Sanctuary – Flucht in die Freiheit von Paola Mendoza und Abby Sher | Rezension

„Sanctuary – Flucht in die Freiheit“ von Paola Mendoza und Abby Sher eine Dystopie zu nennen, erscheint mir beinahe falsch. Denn die Idee zum Roman entstand im Jahr 2018, als die Trump-Regierung an der südlichen Grenze der USA Familien auseinanderriss. Als damit begonnen wurde, eine Mauer zwischen den USA und Mexiko zu errichten. Abschiebungen und Verhaftungen hatten Eltern und Kinder traumatisiert und viele Menschen weltweit entsetzt. Es braucht, und das meine ich nicht abwertend, nicht viel Fantasie sich vorzustellen, wie diese Ungerechtigkeiten sich in einer Zukunft entwickelt hätten, in der keine weltweiten Proteste stattgefunden hätten, in der kein neuer Präsident gewählt und in der diesem Irrsinn kein Einhalt geboten worden wäre. Doch auch abseits dieser Ereignisse gab und gibt es weltweit genügend ähnliche Schreckensszenarien, die diesen Roman furchtbar realistisch und absolut nicht dystopisch wirken lassen.

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So wie du mich kennst von Anika Landsteiner | Rezension

„So wie du mich kennst“ von Anika Landsteiner erzählt von der engen Beziehung zwischen zwei Schwestern und von der Schwierigkeit, plötzlich alleine zurückzubleiben. Es geht um Karla und Marie, die einander so nahestehen und sich im Wesen doch sehr unterscheiden. Marie sehnt sich fort aus dem kleinen Dorf Seekirch in Unterfranken, in dem sie aufgewachsen sind und in dem jeder jeden kennt und jeder alles vom anderen weiß. Sie möchte als Fotografin Karriere machen und Neues erleben. Karla hingegen fühlt sich wohl in ihrer Heimat, mit ihrem Job bei der Lokalzeitung und ihrem vorhersehbaren, ruhigen Leben. Worauf sie nicht vorbereitet ist, ist die gähnende Leere, die nach dem Tod von Marie in ihr herrscht. Und auch nicht auf die Fragen, die ihr Tod aufwirft. Was hat ihre Schwester vor ihr verheimlicht? Wie soll Karla ohne Marie weiterleben, wie diese Lücke in der Familie füllen? Und sollte ihr eigenes Leben nicht eigentlich „größer“ sein oder ist es okay, mit weniger glücklich zu sein?

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Breakaway von Anbelle Stehl | Rezension

Auf „Breakaway“, den Debütroman von Anabelle Stehl, haben New Adult Leser und BuchbloggerInnen sehnsüchtig gewartet. Gespannt haben wir den Entstehungsprozess in den Sozialen Netzwerken mitverfolgt und mit der Autorin mitgefiebert. Daher war es natürlich keine Frage, dass dieser Roman bei mir einziehen musste. Wie also hat mir „Breakaway“ gefallen? Konnte mich die Geschichte überzeugen und begeistern?

Die Story beginnt mit Lia und ihrer fluchtartigen Reise nach Berlin. Was sie dorthin treibt, weiß man nicht, doch die Dringlichkeit wird einem nur allzu schnell bewusst. Irgendetwas ist vorgefallen, etwas verängstigt sie so sehr, dass sie sich vor allen Menschen versteckt und sich sogar als jemand anderes ausgibt. In der Hauptstadt begegnet sie Noah und seinen Freunden, die sie herzlich aufnehmen und ihr das Gefühl geben, alles könne wieder gut werden. Doch auch Noah hat Schwierigkeiten mit seiner Familie, sein Bruder soll sich geprügelt haben und setzt damit den Ruf der Familienunternehmen aufs Spiel. Darüber hinaus belastet ihn auch seine eigene Rolle innerhalb der Familie – wo ist sein Platz, ist er gut genug und gehört er auch wirklich dazu?

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Diese eine Lüge von Dante Medema | Rezension

Dante Medema reduziert „Diese eine Lüge“ auf das Wesentliche und erzielt damit eine maximale Wirkung. Erinnert hat mich dies an „The Wicker King“ von Kayla Ancrum, worin in komprimierten und teils surrealen Szenen von einer schwierigen Freundschaft erzählt wird. Dante Medemas Geschichte besteht aus Gedichten, E-Mails und Chatnachrichten, und dennoch (oder gerade deswegen) schafft sie es, tiefe Gefühle besonders hervorzuheben. Es geht um Delia, die im Rahmen eines Schulprojekts ihre DNA testet und herausfindet, dass ihr Vater nicht ihr biologischer Vater ist. Vermutet hatte sie es schon lange, doch die Bestätigung wirbelt ihr Leben dennoch vollkommen durcheinander. Gleichzeitig muss sie sich weiter mit dem begonnenen Projekt auseinandersetzen und sich mit ihren Gefühlen für ihren Kindheitsfreund Kodiak befassen. Eine aufwühlende Handlung und ein Roman, der nicht nur aufgrund der Erzählform auffällt.

