Begin Again – Anthologie | Rezension

In „Begin Again“, einer Anthologie aus dem Silberkrone Verlag, dreht sich alles um Neuanfänge. Insgesamt elf Autor:innen haben sich dem Thema gewidmet und ihrer Fantasie freien Lauf gelassen. Es geht um den Tod, eine Nymphe, ein Paar und vieles mehr, eine sehr kunterbunte Mischung. Das Thema hatte mich sofort neugierig gemacht, es bietet so unglaublich viel Potenzial. Ein Neuanfang ist eine gewaltige Veränderung im Leben, er kann aus der Not heraus entstehen, aber auch aus dem starken Wunsch heraus, etwas Neues zu wagen. Und tatsächlich beleuchten die Geschichten auch die unterschiedlichsten Facetten von Neuanfängen, doch letztendlich konnte mich die Anthologie nicht überzeugen. Dafür gibt es vielfältige Gründe, die ich in der folgenden Rezension näher beleuchte.

Was mir als allererstes auffiel, waren die vielen Tipp- und Rechtschreibfehler. Das beginnt bereits im Vorwort und setzt sich in den einzelnen Geschichten fort, wie: „Nachhacken (Anm. nachhaken ist gemeint) kann sie nicht“ (aus „Die weiße Rose“). An anderer Stelle wird Mittelrhein mal Mittelreihn, Reihn oder wieder korrekt Rhein geschrieben. Manche Sätze wiederum ergeben keinen Sinn, wie zum Beispiel: „Seit Ewigkeiten verbringt er mit nichts anderem“ (ebenfalls, stellvertretend für andere Geschichten, aus „Die weiße Rose“). Das sind Fehler, von denen ich erwarte, dass sie Autor:innen oder Lektor:innen auffallen, ergo wurde hier im Zweifel nicht gründlich gearbeitet. Kommt dies gelegentlich vor, habe ich damit keinerlei Schwierigkeiten, in der Masse ist es allerdings weniger schön.

„Die Kunst eines guten Neuanfangs ist, das Richtige loszulassen. Nicht alles Alte muss weg, nur der Ballast, der uns wie eine Fußfessel zurückhält.“

Begin Again, Seite 62

Doch nicht nur Rechtschreibung und Sorgfalt ließen meinem Empfinden nach zu wünschen übrig, auch Logikfehler schlichen sich ein. Und manchmal konnte ich nur den Kopf über die Naivität der Protagonist:innen schütteln. Wer wandert beispielsweise aus und macht sich vorab keinerlei Gedanken über Wohnungs- und Arbeitssuche? Auch wenn man noch so jung ist, das erscheint mir wenig glaubwürdig. Alles in allem trübte dies das Lesevergnügen schon sehr, denn ein Mindestmaß an Qualität erwarte ich bei Veröffentlichungen, egal ob Verlagsbücher, Selfpublishing oder Anthologien aus der Feder verschiedener Autor:innen.

Abseits dieser „Kleinigkeiten“ hätten richtig gute Geschichten dies wieder ausgleichen können. Allerdings begegnete ich mehr oder weniger nichtssagenden Geschichten, wie leider gleich zum Auftakt „Der Tod auf Wohnungssuche“. Darin ist der Tod auf Wohnungssuche für sich und eine Freundin. Er ist wählerisch, die Angebote sind mäßig, die Makler anstrengend, die Stimmung sinkt. Doch statt einen Aha-Moment zu erleben, eine interessante und unerwartete Wendung, eine tiefere Botschaft, wirkte das Ende etwas einfallslos. „Des Herzen fernes Donnergrollen“ gefiel mir leider auch nicht viel besser. Als Leser:in begleitet man eine Nymphe auf dem Weg von ihrer Quelle zu einer neuen Heimat. Unterwegs lernt sie viele andere Wasserwesen kennen, sie reist durch unterschiedliche Gewässer, bis sie ihr Ziel erreicht – das wars. So setzt es sich von Geschichte zu Geschichte fort und ich empfand ehrlicherweise nicht viel mehr als Enttäuschung.

