Postscript – Was ich dir noch sagen möchte von Cecilia Ahern | Rezension

Mit „Postscript – Was ich dir noch sagen möchte“ knüpft Cecilia Ahern an ihren Erfolgsroman „P.S.: Ich liebe dich“ an, der im Jahr 2005 erschien. Die Geschichte um Verlust und Trauer, aber auch Freundschaft und Hoffnung bewegte mich damals sehr und so begann ich ihren neuen Roman mit einigen Erwartungen zu lesen. In mancher Hinsicht wurden die Erwartungen erfüllt, doch zu großen Teilen kam „Postscript“ leider nicht an den Vorgänger heran. Warum das so war, erläutere ich in meiner Rezension. Doch zuvor möchte ich noch ein Lob an die Agentur „ehrlich & anders“ aussprechen, die das Erscheinen des Buches mit einer Aktion begleitet haben. Ganz im Sinne der Geschichte von Holly und Gregg wurden drei Briefe verschickt, die Zitate aus dem Buch beinhalteten sowie Fragen, die zum Nachdenken anregten. Der finale Brief enthielt eine To-Do-Liste mit Aufgaben, mit denen ich mir, aber auch anderen etwas Gutes tun kann. Diese Aktion hat mich begeistert und dafür möchte ich mich herzlich bedanken.

Wir wollen unseren Tod kontrollieren, unseren Abschied von der Welt, und wenn wir das nicht können, wollen wir wenigstens bestimmen, wie wir sie hinter uns lassen. (Seite 141)

„Postscript“ umfasst viele berührende Momente und Gedanken. Wie können todkranke Menschen mit ihrem Schicksal umgehen? Wie können sie sich von ihren Liebsten verabschieden? Wie kann man sie auf ihrem Weg begleiten? Auch die Handlung gefiel mir grundsätzlich gut, denn wir werfen sozusagen einen Blick hinter die Kulissen von „P.S.: Ich liebe dich“. Das ist faszinierend, denn man betrachtet Gerry aus einem ganz neuen Blickwinkel. Was ging ihm wohl durch den Kopf, als er seine Briefe an Holly verfasste? Was war seine Intention? Wollte er dadurch in gewisser Weise lebendig bleiben oder wollte er Holly ausschließlich helfen?

Die Zeit, die wir hier auf der Erde verbringen, ist so kurz, aber was wir aufschreiben, wird uns überleben. […] Das Papier wird als Botschafter dienen, damit unsere Liebsten all das lesen und anfassen können – Worte, entstanden aus den Gedanken in einem lebendigen Kopf, gesteuert von einem lebendigen Herzen. Worte sind Leben. (Seite 162)

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Diese Reflexion wurde meiner Meinung nach jedoch etwas zu weit getrieben, da die Idee der Briefe von Grund auf in Frage gestellt wird. Für Holly waren sie damals ein rettender Anker, die Briefe brachten sie dazu, weiterzumachen und den Tod ihres Mannes zu verarbeiten. Nun gerät diese Überzeugung ins Wanken und Holly fragt sich, ob die Briefe wirklich hilfreich waren oder ob sie sie nicht vielmehr in ihrer eigenen Entwicklung behindert und gebremst haben. Für mein Empfinden untergräbt diese Entwicklung die ganze Magie vom ersten Buch.

Wie kann mein Verstand mit sich im Reinen sein, wenn zwei Herzen in meiner Brust schlagen? (Seite 312)

Zudem machte die Figur von Holly wieder drei Schritte zurück, anstatt eine Weiterentwickelung zu zeigen. Zwar sagt sie häufig, dass Gerry sie nicht wiedererkennen würde, so sehr habe sie sich verändert, doch letztendlich ist sie mindestens ebenso launisch, nervig, wankelmütig und egozentrisch wie zu Beginn von „P.S.: Ich liebe dich“. Dort habe ich ihre Entwicklung gemocht, ich habe sie gerne auf ihrem Weg begleitet. Hier hat mich ihre Art leider sehr gestört. Sie will Verantwortung übernehmen, dann ist sie wieder kindisch und naiv. Sie will glücklich sein, im nächsten Moment hasst sie sich. Sie weiß die meiste Zeit nicht, was sie will. Natürlich kann man argumentieren, dass sie hin- und hergerissen ist zwischen ihrem Andenken an Gerry und ihrem neuen Freund Gabriel. Sie wagt nicht loszulassen, sie kann aber auch nicht mehr an Gerry festhalten. Doch genau dieser Zwiespalt wurde nicht sauber genug herausgearbeitet, finde ich. Ihre Beziehung zu Gabriel fand zu wenig Raum und wurde für mich nicht greifbar. Sie blieb immer vage und so konnte ich den Konflikt nicht nachempfinden.

Der Schreibstil trägt mitunter ebenso dazu bei, dass die Geschichte nicht so richtig in Schwung kommt. Ahern schreibt teils sehr langatmig, geprägt von Hollys ständigem Abwägen, was zu tun ist und was nicht. Man dreht Kreise im Kopf von Holly. Gewünscht hätte ich mir einen stärkeren Fokus auf den „P.S.: Ich liebe dich-Club“, denn die Nebenfiguren wären es wert gewesen, mehr ins Zentrum zu rücken. Ihr Schicksal geht zu Herzen, ihr Leben, ihre Sorgen und ihre Ziele bereichern den Roman.

