Breakaway von Anbelle Stehl | Rezension

Auf „Breakaway“, den Debütroman von Anabelle Stehl, haben New Adult Leser und BuchbloggerInnen sehnsüchtig gewartet. Gespannt haben wir den Entstehungsprozess in den Sozialen Netzwerken mitverfolgt und mit der Autorin mitgefiebert. Daher war es natürlich keine Frage, dass dieser Roman bei mir einziehen musste. Wie also hat mir „Breakaway“ gefallen? Konnte mich die Geschichte überzeugen und begeistern?

Die Story beginnt mit Lia und ihrer fluchtartigen Reise nach Berlin. Was sie dorthin treibt, weiß man nicht, doch die Dringlichkeit wird einem nur allzu schnell bewusst. Irgendetwas ist vorgefallen, etwas verängstigt sie so sehr, dass sie sich vor allen Menschen versteckt und sich sogar als jemand anderes ausgibt. In der Hauptstadt begegnet sie Noah und seinen Freunden, die sie herzlich aufnehmen und ihr das Gefühl geben, alles könne wieder gut werden. Doch auch Noah hat Schwierigkeiten mit seiner Familie, sein Bruder soll sich geprügelt haben und setzt damit den Ruf der Familienunternehmen aufs Spiel. Darüber hinaus belastet ihn auch seine eigene Rolle innerhalb der Familie – wo ist sein Platz, ist er gut genug und gehört er auch wirklich dazu?

Ich atmete tief durch. Ich schaffe das.

Breakaway, S. 13

Diese familiären und persönlichen Konflikte sind im Genre New Adult meist die Treiber des Plots und so bestimmen diese Ereignisse auch hier das Handeln von Lia und Noah. Daneben verbindet die beiden schnell eine starke Anziehungskraft, die sich jedoch angesichts der Umstände einige Hürden überwinden muss.

Was immer im Vordergrund steht, ist die Entwicklung der Figuren. Das ist Anabelle Stehl in ihrem Roman sehr gut gelungen, finde ich. Man spürt, dass sie sich intensiv mit den Themen auseinandergesetzt hat, das gilt insbesondere für die Schwierigkeiten von Lia. Ein sensibles Thema, das die Autorin mit sehr viel Feingefühl, Respekt und Verständnis angegangen ist. Insbesondere die Verarbeitung des Konflikts gefiel mir sehr gut, denn hier wird gezeigt, dass man sein eigenes Leben in die Hand nehmen muss und so schlechte Erfahrungen in etwas Gutes und Stärkendes verwandeln kann.

In der ersten Hälfte fehlte mir allerdings ein wenig der Zugang zu den Figuren. Viele Gedanken und Gefühle wirkten auf mich zu stereotyp, als dass sie mich wie erwartet berühren konnten. Dadurch blieben mir die Protagonistin fremd, das letzte bisschen Distanz ließ sich nicht unmittelbar überwinden, obwohl beide im Wechsel aus der Ich-Perspektive erzählen. In der zweiten Hälfte der Geschichte besserte sich dies jedoch deutlich, die Figuren öffnen sich nicht nur zunehmend einander, sie gewährten auch mir einen tieferen Einblick, der mich Anteil nehmen ließ.

Dies gilt insbesondere für Noah, dessen Entwicklung ich am spannendsten fand, da sie nicht vorhersehbar war. Bei ihm fieberte ich mit und diese Passagen waren für mich eindeutig der interessantere Teil von „Breakaway“. Bei Lia hingegen ahnte ich schon früh, was ihr widerfahren war. Doch muss New Adult überraschen? Im Grunde nicht, würde ich sagen, wenn vieles andere abseits des Plots überzeugt.

