Nevernight – Die Prüfung von Jay Kristoff | Rezension

Brutal und unerbittlich. Kämpferisch und mit knallharter Protagonistin. 

Viele lieben Jay Kristoff und „Nevernight“. Und ich kann das verstehen, absolut. Eine knallharte (wie heißt es so treffend: bad ass) Protagonistin, eine faszinierende Welt, ein wenig Liebe und unerwartete Wendungen. Doch für mich war die Geschichte leider nicht ganz das richtige. Ich erwartete eine spannende Fantasy-Geschichte, reich ausgeschmückt mit Details und Historie zu einer unbekannten Welt. Das bekam ich zwar, dennoch gibt es einige Dinge, die mir an „Nevernight“ nicht gefallen haben.

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Die Geschichte ist klassisch aufgebaut. Mia erlebt Schreckliches in ihrer Kindheit, sie verliert Mutter und Vater und findet beim Antiquitätenhändler Mercurio ein neues Zuhause. Dieser bildet sie für eine Zukunft im Assassinenorden die „Rote Kirche“ aus, damit sie sich ihren sehnlichsten Wunsch erfüllen kann, nämlich ihre Familie zu rächen und die Schuldigen am Tod ihres Vaters zu töten. Sie begibt sich auf die Reise, begegnet Herausforderungen und Gefahren, knüpft Freundschaften und muss am Ende eine Aufnahmeprüfung ablegen. Ich liebe Heldengeschichten dieser Art, ich fiebere mit, ich leide mit und freue mich am Ende mit den Protagonisten über errungene Siege.

Erzählt wird „Nevernight“ von einem Erzähler, der nicht nur Situationen, Gespräche und Emotionen schildert, sondern der sich selbst häufig mit seiner Meinung einschaltet. Dies geschieht in Form von Fußnoten, was ich an sich sehr spannend finde, allerdings brachte mich dies hier immer wieder extrem aus dem Lesefluss. Nach einigen Seiten überflog ich sie nur noch, nach dem ersten Drittel las ich sie gar nicht mehr. Das ist ganz sicher Geschmackssache, mich störte es. Ebenfalls Geschmackssache sind der Schreibstil und der Humor. Letzterer gefiel mir grundsätzlich gut (der Wortwitz, der Sarkasmus!), doch er stellte sich mir zu sehr in den Vordergrund. Dadurch bekam ich das Gefühl, der Erzähler wolle sich und seine Charaktere darstellen und allzu oft lag mir ein genervtes „Ich habe es verstanden, ihr seid alle unglaublich witzig“ auf der Zunge.

It’s quite a thing, to watch a person slip from the potential of life into the finality of death. It’s another thing entirely to be the one who pushed. (Seite 21)

Einen Kontrast zu Wortspiel und Co. bilden die Kampfszenen, die es in „Nevernight“ zur Genüge gibt. Blutig, brutal, erbarmungslos, direkt und dreckig. Ich bin nicht die härteste im Nehmen und mir wurde es zu unangenehm. Ich bin folglich nicht bad ass genug, um Kämpfe dieser Art gut oder spannend zu finden. Vielleicht liegt es auch daran, dass der Ausgleich fehlte. Zwar knüpft Mia Kontakte, Freundschaften entstehen, sogar an Liebe wird flüchtig gedacht, doch diese Entwicklungen werden wenig emotional beschrieben. Ähnlich dem Mangel an Emotionen bleiben die weiteren Charaktere eher Statisten, als Menschen mit einer Vergangenheit, mit Gefühlen und Gedanken. Insgesamt ist die Welt im Assassinenorden keine Welt, in der Freundschaft und Liebe unbeeinträchtigt existieren können. Logisch. Aber nichts für mich.

Iron or glass? they’d asked. Mia clenched her jaw. Shook her head. She was neither. She was steel. (Seite 207)

Positiv ist aber die Welt, die sich Jay Kristoff erdacht hat. Angelehnt an das alte Rom, erlebt der Leser eine Gesellschaft, die beachtliche politische Probleme hat. Die Entstehung der Stadt Godsgrave, die Götter, die Sonnen und magische Kräfte machten „Nevernight“ trotz aller Kritik noch zu einer angenehmen und auch spannenden Lektüre. Es war faszinierend herauszufinden, woran die Menschen glauben, was sie erlebten, was ihre Ziele sind, und ich bin mir sicher, dass in den kommenden Bänden noch ganz viel ans Licht gebracht wird. Band 2 ist auf Englisch bereits erschienen, ich werde jedoch nicht weiterlesen.

Fazit

„Nevernight“ von Jay Kristoff trifft sicherlich den Nerv vieler Leser, vor allem der Leser, die Werke von Sarah J. Maas sowie „Illuminae“ mochten. Meinen Nerv hat Kristoff leider nicht getroffen, dazu fehlten mir unter anderem die Tiefe bei den Charakteren und ein Ausgleich zu den oft sehr brutalen Kampfszenen. Zwar sind Gefühle im Spiel, diese werden jedoch nur am Rande gestrichen. Der Weltentwurf gefiel mir nichtsdestotrotz sehr gut und ich fand es aufregend, in diese Welt einzutauschen. Für ein Weiterlesen reicht dies jedoch nicht.

