Amuria – Der Himmel unter der Erde von Bettina Belitz | Rezension

Es erinnert ein bisschen an Alice im Wunderland, wenn Maja bei einem Spaziergang durch den neuseeländischen Regenwald durch ein Loch in die magische Welt „Amuria“ stürzt. Doch anstatt Spielkarten-Männchen zu begegnen und mit Flamingos Cricket zu spielen, sieht sich Maja mit etwas ganz anderem konfrontiert: Amuria ist das letzte Paradies auf Erden – genauer gesagt unterhalb der Erdoberfläche. Dort leben die Amurier im Einklang mit der Natur, seit es vor vielen, vielen Jahren zum Bruch mit den Menschen kam und sie im Untergrund ihre neue Heimat fanden. Fern der Menschen, die sie fürchten und verachten. Die Menschen hingegen vergaßen im Laufe der Zeit, dass es Amurier jemals gegeben hat. Umso überraschter ist Maja, als sie diese Welt und die Amurier kennenlernt und schnell merkt sie: So friedlich, wie Amuria zu sein scheint, ist es gar nicht.

Der Himmel unter der Erde. Also hatte ich gar nicht so verkehrt gelegen, als ich überlegt hatte, ob ich tot und im Himmel gelandet wäre. (Seite 78)

Die Idee der Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Auf den Leser wartet ein Reichtum an schönen und wichtigen Botschaften. Bettina Belitz spricht in „Amuria“ Themen an, die uns in unserem Alltag berühren, wie Tier-, Natur- und Umweltschutz sowie die Angst vor dem Fremden. Deutlich stellt die Autorin den Kontrast zwischen beiden Welten heraus. Amuria, dessen Bewohner die Natur und die Tiere respektieren und schützen, und im Gegensatz dazu die Menschen, von denen viele die Erde ausbeuten, die Tiere töten und die Natur zerstören. Gleichzeitig sind aber auch die Amurier nicht perfekt, denn sie fürchten diejenigen von ihrem Volk, die in die Verbannung gegangen sind und in den unwirtlichen Dunkelsümpfen leben müssen. Und sie fürchten die Löcher, die sogenannten Portale, die eine Verbindung zwischen der Menschenwelt und Amuria darstellen, und die immer mehr werden. Werden am Ende gar die Menschen Amuria entdecken und auch dieses Paradies zerstören?

„Wenn ihr Amuria entdeckt, ist es aus mit uns“, sprach Nalu mit rauer Stimme weiter. „Dann wird es nur noch das Schlechte auf der Welt geben und nichts Gutes mehr.“ (Seite 90)

Maja und Nalu werden mit der Mission betraut herauszufinden, weshalb immer mehr Portale entstehen und diese dauerhaft zu verschließen. Die beiden bilden eine sehr gegensätzliche Gemeinschaft, denn beide mögen, verstehen und trauen einander nicht, zu unterschiedlich ist ihre Weltanschauung, zu stark wiegen Vorurteile. Die Figur von Nalu war mir sympathisch. Seine ruhige und besonnene Art, seine Nachdenklichkeit und seine Verschwiegenheit sprachen mich absolut an. Auch seine Entwicklung ist gut gelungen. Mit Maja hingegen konnte ich mich von Anfang bis Ende leider überhaupt nicht anfreunden. Sie ist launisch, laut, ungeduldig und schlicht nervig.

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Diese Tatsache machte es mir schwer, die Geschichte mit einem durchweg guten Gefühl zu lesen. Das Verhalten von Maja trübte die Lesefreude einfach zu sehr. Schade, denn die Grundidee ist faszinierend und das Thema vielschichtig. Auch die abschließende Botschaft regt zum Nachdenken an. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass die Themen und Botschaften noch ein wenig klarer herausgearbeitet worden wären. Teils war die Handlung etwas verworren, es entstanden Längen, und teilweise konnte ich dem Geschehen nicht richtig folgen.

„Also. Welche Mutter mag es schon, wenn ihre Kinder sich selbst hassen, weil sie so sind, wie sie sie geboren hat?“ (Seite 371)

Was mir hingegen sehr positiv auffiel war die Tatsache, dass es zwar in erster Linie um das Wohl der Erde geht, der Mensch – oder natürlich Amurier – dabei jedoch nicht außer Acht gelassen wird. Ebenso von Bedeutung ist es, zu sich selbst zu finden und sich so zu akzeptieren, wie man ist. Und es geht darum zu erkennen, was einem im Leben fehlt und dieses Gefühl zuzulassen. Einsamkeit zum Beispiel, aus Angst davor, Freundschaften zu schließen, nur weil man diese wieder verlieren könnte. Das rundet die Geschichte wundervoll ab und verleiht den Figuren mehr Tiefe.

Fazit

„Amuria – Der Himmel unter der Erde“ von Bettina Belitz ist ein Jugend-Fantasybuch, das voller faszinierender Ideen steckt. Zusätzlich verbindet die Autorin fantastische Elemente gelungen mit dem Thema Umweltschutz. Weniger überzeugen konnte mich hingegen leider die Protagonistin Maja, mit ihrem Charakter wurde ich nicht warm, im Gegenteil, ich empfand ihn als anstrengend und er ging mir alsbald ziemlich auf die Nerven. Insgesamt trübte das die Freude an dem Buch, zumal ihre Entwicklung im Vergleich zu der von Nalu nicht befriedigend war. Um der Idee und der Denkanregungen willen habe ich „Amuria“ zwar sehr gerne gelesen, uneingeschränkt empfehlen kann ich das Werk jedoch nicht.


Amuria – Der Himmel unter der Erde

belitz-amuria-der-himmel-unter-der-erdeMaja staunt nicht schlecht, als sie sich bei einem ihrer Streifzüge durch den neuseeländischen Regenwald nach einem schwindelerregenden Sturz in einer fantastischen Welt wiederfindet. Ihre Bewohner leben in Harmonie mit Tieren und Pflanzen, alles ist hell und schön – nur Maja passt nicht hierher. Sie, der Eindringling, stört Amurias Gleichgewicht, schlimmer noch: Als Menschenkind könnte sie Amurias geheime Existenz verraten. Ihr bleibt nur eine Chance: Zusammen mit dem jungen Nebelhüter Nalu muss sie einen gefährlichen Auftrag erfüllen, dann erst darf sie nach Hause zurückkehren. Sie ahnt nicht, dass die Reise, auf die der geheimnisvolle Junge und sie aufbrechen, nicht nur die Grundfesten Amurias, sondern auch die ihrer eigenen Welt erschüttern.


Infos zum Buch
Verlag (Copyright Cover): Edel Kids Books
Preis:
 15.99 Euro
Format: Hardcover
ISBN:  978-3961291199
Altersempfehlung: Ab 11 Jahren
Erscheinungstermin: 1. Oktober 2019


Über Bettina Belitz

Antje Babendererde, geboren 1963, wuchs in Thüringen auf und arbeitete nach dem Abi als Hortnerin, Arbeitstherapeutin und Töpferin, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Viele Jahre lang galt ihr besonderes Interesse der Kultur, Geschichte und heutigen Situation der Indianer. Ihre einfühlsamen Romane zu diesem Thema für Erwachsene wie für Jugendliche fußen auf intensiven Recherchen während ihrer USA-Reisen und werden von der Kritik hoch gelobt. Mit ihren Romanen „Isegrim“ und „Der Kuss des Raben“ kehrt die Autorin zu ihren Thüringer Wurzeln zurück.

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