An Ember in the Ashes (Band 1) von Sabaa Tahir | Rezension

Es ist nie gut, wenn ein Mensch oder eine Bevölkerungsgruppe denkt, sie sei besser, stärker oder klüger als andere Menschen und dominiert diese. Sei es aus religiösen, ethnischen, finanziellen oder sonst welchen Gründen. Das sehen wir aktuell in der Welt und das sieht man in „An Ember in the Ashes“ (dt. Elias & Laia – Die Herrschaft der Masken) von Sabaa Tahir. Auch in diesem Fantasy-Roman entspringt aus einem ungleichen Machtgefüge für jeden Einzelnen ein Leben voller Ungerechtigkeit, Angst und Gewalt. Keine leichte Kost. Doch wer sich darauf einlassen möchte, den erwartet ein spannungsreicher und emotionsgeladener Reihenauftakt mit wundervoll komplexer Handlung.

Im Martial Empire haben die Martials, kämpferische und auf Skrupellosigkeit trainierte Soldaten die Macht. Angeführt werden sie vom übermächtigen Emperor, der das Land den Scholars abgerungen hat und diese seither unterdrückt. Wer sich negativ über das Empire äußert, wer sich auch nur auffällig verhält, wird als Sklave gefangen genommen, gefoltert und/oder getötet. Empathie und Warmherzigkeit sind hier fehl am Platz.

Elias ist ein solcher Martial. Im Kindesalter wurde er unfreiwillig nach Blackcliff gebracht, wo er unter dem unerbittlichen Commandant Keris Veturia ausgebildet wird. Hier überlebt nur, wer stark genug ist und sich an die Regeln hält. Ein Entkommen ist unmöglich, weder während der Ausbildung, noch wenn man als Martial dem Emperor dient. Dennoch möchte Elias fort, seine Flucht hat er bis in das kleinste Detail geplant. Denn er lehnt den Machtmissbrauch der Martials ab, er hasst sein Leben und er hasst es, die Befehle des Commandant zu befolgen, die nur zur Folge haben, dass Menschen verletzt und getötet werden. Seine Pläne ändern sich jedoch, als seine beste Freundin Helene und er sowie zwei weitere Martials für die Nachfolge des Emperors ausgewählt werden. In vier Tests müssen sie sich bewähren. Ihm ist klar, dass er Helene nicht alleine lassen kann. Und so beginnt für ihn der innere Kampf zwischen seinen Überzeugungen, seinem Gewissen und der grausamen Realität.

„Let your guilt be your fuel. Let it remind you of who you want to be. Draw a line in your mind. Never cross it again. You have a soul. It’s damaged, but it’s there. Don’t let them take it from you, Elias.“

An Ember in the Ashes, S. 373

„An Ember in the Ashes“ zeigt, wie schwer es sein kann, aus diesem Machtgefüge auszubrechen. Und es zeigt, wie schwer es ist, unter einer solchen Macht zu leben. Niemand in diesem Roman ist wirklich frei. Nicht die Martials, für die es kein Entkommen aus Blackcliff und ihrem Dienst gibt, und schon gar nicht für die Scholars, die jeden Tag in Angst vor den maskierten Martials leben. So wie Laia, die mit ihren Großeltern und ihrem Bruder Darian in der nahegelegenen Stadt Serra wohnt. Ihre Eltern starben durch die Hand der Martials und als auch ihre Großeltern getötet werden und ihr Bruder gefangengenommen wird, flieht Laia zu den Rebellen, um sie um Hilfe zu bitten. Im Gegenzug soll Laia für sie in Blackcliff als Spionin alles über die bevorstehenden Tests in Erfahrung bringen. So kreuzen sich die Wege von Laia und Elias.

Die Spannung baut sich in diesem Roman stetig weiter auf. Zu Beginn legt die Autorin mehr Wert darauf, die Figuren vorzustellen und deren Gedanken und Gefühlen den notwendigen Raum zu geben. Doch sobald die Fluchtpläne von Elias durchkreuzt werden und Laia dem Commandant als Sklavin dient, zieht Sabaa Tahir das Tempo an. Für mich ein optimaler Einstieg in einen Fantasy-Roman, um ganz in diese Welt eintauchen zu können. Hinzu kommt eine vielschichtige Handlung, denn verschiedene fantastische Elemente deuten schon bald ein noch viel größeres Ganzes an, als man zu Beginn vermutet.

Das Setting von „An Ember in the Ashes“ ist an das alte Rom angelehnt, seinen Soldaten und den unzähligen Sklaven, die dem römischen Volk dienten. Das spiegelt sich in den militärischen Strukturen der Martials wider sowie in deren Eroberung anderer Länder und der Sklaverei. Kein schönes Bild, aber eines, dass die Autorin stimmig auf ihre geschaffene Welt übertragen hat. Diese ist düster und bedrohlich, angereichert mit Anspannung und Angst. Sie vibriert geradezu vor nervöser Energie und schafft so eine drückende Atmosphäre für den Leser.

