Die Fabelmacht-Chroniken. Flammende Zeichen von Kathrin Lange | Rezension

Paris und eine geheimnisvolle Gabe, Bücher und Magie, Abenteuer und Liebe.  

Kathrin Lange wusste mich mit ihrer Herz-Trilogie zu begeistern. Ich liebe die darin eingefangene düstere Atmosphäre, das niemals nachlassende unterschwellige Empfinden von Gefahr und den Einschlag ins Übersinnliche. Ein ähnlich intensives Leseerlebnis erhoffte ich mir von ihrer neuen Reihe, „Die Fabelmacht Chroniken“. Eine Erzählung über ein Mädchen, das mit ihren Geschichten die Wirklichkeit schreibt und diese mit ihren Worten verändern kann. Die über einen Jungen schrieb, der ihr in Paris wahrhaftig begegnet: Ist er ihren Geschichten entsprungen? Und warum schreibt er auch über sie? Ich war begeistert von der Grundidee, allerdings konnte Kathrin Lange dieses Mal nicht ganz meine Erwartungen erfüllen.

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Einerseits liegt es sicherlich daran, dass sich „Flammende Zeichen“ hauptsächlich an ein jüngeres Publikum richtet. Es ist alles da, was eine gute Geschichte braucht, doch mir war es zu wenig. Ich möchte interessante Charaktere kennenlernen und die Welt, in der sie Leben, erfahren können. In dieser Hinsicht hat die Autorin für meinen Geschmack nicht tief genug gegraben.

Mila lernen wir im Zug nach Paris kennen, wo sie nach einem Streit mit ihrer Mutter eine Freundin besuchen möchte. Sie gibt wenig von sich preis und so bleibt ihre Vergangenheit, ihr Alltag und das, was sie letztendlich ausmacht, etwas im Schatten. Stattdessen wird die Handlung vorangetrieben und Mila stolpert von einer seltsamen Situation in die nächste.

Sie trifft auf Nicholas, den sie als den Jungen aus ihren Geschichten wiedererkennt. In ihn hat sie sich schon tausendfach verliebt – allerdings nur Schwarz auf Weiß auf einem Blatt Papier. Nicholas bleibt ähnlich blass als Charakter, obwohl sich schon früh andeutet, dass er etwas getan hat, wodurch sein ganzes Umfeld in Aufruhr geriet und seine Familie leiden muss. Im Laufe des Buches erfährt man immer mehr darüber, allerdings nicht genug, finde ich, um wirkliche Nähe entstehen lassen zu können.

Überhaupt werden entscheidende Details nicht verraten. Eine Tatsache, die mich über weite Strecken der Handlung ziemlich gereizt hat. Mila stellt Fragen, doch die Antworten sind entweder ausweichend oder bleiben ganz aus. Setzt doch jemand an, einen Umstand zu erklären, kommt es zu einer Unterbrechung. Ab einem gewissen Punkt wirkte das auf mich zu künstlich. Der Spannungsbogen kann nicht allein dadurch aufrecht gehalten werden, dass ein Detail nicht verraten wird, obwohl es gefühlte 1.000 Gelegenheiten dazu gab.

In den letzten Stunden war mehr passiert, als gewöhnlich in ein ganzes Leben passte. Und offenbar auch sehr viel mehr, als ihrer bisherigen Meinung nach zwischen Himmel und Erde gepasst hätte. (Seite 141)

Mila gibt sich viel zu leicht mit unvollständigen Informationen zufrieden, obwohl sie in ein Abenteuer stürzt, das sie sich nicht auch nur ansatzweise erklären kann. Ich würde Antworten einfordern! Insgesamt macht das Mila zu einem sehr passiven Charakter, zu einem Spielball dieser geheimnisvollen Fabelmacht, zu jemandem, der niemals nachhakt und kaum die Initiative ergreift.

Ein weitaus interessanterer Charakter als Nicholas und Mila ist Eric, ein Dieb, auf den sie am Bahnhof trifft. Er fühlt sich von ihr angezogen und hilft ihr in einer Notlage. Fortan weicht er ihr nicht mehr von der Seite und setzt sogar sein Leben für sie aufs Spiel. Das fand ich zwar absolut nicht plausibel, schließlich kennt er Mila kaum länger als einen Tag, dennoch mochte ich ihn. Er hält sich zwar ebenfalls bedeckt, was seine Vergangenheit betrifft, doch er wirkt insgesamt als Charakter runder, vollständiger. Auf seine Entwicklung im zweiten Band bin ich unendlich gespannt. Wer hier eine Dreiecksgeschichte vermutet, den kann ich übrigens beruhigen. Mila ist sich von Anfang an im Klaren über ihre Gefühle.

„Jedes Buch, das jemand schreibt, erschafft nach ihrer Vorstellung ein neues Universum. […] Und jeder Leser, der das Buch liest, erschafft mit seiner Vorstellung ein weiteres.“ (Seite 272)

Die Idee der Fabelmacht hat Kathrin Lange allerdings hervorragend umgesetzt. Sowohl an Ideenreichtum, Komplexität und Spannung ist in Band 1 alles drin, was man von einem Fantasy-Jugendbuch erwarten kann. Und auch die Entwicklung des Plots am Ende hat mich sehr überzeugt, denn „Die Fabelmacht Chroniken“ entwickelt sich ganz anders als erwartet. Das lässt mich über die genannten Schwächen hinwegblicken und Band 2 ist ein Muss.

Fazit

„Die Fabelmacht Chroniken. Flammende Zeichen“ ist ein Reihenauftakt, der mich nicht vollständig überzeugen konnte. Die Charaktere waren mir bis auf wenige Ausnahmen zu blass und unnahbar, die Spannung wurde bisweilen zu künstlich aufrechterhalten. DOCH im letzten Drittel gewinnt der erste Band an Fahrt und eine unerwartete Entwicklung lässt auf einen weit, weit besseren zweiten Band hoffen.

♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Die Fabelmacht-Chroniken. Flammende Zeichen

Glaubt Mila an Liebe auf den ersten Blick? Im Zug nach Paris trifft sie einen alten Mann, der ihr diese Frage stellt. Mila ahnt noch nicht, was er längst weiß: Paris wird in ihr eine uralte Fähigkeit wecken. Eine Gabe, mit der sie in ihren Geschichten die Wirklichkeit umschreiben kann. Und tatsächlich, als sie am Bahnhof auf den geheimnisvollen Nicholas trifft, scheint er direkt ihren Geschichten entsprungen. Doch auch Nicholas beherrscht die Gabe der Fabelmacht – und er hat ebenfalls über Mila geschrieben. Ein Kampf der Geschichten um die einzig wahre Liebe entbrennt. Und Mila und Nicholas sind mitten drin.

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Verlag und Copyright: Arena Verlag

Preis:
 18.00 Euro
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-401-60339-1
Erschienen: 19. Juli 2017
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Über Kathrin Lange


Kathrin Lange wurde 1969 in Goslar am Harz geboren. Obwohl sie sich beruflich der Hundestaffel der Polizei anschließen wollte, siegte am Ende ihre Liebe zu Büchern, und sie wurde zuerst Buchhändlerin und dann Schriftstellerin. Heute ist sie Mitglied bei den International Thriller Writers und schreibt sehr erfolgreich Romane für Erwachsene und Jugendliche. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen in einem kleinen Dorf bei Hildesheim in Niedersachsen.

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4 Gedanken zu “Die Fabelmacht-Chroniken. Flammende Zeichen von Kathrin Lange | Rezension

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