Gold & Schatten: Das erste Buch der Götter von Kira Licht | Rezension

So ein Quatsch! Ja, das dachte ich auf den ersten Seiten von „Gold und Schatten“ von Kira Licht. Schon wieder ein Bad Boy, der ein naives Mädchen um den Finger wickelt. Schon wieder gibt es irgendein Hindernis, weshalb sie kein Paar werden dürfen. Und natürlich entwickelt das Mädchen geheimnisvolle Fähigkeiten und in ihrer Welt ist bald nichts mehr so, wie sie es bisher kannte. Doch es kommt ein riesengroßes „aber“: Denn „Gold und Schatten“ ist SO lustig. Ich habe mich herrlich amüsiert, ich hatte einen riesigen Spaß beim Lesen dieser Geschichte. Noch dazu wirkt kein Satz gekünstelt und wer die Autorin kennt weiß, dass das nicht von irgendwoher kommt, denn es ist einfach ihr Humor, der da in die Wortgefechte der Figuren einfließt und der sie auch nicht vor Slapstick zurückschrecken lässt. Kurz: Dieser Contemporary-Fiction Roman ist ein einziges Vergnügen und ich kann es nicht erwarten, Band 2 zu lesen.

„Der Blick funktioniert bei mir nicht.“ Meine Knie waren wie Pudding. Ich wollte mich in seine Arme werfen.
„Doch, tut er.“ Noch mehr Arroganz im Blick. „Ich kann dein rasendes Herz hören.“
„So ein Quatsch.“ (Seite 417)

Doch nun erst einmal von Anfang an. Worum geht es? Es geht um griechische Götter, die in unserer heutigen Zeit in Paris leben. Es geht um Livia, ein 16-Jähriges Mädchen, die mit ihren Eltern erst kürzlich in die französische Hauptstadt gezogen ist und seit ihrem Geburtstag seltsame Veränderungen an sich beobachtet, die sie an ihrem Verstand zweifeln lassen. Schließlich kann sie Pflanzen reden hören! Zu allem Überfluss begegnet sie Maél, einem stets dunkel gekleideten Jungen, der ihr gehörig den Kopf verdreht und der etwas vor ihr zu verbergen scheint. Livia muss also nicht nur mit ihren seltsamen Fähigkeiten zurechtkommen, sie muss an einer neuen Schule Fuß fassen, Freunde finden und sich mit einem großartig nervigen Kerl abgeben, der sie in den Pariser Untergrund entführt.

„Bin ich hier eigentlich im Irrenhaus?“, schrie Hades. „Was hat diese verdammte Nymphe, dass ihr alle so liebeskrank seid? Schluss damit!“ (Seite 520)

Ich muss zugeben, wäre ich nicht im Rahmen der diesjährigen Litblog Convention in Köln mit der Nase aus dieses Buch gestoßen worden, hätte ich wahrscheinlich einen weiten Bogen darum gemacht. Es schreit förmlich nach „Klischee“ und natürlich geht es nicht ganz ohne. Die generelle Struktur der Geschichte orientiert sich stark an ähnlichen Werken des Genres. Livia ist auf den ersten Blick süß und niedlich und naiv, Maél der typische Draufgänger. Es gibt persönliches Drama, es gibt den großen Kampf Gut gegen Böse. So war ich auf den ersten Seiten tatsächlich sehr skeptisch, doch ehe ich mich versah, entdeckte ich noch weitere Facetten.

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Zum einen war es ein Vergnügen, mit Livia und Maél durch die Straßen von Paris zu schlendern und den Untergrund zu erforschen. Denn Maél gehört zu den sogenannten „Cataphiles“, Menschen, die den ungesicherten Bereich des Untergrundes erforschen und dort eine Untergrund-Kultur inklusive Kunstausstellungen und Konzerten ins Leben gerufen haben. Es war enorm spannend, als Leser diese andere Welt kennenzulernen.

