Das Leuchten vergangener Sterne von Rena Fischer | Rezension

Archäologie, Drogenhandel und eine Liebesgeschichte – all dies verbindet Rena Fischer in ihrem Roman „Das Leuchten vergangener Sterne“ zu einer abenteuerlichen und romantischen Geschichte. Hinzu kommt mit Andalusien ein wahrlich bezauberndes Setting, das in so manchem Lesenden sicherlich akutes Fernweh auslöst. In diesem Sinne ein Buch, das hervorragend für ein gemütliches Sommerwochenende geeignet ist. Mir haben insbesondere die Erzählstränge gefallen, die denen die Archäologie im Mittelpunkt stand – so eine faszinierende Wissenschaft. Die Liebesgeschichte spannt darum einen schönen Bogen, während Drogenbosse und deren Handlanger für reichlich Spannung sorgen. Was mir gefiel und was nicht, erfahrt ihr in dieser Rezension im Detail.

Alles dreht sich um die Hauptpersonen Nina, Taran und Orlando. Nina arbeitet als Unternehmensberaterin mit Zahlen, Daten und Fakten. Zeit ist Geld, lautet ihre Devise, und zufriedene Kunden sind der Weg zum Erfolg. Taran ist das komplette Gegenteil. Voller Leidenschaft für seinen Beruf, sind ihm Erkenntnisse über die Vergangenheit wichtiger als Geld und Besitz. Er ist mit Leib und Seele Forscher und Entdecker. Bleibt Orlando, der tief in illegale Geschäfte verwickelt ist und es in diesem Metier zu etwas bringen will. Rena Fischer hat die Vergangenheit der Protagonist*innen sehr gut mit deren Gegenwart sowie ihren Ambitionen, Gefühlen und Lebenseinstellungen in Einklang gebracht. Man versteht als Leser*in, weshalb sie auf bestimmte Art und Weise handeln oder reagieren. Sogar für Orlandos Handeln konnte ich ein gewisses Verständnis aufbringen. Am meisten überzeugt hat mich jedoch Taran, der konsequent seiner Passion treu bleibt.

„Weißt du“, begann Taran und sah nach oben, „mit der Archäologie ist es im Grunde wie mit den Sternen. Du glaubst, du nimmst ein genaues Abbild des Hier und Jetzt wahr, aber in Wahrheit reist du in ebendiesem Moment in die Vergangenheit.“

Das Leuchten vergangener Sterne, Seite 233

Schön war außerdem der Gedanke, dass Nina und Taran eine Verbindung haben, deren Wurzel in der Vergangenheit liegt. Das erklärt, weshalb Nina sich unmittelbar zu Taran hingezogen fühlt, obwohl die beiden so unterschiedlich sind. Hier wurde die Story gut durchdacht aufgebaut. Allerdings konnte mich die Liebesgeschichte dennoch nicht vollständig überzeugen, was jedoch hauptsächlich darin begründet liegt, dass mir die Figur von Nina fremd blieb. Sie wirkte auf mich zu unnahbar und zu verkopft – auch dann noch, als sie eigentlich loslässt und sich einem neuen Lebensmodell öffnet. Das ist natürlich nur mein persönliches Empfinden, andere haben möglicherweise einen besseren Zugang zu Nina und nehmen die Annäherung zwischen Taran und Nina dadurch ganz anders wahr.

Dennoch habe ich die Geschichte weiter mit großem Interesse verfolgt, denn das Schicksal von Taran und seiner Ausgrabungsstätte hielt mich gefangen. Gleichzeitig fand ich es großartig, mehr über die Arbeit von Archäologen zu erfahren und ihre Methoden und Werkzeuge kennenzulernen. Wie wertvoll sind einzelne Fundstücke für die Forschung? Welche Informationen lassen sich daraus ziehen? Welche historischen Erkenntnisse lassen sich ablesen? Wo kommen Gelder für die Forschung her? Wie gestaltet sich der Alltag von Archäologen? Man spürt, dass Rena Fischer sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat und die Recherchen – wie bei jedem ihrer Romane – sehr ernst genommen hat.

Schwierigkeiten hatte ich hingegen wieder etwas mit der Storyline von Orlando. Der Drogenhandel ist in meiner Vorstellung ein gefährliches Geschäft voller skrupelloser Menschen, die keine Gewalt scheuen. In Anbetracht dessen erschien mir Orlando viel zu nett, geduldig und stellenweise ein wenig naiv – insbesondere Nina gegenüber. Vor allem jedoch löste sich der Konflikt am Ende zu einfach und unkompliziert. Das erschien mir insgesamt etwas unrealistisch.

Positiv hervorheben möchte ich zum Ende hin aber noch das Setting. Sowohl die Ausgrabungsstätte als auch die Orte, die Nina während ihres Aufenthalts in Andalusien besucht, sind so anschaulich beschrieben, dass ich ich das Gefühl hatte, ebenfalls dort zu sein. Eine warme und sommerliche Atmosphäre, von der man sich nur schweren Herzens wieder verabschiedet.


„Das Leuchten vergangener Sterne“ von Rena Fischer ist ein romantischer, stimmungsvoller und spannungsreicher Sommerroman, der mich weitestgehend überzeugt hat. Einzige Wermutstropfen waren eine Protagonistin, in die ich mich nicht vollkommen einfühlen konnte sowie die Auflösung des Konflikts, die mich nicht ganz abgeholt hat. Doch andere Aspekte haben dies ausreichend ausgeglichen, so dass ich den Roman insgesamt sehr gerne gelesen habe. Für die kurzweilige Unterhaltung eine Empfehlung.

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Das Leuchten vergangener Sterne

Copyright: dtv Verlag

Frühling in Andalusien. Ein ungewöhnlicher Auftrag führt die junge Nina Winter von München nach Sevilla. Für einen wichtigen Großkunden soll die erfolgreiche Unternehmensberaterin die Seriosität einer archäologischen Ausgrabung prüfen. Grabungsleiter ist der so attraktive wie eigenwillige Dr. Taran Sternberg, der sich mit Leib und Seele der Wissenschaft verschrieben hat. Ist er wirklich einem sensationellen phönizischen Goldschatz auf der Spur? Und welche gefährliche Rolle spielt dabei der zwielichtige Archäologe Orlando Torres? Nina gerät zwischen die Fronten der rivalisierenden Männer, die bereit sind, mit allen Mitteln für ihr Ziel und um Ninas Herz zu kämpfen. 

Verlag: dtv Verlag
Preis: 14.95 Euro
Format: Taschenbuch
ISBN: 978-3-423-26336-8
Erscheinungstermin: 20. Juli 2022

Autor:in: Rena Fischer lebte und arbeitete einige Jahre in Irland und Spanien, bevor sie anfing, Bücher zu schreiben. Auf Reisen kommen ihr immer die besten Schreibideen. Ganz besonders schlägt ihr Herz für die unendlichen Weiten der schottischen Highlands. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in München.


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