Heartstopper (Volume 1) von Alice Oseman | Rezension

Im Jahr 2016 begann Alice Oseman an einem Herzensprojekt zu arbeiten – „Heartstopper“, eine Webcomicserie über Charlie und Nick, die bereits Nebenfiguren in Osemans Roman „Solitaire“ waren. Es geht um ihr Kennenlernen, ihre Freundschaft und wie sie sich ineinander verlieben. Charlie, der ein Jahr lang gemobbt wurde, nachdem er sich als homosexuell geoutet hatte und Nick, der freundliche Rugbyspieler, der im Laufe des ersten Bandes erkennt, dass er sich nicht nur zu Mädchen hingezogen fühlt. Der Webcomic war so erfolgreich, dass zwei Jahre später die erste englische Printausgabe als Graphic Novel erschien, eine Netflix-Adaption soll folgen. Allerhöchste Zeit also, dass Deutschland nun mit einer deutschsprachigen Ausgabe nachzieht. Wie mir die Graphic Novel gefallen hat, erfahrt ihr hier.

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Tilda von Maiken Brathe | Rezension

Verlust und Trauer sind zentrale Themen in „Tilda“ von Maiken Brathe, einem emotionalen und feinfühligen Roman aus dem Ulrike Helmer Verlag. Genauso geht es aber auch um die Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit bzw. Kindheit, um nachteilige Verhaltens- und Beziehungsmuster sowie um Selbstfindung und Neuanfänge. Susanna hat ihre Partnerin Anna verloren. Tiefe Trauer umfängt Susanna, gleichzeitig brennt eine unbändige Wut in ihr – auf Anna, die eine andere Frau traf, auf ihre Mutter, die sie als Kind zu oft alleine ließ, und auf ihre Tante, die ihr etwas Wichtiges verschwieg. Wie soll Susanna mit all diesen Erkenntnissen umgehen? Und wie wirkt sich dies auf ihr Leben aus? Ein aufwühlender und vielschichtiger Roman über Familie, Freundschaft und die Liebe.

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Und in mir ein Ozean von Dennis Stephan | Rezension

„Und in mir ein Ozean“ von Dennis Stephan erzählt vom Leben des jungen Außenseiters Arthur. Im Roman begleiten wir den Protagonisten bei seinen Versuchen, sich aus einer gestörten Mutter-Sohn-Beziehung zu lösen und später der Umklammerung der Vergangenheit zu entkommen. Arthur landet in Hamburg, Amsterdam und Berlin. Er trifft Menschen, die es gut mit ihm meinen und Menschen, die ihm nicht guttun. Er verliebt sich, er verwundet andere und wird verwundet. Und immer bleibt er auf der Suche, rastlos, fest im Griff seiner eigenen vermeintlichen Unzulänglichkeiten. Wer meinen Blog kennt weiß, dass ich Entwicklungsromane heiß und innig liebe. Ob dieser Roman mich ebenfalls überzeugen konnte, erfahrt ihr hier.

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Rowan & Ash – Ein Labyrinth aus Schatten und Magie von Christian Handel | Rezension

Habt ihr schon einmal einen Fantasyroman gelesen, in dem der Held sich nicht in die Prinzessin verliebt, sondern in den Königssohn? Mit seinem Jugendbuch „Rowan & Ash – Labyrinth aus Schatten und Magie“ schlägt Autor Christian Handel genau diesen Weg ein und hat mich mit seiner queeren Liebesgeschichte komplett begeistert. Doch nicht nur dieser Aspekt ist großartig, sondern auch das ganze Drumherum ist stimmig: Der Plot, die Figuren, das Setting, der Schreibstil. Ein Roman voller Abenteuer, Herz und Humor.

