, Svenja von Pan Tau Books, Franziska von Büchertatzen, Bianca von Literatouristin, Ingrid von Buchsichten, Jule von Jules Leseecke, Mara von Buzzaldrins Bücher, Markus von Literaturlounge, Meike von Zeilenfuchs, Michi von Bücherschmöker, Nicci von Trallafitibooks und Silvia von Leckere Kekse. Klar, dass wir uns schon frühzeitig wie verrückt austauschten und immer zappeliger wurden. Vor Ort wurde es nicht besser, vor allem nicht, als ich zusätzlich die liebe Eva von Schreibtrieb traf – Autorin, Bloggerin und Mutter, mit der ich schon lange online Kontakt habe.

Der Buchumschlag – eine Frage des Geschmacks?


Julia Krumhauer von Kiepenheuer & Witsch zeigt, wie Bücher auch ohne Worte sagen können, welche Art Geschichten sie uns zwischen ihren Buchdeckeln erzählen.

Der erste Workshop war direkt ein Volltreffer. Julia Krumhauer zeigte uns nicht nur Cover von bereits erschienenen Büchern, sondern auch Buchentwürfe, die nicht gezeigt werden dürfen. Daher habe ich hier vorsichtshalber keine Fotos gemacht und mich lieber auf den Vortrag konzentriert. Es gibt Studien, die belegen, dass Cover kaufentscheidend sind, daher ist es umso wichtiger, dass ein Cover eindeutig ist, dem Leser aber gleichzeitig Spielraum für die eigene Fantasie lässt. Es soll neugierig machen und überraschen.

Um das zu erreichen, muss Julia an viele Details denken: Bild und Typo müssen stimmig sein, außerdem muss das Motiv auch im kleineren eBook-Format wirken. Überhaupt ist Typo enorm spannend, da bestimmte Schriften Aufschluss über das Genre geben – wie zum Beispiel Sachbuch oder Krimi. Bei Destinationskrimis ist darüber hinaus höchste Authentizität wichtig, es muss der Ort gezeigt werden, in dem die Geschichte spielt. Es kann natürlich immer mal wieder vorkommen, dass ein Cover nicht funktioniert und den Leser irritiert. Ist das der Fall, wird ein Buch unter Umständen neu aufgelegt. Die wichtigsten Kriterien, die ein Cover zu einem guten Cover machen sind dabei stets: hochwertiges Material und eine hochwertige Produktion.

Wie funktioniert Cover-Gestaltung?
Erst stehen Titel und Untertitel, denn das ist für den Grafiker wichtig. Dann wird ein Blick auf das amerikanische Original geworfen. Überzeugt das auch? Falls ja, werden diese Rechte gekauft und für die deutsche Ausgabe genutzt. Oft werden auch noch andere Auslandsausgaben zurate gezogen. Anschließend gehen die Formatdaten und Referenztitel an den Grafiker, der bis zu 15 verschiedene Entwürfe anfertigt. Nun wird diskutiert, Favoriten werden auserkoren und dem Autor vorgestellt, denn dieser hat bei Kiepenheuer & Witsch Mitspracherecht. Überhaupt steht die Zusammenarbeit mit dem Autor sehr im Vordergrund, erreicht ein Buch zum Beispiel die 100.000er Verkaufsmarke, wird exklusiv für den Autor eine Sonderausgabe in Gold produziert, die er bei einem Empfang mit Rede und Sekt überreicht. Eine süße Geste.

Blackbox Herstellung: Content rein, Buch raus – wie geht das?


Hanne Mandik von Kiepenheuer & Witsch entführt in die Welt der schönen Bücher und zeigt, wie spannend und kreativ der Produktionsprozess eines Buches ist.

Hanne Mandik entführte uns anschließend in die Welt der Bücherproduktion. Zuerst werden Termine jongliert: Bücher müssen bei der Druckerei eingeplant werden, sobald die Manuskripte vorliegen. Zusätzlich muss bedacht werden, dass es zwei Wochen dauert, bis Auslieferer alle Bücher an die Buchhandlungen verteilt haben. An diesen Rahmenbedingungen orientieren sich Manuskriptabgabe, Druckdatentermin und der Termin für die Druckerei an die Auslieferung.

