The Dangerous Art of Blending In von Angelo Surmelis | Rezension

„The Dangerous Art of Blending In“ ist ein „Own Voice“ Roman, in dem Autor Angelo Surmelis seine eigene Kindheit und Jugend verarbeitet. Gleichzeitig hat er ein Werk in die Welt gesetzt, das zeigt, wie schwer es unter anderem Homosexuelle noch heute haben, von der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Welche Ängste sie ausstehen müssen und wie ignorant und verurteilend einige Menschen, vor allem in Kleinstädten, sein können. Homosexualität ist also die eine Sache, doch Surmelis hatte als immigrierter Grieche auch eine strenge und gläubige Mutter, die ihn jahrelang misshandelte. In einer berührenden Autorennotiz schreibt Surmelis, dass seine Therapeutin ihm empfohlen habe, seine Erfahrungen zu Papier zu bringen, doch wann immer er damit begann, war der Prozess zu schmerzhaft. Erst die Erfindung von Evan, so der Name des Protagonisten in diesem Buch, ermöglichte es ihm, die notwendige Distanz zu erlangen. Hier ist seine Geschichte.

„I know how to do this. I do this all the time. Actually, this is what I do. I make everything okay. I make it all normal when it’s not at all.“ (Seite 169)

Mit fünf Jahren immigrierte Evan mit seinen Eltern in die USA, in die Kleinstadt Kalakee, Illinois. Dort regiert seine Mutter über seinen Alltag, sie bestimmt, welche Kleidung er tragen soll (immer lange Ärmel, damit niemand die Verletzungen sieht), seine Frisur (kurze Haare, alles andere würde schwul aussehen), seine Hobbys (sich nützlich machen, nicht tagträumen) und seine Freunde (niemand, der nicht in die richtige Kirche geht und/oder Grieche ist). Passt etwas nicht in ihre Vorstellung von der guten, gottesfürchtigen Familie, wird sie handgreiflich gegenüber ihrem Sohn. Und auch wenn alles in das Bild passt, findet sie immer etwas, um ihren Sohn dennoch verbal zu erniedrigen. Schon zu Beginn der Geschichte ahnt sie, dass mit Evan etwas „nicht stimmt“. Mit Argusaugen beobachtet sie ihn und versucht, ihn durch Prügel wieder auf den richtigen Weg zu bringen und ihm das „Schwulsein“ auszutreiben. Diese Szenen sind bitter, erschreckend, schockierend und unendlich traurig.

Angelo Surmelis verleiht der inneren Zerrissenheit von Evan Ausdruck. Er fürchtet und hasst seine Mutter, dennoch sehnt er sich nach ihrer Zuneigung. Ist ihre Liebe echt? Hat sie recht mit ihren Anschuldigungen? Diese Gedanken begleiten Evan durch seine Kindheit, er macht sich klein, möglichst unsichtbar, verdrängt jegliche Gefühle. Er versucht, zu überleben. Seine Strategie ist es, seine Welten strikt voneinander zu trennen: sein Zuhause und sein Schulalltag und vor allem seine Freundschaft zu Henry.

My mother leans in, looks right at me, and lowers her voice to a hush. „Die. If this is who you are.“ (Seite 250)

Henry ist wie ein Anker für Evan. Doch einhergehend mit der Veränderung ihrer Beziehung zueinander, wächst auch die Unsicherheit bei Evan. Beide Welten drohen immer mehr aufeinanderzuprallen und das versetzt Evan in große Angst. Ich fand es großartig, dass nichts in der Beziehung der beiden Jungen romantisiert wird. Sie handeln manchmal unbedacht, sind teilweise egoistisch, kurzsichtig, ängstlich. Doch all diese Gefühle und Reaktionen aufeinander sind plausibel und machen absolut Sinn angesichts der Hintergründe.

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Maybe I’m not so ugly after all. Maybe no one is really ugly, and maybe no one has the right to call someone that or tell them that they are. Maybe the only real ugliness is what lives inside some people. (Seite 275)

Als „Own Voice“ Autor hat Angelo Surmelis Authentizität in seinem Roman natürlich gepachtet. Das spürt man beim Lesen. Man fühlt sich unmittelbar mit den Figuren, Haupt- und Nebenfiguren in gleicher Weise, verbunden. Ich litt mit Evan, ich hoffte mit Evan, ich war verängstigt wie Evan. Aber ich spürte auch die überschäumende Freude, die Evan gemeinsam mit Henry empfindet. Die Hoffnung, dass das Leben doch mehr bieten kann, als alles, was er bisher kennengelernt hat. Die Hoffnung, dass er sich befreien kann aus dem engen und verletzenden Griff seiner Mutter. 

Fazit

„The Dangerous Art of Blending In“ von Angelo Surmelis ist ein bedrückender und gleichzeitig befreiender Roman über Homosexualität, Missbrauch und das Aufwachsen als Immigrant in einer Kleinstadt in den USA. Surmelis ist ein „Own Voice“ Autor, der mit dem Schreiben dieser Geschichte seine eigene Kindheit und Jugend verarbeitet. Ein wichtiges Buch, das hoffentlich bei manchen ein Umdenken bewirkt, das vor allem aber zeigt, dass man immer Menschen findet, die einen akzeptieren wie man ist, die einen unterstützen und auffangen, wenn es die eigene Familie nicht kann. Sehr empfehlenswert!


The Dangerous Art of Blending In

surmelis-the-dangerous-art-of-blending-inVerlag (Copyright Cover): Harper Collings Publishers (Balzer + Bray)
Preis:
16.98 Euro (deutscher Preis, Stand Dezember 2019)
Format: Hardcover
ISBN: 978-0062659002
Erscheinungstermin: 30. Januar 2018

Klappentext: Seventeen-year-old Evan Panos doesn’t know where he fits in. His strict immigrant Greek mother refuses to see him as anything but a disappointment. His quiet, workaholic father is a staunch believer in avoiding any kind of conflict. And his best friend, Henry, has somehow become distractingly attractive over the summer.

Tired, isolated, scared—Evan finds that his only escape is to draw in an abandoned monastery that feels as lonely as he is. And yes, he kissed one guy over the summer. But it’s Henry who’s now proving to be irresistible. Henry, who suddenly seems interested in being more than friends. And it’s Henry who makes him believe that he deserves more than his mother’s harsh words and terrifying abuse.

But as things with Henry heat up, and his mother’s abuse escalates, Evan has to decide how to find his voice in a world where he has survived so long by being silent.

Autor*in: Angelo Surmelis was raised in Greece until he immigrated to Illinois at the age of five. He currently lives in Los Angeles. An award-winning designer, Surmelis has been featured on over fifty television shows, including the Today show and Extra, as well as in magazines such as InStyleTV Guide, and Entertainment Weekly. He has worked as a host on networks like HGTV and TLC. He can be found online at http://www.angelohome.com.


 

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