Lia – Die Prophezeiung der Königin von Tamora Pierce | Rezension

Erst kürzlich las ich den Auftakt zu Tamora Pierce’s neuester Fantasyreihe, „Tempests and Slaughter (The Numair Chronicles, Band 1)„. Mit „Lia – Die Prophezeiung der Königin“ (im Original: „Trickster’s Choice“) reiste ich wieder in die Vergangenheit und knüpfte inhaltlich an die erste große Tortall-Saga der Autorin an. In der „Trickster-Reihe“ begleiten wir Lia, die Tochter von Alanna, der heldenhaften Ritterin im Land Tortall. Sie ist also einerseits die Tochter einer Kriegerin und hat den Gauner und Spion George zum Vater. Was für Gene ihr da in die Wiege gelegt wurden! Es ist also kein Wunder, dass Lia Ambitionen hat, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten. Wer „Alanna von Trebond 1-4“ sowie „Dhana 1-4“ kennt, wird sich in diesem Roman direkt heimisch fühlen, kommen doch alle bekannten und geliebten Figuren vor oder sie werden zumindest erwähnt. Und ebenso wie in allen ihren Romanen, besticht Pierce auch hier mit einer großartigen Geschichte, viel Ideenreichtum und einer starken und im positivsten Sinne eigensinnigen Frauenfigur.

In einer Zeit der Furcht wird die Eine, die ich versprochen habe, zu den Raka kommen und mit ihr Ehre und Gerechtigkeit.

„Lia – Die Prophezeiung der Königin“ bietet Spannung, Gefühl und Humor. Denn wer wäre Lia, wenn sie sich nicht frei nach dem Vorbild ihrer berühmten Eltern in ihr eigenes Abenteuer stürzen würde. Doch tatsächlich sucht nicht sie sich das Abenteuer aus, sondern das Abenteuer sucht sie – sie gerät nämlich in die Fänge von Piraten und wird als Sklavin an die Adelsfamilie Balitang verkauft. Und schon findet sie sich inmitten einer Welt aus königlichen Intrigen, Machtgier und Verrat wieder. Denn als die Balitangs beim König in Ungnade fallen, müssen sie um ihre Sicherheit fürchten und in ihr Heim auf den Kupferinseln zurückkehren, wo die ursprünglichen Inselbewohner, die Raka, von den Luarin ausgebeutet wurden und bis heute unterdrückt werden.

Langsam begreift Lia, dass mit dem Rückzug auf die Inseln mehr auf dem Spiel steht, als nur das Wohl der Adelsfamilie. Sie befindet sich in einem politischen Spannungsfeld. Vor allem die Töchter erregen das Interesse sowohl der Luarin als auch der Raka. Was ist an ihnen so besonderes? Und als wäre all dies nicht rätselhaft genug, wird sie vom Gott Kyprioth dazu auserkoren, die Töchter der Familie zu schützen. Wird sie dieser Aufgabe gerecht, erlangt sie ihre Freiheit zurück.

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Die Geschichte von Tamora Pierce hält ununterbrochen die Spannung aufrecht, es gibt keinen Moment, an dem einen „Lia – Die Prophezeiung der Königin“ nicht packt. Sei es das Leben als Sklavin, die Reise auf die Kupferinseln, das Leben bei den Balitangs, die stets neu gewonnenen Erkenntnisse über ihre Aufgabe bei ihnen sowie eine ganz zarte Liebesgeschichte. Dies alles macht aus dem fantastischen Jugendbuch eine sehr runde Sache.