Darüber hinaus gibt es natürlich die Welt der griechischen Götter und die war nicht weniger interessant. Kira Licht lässt immer wieder Fakten einfließen, die ihrer Geschichte Hand und Fuß geben. Zudem charakterisiert sie ihre Götter so wunderbar herzlich, düster, schräg, amüsant und hoheitsvoll, dass man sich begeistert auf jede neue Begegnung mit einer Gottheit freut. Die Figuren trugen enorm dazu bei, dass „Gold und Schatten“ für mich ein sehr lesenswerter Roman wurde. Zudem ist Livia gar nicht so naiv, wie es anfangs den Anschein hat. Und Maél zeigt auch noch andere Seiten. Dies aber nur am Rande.

Es war mir egal, dass Nymphen in der Götterwelt nur eine geringe Rolle spielten. Ich würde ihnen zeigen, was es hieß, sich mit einer Wiesennymphe anzulegen. (Seite 540)

Doch was, wie bereits erwähnt, wirklich fantastisch ist, ist der Schreibstil der Autorin. Jung und spielerisch schreibt sie und jeder Schlagabtausch zwischen Livia und Maél kommt von Herzen. Sie geraten teilweise in die absurdesten Situationen und schon wird Situationskomik groß geschrieben. Sicherlich ist das Geschmackssache, nicht jeder teilt den gleichen Humor, doch meiner wurde zu 100 Prozent getroffen. Dadurch wurde der negative Beigeschmack von Kitsch und Klischee für mich so weit aufgehoben, dass ich im Grunde komplett darüber hinwegsehen konnte. Und manchmal steht einem der Sinn nach purer Unterhaltung, nicht wahr?

Fazit

„Gold & Schatten“ von Kira Licht ist ein Contemporary-Fiction Roman, der einige Klischees und bekannte Strukturen bedient. Dennoch ist es für mich kein klassischer Roman dieses Genres, um den ich üblicherweise eher einen großen Bogen mache. Diese Geschichte zeichnet sich dadurch aus, dass sie ein spannendes Thema herrlich amüsant aufbereitet. Griechische Götter in der heutigen Zeit? Da lässt sich viel draus machen. Zwei junge Menschen, die sich bis ins bodenlos gegenseitig aufziehen, nur um nicht zu zeigen, was sie wirklich füreinander empfinden? Das schreit nach schlagfertigen Dialogen. All das setzt Kira Licht auch um, glaubhaft und spielerisch, vollkommen unangestrengt und somit schlicht großartig unterhaltsam. Band 2, „Staub & Flammen“ erschien am 30. August 2019.

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Gold & Schatten *

Gold & Schatten: Das erste Buch der Götter

licht-gold-und-schatten-das-erste-buch-der-götterGerade erst nach Paris gezogen, verliebt sich die sechzehnjährige Livia Hals über Kopf in Maél. Seine Welt sind die düsteren Katakomben unter den Straßen der Stadt. Die beiden kommen sich schnell näher, doch der draufgängerischen Maél geht immer wieder auf Abstand. Was hat er zu verbergen? Und warum um alles in der Welt kann Livia plötzlich Botschaften hören, die Bäume und Pflanzen zuflüstern? Ist sie dabei, den Verstand zu verlieren? Als es Livia schließlich gelingt, die einzelnen Fäden miteinander zu verknüpfen, kann sie kaum glauben, welches Geheimnis sich ihr offenbart. Denn dass sie Maél kennengelernt hat, war alles andere als ein Zufall…


Über Kira Licht

Kira Licht wurde 1980 in Bochum geboren. Sie ist in Japan und Deutschland aufgewachsen und hat Biologie und Humanmedizin studiert, bevor sie sich dem Schreiben zuwandte.

Verlagsinfos zum Buch
Verlag (Copyright Cover): one Verlag
Preis:
 17.00 Euro
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-8466-0080-1
Erscheinungstermin: 28. Februar 2019
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
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Weitere Stimmen zum Buch


Lisa von Prettytigers Bücherregal | Juliane von I am Jane | Sonja von Lovin-Books | Jenny von The Beauty and the Book | Anna von Ink of Books

2 Gedanken zu “Gold & Schatten: Das erste Buch der Götter von Kira Licht | Rezension

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