Frau Einstein von Marie Benedict | Rezension

Wenn Gott nur zuließe, dass ich die Zeit anhalte oder sie ändere. Aber nein, ich saß fest, gefangen in den starren Newtonschen Gesetzen des Universums.
Oder? (Seite 243)

Dies ist ein Roman für alle, die mehr über Albert Einstein erfahren möchten, und die Freude an einer tragisch-faszinierenden Lebensgeschichte einer starken Frau haben. Denn „Frau Einstein“ von Marie Benedict handelt von Mileva Maric, der ersten Ehefrau von Albert Einstein, die vielen vermutlich weitestgehend unbekannt ist. Maric lernte Einstein als jungen Studenten kennen, Jahre bevor er seine Theorien veröffentlichte und ehe er weltberühmt wurde. Der unmittelbare Reiz, diesen Roman zu lesen, liegt daher sicherlich darin, Privates über den bekannten Physiker zu erfahren. Doch das ist bei Weitem nicht alles, was „Frau Einstein“ bietet, denn Mileva Maric war eine bemerkenswerte Persönlichkeit.

Also vergessen wir fürs Erste die Relativitätstheorie und den klugen Kopf Einsteins und widmen uns der Serbin Mileva Maric, die sich ganz und gar der Mathematik und Physik verschrieben hatte. Heiraten würde sie wegen einer Gehbehinderung sowieso niemand, glaubt sie. So begann sie als junges Mädchen ein Studium am Polytechnikum in Zürich. Eine Chance auf Bildung, die Ende des 19. Jahrhunderts nur wenigen Frauen vorbehalten war. Entsprechend exotisch war Maric und entsprechend wenig hielten die Kommilitonen und Professoren von ihr. Alle, bis auf eine Ausnahme: Albert Einstein. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Liebesgeschichte, der jedoch schon früh eine gewisse Schwere und Unbeständigkeit anhaftet.

Sosehr ich mich nach außen auch in meine Rolle als Hausmädchen fügte – es ging mir auf die Nerven, ständig das Hausmädchen für ihn zu spielen. Wie hatte es nur so weit kommen können? (Seite 314)

Denn durch Mileva Maric erfährt man nicht nur pikante und haarsträubende Details aus dem Leben von Einstein, sondern auch, wie schwer es für Frauen in dieser Zeit war, eine Ausbildung zu beginnen, geschweige denn zu arbeiten oder zu forschen. Dabei war Maric ebenso klug wie ihr berühmter Ehemann, vor allem war sie eine begnadete Mathematikerin. Von Beginn an tauschten sich die beiden über physikalische Theorien aus und arbeiteten zusammen an neuen Thesen, was einige Briefwechsel zwischen den beiden belegen. Es wird sogar spekuliert, dass Mileva Maric eine tragende Rolle bei der Formulierung der Relativitätstheorie spielte. Auf diese Frage und diese Zeit in Albert Einsteins Leben spitzt sich „Frau Einstein“ immer weiter zu.

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Izgubio sam se. Ich war verloren. Aber das war ein Zustand, den ich mir nicht mehr leisten konnte. (Seite 318)

Und so wandelt sich „Frau Einstein“ unmerklich zu einer tragischen Geschichte, denn zerstörte Hoffnungen, missbrauchtes Vertrauen und Schicksalsschläge bleiben nicht aus. Trotz alledem ist „Frau Einstein“ kein durchweg beschwerliches und trauriges Buch. Mileva Maric hat zwar vieles ertragen, ich litt sehr mit ihr und brauchte bisweilen Pausen vom Buch, doch ungeachtet dessen blieb sie immer standhaft und fand letzten Ende ihren eigenen Weg. Diese enorme Kraft schwingt in jeder Zeile mit und macht die Lektüre zu einem lange nachwirkenden Erlebnis. Übrigens blieb Marie Benedict nah an den Fakten. Fiktive Teile wurden nur dann ergänzt, wenn keine Tatsachen bekannt waren.

Fazit

„Frau Einstein“ von Marie Benedict ist ein biografisch angehauchter Roman, in dem die Autorin vom Leben von Albert Einsteins erster Ehefrau Mileva Maric erzählt. Sie ist intelligent, sie hat berufliche Ambitionen und möchte arbeiten. Ziele, die sich Ende des 19. Jahrhunderts jedoch nicht selbstverständlich verfolgen lassen. Und so begleiten wir Maric auf ihrem mit vielen Schwierigkeiten verbundenen, abenteuerlichen Weg als Frau von Albert Einstein. Ein spannender und erhellender Einblick sowohl in die Welt der Physik, als auch in die Lebensbedingungen von Frauen der damaligen Zeit.

♥ ♥ ♥ ♥ |


Frau Einstein

benedict-frau-einsteinZürich 1896: Mileva Maric, aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen in Serbien, ist eine der ersten Frauen, die am Polytechnikum studieren dürfen. Gegen alle Vorurteile und Widerstände gehört die ehrgeizige junge Frau bald zu den Besten ihres Faches. Ihr großes Talent für Mathematik bleibt auch einem ihrer Kommilitonen, dem charismatischen Physikstudenten Albert Einstein, nicht lange verborgen. Die beiden tauschen sich über ihre Arbeit aus, verlieben sich und werden ein Paar. Zusammen arbeiten sie an der Relativitätstheorie, zunächst weitgehend gleichberechtigt. Doch als Mileva schwanger wird und ihre gemeinsame Forschung die erste öffentliche Aufmerksamkeit erhält, wird sie immer unsichtbarer im Schatten ihres Mannes, der als strahlendes Genie bis heute weltberühmt ist.


Über Marie Benedict

Marie Benedict, geboren 1973, studierte am Boston College Geschichte und Kunstgeschichte und an der Boston University School of Law. Sie ist Anwältin und lebt mit ihrer Familie in Pittsburgh.


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Verlagsinfos zum Buch

Verlag (Copyright Cover): Kiepenheuer & Witsch Verlag
Preis:
 16.99 Euro
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-462-31725-1
Erschienen: 15. Februar 2018
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