Hexenwerk: Die gestohlenen Kinder von Schwarzbach von Tanja Hanika | Rezension

Es bedurfte eines sanften Stupsers, um „Hexenwerk: Die gestohlenen Kinder von Schwarzbach“ und mich zusammenzubringen. Doch was bin ich froh über diesen Stupser! Zwar gehört Horror nicht zu den von mir bevorzugten Genres, doch Tanja Hanika hat mich mit ihrem Roman vom Fleck weg überzeugt. Er war in genau dem richtigen Maße gruselig, unterhaltsam, lustig, überzeugend und richtig, richtig spannend. Filmreif gar. Wer sich diesen Herbst also zusammen mit ein paar jugendlichen Freunden und drei garstigen Hexen ein wenig gruseln möchte, dem kann ich das im Selfpublishing erschienene „Hexenwerk“ nur wärmstens ans Herz legen.

Die Gedanken in seinem Kopf explodierten zu unbrauchbaren Trümmern und er konnte zunächst nicht begreifen, was geschah. Simon hätte geschworen, dass sein Herz fünf Schläge aussetzte. Ein Schwindel der Angst erfasste seinen Körper. (Seite 49)

Schwarzbach ist im Grunde ein friedlicher Ort – würden nicht bereits seit Jahrzehnten verdächtig oft kleine Kinder spurlos verschwinden. Simon, Linus und ihre Freunde hatten als Kinder ihre eigene Erklärung für das Phänomen: Sie haben sich haarsträubende Geschichten dazu ausgedacht. Drei alte Damen in Schwarzbach seien kinderfressende Hexen, sagten sie. Sie würden sie schnappen und genüsslich verspeisen. Wenn sie damals gewusst hätten, wie nah sie an der Wahrheit dran waren, hätten sie vielleicht nicht eines Abends Steine gegen die Fenster am Haus der alten Frauen geworfen… Plötzlich sehen sie sich im Visier der Frauen und sie stellen fest: Alles, was sie sich damals ausgedacht hatten, entspricht der Wahrheit. Nun gilt es, den Hexen das Handwerk zu legen, damit nie wieder Kinder in Schwarzbach verschwinden. Ob es ihnen gelingen wird?

hanika-hexenwerk-2

„Ich wache auf und so eine hässliche alte Frau steht in der Ecke. Sie beobachtet mich. Sie sieht so verdammt böse aus.“ (Seite 71)

Ich war von der ersten Seite an gebannt von der Geschichte. Simon und Linus sind als Protagonisten unglaublich sympathisch und so authentisch pubertär, dass ich mir teilweise ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte. Sie wollen mutig sein, sie wollen die üblen Machenschaften der Hexen aufdecken, sie wollen sie im Alleingang vernichten. Denn was können Erwachsene mit ihrer Vernunft schon gegen jahrzehntealte Hexen ausrichten? „Hexenwerk“ entwickelt sich zu einer rasanten Jagd auf die Hexen und ist dabei so unheimlich wie „American Horror Story“ oder ähnliche Horrorformate. Darüber hinaus hat Tanja Hanika aber eine Atmosphäre geschaffen, die mich an „Stand by Me“ von Stephen King erinnerte. Und das hat mich wirklich begeistert! Denn es geht nicht nur um den Horror, sondern auch um Freundschaft. Um Freunde, die in den Sommerferien eigentlich einfach nur ein Abenteuer erleben wollten. Stattdessen werden sie urplötzlich mit etwas Schrecklichem konfrontiert und dennoch halten sie zusammenhalten.

hanika-hexenwerk-3

Melvin hätte weinen mögen. […] Seine Mutter glaubte ihm nicht und am Ende seines Bettes stand diese grässliche alte Frau, die nach Hölle und Verwesung stank, und streckte ihre knochigen Finger nach ihnen beiden aus. (Seite 104)

