Simon vs. the Homo Sapiens Agenda von Becky Albertalli | Rezension

So süß. Soo sprühend komisch. Sooo herzerwärmend! Seufz, Hach und Dauergrinsen 🙂

Ich warne vor: Wer „Simon vs. the Homo Sapiens Agenda“ (dt. Titel: Nur drei Worte) von Becky Albertalli liest, begibt sich in die akute Gefahr, nach dem Lesen unter Herzklopfen und glückseligem Dauergrinsen zu leiden. Wobei „leiden“ eigentlich der gänzlich falsche Ausdruck ist, denn hier leidet wenn überhaupt der Protagonist. Er leidet unter der wundervollsten, sehnsüchtigsten und kribbeligsten ersten Verliebtheit, die man sich nur vorstellen kann. Davon steckt Simon den Leser gewaltig an – ich bin verliebt in diese Geschichte. Doch „Simon vs. the Homo Sapiens Agenda“ ist mehr als nur eine einfache Liebesgeschichte. Was noch im Buch drinsteckt, erfahrt ihr in meiner Rezension.

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Albertalli thematisiert sehr lebensnah und gefühlvoll, wie es ist, jung und schwul zu sein. Und sie macht es so wunderschön, dass meine Worte dieser Geschichte im Grunde gar nicht Rechnung tragen können. Simon befindet sich mitten im aufregenden und mitunter auch beängstigenden Prozess zwischen Selbstfindung und seinem Coming-out. Wie das vonstatten gehen soll, kann er sich überhaupt nicht vorstellen. Wann ist der richtige Zeitpunkt? Wie werden es seine Freunde und seine Familie aufnehmen? Ein Lichtblick ist der anonyme Austausch mit einem anderen schwulen Mitschüler. Er nennt sich Blue und wird Simon’s engster Vertrauter. Sie erzählen aus ihrem Leben, schreiben über das Coming-out und die Familie und kommen sich mit jeder E-Mail näher.

Diese E-Mails sind es, die mich am meisten berührt haben. Die Worte darin sind ein vorsichtiges Tasten und Fühlen, Simon und Blue wagen sich einen Schritt vor, warten bang auf die Antwort, und sehnen sich nach den nächsten Worten. Es ist einfach zauberhaft, diese Kommunikation mitzuerleben, in die Köpfe der beiden eintauchen zu können. Man erlebt mit, wie sich beide langsam aber unausweichlich ineinander verlieben, wie sie rätseln, wer der andere wohl sein mag, wie sie überlegen, ob sie einander treffen sollen. Es ist eine erste Liebe, die so intensiv und aufregend und romantisch ist, wie man es sich nur vorstellen kann.

So, I keep thinking about the idea of secret identities. Do you ever feel locked into yourself? I’m not sure if I’m making sense here. I guess what I mean is that sometimes it seems like everyone knows who I am except me. (Seite 59)

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Doch es gibt Komplikationen, die Simon im Verlauf des Buches beschäftigen. Denn ein Mitschüler, der zufällig eben jene E-Mails gelesen hat, setzt Simon unter Druck: Verkuppelt er ihn nicht mit seiner Freundin Abby, wird er der ganzen Schule verraten, dass Simon schwul ist. Nun heißt es für Simon sich zu entscheiden, ob er das Spiel mitspielt oder sein Coming-out jemand anderem in die Hände legt.

Simon gefiel mir als Protagonist sehr gut. Seine Art zu reden! „You sort of talk the way you write“ wird an einer Stelle über Simon gesagt. Und das stimmt. Becky Albertalli schreibt die Geschichte aus seiner Perspektive und hat genau den richtigen Ton gefunden. Humorvoll und ironisch, fluchend und zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt hin und her gerissen. Vor allen aber durch und durch liebenswert. Das liegt vor allem an den kleinen Details, die einem Simon unglaublich nahe bringen. Sein Musikgeschmack zum Beispiel, die kleinen, nebensächlichen Anekdoten, die er in E-Mails erzählt, das mehrfache Gegenlesen der E-Mails ehe er sie absendet, damit sie keine Rechtschreibfehler enthalten – ich könnte immer weitermachen und letztendlich jeden Satz des Buches wiedergeben.

