Sanctuary – Flucht in die Freiheit von Paola Mendoza und Abby Sher | Rezension

„Sanctuary – Flucht in die Freiheit“ von Paola Mendoza und Abby Sher eine Dystopie zu nennen, erscheint mir beinahe falsch. Denn die Idee zum Roman entstand im Jahr 2018, als die Trump-Regierung an der südlichen Grenze der USA Familien auseinanderriss. Als damit begonnen wurde, eine Mauer zwischen den USA und Mexiko zu errichten. Abschiebungen und Verhaftungen hatten Eltern und Kinder traumatisiert und viele Menschen weltweit entsetzt. Es braucht, und das meine ich nicht abwertend, nicht viel Fantasie sich vorzustellen, wie diese Ungerechtigkeiten sich in einer Zukunft entwickelt hätten, in der keine weltweiten Proteste stattgefunden hätten, in der kein neuer Präsident gewählt und in der diesem Irrsinn kein Einhalt geboten worden wäre. Doch auch abseits dieser Ereignisse gab und gibt es weltweit genügend ähnliche Schreckensszenarien, die diesen Roman furchtbar realistisch und absolut nicht dystopisch wirken lassen.

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Gemma. Sei glücklich oder stirb von Charlotte Richter | Rezension

„Gemma. Sei glücklich oder stirb“ ist ein ziemlich provokanter Titel, finde ich, zumindest für ein Jugendbuch. Bei einem Thriller würde er als normal durchgehen, doch davon ist die Handlung recht weit entfernt. Ich stehe dem Titel zwar skeptisch gegenüber, inhaltlich geht es in diesem Near-Future-Fantasyroman jedoch tatsächlich um genau das: Wer nicht glücklich ist, stirbt. Denn vor weniger als hundert Jahren, also in unserer Gegenwart, landete „der Glanz“ aus dem Weltraum in einer Stadt in Deutschland. Alle Menschen in unmittelbarer Umgebung starben und der Glanz, ein regenbogenfarbig schillerndes Etwas, überzog den Himmel rund um den gesamten Erdball. Fortan müssen die Menschen glücklich sein, wer dies nicht ist, löst sich in besagtem Glanz auf. Klingt ziemlich nach Science-Fiction, oder? Auf jeden Fall ist die Idee ungewöhnlich und da der Roman zudem aus der Feder einer deutschen Autorin stammt, war ich neugierig genug, um diesen Titel zu lesen. Wie mir „Gemma. Sei glücklich oder stirb“ gefallen hat, erfahrt ihr hier.

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Cryptos von Ursula Poznanski | Rezension

Mit „Cryptos“ hat Ursula Poznanski einen Climate Fiction-Roman geschrieben, der einen düsteren Blick in die Zukunft wagt. Die Erde ist heiß und trocken, das Land zu großen Teilen vom Meer überflutet und die Bevölkerungszahlen sind explodiert. Wie leben die Menschen unter diesen Bedingungen? Welche Konflikte entstehen? Welche Lösungsansätze gibt es? Dystopische Literatur über den Klimawandel ist seit einigen Jahren im Kommen und es ist interessant zu sehen, mit welcher Kreativität Autor*innen diesem Thema begegnen und gleichermaßen zu sehen, welche Überschneidungen es gibt. So handeln beispielsweise auch Eva Siegmunds „H.O.M.E.“-Reihe und Lena Wankes „Wo einst Leben war“ von Dürre, Wasserknappheit und dem mehr als fragwürdigen Handeln von Regierungen bzw. einflussreichen Unternehmen. „Cryptos“ reiht sich hier mit ein, es ist mein erster Roman von der Autorin.

