Das Lied der Wölfe von Rena Fischer | Rezension

„Das Lied der Wölfe“ ist der erste Erwachsenenroman von Rena Fischer, die zuvor die fantastischen und abenteuerlichen Jugendbuch-Reihen „Elbendunkel“ und „Chosen“ schrieb. In ihrem neuen Buch geht es um die Liebe, Wölfe, Schottland, PTBS, eine toxische Beziehung und familiäre Konflikte – und ich war mehr als gespannt darauf. Würde es der Autorin gelingen, mich auch mit diesen Themen zu fesseln? Würde es sich um einen klassischen Liebesroman handeln oder würde mich mehr erwarten? Ich antworte direkt: Ja und nochmals ja! „Das Lied der Wölfe“ hat mich von Anfang bis Ende restlos begeistert, überrascht und berührt. Dieser Roman fesselte mich und er ist so viel mehr als „nur“ eine Liebesgeschichte. Leser:innen erwartet eine vielschichtige, hervorragend recherchierte, wundervoll geschriebene Geschichte mit großartigen Figuren.

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Albas Sommer von Claudia Casanova | Rezension

Wer auf der Suche nach einem Roman für ruhige und entspannte Herbsttage ist, der sollte zu „Albas Sommer“ von Claudia Casanova greifen. Diese Geschichte lässt einen zum Ausklang des Sommers noch einmal durch Blumenwiesen streifen und Blütenduft schnuppern. Man spürt die Begeisterung der Hauptfigur Alba für die Natur und lässt sich von ihrer Begeisterung anstecken, auch wenn man sich bis dato nicht für die Wissenschaft der Botanik interessiert hat. Darüber hinaus erzählt die Autorin von einer Romanze auf so zarte und dennoch herzergreifende Art und Weise, dass einem nichts anderes übrig bleibt, als hingerissen zu sein. Vor allem aber ist „Albas Sommer“ eine faszinierende Geschichte über eine Frau, die sich mit Feuereifer der Erforschung von Pflanzen verschreibt und sich gesellschaftlichen Konventionen widersetzt.

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Find me – Finde mich von André Aciman | Rezension

Mit „Call Me By Your Name“ schrieb André Aciman eine herzerwärmende, leidenschaftliche und vor allem authentische Liebesgeschichte. Es geht um Elio und Oliver, ihre vorsichtige Annäherung, ihre Gedanken, ihre tiefsten Gefühle. Ein ganz besonderes Buch! 2017 wurde der Roman mit Armie Hammer und Timothée Chalamet in den Hauptrollen außerdem sehr erfolgreich verfilmt. Umso schwerer ist es nach solch großer Anerkennung, diese Geschichte weiterzuerzählen. Natürlich möchten alle wissen, wie es mit Elio und Oliver weitergeht – werden sich sich wiedersehen, werden sie wieder zusammenkommen? Doch was könnte eine Fortsetzung dann anderes sein, als eine Wiederholung des bereits Gelesenen? Daher verfolgt Aciman in „Find me (Finde mich)“ einen ganz anderen Ansatz, der nicht alle Leser glücklich machte. Wie mir der Roman gefallen hat, erfahrt ihr hier.

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Can you help me find you von Amy Noelle Parks | Rezension

Im Original heißt dieses Jugendbuch „The Quantum Weirdness of the Almost Kiss“. Dieser Titel beschreibt hervorragend, worum es in „Can you help me find you“, so der (nun ja) deutsche Titel, von Amy Noelle Parks geht. Es geht um Mathematik und Physik, es geht um das mitunter seltsame Erwachsenwerden und natürlich um die Liebe. Das Ergebnis ist eine zuckersüße Geschichte, die maximal gut von allem ablenken kann, was einem Sorgen bereitet, und die mich vor allem in diesen drei Punkten zu überzeugen wusste.