Allem voran haben mir die Figuren außerordentlich gut gefallen. Lia steckt voller Tatendrang, sie ist mutig und neugierig, aber sie handelt meist rational und vorsichtig. Sie tappt nicht aus Versehen in irgendwelche Fallen, nur um die Spannung zu steigern, sie löst Probleme mit angenehmem Scharfsinn. Ihre Gefühle hält sie in Band 1 sehr unter Verschluss. Dennoch bleibt sie nahbar, was sicherlich ihrem Humor zuzuschreiben ist. Ihre Art, mit den Bediensteten der Balitangs und den Balitangs selbst umzugehen, hat mich teils sehr zum Schmunzeln gebracht. Neben Lia sticht für mich insbesondere Nawat Krähe hervor, eine ziemlich einzigartige Figur, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, um nichts zu spoilern. Doch auch die Nebenfiguren sind rund und bereichern die Geschichte ungemein. Sie haben Charakter und man spürt, dass die Autorin sie im Vorfeld gut ausgearbeitet hat.

Der Plot ist ebenfalls schlüssig und sehr interessant. Ich kann es kaum erwarten weiterzulesen, zumal ich das Gefühl habe, dass in Band 1 für vieles nur die Karten gelegt wurden. Das Spiel beginnt erst noch so richtig in Band 2. Auch hoffe ich, dass sich zwei Figuren einander weiter annähern, denn dieser Erzählstrang erinnert mich stark daran, wie Alanna und George einander in „Alanna von Trebond 1-4“ kennen- und lieben lernten. Auch hier steht die Liebesgeschichte niemals im Mittelpunkt, dennoch ist sie bezaubernd, ohne jemals kitschig oder übertrieben zu wirken, sondern einfach echt.

Von mir erhält „Lia – Die Prophzeiung der Königin“ also eine große Leseempfehlung! (Nur eventuell auf Englisch, denn mich hat das Cover der englischen Ausgabe weit mehr überzeugt als das der deutschen Ausgabe.)


Lia – Die Prophezeiung der Königin

pierce-lia-die-prophezeiung-der-königinOriginaltitel: Trickster´s Choice (Daughter of the Lioness 1)
Verlag (Copyright Cover):
Arena Verlag
Preis: nur gebraucht erhältlich
Format: Hardcover
ISBN: 978-3401056470
Erscheinungstermin: Juni 2006

Klappentext: Lia ist es bestimmt, in den erbitterten Kampf einzugreifen, der seit Hunderten von Jahren auf den Kupferinseln tobt. Einer uralten Prophezeiung zufolge sind die Töchter der Adelsfamilie Balitang dazu auserkoren, die verfeindeten Volksstämme der Raka und Luarin miteinander zu versöhnen. Doch die Vorhersehung bringt die Mädchen in die höchste Gefahr. Wird es der Tochter der Löwin gelingen, die mächtigen Gegner ihrer Schützlinge auszuschalten? Die Zukunft der Kupferinseln liegt in Lias Händen…

Lia, Tochter der legendären Alanna und neue Heldin im Fantasykosmos von Tamora Pierce, ist nicht nur eine ebenso mutige Kriegerin wie ihre Mutter, sondern auch eine geschickte Spionin mit Witz, Verstand und Flirtfaktor! Der erfrischende Generationenwechsel bringt dazu ein willkommenes Wiedersehen mit alten Bekannten im mythischen Land Tortall.

Autor*in: Tamora Pierce wird im Dezember 1954 in Connelsville in den USA geboren. Tamora sollte eigentlich Tamara heißen, doch die Schwester im Krankenhaus schrieb nach ihrere Geburt versehntlich einen falschen Namen auf. Tamora ist das erste von drei Kindern und hat zwei jüngere Schwestern. Mit zehn Jahren zog sie mit ihrer Familie nach San Francisco um, Nach der High School studierte Pierce Psychologie an der University of Pennsylvania. Mit elf Jahren begann Pierce das Schreiben. Fast alle ihre Romane lassen sich zu dem Genre Fantasy oder Jugenbuch zählen Bisher hat sie über 20 Romane geschrieben und drei Kurzgeschichten veröffentlicht, welche im Deutschen beim Arena Verlag veröffentlicht werden. Pierce lebt heute zusammen mit Tim Liebe, vier Katzen und zwei Wellensittichen in Manhattan.


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Andreas von Buchwurm

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