Lanny von Max Porter | Rezension

Folge nur brav und bete recht fromm, dass dich Totpapa Schuppenwurz nicht holen kommt. Er wohnt im Wald. Ich glaube an ihn. Ich habe ihn gesehen. (Seite 76)

Der Klappentext von „Lanny“ machte mich unglaublich neugierig auf den zweiten Roman von Max Porter. Eine mystische Gestalt, ein abgelegenes Dorf, ein einschneidendes Ereignis – all dies wird angedeutet, nichts konkretisiert. Wundervoll! Ich wollte mich ins Ungewisse stürzen und mehr wissen. Wer ist dieser Altvater Schuppenwurz, von dem die Rede ist? Was geschieht in dem Dorf? Und vor allem: Wer ist Lanny? Letztendlich ist „Lanny“ ein Roman für Träumer, für diejenigen, die sich nicht davon abschrecken lassen, nicht alles zu verstehen und alles zu durchschauen. Denn es geht weniger um eine greifbare und realistische Handlung, sondern vielmehr um Gefühle, Ahnungen und nicht logisch nachvollziehbare Ereignisse.

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The Only Story (dt. Die einzige Geschichte) von Julian Barnes | Rezension

Would you rather love the more, and suffer the more; or love less, and suffer the less? That is, I think, finally, the only real question. (Seite 3)

„Novel: A small tale, generally of love.“ Mit dieser Definition aus „A Dictionary of the English Language“ aus dem Jahre 1755 beginnt die Geschichte von Julian Barnes. Und um was geht es in „The only story“ (deutsch: Die einzige Geschichte)? Um die Liebe natürlich. Genauer gesagt um die Liebe von Paul und Susan. Paul ist jung, rebellisch und bisweilen etwas naiv. Er wächst in einem typischen Vorort von London auf, „The Village“ genannt, etwa 15 Meilen südlich der Großstadt. Dort beschäftigt er sich damit, die Erwachsenen in seinem Leben zu beobachten und ihr Verhalten zu verurteilen. Auf keinen Fall möchte er so werden wie sie, diese Art zu leben lehnt er ab, dagegen rebelliert er. Und als er Susan im örtlichen Tennisclub begegnet – älter als er, verheiratet und Mutter von zwei Kindern – stürzt er sich mit Euphorie, Vertrauen und Leichtsinn in eine Liebesgeschichte abseits jeglicher Konventionen, welche die Erwachsenen so schätzen. Diese Beziehung soll ihn und sein Leben definieren, sie soll ihn von allem abgrenzen, was er am biederen, oberflächlichen und verlogenen Leben der anderen hasst.

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Two Boys Kissing von David Levithan | Rezension

Die Liebe tut so weh, wie kann man sie jemandem wünschen? Die Liebe ist so grundlegend, wie kann man ihr im Wege stehen? (Seite 18)

2015, als „Two Boys Kissing“ von David Levithan erschien, stand ich in der Bahnhofsbuchhandlung im Düsseldorfer Hauptbahnhof und hielt die englische Taschenbuchausgabe in der Hand. Bestimmt 15 Minuten stand ich dort und überlegte, ob ich es kaufen soll oder nicht – ich tat es nicht. Wiederum vor zwei Jahren fand ich die deutsche Ausgabe in einem Bücherschrank und dieses Mal nahm ich sie glücklicherweise ohne lange nachzudenken mit. Allerdings LAS ich das Buch noch immer nicht – erst jetzt habe ich danach gegriffen und diese wundervolle (!) Geschichte für mich entdeckt.

Was mich besonders beeindruckt, ist die Kraft der Gefühle, die Intensität, mit der die Figuren ihren Alltag und ihre Gefühle erleben, und die Weisheit, die zwischen den Zeilen steckt. Worum es geht? Um Liebe. In allen Facetten und mit allen ihren positiven und auch schmerzhaften Eigenschaften. Es geht um die Freiheit, der Mensch sein zu können, der man ist, und die sexuelle Identität zu haben, die man nun einmal hat. Und es geht um innere, familiäre und gesellschaftliche Konflikte, die leider auch heute noch viel zu oft damit einhergehen.

