A Sky Beyond the Storm (Elias & Laia, Band 4) von Sabaa Tahir | Rezension

Der letzte Band der „Elias & Laia“-Reihe von Sabaa Tahir hat es in sich. Wow, was für eine Reise! Es ist lange her, dass mich eine Reihe dieser Länge derart begeistert hat, doch die Autorin schafft es einfach sehr gekonnt, Abenteuer, Fantasy, Kriege und Blutvergießen sowie große Gefühle in Worte zu fassen. Auch im letzten Band, „A Sky Beyond the Storm“ überraschte sie mich dabei mit unvorhersehbaren Wendungen und einem wahrhaft grandiosen Finale. Denn nun geht es um die Frage, ob Laia, der Blood Shrike oder der Soul Catcher den Nightbringer und seine Jinn aufhalten können – oder ob die Welt dem Untergang geweiht ist.

Was mich begeistert hat, ist die Gratwanderung, die Sabaa Tahir beim Erzählen ihrer Geschichte geht. Sie treibt Leser:innen in die absolute Dunkelheit, konfrontiert sie mit Verlusten, schweren Entscheidungen und sehr viel emotionalem und körperlichen Schmerz. Gleichzeitig verliert sie nie das Gute aus dem Blick. Sie zeigt die Stärke der Figuren, sie flicht Hoffnung ein und bringt immer wieder zum Lächeln. Dies gelingt ihr wie in den Bänden zuvor insbesondere dank ihrer poetischen und bildhaften Sprache. Ich könnte in ihren Beschreibungen förmlich baden, so schön sind sie bisweilen. Alles gewinnt an Form und Farbe, alles erhält einen Geruch und einen Klang.

Die Story hat, wie bereits erwähnt, viel zu bieten. Dabei zeigt sich auch, wie sehr sich die Hauptfiguren weiterentwickeln. Der Soul Catcher (Elias) versucht, seine Vergangenheit zu vergessen und möchte sich einzig seiner von Mauth auferlegten Aufgabe widmen. Doch er spürt, dass die Geister unruhig sind und ihm ist bewusst, dass die Jinn und der Nightbringer Tod und Zerstörung über die Menschheit bringen. Wird er an seiner Aufgabe festhalten oder wird er sich einer weitaus größeren Aufgabe außerhalb des Waiting Places annehmen? Ich mochte die Zerrissenheit vom Soul Catcher sehr. Vor allem die Tatsache, dass er sich nicht übereilt für das eine oder das andere entscheidet. Stattdessen schildert Sabaa Tahir einen langsamen Prozess des Erkennens, bis er bereit ist zu handeln.

Laia hingegen kam mir vor wie ein Pflug, der sich seinen Weg durch ein Feld bahnt. Der Weg ist mühsam, doch sie geht ihn unbeirrt weiter, immer mit einem Ziel vor Augen. Nachdem sie in den vorangegangenen Bänden oft zweifelte oder unsicher war, ist sie sich nun ihrer Sache sicher. Nicht nur ist sie davon überzeugt, den Nightbringer aufhalten zu müssen, sie will Elias wieder zurückgewinnen. Dieser Entschluss sorgt für einige romantische und auch heitere Momente zwischen ihr und dem Soul Catcher, der natürlich mit sich ringt und zwischen Eid und Liebe ins Wanken gerät. Diese neue, willensstarke Seite von Laia war sehr erfrischend.

„You are my messenger here, at the end, and if you do not tell them, there will be no sky beyond the storm. No Waiting Place or ghosts or hope. Only suffering and pain.“

A Sky Beyond the Storm, Seite 53

Wessen Geschichte mich jedoch am meisten beeindruckte, war die vom Blood Shrike (Helene). Ihr Weg ist meiner Meinnung nach der schwerste von allen. Und dennoch bleibt sie mutig, stark und hält an ihren Prinzipien fest. Sie möchte ihr Land, den jungen Emperor und ihre Schwester beschützen, koste es, was es wolle. Doch sie ist nicht länger festgefahren in ihrem Denken, wie noch zu Beginn, sondern sie überwindet Vorurteile und vereint, was sich lange nicht vereinen ließ. Eine tolle Entwicklung und eine unglaublich fein ausgearbeitete Figur.

In Band 4 erfahren Leser:innen zudem mehr über den Nightbringer, seine Vergangenheit und seine Überzeugungen. Vieles davon überraschte mich nicht, es gab genügend Andeutungen in den vorherigen Bänden, um erahnen zu können, was dem Nightbringer und den Jinn widerfahren ist. Aufgrund dessen entwickelt man ein gewisses Verständnis für seine Taten. Es gibt schlicht kein Gut und kein Böse in dieser Reihe (ja, nicht mal Keris ist durch und durch böse), es gibt nur böse Absichten. Und diese Absichten von Keris und dem Nightbringer, so zeigt es sich, haben es wirklich in sich und machen „A Sky Beyond the Storm“ zum absoluten Pageturner.


„A Sky Beyond the Storm“ von Sabaa Tahir ist das atemberaubende Finale der „Elias & Laia“-Reihe, auf Deutsch bis einschließlich Band 3 erschienen im One Verlag (Bastei Lübbe). Die Autorin überraschte mich wieder mit unvorhersehbaren Wendungen, viel Gefühl und einem gleichermaßen furchtbaren wie schönen Finale. Dies ist eine Reihe, die mich von Band 1 an begeistert hat und von der ich mich nur schweren Herzens löse. Riesige Leseempfehlung!

Werbung


A Sky Beyond the Storm (An Ember in the Ashes Novel, Band 4)

Copyright: Penguin Random House

Elias und Laia, Band 4 – in Deutschland noch nicht erschienen. Der Erscheinungstermin ist mir aktuell noch nicht bekannt.

Verlag: Penguin Random House
Format: Hardcover
ISBN: 9780448494531
Erscheinungstermin: 1. Dezember 2020

The long-imprisoned jinn are on the attack, wreaking bloody havoc in villages and cities alike. But for the Nightbringer, vengeance on his human foes is just the beginning.

By his side, Commandant Keris Veturia declares herself Empress, and calls for the heads of any and all who defy her rule. At the top of the list? The Blood Shrike and her remaining family.

Laia of Serra, now allied with the Blood Shrike, struggles to recover from the loss of the two people most important to her. Determined to stop the approaching apocalypse, she throws herself into the destruction of the Nightbringer. In the process, she awakens an ancient power that could lead her to victory–or to an unimaginable doom.

And deep in the Waiting Place, the Soul Catcher seeks only to forget the life–and love–he left behind. Yet doing so means ignoring the trail of murder left by the Nightbringer and his jinn. To uphold his oath and protect the human world from the supernatural, the Soul Catcher must look beyond the borders of his own land. He must take on a mission that could save–or destroy–all that he knows.

Autor:in: Sabaa Tahir war Redakteurin bei der Washington Post. Berichte über den Nahen Osten beschäftigten sie und führten schließlich dazu, dass sie ihren ersten Roman schrieb. Sie wollte eine Geschichte erzählen, die die Gewalt in unserer Welt abbildet. Sie wollte aber auch Figuren erschaffen, die in dieser Welt Hoffnung finden. Die nach Freiheit suchen und sich für die Liebe entscheiden, egal gegen welche Widerstände. Aus diesem Impuls heraus entstand ihr erster Roman, Elias & Laia. Die Herrschaft der Masken


Für die Rezension habe ich keine Bezahlung erhalten. Auf meinem Blog findet ihr stets meine unabhängige und persönliche Meinung zu Titeln.


Alle bisherigen Rezensionen zur Reihe:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s