Eddie Fox und der Spuk von Stormy Castle von Antje Szillat | Kinderbuch

Eddie Fox ist ein 299 Jahre alter Geist, der friedlich das Turmzimmer seiner Burg Stormy Castle bewohnt. Er mag seine Kniebundhosen und Pullunder und er mag Tilla, seine Fledermaus-Freundin. Was er gar nicht mag, sind Kinder. Und das, obwohl er selbst noch ein Kind ist, denn dummerweise starb er leider im zarten Alter von zehn Jahren. Seine Eltern – ebenfalls Geister – sind viel auf Reisen und ab und an kommt der Drache Golfo zu Besuch. So lebt es sich gar nicht schlecht. Doch dann geschieht etwas, das alles durcheinanderbringt: Stormy Castle soll in eine Schule umfunktioniert werden. Also beschließt Eddie, die ersten „Burgbesetzer“, die Schuldirektorin nebst Tochter Pia sowie zwei Bauarbeiter und der Hausmeister, aus seiner Burg zu vertreiben. Das klang nach einer amüsanten Geschichte mit einem sympathischen Geisterhelden, der am Ende vielleicht lernt, dass nicht unbedingt alle Kinder schlimm sind.

„Kinder haben in meiner Burg nichts zu suchen. Das ist immer noch die Burg der von Fox und Wood, und ich bin der rechtmäßige Erbe und Besitzer und werde niemals zulassen, dass meine schöne Burg in eine Schule verwandelt wird. Nur über meine Leiche!“ (Seite 26)

Wir wurden nicht enttäuscht, sondern sogar ziemlich überrascht. Autorin Antje Szillat rundet die humorvolle Geschichte mit Tiefe und ernsten Momenten ab und hält perfekt die Balance zwischen Komik und Tragik. Denn das Leben von Eddie Fox hatte auch seine Schattenseiten, da er von seinen Mitschülern gehänselt und gemobbt wurde. Letztendlich stießen drei von ihnen Eddie in den Wassergraben rund um die Burg, was die tödliche Erkrankung zur Folge hatte. Kinder verstehen, was geschehen ist, beim Lesen kommt jedoch nie ein zu großes Gefühl von Traurigkeit auf. Es ist immer okay, dass Eddie ein junger Geist ist, es ist einfach eine Selbstverständlichkeit.

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Es gibt zahlreiche Geschichten für Kinder, denen diese traurigen Momente abhanden kommen. Darin geht es oft allein um Action, Unterhaltung und Spaß, selten nimmt das Kind mehr daraus mit, als ein paar Lacher beim Lesen. Doch hier hat sich die Autorin Antje Szillat sehr viel Mühe gegeben, das hat uns sehr gut gefallen.

Die Figuren sind durchweg liebenswert. Allen voran natürlich Eddie, der im Laufe der Jahre zwar ein wenig eigenbrötlerisch geworden ist und eher in sich gekehrt, der aber dennoch ein gutes Herz hat. Er liebt seine Burg über alles und er hat sich hervorragend mit seinem Geist-Dasein arrangiert. Pia ist die ideale Ergänzung. Sie ist freundlich, lebhaft und unglaublich neugierig. Und sie redet ohne Punkt und Komma. Es sind die Begegnungen und Gespräche der beiden, die einen besonders zum Schmunzeln bringen. Tilla erinnert sehr an Mathilda, die beste Freundin des Drachen Kokosnuss, in der gleichnamigen Buchreihe für Kinder. Sie ist der Sidekick von Eddie, ein wenig ungeschickt, aber immer an seiner Seite, auch wenn es schwierig wird.

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Positiv hervorheben möchte ich außerdem, dass „Eddie Fox“ sich bewusst nicht ausschließlich an Jungen oder an Mädchen richtet. Das gilt sowohl für die Handlung als auch für die Gestaltung, farblich tappt das Kinderbuch nämlich ein Glück nicht in die „Rosa-Hellblau-Falle“. Auf fast allen Seiten befinden sich zudem skizzenhafte Illustrationen von Susanne Göhlich, die teils sehr hübsch anzusehen sind. Manche sind allerdings sehr schlicht, auf die hätte man meiner Meinung nach verzichten können.

Lesen lässt sich die Geschichte von etwas geübteren Leseanfängern recht gut, es tauchen jedoch einige englische Namen und Wörter auf, bei denen Kinder sicherlich noch etwas Hilfe benötigen. Doch auch das Vorlesen macht riesigen Spaß, als Erwachsene fühlt man sich ebenfalls bestens unterhalten.

Das sagt die kleine Lesemaus: „Eddie Fox“ ist total cool. Vor allem Hausmeister Quitte ist lustig, denn was immer er vorhat – irgendetwas geht immer schief. Auch der Drache Golfo ist lustig, weil er immer aus Versehen etwas anbrennt, und es ist toll, dass die Fledermaus Tilla Pia sofort mag. Pia und Eddie sind am Anfang sehr verschieden und dennoch freunden sie sich am Ende an. Die Geschichte ist spannend und nicht so traurig, aber es ist blöd, was die Kinder in der Schule mit Eddie gemacht haben. Wann kommt das nächste Buch raus?!