Dann geht es an die Produktion. Und was es dabei nicht alles zu beachten gibt – Layout, Schriftart, Abstände, Spalten, Lesebändchen, Papier! Dann folgen Andrucke, um zu sehen, ob die Idee funktioniert. Hanne Mandik brachte mehrere Bücher mit, um uns praxisnah zu zeigen, welche Herausforderung zum Beispiel Sonderfarben mit Struktur darstellen. Davon durften wir uns mit einer speziellen Lupe selbst überzeugen und den Farbdruck eines Buches anschauen. Auch beim Einband gibt es unendlich viele Variationsmöglichkeiten, wie zum Beispiel die Verwendung von Nachleuchtfarben, die Bücher nachts im Bücherregal leuchten lassen! Dieser Workshop war ein richtiges Highlight.

Das Zusammenspiel von Büchern, Hashtags & Social Media


Die Influencerin Sarah Liz gibt Tipps, wie man die Bücher- und Online-Welt durch eine sinnvolle Social-Media-Strategie vernetzen kann.

Dieser Workshop hielt meiner Meinung nach leider nicht das, was er versprach. Ich erhoffte mir eine echte Strategie mit wertvollen Tipps für die Nutzung von Social Media als Blogger oder Autor. Gerne auch mit Einblick, wie Verlage das Medium für sich nutzen. Doch stattdessen präsentierte Sarah Liz sich selbst sowie Videos von YouTubern und auch ihre fünf Tipps beinhalteten keine neuen Erkenntnisse: Kenne deine Plattform, Authentizität & Nahbarkeit, Kommunikation & Interaktion, Positionierung & Wiedererkennung, Reichweite generieren.

Shida Bazyar und der „Das Debüt-Bloggerpreis“


Mit der ersten Preisträgerin, der Autorin Shida Bazyar („Nachts ist es leise in Teheran“) und Bozena A. Badura (das-debuet.com). (Kiepenheuer & Witsch)

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Dafür ging es anschließend wieder umso schöner auf der Dachterrasse weiter. Im Sonnenschein war dieser stille Ort ein richtiges kleines Paradies. Ich könnte mir keinen schöneren Arbeitsplatz vorstellen. In einem Nebenraum auf der Terrasse erfuhren wir mehr über den Bloggerpreis „Das Debüt„, der im Jahr 2016 erstmals verliehen wurde. Hierbei entscheidet eine Bloggerjury, welches Buch einer Shortlist das Gewinnerbuch sein soll. Auf der Webseite heißt es:

Blogger, die als ein Jurymitglied über das beste Romandebüt des Jahres abstimmen wollen, können sich ab sofort formlos noch bis zum 1. Oktober 2017 per E-Mail unter bloggerpreis@dasdebuet.de anmelden. Teilnehmen können alle Blogger, deren Blog seit mindestens einem Jahr besteht und die dort regelmäßig literaturspezifische Beiträge veröffentlichen.

Die Gewinnerin von 2016, Shida Bazyar, Autorin von „Nachts ist es leise in Teheran“ (übrigens ein wunderschön gestaltetes Cover), stellte ihr Buch vor und las einen Auszug. Es herrschte vollkommene Stille im Raum, denn die faszinierende Sprache zieht einen in seinen Bann. Daraufhin folgte eine Fragerunde. Wie habe sich ihr Leben verändert? „Ganz schön krass auf jeden Fall,“ so die sympathische Autorin. Vor Erscheinen des Buches hätte sie sich eher als Autorin gesehen, denn da saß sie und schrieb. Jetzt sei sie mehr unterwegs, um ihr Buch vorzustellen. Dabei käme es aber zu vielen schönen Begegnungen mit Autoren und Lesern. „Mir hat sich erschlossen, was die Welt der Literatur kann und wie sie funktioniert.“ Und ob sie auch Rezensionen liest? „Ja, ich bin viel zu neugierig. Ich könnte die nicht nicht lesen,“ antwortet sie lachend. Blogs seien für sie aber noch eine ziemlich neue Sache, obwohl sie in letzter Zeit aber stärker darauf zurückgreift. Dort habe sie auch die erste Resonanz zu „Nachts ist es leise in Teheran“ entdeckt, was sie erstaunte und freute: „Wie cool, es gibt Leute da draußen, die haben mein Buch auf dem Schirm.“

