Elbendunkel 2: Kein Weg zu dir von Rena Fischer | Rezension

„Elbendunkel 2: Kein Weg zu dir“ von Rena Fischer ist die Fortsetzung von „Elbendunkel 1: Kein Weg zurück“, einer Fantasy-Reihe voller Action, Gesellschaftskritik und tiefen Gefühlen. Der erste Band hatte mich begeistert und so war ich nun mehr als gespannt auf die Fortsetzung. Werden sich die Konflikte zwischen Elben und Menschen zuspitzen? Was wird Ash über ihre Vergangenheit in Erfahrung bringen? Und wie geht es mit Darel und Ash weiter? Hier wurde ich direkt positiv überrascht: Zwar sind die romantischen Gefühle der Protagonisten nach wie vor eine treibende Kraft, doch sie stehen nicht im Mittelpunkt. Vielmehr widmet sich die Autorin verstärkt den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und der persönlichen Entwicklung der Figuren. Zudem reichert Rena Fischer ihre Geschichte um weitere interessante Figuren an. So wird der zweite und finale Band zu einem spannungsgeladenen und komplexen Fantasy-Abenteuer, das mich durch eine regelrechte Gefühlsachterbahn jagte und mich zwar mitgenommen, doch gleichzeitig rundum zufrieden wieder aussteigen ließ.

Die Story über Elben und Menschen versprach bereits von Anfang an zu überraschen und tiefer zu gehen, als man anfangs vermuten mag. In Band 2 drohen nun Rassismus und gesellschaftliche Vorurteile, angefacht von korrupten Politikern mit einer fragwürdigen Agenda, die Welt endgültig ins Chaos zu stürzen. Was plant Dusk, der Anführer der freien Dunkelelben-Rebellen? Was hat Leif Hweitasil, der Leiter der Lichtelbeninstitute, vor? Und wie passt Jago Hernández Ruiz, der Vater von Ash, in dieses Spiel? Mit den Brüdern Ciorean und Faol kommen zusätzlich Antagonisten innerhalb der Gruppe der freien Dunkelelben hinzu, die ihre ganz eigenen Ziele verfolgen und die Gruppe der Dunkelelben spalten.

Inmitten dieser massiven Unruhen, versucht Ash im Versteck der Dunkelelben-Rebellen zurechtzukommen. Sie lernt ihre Sprache und übt sich darin, wie eine Dunkelelbin zu kämpfen. Zugleich versucht sie, die diversen Intrigen zu durchschauen und mehr über ihre Mutter und ihre eigene Vergangenheit zu erfahren. Dadurch wird die Geschichte so vielschichtig, dass ich oftmals innehalten musste, um mir in Erinnerung zu rufen, wer gerade was plant und wer mit wem unter einer Decke steckt. Es gibt zahlreiche Erzählstränge, die jeweils aus der Perspektive der Protagonisten erzählt werden. Mit jedem Erzählstrang kommen andere Handlungsmotive, Ziele und Gefahrenmomente hinzu, so dass sowohl Tempo als auch Spannung enorm zunehmen. Es war mein Glück, dass die Autorin am Ende des Buches die wichtigsten Eckdaten aller Figuren gelistet hat. Neben Figuren, die man bereits aus Band 1 kennt, kommen nämlich noch zahlreiche neue Figuren hinzu, wie die Lichtrebellin Rain und Ranobal, eine freie Dunkelelbin, die über prophetische Gaben verfügt.

Besonders gefreut hat mich jedoch, dass bereits bekannte Figuren im zweiten Band eine größere Rolle spielen. Hier muss ich an erster Stelle den Dunkelelben Adrasel nennen, den Freund von Niall, dessen Charakter mich schon in Band 1 faszinierte. Jetzt etablierte er sich zu meiner absoluten Lieblingsfigur der Reihe (sorry, Darel). Niall beispielweise wirkte auf mich hingegen etwas blasser, doch das störte nicht, denn die neu hinzugekommenen Figuren gleichen dies vollends aus.

Neben der Entwicklung der Story im Allgemeinen war ich natürlich auch sehr neugierig, wie sich die Beziehung zwischen Darel und Ash entwickeln würde. Schließlich begeben sich mit dem Wissen zu Dusk und den Dunkelelben-Rebellen, dass sie Halbgeschwister sind. Natürlich können sie ihre Gefühle aber nicht von jetzt auf gleich abstellen, was ebenfalls unterschwellig zur Spannung beiträgt. (Und sind sie wirklich Halbgeschwister? Das gilt es herauszufinden…) Im zweiten Band sind Ash und Darel jedoch erst einmal weitestgehend auf sich allein gestellt bzw. sie gehen sich bewusst aus dem Weg. Darel ist vollauf damit beschäftigt, die gespaltenen Dunkelelben-Rebellen unter Kontrolle zu halten, während Ash immer tiefer in die Konflikte zwischen Jago, Leif Hweitasil und den Lichtelben hineingezogen wird. Trotz allem spürt man als Leser die Verbindung zwischen den beiden Figuren, sie tritt aber angenehm in den Hintergrund und blieb damit für mich sehr glaubhaft.