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Leinsee von Anne Reinecke | Rezension

Im Halbschlaf überlegte er, ob er möglicherweise selbst nur eine Einbildung war. […] Vielleicht bin ich ja nur der erfundene Freund eines verrückten Kindes, dachte er. Er spürte noch sein eigenes Lächeln, bevor er einschlief. (Seite 74)

„Leinsee“ von Anne Reinecke ist meine erste große Überraschung in diesem Jahr. Ich hatte mit einer steifen, tendenziell schwermütigen Geschichte gerechnet und wurde stattdessen regelrecht von der Füßen gerissen von dieser sensiblen, herzergreifenden und unerwartet romantischen Erzählung. Warum das so ist? Anne Reinecke sieht das Schöne, die Sehnsüchte und die tiefen Gefühle, sie kehrt das Innerste ihrer Figuren nach außen, allerdings nicht auf dem Präsentierteller, sondern beinahe beiläufig und dadurch umso intensiver. Lest nach, warum mich das Buch außerdem begeistert hat, und wer weiß, vielleicht erobert es auch euer Herz.

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Neuerscheinungen im März 2019 – Svenja Gräfen, Louise Erdreich und mehr

März ist Buchmessemonat! Wer von euch wird in Leipzig sein? Wer bleibt daheim? Ich werde nicht auf der Buchmesse sein, doch ich habe es mir natürlich nicht nehmen lassen, einige (viele!) interessante, aufregende und originelle Neuerscheinungen im März zusammenzustellen. Lesen werde ich auf jeden Fall „Die Stille zwischen den Sekunden“ von Tania Witte. Darüber hinaus reizen mich besonders „Das wilde Herz“ von Andrea de Carlo und „Lanny“ von Max Porter sowie „Der Gott am Ende der Straße“ von Louise Erdreich. Welche Bücher sind eure Favoriten? Viel Spaß beim Stöbern!

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Lieber Mr. Salinger von Joanna Rakoff | Rezension

Wenn man Salinger liest, ist es nicht so, als läse man eine Erzählung; es ist, als flüstere einem Salinger höchstpersönlich seine Geschichten ins Ohr. Die Welt, die er in seinen Texten erschafft, ist greifbar, real und zugleich so wunderbar überhöht, als wandelte er mit freiliegenden Nervenenden auf Erden. (Seite 240)

In diesem wundervollen Roman erinnert sich die Autorin Joanna Rakoff an ihre Zeit in einer Agentur für Autoren, die J. D. Salinger vertritt. Sie ist Anfang 20, als sie dort zu arbeiten beginnt und anstatt die literarische Welt zu erobern, muss sie sich mit den Gegebenheiten eines technisch etwas rückständigen Arbeitgebers zufrieden geben. Doch beinahe ohne, dass Joanna es merkt, beginnen die verschrobene Agentur und ihre nicht minder verschrobene Arbeitgeberin ihr Herzen zu erobern. Ihr Job beginnt ihr zu gefallen, nicht zuletzt wegen des berühmten Salinger. Joanna verändert sich im Laufe ihres Jahres in der Agentur, insbesondere ihre Sicht auf ihr Leben, ihre Arbeit, ihren künstlerischen Schaffensprozess, ihre Beziehung und ihre Freundschaften. Und ebenso „greifbar, real und zugleich überhöht“ wie Salinger seine Geschichten erzählt, ebenso intensiv schreibt auch Joanna Rakoff ihren Roman „Lieber Mr. Salinger“.

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Meine großen Labyrinthe von Karine Balzeau, Antoine Balzeau, Gal Weizman | Rezension

Labyrinthe erfreuen sich bei uns großer Beliebtheit und durch jedes wird mit einer Menge Ehrgeiz der richtige Weg gesucht. Daher ist ein Buch mit Labyrinthen und einem gewissen Extra genau das richtige für uns und wir haben „Meine großen Labyrinthe“ auf Herz und Nieren getestet. Bei mir punktete das Kinderbuch auf Anhieb wegen der Autoren, denn Karine Balzeau ist Doktorin für Biologie und sie setzt sich dafür ein, Menschen zu helfen, den Planeten zu schützen. Antoine Balzeau ist Paläanthropologe mit der Leidenschaft, Kindern wissenschaftliche Erkenntnisse näherzubringen. Was in diesem Kinderbuch steht, hat also Hand und Fuß.

