Elbendunkel: Kein Weg zurück (Band 1) von Rena Fischer | Rezension

Vielen wird Rena Fischer durch ihre „Chosen“-Reihe bekannt sein („Chosen – Die Bestimmte“ und „Chosen – Das Erwachen„). Nun hat sie mit „Elbendunkel: Kein Weg zurück“ den Auftakt eines neuen dystopischen Fantasyromans geschrieben. Gewohnt temporeich und fesselnd erzählt sie von einem San Francisco im Jahre 2044, einer Zeit, in der Elben und Menschen zusammenleben. Doch über die Jahre hinweg haben sich die Spannungen zwischen beiden Spezies verhärtet und Luz wächst in einer Welt auf, in der besonders Dunkelelben gefürchtet und unterdrückt, Lichtelben hingegen geduldet werden. Rassismus ist an der Tagesordnung, Elbenkinder werden in Erziehungseinrichtungen untergebracht und Mischlinge haben es nicht viel leichter. Doch davon bekommt Luz, Tochter des Chefs der Elbensicherheitsbehörde wenig mit, bis sie auf ein verhängnisvolles Date mit Lichtelben-Mischling Niall geht und dort dem geheimnisvollen Darel begegnet.

„Elbendunkel: Kein Weg zurück“ ist klassische Romantasy. Schon das wunderschöne Cover weckt, wie ich finde, genau die passenden Erwartungen. Die Story ist komplex und spannend. Vor allem das Thema Rassismus sowie damit verbundene Vorurteile, Fehlinformationen und Machtspiele stehen im Mittelpunkt. Dunkelelben werden in der Gesellschaft als gefährlich und bösartig dargestellt und mit einem Chip versehen, der ihren Aggressionsgrad misst. Wird ein Wert überschritten, kann ein im Chip befindliches Gift den Dunkelelben töten. Diese Szenarien sind vor allem im ersten Drittel des Romans erschreckend, in dem man mehr über die Entwicklung des Zusammenlebens von Menschen und Elben erfährt. Einige Szenen und Aussagen empfand ich beinahe als zu extrem für ein Jugendbuch. Doch die Autorin balanciert die Themen letztendlich gut mit Romantik und Fantasy aus, so dass sie zwar ernsthaft behandelt, aber für die Zielgruppe nicht übermächtig düster und gewalttätig werden.

Dunkelelben nannten ihre Mom und Luz sie.
Aschefresser ihr Dad und seine Freunde.

Elbendunkel: Kein Weg zurück, S. 7

Der Plot entwickelt sich typisch für einen romantischen Fantasyroman. Luz wird aus ihrem behüteten und privilegierten Leben gerissen und befindet sich von jetzt auf gleich in einer Ausnahmesituation. An ihrer Seite hat sie den gutherzigen Niall sowie Bad Boy Darel, den sie trotz ihrer berechtigten Abneigung (natürlich) sehr interessant findet. Darel selbst ist undurchschaubar, er verfolgt eine eigene Agenda und lässt sich nicht in die Karten blicken. Gemeinsam versuchen sie einen Ausweg aus der prekären Lage zu finden, in die sie ein gelüftetes Geheimnis rund um Luz‘ Identität gebracht hat. Außerdem stellen sich Luz viele Fragen: Was trieb die Elben zu den Menschen? Wie kam es zu den Konflikten zwischen Menschen und Elben? Weshalb gären auch zwischen Licht- und Dunkelelben Konflikte? Und was haben Luz‘ Mutter, der Chauffeur ihres Vaters und vor allem der geheimnisvolle Darel mit allem zu tun?

Eine dunkle Haarsträhne verdeckte sein linkes Auge und Luz musste sich beherrschen, sie nicht aus seinem Gesicht zu streichen. Wie konnte so ein Ekel wie Darel nur so betörend schöne Augen haben!