Kleine Kritikpunkte von mir fallen insgesamt nicht allzu sehr ins Gewicht. Stellenweise waren mir gefühlvolle Metaphern etwas zu übertrieben. Zudem zog die Autorin auf den letzten Seite das Tempo so sehr an, dass ich bei einigen Szenen kaum Zeit hatte, diese zu verarbeiten. Natürlich geht es den Figuren nicht anders, dennoch hätte ich mir als Leserin eine kleine Auszeit gewünscht. Zudem musste ich etwas über die Kraft schmunzeln, die einem einzigen Lied innewohnen sollte. Das erschien mir beinahe ein wenig banal. Und warum tragen Dunkelelben ihre Reden in Form von Poetry Slams vor? Dies tat Darel bereits im ersten Band im Rahmen eines Events, doch im zweiten Band etablierte sich das Slammen bei Zusammenkünften der Dunkelelben als Form der Diskussion. Höchst ungewöhnlich, aber da die Slams durchaus gut waren, konnte ich mich damit anfreunden.

Das Ende und allgemein die Auflösung des Konflikts hat mich dann wiederum so richtig packen können. Die letzten Seiten halten so einige Überraschungen bereit, mit denen ich absolut nicht gerechnet hatte. Die „Elbendunkel“-Reihe ist eindeutig mehr als vorhersehbare romantische Fantasy.

„Elbendunkel 2: Kein Weg zu dir“ von Rena Fischer ist ein spannungsgeladenes Finale der Elbendunkel-Reihe. Die Geschichte wird ungemein komplex, mit neuen Figuren und zunehmend gefährlichen Auseinandersetzungen zwischen Elben und Menschen. Vor allem im letzten Drittel zieht das Tempo enorm an und es bleibt kaum Gelegenheit zum Innehalten, um Geschehenes zu verarbeiten. Gleichzeitig bleibt genügend Raum für die Entwicklung der Figuren, allen voran Ash, die viel über ihre Herkunft in Erfahrung bringt. Ein großartiger Abschluss und ich freue mich schon jetzt auf Neues von der Autorin!


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Elbendunkel 2: Kein Weg zu dir

Copyright: Thienemann-Esslinger Verlag

Verlag: Thienemann-Esslinger Verlag
Preis: 17.00 Euro
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-522-50658-8
Erscheinungstermin: 26. Januar 2021

Klappentext: Ash hat es geschafft: Sie ist Teil der Dunkelelben-Rebellen und wird auf Anordnung von Dusk, ihrem Vater und Rebellenführer, ausgebildet. Doch nicht alle sind mit ihrer Aufnahme einverstanden und bald gerät Ash in ein Geflecht aus Intrigen. Ihr Gegenspieler ist ausgerechnet Darel, für den sie keine romantischen Gedanken mehr haben darf, denn jeder glaubt, dass er ihr Halbbruder ist. Im Kampf gegen die Unterdrückung durch die Menschen entfernen sie sich immer weiter voneinander. Doch als ihr Stiefvater Jago zum alles entscheidenden Schlag gegen die Elben ausholt, müssen die beiden zusammenarbeiten, ob sie wollen oder nicht…

Autor:in: Rena Fischer schrieb schon als Kind begeistert eigene Geschichten. Nach Abitur und Wirtschaftsstudium zog es sie ins wildromantische Irland und nach Spanien. Zurück in Deutschland verfasste sie ihre Debütromanreihe „Chosen“ (Planet!).  Auf Reisen kommen ihr die besten Schreibideen. San Francisco ist für sie neben New York die inspirierendste Stadt der USA.  Zusammen mit ihrer Familie lebt sie in München.


Bei diesem Titel handelt es sich um ein Rezensions- bzw. Presseexemplar. Für die Rezension habe ich keine Bezahlung erhalten. Auf meinem Blog findet ihr stets meine unabhängige und persönliche Meinung zu Titeln.


Weitere Stimmen zum Buch

Anett von Anetts Bücherwelt

2 Gedanken zu “Elbendunkel 2: Kein Weg zu dir von Rena Fischer | Rezension

  1. Liebe Anna,

    Dilogien sind mir momentan am liebsten. Nicht zu viel, nicht zu wenig, ein erreichbares Ziel. Elbendunkel klingt wirklich komplex. Deine Ausführungen gefallen mir, weil es eine Moderne Fantasygeschichte ist und mich nicht in die tolkienmäßige Welt mit Elben, Menschen und allerhand anderen Kulturen wirft. Due vielen Charaktere stelle ich mir schwierig vor, gerade, wenn im 2. Band noch welche dazu kommen.

    Liebe Grüße
    Tina

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Tina,
      verstehe ich total! Dilogien mag ich tatsächlich auch am liebsten. Man kann sich noch auf eine Fortsetzung freuen, danach ist dann aber auch gut und man kann mit der Geschichte abschließen 🙂 Wird eine Reihe zu lange, passiert es leider oft, dass ich das Interesse an den Folgebänden verliere (es sei denn natürlich, sie gefällt mir richtig, richtig gut). Der Überblick über die Figuren ist eigentlich ganz okay, man kennt die Protagonisten und die anderen fügen sich dann irgendwann in das Gesamtbild ein 🙂 Aber ich bin da auch ein wenig High Fantasy mit irrsinnig viele Figuren gewöhnt.
      Liebe Grüße und schöne Ostertage dir!
      Anna

      Gefällt mir

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