Mein Herz in zwei Welten von Jojo Moyes | Rezension

Unterhaltsame Fortsetzung, aber voller Klischees und wenig Überraschungen.

Jojo Moyes hat mit „Mein Herz in zwei Welten“ bereits den dritten Roman rund um die quirlige Lou geschrieben, mit der wir zum ersten Man in „Ein ganzes halbes Jahr“ Bekanntschaft geschlossen haben. Darin wird sie Pflegerin von Will, der seit einem Unfall Tetraplegiker ist, also seine Arme und Beine nicht bewegen kann. Zwischen beiden entspinnt sich eine innige Freundschaft und später eine zarte Liebe. Band 2, „Ein ganz neues Leben“, habe ich nicht gelesen, doch wer wissen möchte, worum es darin geht, kann auf rowohlt.de die Handlung nachlesen. Da es sich bei „Mein Herz in zwei Welten“ um Band 3 handelt, ist diese Rezension nicht frei von Spoilern.

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Lou hat den schmerzhaften Verlust von Will mit Hilfe von Sam verkraftet und hat neuen Mut geschöpft. Daher bricht sie aus ihrem gewohnten Leben aus und begibt sich auf große Reise – nach New York. Ein Jahr lang möchte sie bei der Familie Gopnik als Assistentin arbeiten. Die Gopniks sind reich und wohnen unmittelbar am Central Park. Eine fremde, aber auch faszinierende Welt, tut sich vor Lou’s Augen auf. Doch wie kann sie sich an diesen neuen Alltag anpassen und gleichzeitig nicht die Verbindung zu ihrem Zuhause und zu Sam verlieren?

„Mein Herz in zwei Welten“ widmet sich hauptsächlich zwei großen Themen. Zum einen wird das Leben der Reichen in New York beschrieben. Zum anderen blickt die Autorin in das Innenleben von Lou, betrachtet ihre Entwicklung und ihre Beziehung zu Sam. Insgesamt bietet der Roman daher viel interessantes, das den Leser gut unterhält. Letztendlich griff die Autorin für meinen Geschmack jedoch auf zu viele Klischees zurück, wodurch die Geschichte allzu seicht geriet.

Schauen wir mal genauer hin: Hinter der glänzenden Fassade der High Society von New York wird gelogen, betrogen und gelästert. Der Fitnesswahn hat alle fest im Griff und das Geld wird für allerhand unnützes Zeug aus dem Fenster geschmissen. Essen wird geliefert, sofern nicht sowieso in einem schicken Restaurant gegessen wird, der Chauffeur fährt einen überall hin und Skandale werden am Dinnertisch genüsslich ausgekostet. Erinnert sehr an die Serie „Gossip Girl“ und eine Vielzahl anderer Romane, Filme und Serien über New Yorks reiche Elite und bietet daher wenig Neues.

Ich wurde zu einem Schatten, und zwar so sehr, dass ich manchmal das Gefühl hatte, meine Persönlichkeit würde sich auflösen und meine Existenz hätte nur im Zusammenhang mit den Bedürfnissen anderer einen Sinn. (Seite 217/218)

Lou’s Weg hätte hier eine schöne Bereicherung sein können. Und ich fand es auch durchaus lesenswert, wie sie diese Welt der Schönen und Reichen wahrnimmt und wie sie versucht, ihren Platz darin zu finden. Doch auch hier ist die Entwicklung vorhersehbar, vor allem das Ende. Jojo Moyes findet wenig neue Aspekte, obwohl die Gefühle und Zweifel von Lou durchaus gut herausgearbeitet werden. Andere Autoren haben sich demselben Thema ebenfalls gewidmet – Colm Toíbín in „Brooklyn“ beispielsweise. Auch hier reist ein junges irisches Mädchen nach Amerika, um dort einen Neuanfang zu wagen. Auch sie ist hin und her gerissen zwischen zwei  Männern auf unterschiedlichen Kontinenten. Doch Toíbín schafft es, seine Geschichte einzigartig zu erzählen.

