Sturm auf Amber – Väter und Söhne von Thea Perleth | Rezension

Fast wäre die High Fantasy Romanreihe von Thea Perleth an mir vorbeigegangen – hätte mich nicht die Autorin quasi mit der Nase darauf gestoßen. Vielen Dank nochmal, liebe Thea! In Sturm auf Amber geht es um den Kampf der Insel Amber um die Freiheit, um Magie und um die Unausweichlichkeit des Krieges. Immer angelehnt an tatsächliche Begebenheiten, wie zum Beispiel die Wikingerzeit und die Besiedlung Islands. Diesen Bezug zur realen Historie spürt man deutlich, denn schon lange habe ich keinen High Fantasy Roman mehr gelesen, der derart realistisch wirkte und mich gleichzeitig in eine unbekannte Welt entführte. Mehr zum Roman erfahrt ihr in meiner Rezension.

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Zu „Sturm auf Amber“ hatte ich sehr gemischte Stimmen gehört. Manche bemängelten, dass die Charaktere zu blass seien, der Schreibstil zu ausschweifend und es sei schwer, den Überblick zu behalten. Viel häufiger gab es jedoch überschwängliche und positive Stimmen, denen ich mich absolut anschließen muss. Für mich ist „Sturm auf Amber – Väter und Söhne“ ein sehr gelungener Auftakt einer High Fantasy Reihe.

Die Charaktere sind alles andere als blass, im Gegenteil. Ich habe jeden Charakter als enorm gut ausgestaltet wahrgenommen. Angefangen bei Ilari, dem Nordländer, der nach Amber geschickt wird, um sich dort einen Überblick über die Gepflogenheiten zu verschaffen. Vom ersten Moment an konnte ich mich in ihn einfühlen und sah ihn regelrecht vor mir. Ebenso erging es mir mit allen anderen, sogar mit den „Bösewichten“ der Geschichte. Sie sind nicht nur schlicht die Antagonisten, sondern sie bringen ihre ganz eigene Gedankenwelt mit, in die Thea Perleth dem Leser Einblick gewährt.

Das Neue ist ungewohnt, aber nicht immer falsch. So wie das Alte auf Dauer nur Rechthaberei und Ablehnung zulässt. Und manchmal steckt in einer fremden Hülle ein bekannter Geist. Begreift es, ihr seid die neue Welt und ihr habt es in den Händen, die Veränderungen sinnvoll zu gestalten. (Seite 371)

Der Schreibstil ist ausschweifend, ja, da kann ich den kritischen Stimmen nur beipflichten. Doch wir bewegen uns im Genre High Fantasy und da gehört dieser Schreibstil ebenso dazu wie Landkarten und Personenregister, finde ich. Wäre die Sprache weniger ausschweifend gewesen, ich wäre enttäuscht gewesen. Doch so werden die Konflikte weit ausholend erläutert, sowohl die der Völker untereinander, als auch die inneren Konflikte, die die Charaktere mit sich austragen. Vor allem aber gibt es nicht nur die eine Seite der Medaille. Während im ersten Teil noch die Sicht Ilaris, der sich auf die Seite Ambers geschlagen hat, die Geschichte beherrscht und die Nordmänner als kaltblütige Barbaren geschildert werden, nimmt der zweite Teil einen anderen Blickwinkel ein. Ilaris Onkel, der Raubzügen in Amber nicht abgeneigt ist, erzählt – und seine Sicht der Welt hat auch, zumindest subjektiv gesehen, seine Berechtigung.

So ist es nicht nur Schwarz und Weiß, was in Amber geschieht, sondern geprägt durch viele Grauzonen. Alle Charaktere und Völker haben ihre eigene Motivation, die manchmal ehrbar und richtig ist und manchmal nicht, und diese werden im ersten Band ausgiebig beleuchtet. Diese Ausführlichkeit macht die Konflikte der Länder sehr nachvollziehbar und vor allem spannend. Insbesondere im letzten Drittel spitzen sich die Ereignisse enorm zu, magische Elemente kommen hinzu, so dass ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte.

Was mir besonders gut gefiel, waren die zwar sehr nüchtern geschilderten, dafür aber bis ins kleinste Detail durchdachten Emotionen, Gedankengänge und Handlungsmotive. Dadurch wurden die Charaktere sehr plastisch und lebendig. Auch wirkt die Geschichte nie langatmig, teils geschieht sogar sehr viel innerhalb weniger Zeilen. Man sollte also nicht über die Zeilen zu fliegen, da einem sonst grundlegende Entwicklungen entgehen.