100 Bookshops around the world


Der Buchhändler Torsten Woywod erzählt von seiner außergewöhnlichen Reise. (DuMont Kalenderverlag)

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Die Geschichte von Torsten Woywod ist wirklich eine ganz besondere. Sie entstand aus dem schlichten Wunsch, die Welt in Buchhandlungen zu bereisen, eine Buch-Weltreise zu unternehmen. Sein Wunsch wurde Wirklichkeit, als er ein Angebot bekam, Buchhandlungen in Europa zu besuchen und darüber zu berichten. Gesagt, getan. Er nahm seinen kompletten Jahresurlaub am Stück und ließ sich treiben. „Das ist komplett mein Ding,“ dachte er noch – und dann ist daraus viel mehr geworden als ursprünglich beabsichtigt, nämlich wirklich und wahrhaftig eine Buch-Reise um die ganze Welt, festgehalten in Wort und Bild für den Dumont Kalenderverlag.

Torsten Woywod zeigte uns Bilder seiner Reise und von den wahrhaftig schönsten Buchhandlungen, die ich je gesehen habe. Zwölf Länder und über 60 Buchhandlungen allein in Europa, unter anderem Maastricht, Porto und Venedig. Von seiner Weltreise begeisterten vor allem das Book and Bed Tokyo und der Buchladen, der jede Woche nur ein Buch zeigt. Ein weiteres Highlight war die größte Outdoor-Buchhandlung der Welt. Mehr bedurfte es auch eigentlich nicht, um uns Buchmenschen zu begeistern und sein Kommentar, er hätte nach Ladenschluss in einer dieser Buchhandlungen bleiben dürfen, entlockte uns einen kollektiven, sehnsuchtsvollen Seufzer.

Deutsche Buchhandlungen unterstützen
Zum Abschluss seines Workshops startete er einen Aufruf, die „Buchhandels-Bekenntnis“ zur Unterstützung des deutschen Buchhandels: Was macht die Faszination einer guten Buchhandlung für dich aus? Welche Eigenschaft deiner Lieblingsbuchhandlung weißt du besonders zu schätzen? Die Antwort kann jeder per Mail an torsten.woywod@gmx.de oder via Facebook an facebook.com/bookshops.around.the.world schicken.

Fazit


Die LitBlog Convention 2017 war ein großartiges Erlebnis und ich bin so dankbar für die Organisatoren, Mitwirkenden, Sponsoren und Unterstützer, die dieses Event erneut möglich gemacht haben! Liebe Verlage Bastei Lübbe, DuMont Kalenderverlag, Diogenes und Kiepenheuer & Witsch – ich freue mich auf 2018 und auf ein erneutes Wiedersehen.

Weitere Blogger-Berichte zur LitBlog Convention 2017


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28 Gedanken zu “Aus der Szene | LitBlog Convention 2017

  1. Pingback: Die Zukunft ist das Bewegtbild – das war die LitBlog Convention 2017 | bücherschmöker

  2. Liebe Anna,

    Es war eine besondere Freude, dich endlich zu treffen. Ein toller Beitrag, der wirklich Lust auf mehr macht. Jetzt bin ich gleichzeitig neidisch aus die Sessions, in denen ich nicht auch war und habe das Gefühl, dennoch einiges daraus mitnehmen zu können. Danke dir 😘

    LG
    Eva

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  3. Ein richtig schöner Bericht!
    Schade, dass ich nicht mit bei Shida Bazyar war, da habe ich scheinbar echt was verpasst.
    Saskia hatte schon an dem Samstag nach dem Panel total davon geschwärmt.
    Das Buch habe ich direkt mal auf die WuLi gepackt
    Danke auch fürs Verlinken! Es war wirklich toll dich kennengelernt zu haben!