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LoveStar von Andri Snær Magnason | Rezension

Mit „LoveStar“ wagt Andri Snær Magnason einen absurden, düsteren, tragischen, wahnwitzigen, bitterbösen und überraschend humorvollen Blick in die Zukunft der Menschheit. Tatsächlich ist es die spannendste Dystopie, die mir seit langem begegnet ist. In ihr denkt und entwickelt der Autor und Umweltaktivist Magnason konsequent die digitale und mediale Gesellschaft weiter, gießt sie zu einem fragwürdigen Endprodukt und beschreibt gleichermaßen ihr selbst verursachtes Ende. Es ist eine Reise durch die Abgründe der menschlichen Konsumgesellschaft, in der Menschen von Werbung beeinflusst und gesteuert werden und den Blick für das echte Leben vollkommen aus den Augen verloren haben. Ein durch und durch faszinierender Roman, der mich von der ersten bis zur letzten Seite erstaunt, überrascht und gefesselt hat.

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H.O.M.E. – Die Mission (H.O.M.E.-Reihe 2) von Eva Siegmund | Rezension

In Band 1 der H.O.M.E.-Reihe von Eva Siegmund, „Das Erwachen„, gefielen mir insbesondere das Setting (Berlin im Ausnahmezustand) und die Idee der Simulation. Ein toller und spannender Mix. Auch die Figuren, allen voran Zoë und Kip, waren glaubwürdig und sie trugen die Geschichte gut. Für Band 2 hatte ich mir von den Figuren allerdings eine starke Entwicklung erhofft, denn sie fühlten sich trotz allem stellenweise etwas stereotyp an. Außerdem hatte sich eine Dreiecksgeschichte angedeutet und ich war gespannt, ob die Autorin diesen Weg weiter verfolgen würde oder ob hier mit einer Überraschung zu rechnen sei. Nun kam ich endlich dazu, „H.O.M.E. – Die Mission“ zu lesen und auch wenn mir vieles zusagte, habe ich leider auch ein paar Kritikpunkte.

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Wo einst Leben war von Lena Wanke | Rezension

Mit „Wo einst Leben war“ von Lena Wanke erwartet euch eine Dystopie, die anderen Dystopien in vielerlei Hinsicht ähnelt, die aber dennoch absolut aus der Masse heraussticht. Diese Geschichte ist wahrhaftig düster, hoffnungslos und erbarmungslos. Worum es geht: Den Menschen ist der eigene Planet fremd geworden. Sie leben in Hochhäusern im Land Kaimar D., das nach diversen Naturkatastrophen und Kriegen von Götz Kaimar regiert wird. Die Menschen sollen ein sorgloses Leben führen, zahlen dafür jedoch mit dem Verlust jeglicher Selbstbestimmung und Individualität. Ein hochmodernes Gefängnis. Von der alten Welt sind nur noch Trümmer übrig, die heiße Sonne hat die Landschaft versengt und alles Lebendige getötet. Es gibt keine Bäume, keine Tiere, kaum Wasser. Durch diese Wüstengegend schleppen sich die Geschwister Jona, Tobias, Luki und Emma sowie Taube, ein kleines Mädchen, das sie unterwegs bei sich aufgenommen haben. Sie fliehen vor einem Leben in den Hochhäusern, sie wollen ihre Freiheit nicht aufgeben. Doch der Preis für diese Freiheit ist ein Leben in ständiger Angst.

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Gefesselt – Der Aufstand (Die verfallene Welt) von Elenor Avelle | Rezension

Der ursprüngliche Plan war: Rebecca wollte bei „Genetics“ das Verschwinden ihrer Schwester aufklären, Gill wollte beim Militär den strengen Fängen seines Vaters entkommen. Beide hatten sie ein klares Ziel vor Augen, doch was sie in „Gefesselt – Der Aufstand“ von Elenor Avelle erwartet – damit hätten sie in ihren kühnsten Träumen nicht gerechnet. Ein Virus hat fast die gesamte Menschheit befallen und in Zombies verwandelt. Sie wandeln auf den Straßen und greifen alles an, was noch menschlich ist. Die „Fresser“ werden sie bald nur noch genannt. Entwickelt wurde der Virus von „Genetics“, dem ruchlosen Unternehmen, in dem Rebecca arbeitet. Einem Unternehmen, das Versuche an Menschen betreibt, die moralisch, ethisch und rechtlich mehr als fragwürdig sind. Wie werden Rebecca und Gill diese neue, haarsträubende Aufgabe bewältigen?