Fazit

„Postscript – Was ich dir noch sagen möchte“ von Cecilia Ahern hat viele gute Seiten und zahlreiche schöne, berührende Momente. Mir gefielen die Nebenfiguren, die im „P.S.: Ich liebe dich-Club“ ihren Liebsten Briefe hinterlassen möchten, wie Gerry es bei Holly tat. Ihre Schicksale gehen zu Herzen. Auch die Gedanken, die die Autorin in ihren Roman einfließen lässt, sind teilweise wundervoll und regen dazu an, über den eigenen Tod nachzudenken. Was mir weniger gefiel, war das Verhalten von Holly. Da der Roman in der Ich-Perspektive geschrieben wurde, ist man als Leser zudem sehr im Kopf von Holly gefangen. Man kann sich nicht wirklich in die Handlung fallenlassen und irgendwann wurden die egozentrischen und naiven Gedankengänge von Holly sogar störend. Neben einem recht langatmigen Schreibstil mit vielen Wiederholungen machte dies das Lesen leider sehr mühselig. Dieser Roman hat einen spannenden Ansatz, mir fehlte jedoch die Magie von „P.S.: Ich liebe dich“.


Postscript – Was ich dir noch sagen möchte

ahern-postscript-was-ich-dir-noch-sagen-möchteVerlag (Copyright Cover): S. Fischer Verlag
Preis:
 20.00 Euro
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-8105-3067-7
Erscheinungstermin: 23. Oktober 2019
Leseprobe von Postscript

Klappentext: Vor sieben Jahren ist Holly Kennedys geliebter Mann Gerry viel zu jung an Krebs gestorben. Er hat ihr ein wunderbares Geschenk hinterlassen: eine Reihe von Briefen, die sie durch die Trauer begleitet haben. Holly ist stolz darauf, dass sie sich inzwischen ein neues Leben aufgebaut hat. Da wird sie von einer kleinen Gruppe von Menschen angesprochen, die alle unheilbar krank sind. Inspiriert von Gerrys Geschichte, möchten sie ihren Lieben ebenfalls Botschaften hinterlassen.

Holly will nicht in die Vergangenheit zurückgezogen werden. Doch als sie beginnt, den Mitgliedern des »P.S. Ich liebe Dich«-Clubs zu helfen, wird klar: Jeder von uns kann seinen ganz eigenen Lebenssinn finden. Und die Liebe weitertragen. Wenn wir uns nur auf die Frage einlassen: Was will ich heute noch sagen und tun, falls ich morgen nicht mehr da bin?

Autor*in: 25 Millionen weltweit verkaufte Bücher und ein Ausnahmetalent: Was Cecelia Ahern als Schriftstellerin auszeichnet, ist ihre Phantasie, mit der sie den Alltag wunderbar macht und Geschichten erzählt, die Herzen berühren. Und sie ist vielseitig wie wenige andere: Cecelia Ahern schreibt Familiengeschichten genauso wie Liebesromane und Jugendbücher, sie verfasst Novellen, Storys, Drehbücher, Theaterstücke und TV-Konzepte. Ihre Werke erobern jedes Mal die Bestsellerlisten, viele davon wurden verfilmt, so zum Beispiel »P.S. Ich liebe Dich« mit Hilary Swank oder »Für immer vielleicht« mit Sam Claflin. Cecelia Ahern wurde 1981 geboren, hat Journalistik und Medienkommunikation studiert und lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern im Norden von Dublin.


Weitere Stimmen zum Buch

Sonja von Lovin-Books | René von René We

4 Gedanken zu “Postscript – Was ich dir noch sagen möchte von Cecilia Ahern | Rezension

  1. Liebe Anna,

    ich muss zugeben, dass ich „P.S. ich liebe dich“ nicht gelesen habe, sondern eine der Vielen war, die den Film gesehen haben (der mich schon sehr berührt hat).
    Natürlich bin ich nicht vor der Neuerscheinung „Postscript“ sich gewesen. Die Social Media – Kanäle waren Dank der Aktion voll davon.
    Ich denke, dass sich viele Fans sehr gefreut haben, dass die Geschichte von Holly weiter geht.

    Auch wenn ich den Vorgänger nicht gelesen habe, verstehe ich anhand deiner Rezension gut, dass dir die protagonistin teilweise auf die Nerven ging. Schließlich erhofft man sich, dass Holly ihren Weg geht, nach vorn schaut und neue Perspektiven langfristig entdeckt und sich nicht in alten Mustern aufhält.

    Liebe Grüße
    Tina

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Tina,

      nun da der Kindergeburtstagswahnsinn endlich vorüber ist, komme ich auch endlich zum antworten. Entschuldige bitte!

      Ich muss immer schmunzeln, wenn mir jemand sagt, dass er/sie nur den Film gesehen hat und dieser sehr berührt hat. Ich fand die Verfilmung ganz scheußlich 😉 Das Buch ist so viel besser. Wer weiß, vielleicht wird es bei mir und Postscript ja genau andersherum? 😀 Sollte die Fortsetzung verfilmt werden, schaue ich auf jeden Fall in den Film rein!

      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
      Anna

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