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Wo einst Leben war von Lena Wanke | Rezension

Mit „Wo einst Leben war“ von Lena Wanke erwartet euch eine Dystopie, die anderen Dystopien in vielerlei Hinsicht ähnelt, die aber dennoch absolut aus der Masse heraussticht. Diese Geschichte ist wahrhaftig düster, hoffnungslos und erbarmungslos. Worum es geht: Den Menschen ist der eigene Planet fremd geworden. Sie leben in Hochhäusern im Land Kaimar D., das nach diversen Naturkatastrophen und Kriegen von Götz Kaimar regiert wird. Die Menschen sollen ein sorgloses Leben führen, zahlen dafür jedoch mit dem Verlust jeglicher Selbstbestimmung und Individualität. Ein hochmodernes Gefängnis. Von der alten Welt sind nur noch Trümmer übrig, die heiße Sonne hat die Landschaft versengt und alles Lebendige getötet. Es gibt keine Bäume, keine Tiere, kaum Wasser. Durch diese Wüstengegend schleppen sich die Geschwister Jona, Tobias, Luki und Emma sowie Taube, ein kleines Mädchen, das sie unterwegs bei sich aufgenommen haben. Sie fliehen vor einem Leben in den Hochhäusern, sie wollen ihre Freiheit nicht aufgeben. Doch der Preis für diese Freiheit ist ein Leben in ständiger Angst.

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Die Unschuldigen von Michael Crummey | Rezension

„Die Unschuldigen“ von Michael Crummey ist ein Roman über das Leben und Überleben an der Küste Neufundlands im 18. Jahrhundert. Dort herrscht ein kaltes und raues Klima und was für Erwachsene bereits ein herausforderndes Leben ist, ist es noch viel mehr für Kinder, die gänzlich auf sich allein gestellt sind. So ergeht es Ada und Evered, deren Eltern und kleine Schwester sterben, als sie beide erst elf und neun Jahre alt sind. Sie leben weit abgeschieden von der nächstgelegenen Stadt und wissen nicht mehr als das wenige, was ihre Eltern ihnen beigebracht haben. Sie kennen die Welt jenseits ihres Zuhauses nicht, sie können nicht lesen, nicht schreiben und sie haben keine Vorstellung davon, was es bedeutet Erwachsen zu werden.

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Rowan & Ash – Ein Labyrinth aus Schatten und Magie von Christian Handel | Rezension

Habt ihr schon einmal einen Fantasyroman gelesen, in dem der Held sich nicht in die Prinzessin verliebt, sondern in den Königssohn? Mit seinem Jugendbuch „Rowan & Ash – Labyrinth aus Schatten und Magie“ schlägt Autor Christian Handel genau diesen Weg ein und hat mich mit seiner queeren Liebesgeschichte komplett begeistert. Doch nicht nur dieser Aspekt ist großartig, sondern auch das ganze Drumherum ist stimmig: Der Plot, die Figuren, das Setting, der Schreibstil. Ein Roman voller Abenteuer, Herz und Humor.

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On Earth We’re Briefly Gorgeous von Ocean Vuong | Rezension

„On Earth We’re Briefly Gorgeous“ (dt. Auf Erden sind wir kurz grandios) von Ocean Vuong ist ein vielfach gelobter Debütroman. Er wird geschätzt für seinen lyrischen Schreibstil und für die Intensität seiner Geschichte. Vuong erzählt in autobiographischen Zügen von der Kindheit von Little Dog, die geprägt ist von den Nachwirkungen des Vietnamkrieges. Als er wenige Jahre als ist, wagt seine Familie den Neuanfang in den USA. Doch statt ihren Frieden zu finden, haben sie mit der unbekannten Sprache zu kämpfen und mit ihren Erinnerungen. Vuong spricht viele berührende, gewaltige und wichtige Themen an, dennoch ließ mich der Roman weitestgehend orientierungslos und emotional unberührt zurück. Ich wollte ihn so sehr lieben, doch für mich war er stilistisch nicht das Richtige. Darauf gehe ich gleich tiefer ein, doch zuvor möchte ich unbedingt auf weitere Buchbesprechungen von Lesern hinweisen, die von dem Roman begeistert waren. Diese sind am Artikelende verlinkt.

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Can you help me find you von Amy Noelle Parks | Rezension

Im Original heißt dieses Jugendbuch „The Quantum Weirdness of the Almost Kiss“. Dieser Titel beschreibt hervorragend, worum es in „Can you help me find you“, so der (nun ja) deutsche Titel, von Amy Noelle Parks geht. Es geht um Mathematik und Physik, es geht um das mitunter seltsame Erwachsenwerden und natürlich um die Liebe. Das Ergebnis ist eine zuckersüße Geschichte, die maximal gut von allem ablenken kann, was einem Sorgen bereitet, und die mich vor allem in diesen drei Punkten zu überzeugen wusste.

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Das Geheimnis von Shadowbrook von Susan Fletcher | Rezension

Um schon einmal den Ton dieser Rezension zu setzen: Dies ist mein Buch des Jahres 2019. „Das Geheimnis von Shadowbrook“ von Susan Fletcher überzeugt auf den verschiedensten Ebenen – sprachlich, inhaltlich, mit satten Figuren, die einem aus den Seiten heraus regelrecht entgegentreten. Schicksale, die berühren. Einer Geistergeschichte, die sich subtil und unbemerkt im Gedächtnis festkrallt und abends wieder den Weg ins Bewusstsein findet. Wendungen, die man nicht hat kommen sehen, die alles immer wieder völlig neu ausrichten. Eine klare, sinnliche Sprache, eine starke Protagonistin, die sich Herausforderungen mit messerscharfem Verstand stellt und dabei einen vollkommen neuen Blick auf die Welt erlangt. Ich war vom ersten Satz an gefesselt, wer es beendet hat, sehnt sich mitunter wieder an den Anfang zurück.

Jemand stand vor meiner Tür.
Ich rührte mich nicht.
Ich lauschte.
(Seite 129)

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