Begin Again – Anthologie | Rezension

In „Begin Again“, einer Anthologie aus dem Silberkrone Verlag, dreht sich alles um Neuanfänge. Insgesamt elf Autor:innen haben sich dem Thema gewidmet und ihrer Fantasie freien Lauf gelassen. Es geht um den Tod, eine Nymphe, ein Paar und vieles mehr, eine sehr kunterbunte Mischung. Das Thema hatte mich sofort neugierig gemacht, es bietet so unglaublich viel Potenzial. Ein Neuanfang ist eine gewaltige Veränderung im Leben, er kann aus der Not heraus entstehen, aber auch aus dem starken Wunsch heraus, etwas Neues zu wagen. Und tatsächlich beleuchten die Geschichten auch die unterschiedlichsten Facetten von Neuanfängen, doch letztendlich konnte mich die Anthologie nicht überzeugen. Dafür gibt es vielfältige Gründe, die ich in der folgenden Rezension näher beleuchte.

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Großstadtklänge – Von singenden Vögeln in dunklen Gassen, eine Anthologie | Rezension

„Berlin“ lautete das Thema der Ausschreibung für diese Anthologie – ehe Corona über uns hereinbrach und so vieles in unserem Alltag veränderte. Umso schöner, so die Herausgeberinnen Sophie-Marie Gruber, Liv Modes, Jen Pauli und Katharina Stein, dass die Texte in „Großstadtklänge – Von singenden Vögeln in dunklen Gassen“ von insgesamt 31 Autor:innen nun an ein Berlin vor der Pandemie erinnern. Es ist eine brodelnde, berauschende, traurige, nachdenklich und glücklich stimmende Mischung aus Momentaufnahmen. Die Geschichten feiern die großen und kleinen Augenblicke des Lebens und setzen sie in einer Stadt in Szene, die niemals ruht, die abstoßend wirken und gleichzeitig einen unbestreitbaren Sog ausüben kann.

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Alle wollen was erleben von Fabian Hischmann | Kurzrezension

Fabian Hischmann zog meine Aufmerksamkeit bereits mit „Das Umgehen der Orte“ auf sich. Nun erschien im Sommer 2019 sein Erzählungsband „Alle wollen was erleben“, der 13 Kurzgeschichten der unterschiedlichsten Art umfasst. Ein Sammelsurium vielschichtiger, nachdenklicher und überraschender Geschichten sowie verletzlicher Figuren. Hier fasse ich kurz ein paar wesentliche Eindrücke zusammen.

Der Schreibstil von Fabian Hischmann gefiel mir gut. Nie aufdringlich oder überzogen, sondern klar, sachlich und stellenweise eben deshalb sehr emotional. Seine im teils banalen und langweiligen Alltag von an sich selbst, an ihrem Leben oder an ihrer Partnerschaft zweifelnden Figuren erzählt er nicht geradlinig. Er springt von Szene zu Szene, vollführt Zeitsprünge, von der Vergangenheit in die Gegenwart und wieder zurück. Als fordere er den Leser dazu auf, diese Szenenbausteine zu sammeln, um sie am Ende zu einem fertigen Mosaik zusammenzusetzen. Leider gelingt dies nicht immer, was eine gewisse Frustration und Unzufriedenheit zur Folge hat. Wo sollte die Reise hingehen?

„Glaubst du, man kommt irgendwann an?“
Er sieht lange geradeaus. Schließlich erwidert er:
„Man kommt dauernd an. Aber eigentlich geht es doch vielmehr darum, wie lange man bleiben will.“ 
(Seite 57)

Teils vermochten Hischmanns Kurzgeschichten jedoch auch länger nachzuwirken. Denn die lückenhafte Erzählweise lädt dazu ein, die Gedanken schweifen zu lassen, eigene Schlüsse zu ziehen und Verbindungen aufzudecken. Am Ende liegt es an jedem selbst, einen ganz persönlichen Aha-Moment zu erleben. Denn es gibt nicht nur eine Auslegung, eine Interpretation, alles was Fabian Hischmann tut ist, den Leser in eine Richtung anzustupsen. Den Rest des Weges geht jeder für sich. Ob dieser Weg einen glücklich zurücklässt, ist sicherlich von Leser zu Leser sehr unterschiedlich. Bei mir überwiegen gemischte Gefühle, ich hätte mir mehr Substanz und auch ein wenig mehr Spannung gewünscht.


Alle wollen was erleben

hischmann-alle-wollen-was-erlebenVerlag (Copyright Cover): Berlin Verlag
Preis:
 18.00 Euro
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-8270-1357-6
Erscheinungstermin: 5. August 2019

Nach „Am Ende schmeißen wir mit Gold“ und „Das Umgehen der Orte“ beschließen diese Stories den Bogen einer Trilogie über das Auswegsuchen in unserer rasenden Gegenwart: Während Simon und Sophie zu einem Familientreffen unterwegs sind, zettelt Lukas einen Nachbarschaftskrieg an, erfährt ein einsamer Bäcker vom Tod Charles Mansons, hofft Ella auf Erlösung, prophezeit ein Türsteher den Untergang. Und auch Max Flieger nimmt einen neuen Anlauf. Was die einen scheitern lässt, nutzen andere als Sprungbrett aus dem Stillstand und der eigenen Komfortzone hinaus. In klarer Sprache zeichnet Fabian Hischmann ein Panorama zwischenmenschlicher Beziehungen und erinnert uns daran, dass es nicht immer nur eine Wahrheit gibt.

Fabian Hischmann, geboren 1983 in Donaueschingen, studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim und am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. 2013 war er Teilnehmer der Jürgen-Ponto-Schreibwerkstatt, 2015 Stipendiat der Kunststiftung Baden-Württemberg. 2017 wurde er zum Festival Neue Literatur nach New York City eingeladen und erhielt ein Aufenthaltsstipendium des Schleswig-Holsteinischen Künstlerhauses in Eckernförde. Kurzgeschichten von ihm wurden in verschiedenen Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Sein Debütroman „Am Ende schmeißen wir mit Gold“ war 2014 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert, sein zweiter Roman „Das Umgehen der Orte“ erschien 2017. Und im Sommer 2019 erscheint der Erzählungsband „Alle wollen was erleben“. Fabian Hischmann lebt in Berlin.


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