Als Mutter hatte ich überlegt, ob ich ein Buch lesen kann, in dem Kinder gegessen werden. Doch der Ekel und der erwartete Widerwillen blieben aus. Denn die entsprechenden Szenen sind nie platt, sondern sehr gekonnt in die Geschichte integriert. Außerdem ist der Schreibstil von Tanja Hanika wirklich großartig. So läuft einem, wenn die Hexen den Jungen nachts erscheinen, lediglich ein angenehmer Schauer den Rücken hinunter. Was mich außerdem sehr von der Geschichte überzeugte, waren die Rückblicke in die Vergangenheit der Hexen. Es sind nicht einfach nur irgendwelche Hexen, sondern man erlebt als Leser mit, wie sie überhaupt zu Hexen wurden. Was sie dazu veranlasst hat, sich mit dem Teufel zu verbinden. Diese Perspektivwechsel reichern „Hexenwerk“ sehr an. Weiterhin erlaubt sich die Autorin am Ende einen Plottwist, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Dadurch kann sich der Showdown wirklich sehen lassen!

Fazit

„Hexenwerk: Die gestohlenen Kinder von Schwarzbach“ von Tanja Hanika ist ein Horrorroman, der mich vollkommen überzeugt hat. Die Autorin hält perfekt die Balance zwischen Grusel, Spannung und Emotionalität. Der Roman ist ungemein vielschichtig, denn es geht um die Freundschaft der Kinder, um das Familienleben und die schockierende Tatsache, dass es Hexen wirklich gibt. Und dass diese Hexen Kinder essen. Es beginnt eine abenteuerliche und unheimliche Jagd auf die Hexen. Sprachlich hervorragend und absolut überzeugend – auch für Leser, die dem Genre sonst nicht so zugetan sind.


Hexenwerk: Die gestohlenen Kinder von Schwarzbach

hanika-hexenwerkEndlich sind Sommerferien.

Aber die besten Freunde Simon und Linus bringen sich selbst um den Ferienspaß, indem sie die alten, unheimlichen Frauen verärgern, die für sie wenige Sommer zuvor noch die vermeintlich bösen Kinderfresserinnen waren. Einst ein kindischer Gruselspaß, wird die Bedrohung nun real: Die Alten sind tatsächlich Hexen. Aus Kinderfleisch ziehen sie Lebensenergie, um ewig zu leben und ihr böses Werk zu tun.

Um nicht wie die anderen gestohlenen Kinder aus Schwarzbach zu enden, setzen Simon, Linus und ihre Freunde alles daran, die Hexen zu vernichten.Teufelsbuhlschaft, Eiterernte und Hexenkräuterkunde machen die alten Frauen zu mächtigen Gegnerinnen.


Infos zum Buch
Verlag (Copyright Cover): Independently published
Preis:
 11.98 Euro
Format: Taschenbuch
ISBN: 978-1688524514
Erscheinungstermin: 29. August 2019


Über Tanja Hanika

Geboren wurde Tanja Hanika 1988 in Speyer, aufgewachsen ist sie im Großdorf Haßloch. Ab 2008 studierte sie erfolgreich an der Universität Trier Germanistik und Philosophie. Nun lebt sie mit ihrem Mann, ihrem Sohn und einer Katze in der schönen Eifel.

In den letzten Jahren hat sie an Ausschreibungen teilgenommen und viele Kurzgeschichten in Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht. Nun widmet sie sich längeren Projekten, die sie als Self-Publisher bei Amazon veröffentlicht. Im Genre »Horror« fühlt sie sich wohl und hofft, dass es ihr gelingt, bei ihren Lesern einen ordentlichen Schauder zu verursachen.

Mehr Informationen zu Tanja Hanika findet ihr auf ihrer Homepage: tanja-hanika.de.


Weitere Stimmen zum Buch

Janna von KeJas-BlogBuch | Myna von Myna Kaltschnee | Melanie von Lesezauber

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s