♥ ♥ ♥ | ♥ ♥

Nevernight

kristoff_nevernightIn einer Welt mit drei Sonnen,
in einer Stadt, gebaut auf dem Grab eines toten Gottes,
sinnt eine junge Frau, die mit den Schatten sprechen kann, auf Rache.

Mia Corvere kennt nur ein Ziel: Rache. Als sie noch ein kleines Mädchen war, haben einige mächtige Männer des Reiches – Francesco Duomo, Justicus Remus, Julius Scaeva – ihren Vater als Verräter an der Itreyanischen Republik hinrichten und ihre Mutter einkerkern lassen. Mia selbst entkam den Häschern nur knapp und wurde unter fremdem Namen vom alten Mercurio großgezogen, einem Antiquitätenhändler. Mercurio ist jedoch kein gewöhnlicher Bürger der Republik, er bildet Attentäter für einen Assassinenorden aus, die »Rote Kirche«. Und Mia ist auch kein gewöhnliches Kind, sie ist eine Dunkelinn: Seit der Nacht, in der ihre Familie zerstört wurde, wird sie von einer Katze begleitet, die in ihrem Schatten lebt und sich von ihren Ängsten nährt. Mercurio bringt Mia vieles bei, doch um ihre Ausbildung abzuschließen, muss sie sich auf den Weg zur geheimen Enklave der »Roten Kirche« machen, wo sie eine gefährliche Prüfung erwartet …

– Werbung –

Verlag (Copyright): S. Fischer Verlage
Preis:
 22.99 Euro
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-596-29757-3
Erschienen: 24. August 2017
Zur Verlagswebseite

Über Jay Kristoff


Jay Kristoff verbrachte den Großteil seiner Jugend mit einem Haufen Bücher und zwanzigseitiger Würfel in seinem spärlich beleuchteten Zimmer. Als Master of Arts verfügt er über keine nennenswerte Bildung. Er ist zwei Meter groß und hat laut Statistik noch 13.020 Tage zu leben. Zusammen mit seiner Frau und dem faulsten Jack-Russell-Terrier der Welt lebt er in Melbourne. Jay Kristoff glaubt nicht an Happy Ends.

Stimmen anderer Blogger


9 Gedanken zu “Nevernight – Die Prüfung von Jay Kristoff | Rezension

  1. Eine wirklich schöne Rezension die meine Zweifel – ob ich das Buch kaufe oder nicht – doch noch verstärken. Und das der SuB hoch genug ist, wird es wohl kein Kauf, bleibt aber auf der WuLi. Ich bin ja schon härte im nehmen 😉 aber wenn die Charaktere an der Oberfläche bleiben ist das so meh …

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Anna!

    Ich fand Nevernight ja sehr gut. Schade, dass es dich nicht so überzeugen konnte, aber ich verstehe auch deine Kritik. Ich finde es nur sehr positiv, dass Gefühle und Liebe nicht im Vordergrund stehen. Genau so etwas habe ich mal gesucht. Auch hatte ich mit der Gewalt keine großen Probleme. So etwas ist natürlich auch Geschmackssache 🙂

    Schöne Rezension!

    Liebe Grüße
    Charline

    Gefällt 1 Person

    1. Hi Charline,

      dank dir für deinen Kommentar ☺️ Grundsätzlich mag ich es auch, wenn zur Abwechslung mal nicht Gefühle und Liebe im Vordergrund stehen, mir fehlten einfach generell die Emotionen der Charaktere ein wenig. Vielleicht waren sie auch da, gingen aber für mich in der Gewalt unter 😅

      Ich wünsche dir einen schönen Start ins Wochenende!
      Liebe Grüße,
      Anna

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  3. Hey!
    Eine seht tolle und vor allem ehrliche Rezension.
    Ich kann deine Kritikpunkte nachvollziehen, auch wenn ich das anders wahrgenommen habe, was natürlich nicht schlimm ist, denn Geschmäcker sind verschieden 🙂
    Ich freue mich auf jeden Fall auf die Fortsetzung, kann aber gut verstehen, dass du sie nicht mehr lesen wirst.

    Vielen Dank auch fürs Verlinken, ich hole das bei mir direkt mal nach.

    Liebe Grüße,
    Nicci

    Gefällt 1 Person

    1. Hi Nicci,

      das ist lieb, dass du mich auch verlinkst, vielen Dank!

      Ich kann ebenso nachvollziehen, weshalb das Buch von so vielen geliebt wird – es ist nur einfach nicht meins ☺️ Daher war es mir auch wichtig, andere Stimmen zu verlinken!

      Ich wünsche dir einen schönen Start ins Wochenende 😄
      Liebe Grüße,
      Anna

      Gefällt 1 Person

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