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Mein Leben vor den Gopniks war in eine geisterhafte Ferne gerückt, mit dem ich, soweit es der Terminkalender erlaubte, durch gelegentliche Telefonate und E-Mails Verbindung aufnahm. (Seite 218)

Das liegt sowohl am Schreibstil als auch an der mangelnden Ernsthaftigkeit. Lou konnte ich des Öfteren schlicht nicht für voll nehmen. Sie ist so naiv und möchte es jedem Recht machen, dass ich manchmal meinte, sie anschreien zu müssen. Erst gegen Ende entwickelt sie den Biss, der mir fehlte. Die Autorin tut ihr Übriges mit ihrer Art zu schreiben. Zu humorvoll, zu oberflächlich sind ihre Worte, um wirklich spürbar zu machen, was Lou erlebt. Vielleicht ist es auch eine Typfrage, doch ich persönlich wurde in „Mein Herz in zwei Welten“ nicht sonderlich warm mit der Protagonistin.

Fazit

„Mein Herz in zwei Welten“ von Jojo Moyes bietet gute Unterhaltung und ist für Leser, die die Geschichte von Lou und Will in „Ein ganzes halbes Jahr“ mochten, sicherlich eine schöne Lektüre. Allerdings vermisste ich Alleinstellungsmerkmale, die „Mein Herz in zwei Welten“ von anderen Büchern, Filmen oder Serien mit ähnlichem Thema abgrenzen. Zu sehr begegnet man gewohnten Klischees und Storylines. Hier hätte ich mir mehr Tiefe erhofft und einfach etwas Neues. Daher: unterhaltend, aber nicht anspruchsvoll.

♥ ♥ ♥ | ♥ ♥


Mein Herz in zwei Welten

moyes-mein-herz-in-zwei-welten«Trag deine Ringelstrumpfhosen mit Stolz. Führe ein unerschrockenes Leben. Fordere dich heraus. Lebe einfach.»
Diese Sätze hat Will Louisa mit auf den Weg gegeben. Doch nach seinem Tod brach eine Welt für sie zusammen. Es hat lange gedauert, aber endlich ist sie bereit, seinen Worten zu folgen, und wagt in New York den Neuanfang. Die glamouröse Welt ihrer Arbeitgeber könnte von Lous altem Leben in der englischen Kleinstadt nicht weiter entfernt sein. Dort ist ein Teil ihres Herzens zurückgeblieben: bei ihrer liebenswert chaotischen Familie und vor allem bei Sam, dem Mann, der sie auffing, als sie fiel. Während Lou versucht, New York zu erobern und herauszufinden, wer Louisa Clark wirklich ist, muss sie feststellen, wie groß die Gefahr ist, sich selbst und andere auf dem Weg zu verlieren. Und am Ende muss sie sich die Frage stellen: Ist es möglich, ein Herz zu heilen, das in zwei Welten zu Hause ist?


Über Jojo Moyes

Jojo Moyes, geboren 1969, hat Journalistik studiert und für die «Sunday Morning Post» in Hongkong und den «Independent» in London gearbeitet. Der Roman «Ein ganzes halbes Jahr» machte sie international zur Bestsellerautorin. Weitere Nr. 1-Bestseller folgten. Jojo Moyes lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern auf dem Land in Essex.


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Verlagsinfos zum Buch

Verlag (Copyright Cover): Rowohlt Verlag
Preis:
 19.99 Euro
Format: eBook
ISBN: 978-3-644-22391-2
Erschienen: 23. Januar 2018
Zur Verlagswebseite

Aktion von Weltbild

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Stimmen anderer Blogger

6 Gedanken zu “Mein Herz in zwei Welten von Jojo Moyes | Rezension

  1. Für mich klingt das wirklich nach dem Ausschlachten eines Fandomes. Ich muss dabei sagen, dass ich schon den zweiten Teil nicht mehr gelesen habe. Angefangen hatte ich ihn mal als Hörbuch, aber auch das habe ich schnell wieder aufgegeben. Der erste Band steht für mich einfach alleine da, alles was danach kommt überlasse ich meiner Fantasie. 🙂

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      1. Hast du eigentlich den Film gesehen? Ich hab mich nicht getraut. Die Besetzung wirkte so falsch auf mich, muss ich zu meiner Schande gestehen. XD Ich wünsche euch auch einen tollen Sonntag 🙂 ❤

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      2. Genauso geht es mir auch!! 😂😂😂 Ich traue mich überhaupt nicht 🙈 Emilia Clark (so heißt sie doch?) geht gar nicht und Sam Claflin wirkt im Trailer sehr deplatziert. Ich glaube nicht, dass ich den Film anschauen werde – sagst du wie er war, falls du es tust? 😄

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