Wie die Sonne in der Nacht von Antje Babendererde | Rezension

Ich lauschte in mich hinein, doch ich konnte keine Furcht in meinem Inneren finden. Im Gegenteil, ich spürte freudige Erregung, bei etwas dabei zu sein, das geheimnisvoll, verrückt und auch ein bisschen unheimlich war. (Seite 131)

„Wie die Sonne in der Nacht“ von Antje Babendererde erlaubt sehr interessante Einblicke in die Pueblo Kultur New Mexicos – in Geschichte, Kultur und Leben der indigenen Bevölkerung des Landes. Denn die Geschichte handelt von der jungen Mara, die ein Austauschjahr in New Mexico verbringt und kurz vor ihrer Rückreise dem geheimnisvollen, verwundeten Kayemo begegnet. Er hat seine Erinnerung verloren und scheint er vollkommen auf sich alleine gestellt zu sein, so dass Mara sich seiner annimmt und in ein spannendes Abenteuer stolpert, das ihr zugleich eine vollkommen neue Welt zeigt.

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„Ich gehe bloß auf die andere Seite des Ozeans“, sagte ich mit bebender Stimme. „Du kannst mich nicht sehen, aber ich bin trotzdem da – wie die Sonne in der Nacht.“ (Seite 295)

Diese neue, fremde und ungeheuer faszinierende Welt ist es, die auch mich in ihren Bann gezogen hat. Antje Babendererde ist bekannt dafür, Kultur und Traditionen der Nordamerikanischen indigenen Bevölkerung zu betrachten. Gerne arbeitet sie auch mit dem Konflikt zwischen kulturellem und traditionellem Erbe und der modernen, digitalisierten Welt. So auch hier, denn Mara kommt aus Deutschland und Handy, Internet und Partys sind für sie eine Selbstverständlichkeit. Sie trifft auf Kayemo, der mit dieser Welt nicht vertraut ist, er scheint nichts zu kennen, außer die Geschichten und Traditionen seiner Ahnen, er ist in der Wildnis der Berge zu Hause.

Die Gegensätze könnten also kaum größer sein und so ließen die Gespräche zwischen den beiden meine Gedanken fliegen. Zwei vollkommen unterschiedliche Weltanschauungen prallen aufeinander und doch gibt es Gemeinsamkeiten. Im Kern, im Wesentlichen, wünschen sich beide das gleiche, nehmen sie beide die Schwierigkeiten der Welt und die Ursachen dafür in gleicher Weise wahr. Diesen Prozess der Auseinandersetzung und Annäherung hat die Autorin wunderbar in Worte gefasst.

Ich wollte nicht zurück in mein altes Leben. Wollte keine Schulbank mehr drücken und für Punkte büffeln. Ich wollte eine Zeit aus Steinen, Bäumen, Regen, Mais und Sternen – und keine Zeit der Uhren. (Seite 402)

Die Beziehung von Mara und Kayemo steht im Mittelpunkt von „Wie die Sonne in der Nacht“, doch die Geschichte bietet so viel mehr als das. Es geht darüber hinaus um das Leben von Kayemo, wie er aufwuchs und welche Geheimnisse seine Familie hütet. Es geht um Verlust und Trauer und darum, den eigenen Weg unabhängig von den Interessen der Eltern zu finden. Dabei begegnen Mara und Kayemo ungeahnten Gefahren. Angesichts dieser vielen inhaltlichen Komponenten wird die Geschichte zu keiner Zeit langweilig, trotz der beachtlichen Länge des Buches.

Was mich ganz besonders beeindruckt hat ist, dass Antje Babendererde mir das Gefühl vermitteln konnte, ich sei dabei. Wirklich dabei. Ich sah die Landschaft vor meinen Augen, ich roch die Luft, ich fühlte die Hitze. New Mexico steckt in jeder Zeile, angefangen bei den herrlichen Beschreibungen der Natur, der Lebensweise in den Pueblos und bis hin zur Architektur der typischen Häuser aus Adobe Lehmziegeln.

Fazit

„Wie die Sonne in der Nacht“ von Antje Babendererde ist ein Jugendbuch inklusive Liebesgeschichte und reichlich Abenteuer. Ein Roman voller Sehnsucht, seinen Träumen zu folgen und das Leben nach den eigenen Wünschen zu gestalten. Ein wesentlicher Bestandteil der Geschichte ist die Kultur und das Leben der indigenen Bevölkerung New Mexicos sowie der Konflikt, der entsteht, wenn diese traditionelle Lebensweise auf unsere moderne Lebensweise trifft. Das ist äußerst interessant, wird aber gleichzeitig nicht zu einem Lehrstück. Denn im Vordergrund steht die Beziehung zwischen Mara und Kayemo und wie sie in Anbetracht aller Hindernisse zueinander finden. Durchweg empfehlenswert!

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Wie die Sonne in der Nacht *

Wie die Sonne in der Nacht

babendererde-wie-die-sonne-in-der-nachtAm Ende ihres Austauschjahres in New Mexico sucht Mara das Abenteuer. Und es fällt ihr buchstäblich vor die Füße: in Gestalt eines verletzten Jungen mit rabenschwarzem Haar, der ohne Gedächtnis ist und ohne Sprache. Einzig an seinen Namen kann er sich erinnern – Kayemo. Gemeinsam brechen die beiden in die Wildnis auf. Sie entdecken geheime Orte der Pueblo-Indianer und Spuren, die in Kayemos Vergangenheit führen. Mit jedem Schritt dringen mehr dunkle Geheimnisse an die Oberfläche. Geheimnisse, die die wachsenden Gefühle zwischen Mara und Kayemo unmöglich zu machen scheinen. Aber längst schlagen die Herzen der beiden füreinander…


Über Antje Babendererde

Antje Babendererde, geboren 1963, wuchs in Thüringen auf und arbeitete nach dem Abi als Hortnerin, Arbeitstherapeutin und Töpferin, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Viele Jahre lang galt ihr besonderes Interesse der Kultur, Geschichte und heutigen Situation der Indianer. Ihre einfühlsamen Romane zu diesem Thema für Erwachsene wie für Jugendliche fußen auf intensiven Recherchen während ihrer USA-Reisen und werden von der Kritik hoch gelobt. Mit ihren Romanen „Isegrim“ und „Der Kuss des Raben“ kehrt die Autorin zu ihren Thüringer Wurzeln zurück.

Verlagsinfos zum Buch
Verlag (Copyright Cover): Arena Verlag
Preis:
 18.00 Euro
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-401-60331-5
Erschienen: 2. Februar 2018
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3 Antworten auf “Wie die Sonne in der Nacht von Antje Babendererde | Rezension”

  1. Huhu 🙂
    deine Rezension macht mir gleich Lust, das Buch zu lesen. Ich habe bisher erst ein Buch von Antje Babendererde gelesen, war aber sehr begeistert. Und jedes Mal wenn ich es im Regal sehe, denke ich, dass ich unbedingt mehr von ihr lesen muss. Vielleicht wird das ja mein nächstes.. 🙂
    Liebe Grüße
    Katja

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