Heartstopper (Volume 1) von Alice Oseman | Rezension

Im Jahr 2016 begann Alice Oseman an einem Herzensprojekt zu arbeiten – „Heartstopper“, eine Webcomicserie über Charlie und Nick, die bereits Nebenfiguren in Osemans Roman „Solitaire“ waren. Es geht um ihr Kennenlernen, ihre Freundschaft und wie sie sich ineinander verlieben. Charlie, der ein Jahr lang gemobbt wurde, nachdem er sich als homosexuell geoutet hatte und Nick, der freundliche Rugbyspieler, der im Laufe des ersten Bandes erkennt, dass er sich nicht nur zu Mädchen hingezogen fühlt. Der Webcomic war so erfolgreich, dass zwei Jahre später die erste englische Printausgabe als Graphic Novel erschien, eine Netflix-Adaption soll folgen. Allerhöchste Zeit also, dass Deutschland nun mit einer deutschsprachigen Ausgabe nachzieht. Wie mir die Graphic Novel gefallen hat, erfahrt ihr hier.

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Und in mir ein Ozean von Dennis Stephan | Rezension

„Und in mir ein Ozean“ von Dennis Stephan erzählt vom Leben des jungen Außenseiters Arthur. Im Roman begleiten wir den Protagonisten bei seinen Versuchen, sich aus einer gestörten Mutter-Sohn-Beziehung zu lösen und später der Umklammerung der Vergangenheit zu entkommen. Arthur landet in Hamburg, Amsterdam und Berlin. Er trifft Menschen, die es gut mit ihm meinen und Menschen, die ihm nicht guttun. Er verliebt sich, er verwundet andere und wird verwundet. Und immer bleibt er auf der Suche, rastlos, fest im Griff seiner eigenen vermeintlichen Unzulänglichkeiten. Wer meinen Blog kennt weiß, dass ich Entwicklungsromane heiß und innig liebe. Ob dieser Roman mich ebenfalls überzeugen konnte, erfahrt ihr hier.

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Rowan & Ash – Ein Labyrinth aus Schatten und Magie von Christian Handel | Rezension

Habt ihr schon einmal einen Fantasyroman gelesen, in dem der Held sich nicht in die Prinzessin verliebt, sondern in den Königssohn? Mit seinem Jugendbuch „Rowan & Ash – Labyrinth aus Schatten und Magie“ schlägt Autor Christian Handel genau diesen Weg ein und hat mich mit seiner queeren Liebesgeschichte komplett begeistert. Doch nicht nur dieser Aspekt ist großartig, sondern auch das ganze Drumherum ist stimmig: Der Plot, die Figuren, das Setting, der Schreibstil. Ein Roman voller Abenteuer, Herz und Humor.

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On Earth We’re Briefly Gorgeous von Ocean Vuong | Rezension

„On Earth We’re Briefly Gorgeous“ (dt. Auf Erden sind wir kurz grandios) von Ocean Vuong ist ein vielfach gelobter Debütroman. Er wird geschätzt für seinen lyrischen Schreibstil und für die Intensität seiner Geschichte. Vuong erzählt in autobiographischen Zügen von der Kindheit von Little Dog, die geprägt ist von den Nachwirkungen des Vietnamkrieges. Als er wenige Jahre als ist, wagt seine Familie den Neuanfang in den USA. Doch statt ihren Frieden zu finden, haben sie mit der unbekannten Sprache zu kämpfen und mit ihren Erinnerungen. Vuong spricht viele berührende, gewaltige und wichtige Themen an, dennoch ließ mich der Roman weitestgehend orientierungslos und emotional unberührt zurück. Ich wollte ihn so sehr lieben, doch für mich war er stilistisch nicht das Richtige. Darauf gehe ich gleich tiefer ein, doch zuvor möchte ich unbedingt auf weitere Buchbesprechungen von Lesern hinweisen, die von dem Roman begeistert waren. Diese sind am Artikelende verlinkt.

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Aufzeichnungen eines Krokodils von Qiu Miaojin | Rezension

Um „Aufzeichnungen eines Krokodils“ von Qiu Miaojin in seiner ganzen Tragweite verstehen zu können, muss man mehr über die Autorin erfahren. Über ihr Leben, ihren frühen Tod mit 26, und die Zeit, in der sie lebte. Willkommen also im Taiwan der 1980er Jahre. Zu dieser Zeit ist Homosexualität verboten und strafbar und Menschen mit homosexuellen Neigungen werden als Monster angesehen, die außerhalb der „normalen“ Welt in Sünde leben. Seine Sexualität behält man folglich besser für sich, wenn man in der Masse nicht auffallen möchte. Ändern würde sich dies jedoch radikal in den nachfolgenden Jahren. Die LGBTQ-Bewegung erwachte immer mehr zum Leben, die Menschen wollten frei entscheiden, wen sie lieben dürfen und so kam es dazu, dass Taiwan im Jahr 2019 als erstes asiatisches Land die gleichgeschlechtliche Ehe beschloss. Qiu Miaojin wurde 1969 geboren, 1987 bis 1991 besuchte sie die Universität. Ihre Jugend verbrachte sie als lesbische Frau also in einem enormen Spannungsfeld, das sie künstlerisch prägte. „Aufzeichnungen eines Krokodils“ erzählt davon.