As a side note, don’t you think everyone should have to come out? Everyone should have to declare one way or another, and it should be this big awful thing wether you’re straight, gay, bi or whatever. I’m just saying. (Seite 146)

Umrahmt wird die Geschichte um Simon und Blue von einer Gruppe enger Freunde, die ihren eigenen Packen an Problemen mit sich herumtragen. Sie sind hoffnungslos oder hoffnungsvoll verliebt, streiten und versöhnen sich – die jugendlichen Dramen eben, ohne diese abwerten zu wollen. Denn was wäre Jugend ohne diese Dramen? Ohne diese Spannung und Unsicherheit? Becky Albertalli hat quasi die Essenz des Jungseins eingefangen und gibt es ungefiltert an ihre Leser weiter. Ich fühlte mich schlagartig, als sei ich wieder sechszehn Jahre als und würde erneut diese Intensität des Lebens und Erlebens spüren. Wie schade, dass dies manchmal mit zunehmendem Alter verloren geht und wie gut, dass es Bücher gibt, die einem ein kurzes Verweilen in dieser Zeit ermöglichen.

Fazit

„Simon vs. the Homo Sapiens Agenda“ von Becky Albertalli ist eine Geschichte, die im Herzen ankommt. In jedem Wort schwingen Humor und echte Emotionen mit, die einem Simon, Blue und alle anderen Charaktere sehr nahe bringen. Albertalli verbindet eine klassische Coming-of-Age Geschichte mit den Themen Sexuelle Orientierung, Freundschaft und Familie, Toleranz und Liebe. Und das ist ihr wirklich sehr gut gelungen. Ich habe lange kein Buch mehr in der Hand gehalten, das mich so sehr berührt hat, das mich gefangen genommen hat, das mich lachen ließ und schlichtweg bezauberte.

♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Simon vs. the Homo Sapiens Agenda (dt. Titel: Nur drei Worte)

albertalli-nur-drei-worteWas Simon über Blue weiß: Er ist witzig, sehr weise, aber auch ein bisschen schüchtern. Und ganz schön verwirrend. Was Simon nicht über Blue weiß: WER er ist. Die beiden gehen auf dieselbe Schule und schon seit Monaten tauschen sie E-Mails aus, in denen sie sich die intimsten Dinge gestehen. Simon spürt, dass er sich langsam, aber sicher in Blue verliebt, doch der ist noch nicht bereit, sich mit Simon zu treffen. Dann fällt eine der E-Mails in falsche Hände – und plötzlich steht Simons Leben Kopf.

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Verlag (Copyright): Carlsen Verlag
Preis:
 16.99 Euro
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-551-55609-7
Erschienen: 26. Februar 2016
Zur Verlagswebseite

Über Becky Albertalli


Becky Albertalli hat als Psychologin schon mit vielen schlauen, schrägen und wunderbaren Jugendlichen gearbeitet. Heute lebt sie mit ihrem Mann und zwei Söhnen in der Nähe von Atlanta und widmet sich ganz dem Schreiben. Für ihren ersten Roman, »Nur drei Worte«, erhielt sie 2017 den Deutschen Jugendliteraturpreis.

Stimmen anderer Blogger


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9 Antworten auf “Simon vs. the Homo Sapiens Agenda von Becky Albertalli | Rezension”

    1. Liebe Julia,

      haha, ich habe die Begeisterung tatsächlich auch ziemlich ungefiltert niedergeschrieben 🙂 Es ging nicht anders. Im Grunde hätte sie aus einem glücklichen Seufzer nach dem anderen bestehen können 😀 Ich bin noch immer ganz beseelt von dieser Geschichte. Danke dir für deine lieben Worte!

      Liebe Grüße,
      Anna

      Gefällt mir

  1. Hallo, Anna!
    Oh, das klingt ja wahnsinnig süß. Das Buch ist mir zwar schon öfter über den Weg gelaufen, aber bis jetzt hatte ich kein Bedrüfnis das Buch zu lesen. Ich steh nicht so auf Coming of Age-Stories und YA. Aber ich glaube, du hast meine Meinung zu diesem Buch hier gerade geändert. Ich glaube, ich möchte es doch lesen. 😉
    LG, m

    Gefällt 1 Person

    1. Als Hörbuch stelle ich es mir auch richtig gut vor ☺️ Ich glaube, das gönne ich mir glatt zu Weihnachten! Und natürlich darfst du die Rezension in deinem Monatsrückblick verlinken. Ich danke dir dafür! Schreibst du etwas zum Hörbuch? Dann verlinke ich dich ebenfalls sehr gerne bei mir 😄

      Liebe Grüße,
      Anna

      Gefällt mir

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