Superhero von Anthony McCarten | Rezension

Ja, der Junge auf der Brücke vergleicht sich mit verglühenden Sternen, während er darauf wartet, dass die einzelnen Elemente seines Todeswunsches – Ekel, Wut, Schmerz, Übelkeit, Schwäche, Frustration, Ungerechtigkeit, Neid, Einsamkeit, Reue – sich zu einer Kraft verbinden, die ausreicht, ihn in die Tiefe zu stoßen. (Seite 38)

Auf der diesjährigen LitBlog Convention hatte ich das Glück, der Lektorin Anna von Planta lauschen zu können, die von ihren Begegnungen mit Anthony McCarten und seinen Werken sprach. Sie erzählte auch von ihrem ersten Eindruck von „Superhero“ und ihrem Erstaunen über dieses ungewöhnliche Manuskript. Der Roman ist in Teilen wie ein Theaterstück, wie ein Comic, wie ein Drehbuch geschrieben – ein Sammelsurium der verschiedenen Möglichkeiten, eine Geschichte zu erzählen. Doch nicht allein das macht „Superhero“ zu dem, was es ist: zu einem besonderen Werk.

Denn unabhängig vom Erzählstil hat Anthony McCarten eine äußerst feinfühlige Geschichte über einen todkranken Jungen geschrieben, die gleichzeitig traurig, überraschend witzig und vielschichtig ist. Der Autor nimmt das Schicksal von Donald Delpe ernst, zeichnet es aber nicht nur Grau in Grau. Vielmehr strotzt „Superhero“ förmlich vor Farbe und Leben, nicht zuletzt wegen der Comic-Szenen, die man als Leser auf Anhieb vor Augen hat. Sie bringen Abwechslung ins Lesen, ebenso wie in Donald’s tristen Alltag zwischen Behandlungen und Therapie und die Zeit mit seiner Familie. Die Comic-Geschichten sind wunderbar überspitzt und im Grunde dreht sich alles nur um Superhelden und Schurken und Sex. Vor allem Letzterer ist omnipräsent in Donald’s Gedanken und gleichzeitig ein wichtiges Plotelement.

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[Neuerscheinungen] im Februar 2017 – Lena Gorelik, Andrew Miller und mehr

Im Februar locken viele interessante Neuerscheinungen, unter anderem meine persönlichen Favoriten „Auerhaus“ von Bov Bjerg, „Mehr Schwarz als Lila“ von Lena Gorelik, „Nachts ist das Meer nur ein Geräusch“ von Andrew Miller und „Hellwach“ von Hilary T. Smith. Außerdem mit dabei „Der Kuss der Lüge: Die Chroniken der Verbliebenen“ von Mary E. Pearson, das ich bereits lesen durfte. Die Rezension zum Buch erscheint am Erscheinungstag. Ein vorherrschendes Thema scheint die Erfindung der Glühbirne zu sein – gleich zwei Bücher gehen hier bei den Neuerscheinungen ins Rennen, „Licht“ von Anthony McCarten und „Die letzten Tage der Nacht“ von Graham Moore. Welches sind eure Favoriten?

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