Seit ich dich zum ersten Mal sah, wusste ich, dass ich dich lieben würde mit einer Liebe, die einem Raubtier, einem lodernden Flammenmeer gleicht. Aber es ist verboten! Es darf niemals so weit kommen! […] Sonst zerreißt es mich in einem Gemetzel, bis nur noch Fleischfetzen und Blut zurückbleiben. (S. 26)

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Someone New von Laura Kneidl | Rezension

„Someone New“ von Laura Kneidl behandelt ein Thema, das tatsächlich – wie schon von so vielen Lesern gesagt – wichtig ist. Laura Kneidl schreibt vom Anderssein und von den Vorurteilen, die viele Menschen leider diesem Anderssein gegenüber haben. Vor allem aber schreibt sie darüber, wie wichtig es ist, allen Menschen mit Toleranz zu begegnen und zu akzeptieren, wer sie sind. Ohne Wenn und Aber, ungeachtet der Hautfarbe, der sexuellen Orientierung oder der Geschlechtsidentität. Wir sind alle gleich und wir haben alle das gleiche Recht dazu, glücklich zu sein in unserem Leben, egal, auf welche Weise wir es leben wollen, solange niemand anders dabei zu Schaden kommt oder verletzt wird. Ich hoffe sehr, dass durch Romane wie „Someone New“ besagte Vorurteile zunehmend der Vergangenheit angehören. Achtung, diese Rezension enthält Spoiler.

Egal, was ihr tut, bleibt authentisch. Es lohnt sich nicht, sich für andere Menschen zu verstellen. Deshalb ist es auch ganz wichtig, dass ihr auf euch selbst hört. Nur ihr wisst, was sich richtig und was sich falsch, was sich besser und was sich schlechter anfühlt. Tut alles dafür, dass ihr glücklich werdet. (Nachwort, Thorben Rump)

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The Dangerous Art of Blending In von Angelo Surmelis | Rezension

„The Dangerous Art of Blending In“ ist ein „Own Voice“ Roman, in dem Autor Angelo Surmelis seine eigene Kindheit und Jugend verarbeitet. Gleichzeitig hat er ein Werk in die Welt gesetzt, das zeigt, wie schwer es unter anderem Homosexuelle noch heute haben, von der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Welche Ängste sie ausstehen müssen und wie ignorant und verurteilend einige Menschen, vor allem in Kleinstädten, sein können. Homosexualität ist also die eine Sache, doch Surmelis hatte als immigrierter Grieche auch eine strenge und gläubige Mutter, die ihn jahrelang misshandelte. In einer berührenden Autorennotiz schreibt Surmelis, dass seine Therapeutin ihm empfohlen habe, seine Erfahrungen zu Papier zu bringen, doch wann immer er damit begann, war der Prozess zu schmerzhaft. Erst die Erfindung von Evan, so der Name des Protagonisten in diesem Buch, ermöglichte es ihm, die notwendige Distanz zu erlangen. Hier ist seine Geschichte.

„I know how to do this. I do this all the time. Actually, this is what I do. I make everything okay. I make it all normal when it’s not at all.“ (Seite 169)

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Flamingofeuer von Laura Lay | Rezension

Darf es literarisch im Frühling etwas verspielter sein? Vielleicht eine Kombination aus Erotik, viel Humor, Fantasie und klugem Storytelling? Dann ist „Flamingofeuer“ von Laura Lay, dem Pseudonym von Antje Wagner, exakt das richtige Buch. Zugegeben, mich hatte die Vorstellung, einen erotischen Roman zu lesen, zuerst ein wenig abgeschreckt. Aber wenn ich einem Verlag vertraue, dann ist es der Ulrike Helmer Verlag, mit dem ich bislang ausschließlich positive Leseerfahrungen gemacht habe („Schattengesicht“ von Antje Wagner sowie „Alle Farben der Nacht“ von Jonas Zauels), und wenn ich einer Autorin vertraue, dann Antje Wagner. Sie schreibt schlicht phänomenal gut und zaubert einfach immer wieder Überraschungen aus dem Hütchen. So auch in „Flamingofeuer“.

[Er] Klickte auf Neues Dokument, sah erst auf die Rhododendronblüten, die im Wind zitterten, dann auf den blinkenden Cursor. Er dachte an Tanja R. und spürte die Wut in sich brodeln. Heiß. Er atmete tief durch.
Dann tippte er:
Fieber. (Seite 64)

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Autoboyography von Christina Lauren | Rezension

Eine Liebesgeschichte voller kribbeliger Momente, berührend leidenschaftlich, kompromisslos und echt.

Puh. Es gibt Bücher, die liest man nicht einfach nur, man spürt sie in sich vibrieren. So geschehen bei „Autoboyography“ von Christina Lauren, dem Pseudonym des Autoren-Duos Christina Hobbs und Lauren Billings. Sie schreiben mit so viel Herz und Humor, dass ich mich selbst ganz verliebt fühlte. Ich erinnere mich noch so gut an dieses „zum ersten Mal verliebt sein“. Dieses Gefühl, nicht schlafen zu können, ständig rastlos zu sein, nur noch an diesen einen Menschen denken zu können, keinen Hunger zu haben, in den Tag hinein zu träumen, vom Zusammenkommen zu fantasieren. Daher liebe ich es, wenn Autoren in ihren Büchern genau diese Gefühle einfangen und sie in so treffende Worte verpacken, wie ich es niemals könnte. In „Autoboyography“ lernte ich Tanner kennen, der sich in Sebastian verliebt. Hier erfahrt ihr mehr über seine Geschichte.

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