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Die ganze Welt der Dinosaurier von Emilia Dziubak | Rezension

Eltern aufgepasst, hier kommen die Dinosaurier! Diese teils unvorstellbar riesigen Tiere aus der Urzeit üben auf viele Kinder eine ungeheure Faszination aus. Kein Wunder, dass auch wir nicht an diesem Kinderbuch vorbeikamen. „Die ganze Welt der Dinosaurier“ von Emilia Dziubak bietet einen tollen Einstieg in diese spannende Zeit. Vor allem die wundervollen Illustrationen, von denen bereits einige auf dem Cover zu sehen sind, bestechen den Leser, zu diesem Buch zu greifen und den Dinosauriern einen Besuch abzustatten. Eine kleine Rahmenhandlung bietet Steinzeitmensch Krause, der ein Dinosaurierei findet und sich auf eine abenteuerliche Reise durch die Zeit begibt.

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Kuss von Simone Meier | Rezension

Gut, Yann schnarchte ein wenig, im Alter würde es gewiss schlimmer werden, aber noch störte es sie nicht, noch störte sie sich nur selbst. Mit ihren ganz persönlichen Träumen und Gedanken. Mit denen sie sich nachts nicht nur um ein paar Zentimeter, sondern um kleine Welten von Yann entfernte, weil sie mit dem zu tun hatten, was zwischen ihnen gerade nicht stattfand. (Seite 58)

Das fröhlich-verspielte Cover von „Kuss“ von Simone Meier täuscht über den Inhalt hinweg. Dieser Roman ist weit mehr als ein leichtes Beziehungsdrama, es offenbart sich stattdessen ein Blick auf die dunklere Seite der menschlichen Seele. Er fördert Sehnsüchte, Begierden, Zweifel und erotische Fantasien zutage, die im Licht des Tages betrachtet geradezu irrsinnig erscheinen, und die dennoch in den Protagonisten Gerda, Yann und Valerie schlummern.

Valerie, spröde und zynisch, ist überzeugt, den Rest ihres Lebens nicht noch einmal mit einem Mann teilen zu wollen. Zu sehr liebt sie ihre Freiheit und ihre Unabhängigkeit. Oder ist es auch Verletzlichkeit, die durch ihre standhafte Verweigerung von Gefühlen und Nähe zum Ausdruck kommt? Gewinnt man vielleicht doch mehr, als man verliert, wenn man sich auf einen anderen Menschen einlässt? Gerda und Yann sind von außen betrachtet ein Vorzeigepaar – er hat einen guten Job, sie versucht sich unfreiwillig, aber nicht minder zufrieden, in der Rolle der Hausfrau, die das frisch bezogene Haus einrichtet und gestaltet. Ideale Voraussetzungen für die Familiengründung also. Doch was bleibt danach noch im Leben, wenn das Knistern des Neuen längst der Vergangenheit angehört? War es das? Und was, wenn dieses Fehlen, dieses Loch in einem selbst, einen dazu antreibt, sich anderen zuzuwenden. In der Fantasie, in Träumen. Und was, wenn dadurch etwas in Gang gesetzt wird, was unwiderruflich ins Unglück führt?

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Neuerscheinungen im Februar 2019 – Simone Meier, Peter Høeg und mehr

Der Februar verwöhnt uns mit vielen interessanten, ernsten, spannenden und romantisch-fantastischen Romanen. Insgesamt zwölf finde ich besonders bemerkenswert und diese möchte ich euch vorstellen. Allen voran „Die Mauer“ von John Lanchester, ein Roman, der sicherlich viele Diskussionen anfachen wird. Er greift ein brisantes Thema auf, schaut es euch unbedingt an. Weiterhin „Kuss“ von Simone Meier, das ich aktuell lese, „Durch deine Augen“ von Peter Høeg und „Miami Punk“ von Juan S. Guse. Welche Bücher sind eure Favoriten? Viel Spaß beim Stöbern!

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