(„Gefesselt – Der Aufstand“ ist der zweite Teil eines Prequel Spin-Offs zu „Infiziert – Geheime Sehnsucht„.  Hier findet ihr eine Rezension zum ersten Teil, „Gefesselt – Der Anfang„.)

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Falling Skye – Kannst du deinem Verstand trauen (Band 1) von Lina Frisch | Rezension

Die USA sind zu den Gläsernen Nationen geworden, in denen Transparenz und Vertrauen groß geschrieben werden. Damit sollen Diskriminierung, Populismus und impulsive Entscheidungen der Vergangenheit angehören. Zu diesem Zweck werden Menschen in Rationale und Emotionale unterteilt, je nach natürlicher Veranlagung. Mit Hilfe eines Testverfahrens wird ermittelt, welchem „Trait“ man angehört. Klingt sehr nach der Dystopie-Reihe „Die Bestimmung“ von Veronica Roth? Auch hier werden Menschen in verschiedene Gruppen unterteilt, die ihrem Charakter am ehestens entsprechen. Es gibt anfangs tatsächlich zahlreiche Überschneidungen, wodurch meine Erwartungen im ersten Drittel etwas enttäuscht wurden. Doch dranbleiben lohnt sich, denn danach wurde ich überrascht: die Geschichte nimmt eine Wendung, mit der ich überhaupt nicht gerechnet hatte.

Die Traits sorgen für Gleichheit zwischen Hautfarben, Geschlechtern und Religionen. Das ist es, was mein Vater mir beigebracht hat und wofür die ganze Welt uns feiert. (Seite 278)

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The Wall (dt. Die Mauer) von John Lanchester | Rezension

In Zeiten, in denen der Brexit diskutiert wird, ein Klimawandel bevorsteht und bereits jetzt Flüchtlinge in Europa nach einer sicheren, neuen Heimat suchen, ist „Die Mauer“ von John Lanchester weniger eine Dystopie als vielmehr ein durchaus realistisches Zukunftsszenario. Schauen wir also wenige Jahre in die besagte Zukunft: England hat sich abgeschottet und eine Mauer entlang der Küste errichtet. Diese soll die Bewohner des Landes vor „den Anderen“ schützen, die seit „dem Wandel“ verzweifelt versuchen auf die andere Seite der Mauer zu gelangen. Um das zu verhindern, müssen alle Bürgerinnen und Bürger des Landes zwei Jahre lang Dienst auf der Mauer leisten. Ein gefürchteter Dienst, denn ein Angriff kann jederzeit erfolgen und die Folgen sind fatal. Entweder man wird getötet oder man wird der See übergeben, sobald es ein Anderer geschafft hat, ins Landesinnere zu gelangen. Und so fürchtet sich Joseph Kavanagh, während er seinen Dienst auf der Mauer absolviert – und tatsächlich werden seine schlimmsten Alpträume wahr. [Achtung, diese Rezension ist nicht frei von Spoilern.]

It’s cold on the Wall. That’s the first thing everybody tells you, and the first thing you notice when you’re sent there, and it’s the thing you think about all the time you’re on it, and it’s the thing you remember when you’re not there anymore. It’s cold on the Wall. (Seite 3)

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H.O.M.E. – Das Erwachen (Band 1) von Eva Siegmund | Rezension

Wer die Dystopie „Die Tribute von Panem“ von Suzanne Collins und die Trilogie „Die Bestimmung“ von Veronica Roth mochte, wird „H.O.M.E. – Das Erwachen“ von Eva Siegmund lieben. Dabei wirkt kaum etwas in dieser Geschichte geklaut und der fade Beigeschmack von das-habe-ich-schon-tausendmal-gelesen fehlt komplett. Zwar sind die Charaktere etwas stereotyp, doch das Szenario ist neu und interessant und das macht diese kleine Schwachstelle wieder wett. Bei mir punktete der Auftakt einer bis dato zweiteiligen Dystopie vor allem durch seine Spannung und Kreativität sowie Authentizität und dem vertrauten Setting, denn wir befinden uns, wie das Cover bereits verrät, während eines Großteils der Geschichte in Berlin.

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