So ist natürlich die Liebesgeschichte ein weiterer wesentlicher Bestandteil dieses Romans. Sie bringt Lia und Noah dazu, sich selbst zu hinterfragen und sie hilft ihnen dabei, das Erlebte zu verarbeiten. Nachvollziehen konnte ich die Anziehung zwischen den beiden jedoch nicht von Anfang an. Dies hat ebenfalls damit zu tun, dass die Figuren zu Beginn sehr verschlossen sind. Wie soll man sich in jemanden verlieben, der so wenig von sich preisgibt? Ich konnte daher nicht nachempfinden, weshalb Noah Lia unbedingt wiedersehen möchte und sich derart für sie interessiert. Das ändert sich im weiteren Verlauf glücklicherweise etwas, zu meinen liebsten Buch-Couples zählen Noah und Lia jedoch leider nicht.

Was „Breakaway“ für mich dennoch lesenswert machte, war einmal, dass dieser New Adult Roman von einer deutschen Autorin auch in Deutschland spielt. Statt amerikanischem College ist das wirklich sehr erfrischend! Zudem ist das allgemeine Thema „Female Empowerment“ stark und die Nebenfiguren sind wundervoll. Sie sind gut ausgearbeitet und vor allem liebe ich ihre einfühlsamen, verschrobenen und humorvollen Charakterzüge. Außerdem lässt der Schreibstil nichts zu wünschen übrig, in dieser Geschichte steckt Arbeit und das merkt man auch. Daher freue ich mich schon sehr auf die weiteren Werke von Anabelle Stehl, die 2021 erscheinen werden und die mich vielleicht nochmal ganz anders abholen werden.

„Breakaway“ von Anabelle Stehl ist ein klassischer New Adult Roman, in dem beide Protagonisten mit einschneidenden Erlebnissen und familiären Herausforderungen umzugehen lernen müssen. Hier hat die Autorin meine Erwartungen voll erfüllt, wenngleich das auch bedeutet, dass es wenige Überraschungen gab. Hier hätte ich mir eine Entwicklung fernab vom Mainstream gewünscht. Dadurch war ich emotional nicht so ergriffen wie erwartet und die Protagonisten blieben mir etwas fremd. Für Fans des Genres bietet dieser Debütroman jedoch alles, was (vor allem jüngere) Leser sich vermutlich wünschen.


Breakaway

Copyright: Eichborn Verlag

Verlag: LYX Verlag
Preis: 12.90 Euro
Format: Taschenbuch
ISBN: 978-3-7363-1451-1
Erscheinungstermin: 27. November 2020

Klappentext: Für Lia bricht eine Welt zusammen, als ihr eine einzige Nacht zum Verhängnis wird. Nicht nur folgen ihr seitdem die Blicke und das Getuschel ihrer Kommilitonen überall auf dem Campus – selbst ihre Freundinnen wenden sich von ihr ab. Als sie es nicht länger erträgt, packt Lia kurzerhand ihre wichtigsten Sachen und setzt sich in einen Bus nach Berlin. Sie hofft, in dem anonymen Trubel der Hauptstadt einen klaren Kopf zu bekommen und wieder zu sich selbst zu finden. Doch dann trifft sie auf Noah, der ihre Welt von einem Moment auf den anderen ein weiteres Mal auf den Kopf stellt…

Autor*in: Anabelle Stehl wurde 1993 in Bad Kreuznach geboren und liebt Geschichten und Bücher seit frühster Kindheit. Für ihr Germanistikstudium zog sie nach Leipzig und anschließend für den Master in Linguistik nach Irland. Mittlerweile lebt, schreibt und arbeitet Anabelle in ihrer Lieblingsstadt Leipzig. Auf Instagram ist sie unter dem Namen @anabellestehl zu finden.


2 Gedanken zu “Breakaway von Anbelle Stehl | Rezension

  1. Hallöchen Anna,

    hach ja, ich bin noch voll beim Lesen des Buches und muss sagen, ich mag es, es liest sich gut, aber so richtig komplett rund ist es für mich noch nicht. Mal sehen. Ich bin gespannt.
    Deine Meinung ist für mich definitiv nachvollziehbar.

    Liebe Grüße
    Tina

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s