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Aufzeichnungen eines Krokodils von Qiu Miaojin | Rezension

Um „Aufzeichnungen eines Krokodils“ von Qiu Miaojin in seiner ganzen Tragweite verstehen zu können, muss man mehr über die Autorin erfahren. Über ihr Leben, ihren frühen Tod mit 26, und die Zeit, in der sie lebte. Willkommen also im Taiwan der 1980er Jahre. Zu dieser Zeit ist Homosexualität verboten und strafbar und Menschen mit homosexuellen Neigungen werden als Monster angesehen, die außerhalb der „normalen“ Welt in Sünde leben. Seine Sexualität behält man folglich besser für sich, wenn man in der Masse nicht auffallen möchte. Ändern würde sich dies jedoch radikal in den nachfolgenden Jahren. Die LGBTQ-Bewegung erwachte immer mehr zum Leben, die Menschen wollten frei entscheiden, wen sie lieben dürfen und so kam es dazu, dass Taiwan im Jahr 2019 als erstes asiatisches Land die gleichgeschlechtliche Ehe beschloss. Qiu Miaojin wurde 1969 geboren, 1987 bis 1991 besuchte sie die Universität. Ihre Jugend verbrachte sie als lesbische Frau also in einem enormen Spannungsfeld, das sie künstlerisch prägte. „Aufzeichnungen eines Krokodils“ erzählt davon.

Seit ich dich zum ersten Mal sah, wusste ich, dass ich dich lieben würde mit einer Liebe, die einem Raubtier, einem lodernden Flammenmeer gleicht. Aber es ist verboten! Es darf niemals so weit kommen! […] Sonst zerreißt es mich in einem Gemetzel, bis nur noch Fleischfetzen und Blut zurückbleiben. (S. 26)

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Das Lied des Achill von Madeline Miller | Rezension

Lange Zeit waren Helena und Paris für mich der Inbegriff des Trojanischen Krieges aus der griechischen Mythologie. Das hat sich mit „Das Lied des Achill“ von Madeline Miller jedoch gründlich geändert, denn darin sind Achill und Patroklos die Hauptfiguren. Mit viel Gefühl nimmt die Autorin die Perspektive von Patroklos ein und erzählt von seiner Kindheit, seinem ersten Zusammentreffen mit Achill und der überwältigenden Liebe, die daraus erwächst. Dabei bleibt Miller der ursprünglichen Version weitestgehend treu, interpretiert diese jedoch auf ihre Weise, um eine vollkommen neue Geschichte zu erzählen – eine Geschichte von Liebe, Verzweiflung, Hoffnung und Schmerz.

„Es wird andere Kriege geben.“
„Aber keinen wie diesen“, sagte Diomedes. „Daran wird man sich auf alle Zeit in Legenden und Liedern erinnern. Ein Narr, der die Gelegenheit versäumt, dabeigewesen zu sein.“ (S. 188)

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Someone New von Laura Kneidl | Rezension

„Someone New“ von Laura Kneidl behandelt ein Thema, das tatsächlich – wie schon von so vielen Lesern gesagt – wichtig ist. Laura Kneidl schreibt vom Anderssein und von den Vorurteilen, die viele Menschen leider diesem Anderssein gegenüber haben. Vor allem aber schreibt sie darüber, wie wichtig es ist, allen Menschen mit Toleranz zu begegnen und zu akzeptieren, wer sie sind. Ohne Wenn und Aber, ungeachtet der Hautfarbe, der sexuellen Orientierung oder der Geschlechtsidentität. Wir sind alle gleich und wir haben alle das gleiche Recht dazu, glücklich zu sein in unserem Leben, egal, auf welche Weise wir es leben wollen, solange niemand anders dabei zu Schaden kommt oder verletzt wird. Ich hoffe sehr, dass durch Romane wie „Someone New“ besagte Vorurteile zunehmend der Vergangenheit angehören. Achtung, diese Rezension enthält Spoiler.