Der Schreibstil ist bei elf Autor:innen natürlich sehr unterschiedlich. Die Bandbreite reicht von künstlerisch-abstrakt bis hin zu jugendlich, doch irgendwo hakte es auch hier meist. Entweder war mir eine Geschichte zu umständlich formuliert oder zu gewollt künstlerisch, mal wirkten die Dialoge seltsam unnatürlich. „So redet doch niemand!“ dachte ich beispielsweise des Öfteren in „Der Tag der erfüllten Träume“.

Insgesamt hatte ich mir weit mehr von dieser Anthologie gehofft, schade, dass sie mich sowohl inhaltlich als auch qualitativ nicht überzeugen konnte. Aber was nicht ist, kann ja noch werden und es wird im Zweifel nicht die letzte Anthologie aus dem Silberkrone Verlag gewesen sein, die ich lese.


„Begin Again – Anthologie“ ist eine kunterbunte Geschichtensammlung zum Thema „Neubeginn“. Die Autor:innen haben sich dem auf unterschiedlichste Weise angenommen und es war grundsätzlich spannend zu sehen, wie vielfältig ein Neubeginn betrachtet werden kann. Allerdings konnte mich keine der Geschichten so richtig packen, sie wirkten auf mich durchweg etwas fad und bedeutungslos. Zudem störten mich die vielen Rechtschreib-, Tipp- und Logikfehler, so dass ich in diesem Fall leider nicht überzeugt bin.

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Begin Again

Copyright: Silberkrone Verlag

Wagst du dich mit uns an den Neuanfang?

Die Sonne geht auf und der nachtschwarze Himmel färbt sich langsam rot und blau. Ein neuer Tag hat begonnen und mit ihm gibt es eine Flut an neuen Möglichkeiten. Was wirst du tun, wenn jede Sekunde auf unerwartetste Weise dein Leben verändern kann? Bist du bereit für einen Neuanfang?

Verlag: Silberkrone Verlag
Preis: 10.99 Euro
Format: Taschenbuch
ISBN: 978-3-903387-04-1

Autor:innen: Christiana König, Jelena Bach, Monika Grasl, Sara Brighton, Katherine Still, Stephanie Klasik, Sabine Schildgen, Veronika Christen, Michelle Friedrich, Christian Grunwald, Juliana Werner.


Bei diesem Titel handelt es sich um ein Rezensions- bzw. Presseexemplar. Für die Rezension habe ich keine Bezahlung erhalten. Auf meinem Blog findet ihr stets meine unabhängige und persönliche Meinung zu Titeln.


3 Gedanken zu “Begin Again – Anthologie | Rezension

  1. Ups – wie schade. Und irgendwie macht es mich traurig. Tipp- und Rechtschreibfehler gehen natürlich nicht (ehrlich gesagt, habe ich noch nicht soooo drauf geachtet – aus Gründen 😉 ) Ansonsten sind Geschmäcker ja unterschiedlich und mir persönlich habe schon ein paar Geschichten sehr gut gefallen. Aber so ist das manchmal und ich danke dir trotzdem für deine ehrliche Meinung.

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    1. Hey du, traurig gemacht hat es mich auch… sehr! Ich hatte mich besonders auf diese Anthologie gefreut, es ist so ein tolles Thema 🙂 Doch das Gesamtpaket stimmte einfach nicht. Und auch wenn ich einige Geschichten ganz in Ordnung fand, stach für mich keine besonders hervor. Und naja, die Rechtschreibung ist mir halt wichtig.. Hach, es ist echt schade, dass es dieses Mal nicht passte. Aber wie gesagt, es muss ja nicht die letzte Anthologie aus diesem Verlag gewesen sein und dann lasse ich mich von Neuem und ganz unvoreingenommen überraschen 🙂

      Ganz liebe Grüße
      Anna

      Gefällt 1 Person

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