Elbendunkel: Kein Weg zurück, S. 160

Wie man dem Zitat entnehmen kann, bahnt sich wie zu erwarten eine Liebesgeschichte bzw. Dreiecksgeschichte an. Diese drängt sich jedoch bislang nicht zu stark in den Vordergrund, was ich angenehm fand. Die Figur von Luz hat es mir nicht ganz einfach gemacht, sie zu mögen. Mal ist sie naiv und hilflos, dann wieder aufbrausend, selbstbewusst und willensstark. Diese Wechsel waren mir teilweise zu abrupt, mir hätte eine konsistentere bzw. weniger rasante Entwicklung besser gefallen. Doch insgesamt trägt Luz die Geschichte gut, man kann sich in sie hineinfühlen und möchte sie auf ihrem Weg begleiten. Auch Darel ist durchaus interessant, doch für meinen Geschmack etwas zu sehr der typische Bad Boy. Niall wiederum wirkt auf den ersten Blick wie der Gute, doch er hat eigene Ziele im Blick, er ist nicht nur der zuverlässige Junge von nebenan. Die Vielschichtigkeit dieser Figur gefiel mir am besten. Im Zusammenspiel ergeben die Figuren eine spannende Kombination.

Rena Fischer schreibt wie immer sehr angenehm. Ihre Dialoge sind humorvoll und es entstehen absolut keine Längen, was bei einem Roman dieses Umfangs nicht selbstverständlich ist. Zudem bringt Rena Fischer viel Gefühl in „Elbendunkel: Kein Weg zurück“, indem sie äußerst eindringliche und bildstarke Metaphern verwendet. Für mich waren die Formulierungen zwar teils zu dramatisch, ich hätte die Emotionen gerne mehr zwischen den Zeilen herausgelesen, doch für Romantasy und die Zielgruppe hat die Autorin alles richtig gemacht.

„Elbendunkel: Kein Weg zurück“ von Rena Fischer ist eine temporeiche und fesselnde Romantasy-Geschichte, die mich wunderbar unterhalten hat. Wer dieses Buch liest, darf sich auf einen spannenden Plot freuen, der sich in vielerlei Hinsicht im klassischen Rahmen des Genres bewegt, aber auch absolut zu überraschen vermag. Ich freue mich auf Band 2!


Elbendunkel: Kein Weg zurück

Cover von Elbendunkel: Kein Weg zurück von Rena Fischer.

Verlag (Copyright Cover): Planet!
Preis: 12.99 Euro
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-522-65451-7
Erscheinungstermin: 16. Juli 2020

Klappentext: Im Jahr 2044 ist San Francisco von Unruhen zwischen Menschen und Elben geprägt. Als Upperclass-Mädchen und Tochter des Chefs der Elbensicherheitsbehörde, der gewaltsam gegen Elben vorgeht, führt Luz ein unbeschwertes Leben – bis zu dem Tag, als sie heimlich das Elben-Ghetto betritt. Luz ist fasziniert von der Untergrundgemeinde, vor allem aber von Darel, der mit einem regimekritischen Poetry-Slam auf der Bühne steht. Doch die Vorstellung wird von einer Razzia ihres Vaters gesprengt und Luz landet ohne sein Wissen als Gefangene auf dem Revier. Dort wird ein Geheimnis aufgedeckt, das Luz auf der Stelle zur Flucht vor ihrem Vater zwingt. Darel hilft ihr dabei. Allerdings verfolgt er seine ganz eigenen Ziele…

Autor*in: Rena Fischer schrieb schon als Kind begeistert eigene Geschichten. Nach Abitur und Wirtschaftsstudium zog es sie ins wildromantische Irland und nach Spanien. Zurück in Deutschland verfasste sie ihre Debütromanreihe „Chosen“ (Planet!).  Auf Reisen kommen ihr die besten Schreibideen. San Francisco ist für sie neben New York die inspirierendste Stadt der USA.  Zusammen mit ihrer Familie lebt sie in München.


Weitere Stimmen zum Buch

Marion von Books have a Soul | Jenny von Seductive Books | Kerstin von Booknerds by Kerstin

Bei diesem Titel handelt es sich um ein Rezensions- bzw. Presseexemplar. Für die Rezension habe ich keine Bezahlung erhalten. Auf meinem Blog findet ihr stets meine unabhängige und persönliche Meinung zu Titeln.

2 Gedanken zu “Elbendunkel: Kein Weg zurück (Band 1) von Rena Fischer | Rezension

  1. Hallöchen Anna,

    ich glaube, die Hintergründe und der Schreibstil könnten mir echt gefallen, aber momentan sind dreiecksgeschichten nicht ganz so mein Fall, glaub ich. Ok, vielleicht brauch ich auch ne Brise Humor zur Zeit.
    Mal sehen, wie dir der 2. Band dann gefällt.

    Liebe Grüße
    Tina

    Gefällt 1 Person

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