„You are full, Laia. Full of life and dark and strength and spirit. You are in our dreams. You will burn, for you are an ember in the ashes. That is your destiny.“

An Ember in the Ashes, S. 401

Einige Leser kritisierten, dass sich die Figuren nicht weiterentwickeln. In Anbetracht der Tatsache, dass dies der Auftakt einer Reihe ist, finde ich die Entwicklung vollkommen ausreichend und die Handlung der Figuren in Anbetracht der Lage, in der sie sich befinden, äußerst mutig. Auch die Liebesgeschichte fand nicht immer den Zuspruch der Leser, da es in Ansätzen zu einer Dreiecksgeschichte kommt. Auch ich bin kein Freund davon, fand es hier aber noch nachvollziehbar. Dennoch erhoffe ich mir von den Folgebänden eindeutige Entscheidungen der Figuren. Positiv herausheben möchte ich die Figur von Helene, die am vielschichtigsten von allen Figuren angelegt ist und auf deren Weiterentwicklung ich sehr gespannt bin.

„An Ember in the Ashes“ von Sabaa Tahir ist ein spannungsgeladener Fantasy-Roman, der mich vor allem durch seine komplexe Handlung überzeugt hat. Die Figuren sind gleichermaßen gut angelegt und es wird hier der Grundstein für eine vielversprechende Entwicklung in den weiteren Bänden der Reihe gelegt. Leser müssen sich auf eine kräftige Dosis Gewalt einstellen, doch auch die Romantik kommt nicht zu kurz. Es handelt sich jedoch um eine Dreieckskonstellation, die nicht allen Lesern gefallen könnte. Für mich ein Auftakt mit Suchtfaktor, da ich es nicht abwarten kann zu erfahren, wie die Autorin die Handlungsfäden weiterspinnt.


Elias & Laia – Die Herrschaft der Masken (Band 1)

Ich habe die englische Ausgabe gelesen, beziehe ich mich in diesen Angaben jedoch auf die deutsche Ausgabe.

Cover von "Elias & Laia - Die Herrschaft der Masken" von Sabaa Tahir. Copyright: One Verlag.

Verlag (Copyright Cover): One Verlag (Bastei Lübbe)
Preis: 16.99 Euro
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-8466-0009-2
Erscheinungstermin: 15. Mai 2015

Klappentext: Wie überlebt man in einer Welt, in der Männer mit silbernen Masken jeden Tag den Tod bringen können? Wie kann man sich selbst treu bleiben, wenn die Herrschenden des Imperiums alles dafür tun, voller Grausamkeit ein ganzes Volk zu unterjochen? Elias und Laia stehen auf unterschiedlichen Seiten. Und doch sind ihre Wege schicksalhaft miteinander verknüpft.Während Elias in der berühmten Militärakademie von Schwarzkliff dazu ausgebildet wird, als Elite-Krieger die silberne Maske der Macht voller Stolz und ohne Erbarmen zu tragen, muss Laia täglich die Willkür der Herrschenden fürchten. Als ihre Familie ermordet wird und ihrem Bruder die Hinrichtung droht, schließt sie sich dem Widerstand an. Als Sklavin getarnt, dringt sie in das Innerste von Schwarzkliff vor. Dort trifft sie auf Elias, den jungen Krieger, der eigentlich ihr Feind sein müsste…

Autor*in: Sabaa Tahir war Redakteurin bei der Washington Post. Berichte über den Nahen Osten beschäftigten sie und führten schließlich dazu, dass sie ihren ersten Roman schrieb. Sie wollte eine Geschichte erzählen, die die Gewalt in unserer Welt abbildet. Sie wollte aber auch Figuren erschaffen, die in dieser Welt Hoffnung finden. Die nach Freiheit suchen und sich für die Liebe entscheiden, egal gegen welche Widerstände. Aus diesem Impuls heraus entstand ihr erster Roman, Elias & Laia. Die Herrschaft der Masken. 


Weitere Stimmen zum Buch

Sandy von Nightingale’s Blog | Juliane von I am Jane | Philip von Book Walk | Steffi von Buchstabenregen

2 Gedanken zu “An Ember in the Ashes (Band 1) von Sabaa Tahir | Rezension

  1. Ich liebe die Geschichte! Ich finde, dass die Kommandantin die perfekte Antagonistin ist. So grausam! Kennst du Band 2 schon? Er wird um Helenas Sichtweise erweitert, was ich als wahre Bereicherung empfunden habe. Helena ist ein so vielschichtiger Charakter voller innerer Zerrissenheit und ahhh… Ich muss jetzt echt bald mal Band 3 lesen! xD

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    1. Das stimmt, die Kommandantin ist wirklich eine heftige Antagonistin. So konsequent grausam. Band 2 lese ich ganz bald, ich habe es schon hier liegen! Wenn Helenas Sichtweise hinzukommt, bin ich direkt noch gespannter 🙂 Sie ist eine tolle Figur. Hoffentlich kannst du bald Band 3 lesen!

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