Eddie Fox und der Spuk von Stormy Castle

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Verlag (Copyright Cover): ars Edition
Preis: 12.99 Euro
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-8458-3441-2
Ab 8 Jahren
Erscheinungstermin: 24. Februar 2020

Klappentext: Auf dem höchsten Felsen weit und breit, dort, wo der Wind mächtig weht und braust, liegt sie da: die uralte Burg Stormy Castle. Seit vielen Jahren wohnt dort keiner mehr. Zumindest glauben das alle …

In Wahrheit ist Stormy Castle alles andere als unbewohnt: Edward Donald Darius Ignatz Eliot Graf von Fox und Wood − Eddie genannt und seit 288 ¼ Jahren tot − ist der Herr über die Burg. Friedlich genießt der Geist zusammen mit seiner schlauen Fledermaus-Freundin Tilla das ruhige Leben. Doch eines Tages ist es mit der Ruhe vorbei: In das alte Gemäuer soll eine Schule einziehen. Wie bitte – eine Schule? Lärmende Schüler? Kinder? Eddie beschließt, die Eindringlinge mit viel Spuk zu verjagen…

Autor*in: Antje Szillat begann bereits mit acht Jahren, Geschichten zu schreiben. Von diesem Zeitpunkt an war es ihr größter Wunsch, Schriftstellerin zu werden. Doch zunächst schlug sie ganz andere berufliche Wege ein und begann erst nach der Geburt ihres zweiten Sohnes damit, ihren Kindheitstraum wahr werden zu lassen. Heute schreibt die gebürtige Hannoveranerin sehr erfolgreich Bücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ihre Buchfigur „Rick“ und die Detektivabenteuer rund um das Stinktier „Flätscher“ sind Beststeller. Szillats Bücher wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet, unter anderem von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur, dem Familienministerium Rheinland Pfalz sowie mit dem Leipziger Lesekompass und dem Paderborner Hase. Antje Szillat ist verheiratet und hat mit ihrem Mann vier Kinder. Zu der lustigen „kleinen“ Großfamilie gehören Pferde, Hunde, Goldfische und viele, viele Bücher. Sie lebt und arbeitet vor den Toren ihrer Lieblingsstadt Hannover.

Illustrator*in: Susanne Göhlich wurde 1972 in Jena geboren.  Schon während ihres Kunstgeschichtsstudiums in Leipzig gestaltete sie Plakate und zeichnete selbst erdachte Geschichten.  Heute illustriert Susanne Göhlich zahlreiche Kinderbücher. Dazwischen zeichnet sie für Magazine und entwirft Plakate. Am liebsten entwirft sie neue Charaktere. Mittlerweile schreibt und illustriert sie deshalb auch eigene Bilderbücher. Susanne Göhlich lebt mit ihrer Familie in Leipzig.


Bei diesem Titel handelt es sich um ein Rezensions- bzw. Presseexemplar. Für die Rezension habe ich keine Bezahlung erhalten. Auf meinem Blog findet ihr stets meine unabhängige und persönliche Meinung zu Titeln.

4 Gedanken zu “Eddie Fox und der Spuk von Stormy Castle von Antje Szillat | Kinderbuch

  1. Hallo nochmal,
    das ist wahrscheinlich die Erbsenzählermentalität in mir, die man sich als Autor angewöhnt 🙂 Aber tatsächlich wäre Eddie ja auch mit Kniebundhosen à la Mozart und gepuderter Perücke (die er sicher hassen würde und in der Tilla super schlafen könnte [weil ihr immer schlecht wird, wenn die Kopfüber hängt]) witzig.
    Liebe Grüße, Jürgen

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  2. Hallo Anna,
    das klingt nach einem wirklich schönen Kinderbuch. Allerdings musste ich doch beim Alter von Eddie stutzen. Wenn er seit 288 Jahren tot ist, wäre er 1732 gestorben. Soweit ja okay. Ist ja kein Alter für einen Geist. Nur trugen die Kinder 1732 garantiert keine karierten Kniebundhosen und Pullunder. Das ist die Zeit immerhin 60 Jahre VOR der französischen Revolution. Wird das irgendwie erklärt im Buch oder ist das schöpferische Freiheit?
    Liebe Grüße, Jürgen

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Jürgen,

      jetzt wo du es sagst… 😀 Darüber hatte ich mir tatsächlich keine Gedanken gemacht, aber natürlich haben die damals keine karierten Kniebundhosen und Pullunder getragen 🙂 Vielleicht ist das eine Angewohnheit, die erst mit einigen Jahren Geisterdasein auf dem Buckel kam…? Ansonsten würde ich es unter künstlerischer Freiheit verbuchen 😉 An eine Erklärung kann ich mich zumindest nicht erinnern.

      Liebe Grüße
      Anna

      Gefällt 1 Person

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