Egal, was ihr tut, bleibt authentisch. Es lohnt sich nicht, sich für andere Menschen zu verstellen. Deshalb ist es auch ganz wichtig, dass ihr auf euch selbst hört. Nur ihr wisst, was sich richtig und was sich falsch, was sich besser und was sich schlechter anfühlt. Tut alles dafür, dass ihr glücklich werdet. (Nachwort, Thorben Rump)

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Fünf Tage mit Dir von Laura Newman | Rezension

Ein Roadtrip durch Frankreich? Im Sommer? Dazu eine lockerleichte Liebesgeschichte und jede Menge Humor? „Fünf Tage mit Dir“ von Laura Newman hält genau das bereit, eine ideale Auszeit also während der dunklen und tristen Wintermonate. Die Autorin hatte mich schon mit einem ihrer früheren Romane überzeugt, „Jonah“, zu dem ihr bei Interesse hier mehr erfahren könnt, und sie hat es mit diesem Werk erneut geschafft. Was mich besonders für den Roman eingenommen hat, sind die authentischen Figuren und der wunderbare Schreibstil von Laura Newman. Sie erzeugt damit eine sehr intensive Atmosphäre, so dass man sofort in der Geschichte „drin“ ist. Man reist durch Frankreich, sieht und fühlt das Land, riecht den Lavendel und das köstliche französische Essen. Hinzu kommen Figuren, die man unmittelbar gern hat. Milla mit ihrer organisierten Art, die nur darauf zu warten schien, dass jemand wie Jaro, gelassen und in den Tag hinein lebend, ihr Leben durcheinanderwirbelt.

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Five Feet Apart (dt. Drei Schritte zu dir) von Rachael Lippincott, Mikki Daughtry, Tobias Iaconis | Rezension

Auf dem Jugendbuch „Drei Schritte zu dir“, im Original „Five Feet Apart“, basiert der bereits in den Kinos angelaufene gleichnamige Kinofilm, mit Cole Sprouse und Haley Lu Richardson in den Hauptrollen. Es geht um Will und Stella, zwei an Mukoviszidose (medizinisch: cystische Fibrose, CF) erkrankte Teenager, die sich im Krankenhaus während einer Behandlung beziehungsweise Therapie begegnen. Mukoviszidose ist eine angeborene Stoffwechselerkrankung, die nicht heilbar ist und die Lebenserwartung der Betroffenen auf maximal 40 Jahre beschränkt. Ansteckend ist Mukoviszidose nicht, doch CF-Patienten wird dringend geraten, einander nicht zu nahe zu kommen, um das Ansteckungsrisiko mit Infektionen zu minimieren. Zudem ist Will an der Bakterienart Burkholderia cepacia erkrankt, die bei Patienten mit Mukoviszidose ernsthafte Komplikationen verursachen kann. Doch was, wenn sich CF-Patienten ineinander verlieben? Wie soll man dann Abstand halten können? Um diesen Konflikt und das Leben mit der Krankheit geht es in dem Buch. Wie es mir gefallen hat, erfahrt ihr hier.

I wonder, all too often, what it would be like to have lungs this healthy. This alive. I take a deep breath, feeling the air fight its way in and out of my body. (Seite 1)

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The Only Story (dt. Die einzige Geschichte) von Julian Barnes | Rezension

Would you rather love the more, and suffer the more; or love less, and suffer the less? That is, I think, finally, the only real question. (Seite 3)

„Novel: A small tale, generally of love.“ Mit dieser Definition aus „A Dictionary of the English Language“ aus dem Jahre 1755 beginnt die Geschichte von Julian Barnes. Und um was geht es in „The only story“ (deutsch: Die einzige Geschichte)? Um die Liebe natürlich. Genauer gesagt um die Liebe von Paul und Susan. Paul ist jung, rebellisch und bisweilen etwas naiv. Er wächst in einem typischen Vorort von London auf, „The Village“ genannt, etwa 15 Meilen südlich der Großstadt. Dort beschäftigt er sich damit, die Erwachsenen in seinem Leben zu beobachten und ihr Verhalten zu verurteilen. Auf keinen Fall möchte er so werden wie sie, diese Art zu leben lehnt er ab, dagegen rebelliert er. Und als er Susan im örtlichen Tennisclub begegnet – älter als er, verheiratet und Mutter von zwei Kindern – stürzt er sich mit Euphorie, Vertrauen und Leichtsinn in eine Liebesgeschichte abseits jeglicher Konventionen, welche die Erwachsenen so schätzen. Diese Beziehung soll ihn und sein Leben definieren, sie soll ihn von allem abgrenzen, was er am biederen, oberflächlichen und verlogenen Leben der anderen hasst.

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