    Liebe Grüße,
    Nicci

    Gefällt 1 Person

    • Danke, Nicci 🙂
      ja, Shida Bazyar war eine ganz tolle Überraschung. Ich kannte sie gar nicht, war aber neugierig auf das Buch – dass sie so sympathisch ist, hatte ich nicht erwartet. Und dass die Textpassage so toll sein würde auch nicht 🙂 Ein tolles Erlebnis.
      Ich habe mich auch sehr über das Kennenlernen gefreut! Bis demnächst!
      Liebe Grüße,
      Anna

      Gefällt 1 Person

  4. Pingback: LitBlogCon 2017 - Ein Sonnentag in Köln - ~Schreibtrieb~

  5. Pingback: Rückblick auf die LitBlogCon 2017 #lbc17 – BücherKaterTee

  6. Liebe Anna,

    ein schöner Beitrag. Die Session mit Shida Bazyar klingt richtig toll. Schade, dass ich nicht dort gewesen bin. Aber bei solch einem tollen Programm kann man einfach nicht alles mitbekommen.
    Schön, dass wir uns kennengelernt haben 🙂 und vielen Dank für’s Verlinken.

    Liebe Grüße
    Nanni

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  7. Pingback: Blogger Meet & Greet: Die LitBlog Convention 2017 – Pan Tau Books

  8. Ein total interessanter Bericht. Sehr schade, dass ich nicht auch da war. 🙂 Die Vorträge klingen sehr spannend – und zum Social Media Vortrag: Ich glaub, dass es da gar nicht so viele Geheimtipps zum Präsentieren gibt. 😉

    LG Myriam

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  9. Pingback: Die LitBlog Convention 2017 – Was habe ich erlebt? – Sinas Geschichten

  10. So ein toller und ausführlicher Beitrag!
    Das freut mich ungemein, da ich alle Workshops/Vorträge, die du besucht hast (außer dem von Sarah Liz) verpasst habe!
    Ich habe den Fehler gemacht und war so im Moment, dass ich vollkommen vergessen habe Fotos zu schießen 😀 Naja, da weiß ich nächstes Jahr worauf ich achten muss 😉
    LG Sina

    Gefällt 1 Person

    • Danke, liebe Sina!
      Deine Workshops habe ich dafür verpasst – wir sind quitt 😄 Letztes Jahr hatte ich auch kaum Fotos gemacht, ich vergesse das nämlich auch nur zu gerne 😉 Dieses Jahr war ich also schon gewappnet. Und wie ich raushöre sehen wir uns dann nächstes Jahr? Ich freue mich!
      Liebe Grüße,
      Anna

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  11. Liebe Anna,

    toller und ausführlicher Bericht! Ich finde es immer schön so noch einmal aus einem anderen Blickwinkel das erlebte Revue passieren lassen zu können.

    Ich fand es auch sehr schön, dass wir uns alle kennengelernt haben.

    Liebe Grüße
    Julia

    Gefällt 1 Person

    • Hey Julia,

      das Kennenlernen war im Grunde das allerbeste 😄 Habt ihr den Abend noch schön verbracht? Ich war fix und fertig als ich zu Hause war 😅 Werde mir deinen Bericht nachher zu Gemüte führen, freu mich schon!

      Liebste Grüße,
      Anna

      Gefällt mir

  12. Liebe Anna,
    das hört sich ja nach einem rundum gelungenen Tag an. 🙂 Deinen Bericht hast du auch sehr schön geschrieben und so stimmungsvolle Bilder gemacht. So bekomme ich einen guten Eindruck von der LBC, auch wenn ich nicht live dabei sein konnte. Also, danke schön für diesen tollen Beitrag! 🙂
    Herzliche Grüße
    Tina

    Gefällt 1 Person

  13. Hach, da wird man richtig wehmütig! Schade, dass es gestern so schnell vorbei ging 🙂 Hoffentlich gibt es nächstes Jahr wieder eine LitBlogCon!

    Es war toll dich kennenzulernen ❤︎

    Liebe Grüße
    Juliane

    Gefällt 1 Person

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