Fazit

„Sturm auf Amber – Väter und Söhne“ ist ein Auftakt einer High Fantasy Romanreihe, die alles bietet, was ich mir von dem Genre erhoffe. Fremde Länder und Völker, Konflikte und Intrigen, Bösewichte und Helden, ein Hauch Magie und eine Ahnung von Liebe. Ich kann das Werk von Thea Perleth nur jedem ans Herz legen, der dieses Genre mag.

♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Sturm auf Amber – Väter und Söhne

Die Insel Amber droht in einem blutigen Konflikt mit ihren Nachbarländern zu versinken; die Situation scheint hoffnungslos, da sich alle alten Verbündeten des Landes von ihnen abgewandt haben. Mitten hinein in diesen Konflikt gerät der junge Nordländer Ilari Thorbjörnson, der als Botschafter seines Königs zu König Bornwulf von Dinora in dessen goldene Stadt Tamweld geschickt wird. Am Hof des Königs hat Ilari, herausgerissen aus seiner Welt, vor allem mit den Vorurteilen und der Ablehnung der Bevölkerung zu kämpfen, findet aber auch treue Freunde und Verbündete.

Als sich die Situation weiter zuspitzt muss Ilari mit seinem bestem Freund Oskar Ashby, einem nordländischen Bastard, und Leana Paeford, der Tochter König Bornwulfs, in das verwunschene Land Konbrogi fliehen, dessen Grenzen von den geheimnisvollen magischen Fürsten der Nebelländer bewacht werden und ersucht diese um Hilfe. Das Schicksal Ambers, und damit das der Nebelländer und aller anderen friedlichen Völker, hängt nun von Ilari ab und von der Bereitschaft der Fürsten, an der Seite ihrer alten Verbündeten um den Frieden auf der Welt zu kämpfen.

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Verlag und Copyright: CreateSpace Independent Publishing Platform
Preis:
 13.99 Euro
Format: Taschenbuch
ISBN: 978-1534783911
Erschienen: 3. Juli 2016
Zur Webseite

Über Thea Perleth


[…] Ich wollte ein Buch schreiben über die Besiedlung Islands, der aufregenden Landnahmezeit am Ende des neunten Jahrhunderts und über den Aufbau einer skandinavischen Demokratie. Ich war aber ebenso fasziniert von der turbulenten Wikingerzeit auf England. Die Dänen plünderten, mordeten und siedelten an der Küste und im Osten Englands. Sie waren für zahlreiche Städtegründungen wie zum Beispiel York verantwortlich. […]

Mehr über Thea Perleth und ihr Projekt unter www.nebellaender.de.

Stimmen anderer Blogger


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10 Gedanken zu “Sturm auf Amber – Väter und Söhne von Thea Perleth | Rezension

  1. Hej hej.

    Ich bin ja ein groooßer Island Fan und kenne natürlich die Geschichte, die auf Island allgegenwärtig ist und von den Isländern sehr gepflegt wird.
    Es war eine spannende aber extrem grausame Zeit, geprägt von viel Gewalt.
    In wohl keinem anderen Land ist der Stammbaum der Bürger so nachvollziehbar, wie in Island. Auch spricht man dort heute noch immer die alte Sprache der Wikinger. So dass die Isländer noch immer die Wikinger Schriften lesen können.
    Island ist heute wie damals etwas sehr Besonderes!

    Ein Roman über diese Zeit muss echt spannend sein. Auch wenn die Geschichte nicht der Realität entspricht, kann man wohl das Feeling von damals mit dem Buch erleben… 😊

    Mich würde interessieren, warum Thea gerade die Landnahmezeit der Wikinger auf Island ausgewählt hat 🤔

    Schade, mir sind die Bücher zu dick, ich habe zu wenig Zeit, sie in Ruhe zu lesen 😒

    LG Andreas

    Gefällt 1 Person

    • Hi Andreas,

      ich bin auch ein riesiger Island-Fan! Ich war noch nie dort, aber meine Eltern lebten eine Zeit lang auf der Insel und erzählten sehr viel davon. Eine faszinierende Geschichte, Landschaft und Kultur. Wie ich sehe, weiß ich aber trotzdem noch viel zu wenig! Man spricht noch immer die Sprache der Wikinger? Unglaublich. Ja, sie pflegen ihre Vergangenheit ganz anders als wir, denke ich.

      Ich freue mich darauf, wenn ich in der Reihe den Schwerpunkt mit Island erreicht habe. Aber auch im ersten Band erinnern viele Elemente an die Geschichte Islands.

      Eine Antwort auf deine Frage findest du vielleicht auf der Webseite von Thea Perleth www. nebellaender.de 🙂

      Liebe Grüße,
      Anna

      P.S.: Zu dicke Bücher gibt es nicht! 😉 🙂

      Gefällt 1 Person

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