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Find me – Finde mich von André Aciman | Rezension

Mit „Call Me By Your Name“ schrieb André Aciman eine herzerwärmende, leidenschaftliche und vor allem authentische Liebesgeschichte. Es geht um Elio und Oliver, ihre vorsichtige Annäherung, ihre Gedanken, ihre tiefsten Gefühle. Ein ganz besonderes Buch! 2017 wurde der Roman mit Armie Hammer und Timothée Chalamet in den Hauptrollen außerdem sehr erfolgreich verfilmt. Umso schwerer ist es nach solch großer Anerkennung, diese Geschichte weiterzuerzählen. Natürlich möchten alle wissen, wie es mit Elio und Oliver weitergeht – werden sich sich wiedersehen, werden sie wieder zusammenkommen? Doch was könnte eine Fortsetzung dann anderes sein, als eine Wiederholung des bereits Gelesenen? Daher verfolgt Aciman in „Find me (Finde mich)“ einen ganz anderen Ansatz, der nicht alle Leser glücklich machte. Wie mir der Roman gefallen hat, erfahrt ihr hier.

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On Earth We’re Briefly Gorgeous von Ocean Vuong | Rezension

„On Earth We’re Briefly Gorgeous“ (dt. Auf Erden sind wir kurz grandios) von Ocean Vuong ist ein vielfach gelobter Debütroman. Er wird geschätzt für seinen lyrischen Schreibstil und für die Intensität seiner Geschichte. Vuong erzählt in autobiographischen Zügen von der Kindheit von Little Dog, die geprägt ist von den Nachwirkungen des Vietnamkrieges. Als er wenige Jahre als ist, wagt seine Familie den Neuanfang in den USA. Doch statt ihren Frieden zu finden, haben sie mit der unbekannten Sprache zu kämpfen und mit ihren Erinnerungen. Vuong spricht viele berührende, gewaltige und wichtige Themen an, dennoch ließ mich der Roman weitestgehend orientierungslos und emotional unberührt zurück. Ich wollte ihn so sehr lieben, doch für mich war er stilistisch nicht das Richtige. Darauf gehe ich gleich tiefer ein, doch zuvor möchte ich unbedingt auf weitere Buchbesprechungen von Lesern hinweisen, die von dem Roman begeistert waren. Diese sind am Artikelende verlinkt.

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Aufzeichnungen eines Krokodils von Qiu Miaojin | Rezension

Um „Aufzeichnungen eines Krokodils“ von Qiu Miaojin in seiner ganzen Tragweite verstehen zu können, muss man mehr über die Autorin erfahren. Über ihr Leben, ihren frühen Tod mit 26, und die Zeit, in der sie lebte. Willkommen also im Taiwan der 1980er Jahre. Zu dieser Zeit ist Homosexualität verboten und strafbar und Menschen mit homosexuellen Neigungen werden als Monster angesehen, die außerhalb der „normalen“ Welt in Sünde leben. Seine Sexualität behält man folglich besser für sich, wenn man in der Masse nicht auffallen möchte. Ändern würde sich dies jedoch radikal in den nachfolgenden Jahren. Die LGBTQ-Bewegung erwachte immer mehr zum Leben, die Menschen wollten frei entscheiden, wen sie lieben dürfen und so kam es dazu, dass Taiwan im Jahr 2019 als erstes asiatisches Land die gleichgeschlechtliche Ehe beschloss. Qiu Miaojin wurde 1969 geboren, 1987 bis 1991 besuchte sie die Universität. Ihre Jugend verbrachte sie als lesbische Frau also in einem enormen Spannungsfeld, das sie künstlerisch prägte. „Aufzeichnungen eines Krokodils“ erzählt davon.

Seit ich dich zum ersten Mal sah, wusste ich, dass ich dich lieben würde mit einer Liebe, die einem Raubtier, einem lodernden Flammenmeer gleicht. Aber es ist verboten! Es darf niemals so weit kommen! […] Sonst zerreißt es mich in einem Gemetzel, bis nur noch Fleischfetzen und Blut zurückbleiben. (S. 26)

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The Wicker King von Kayla Ancrum | Rezension

Ich wage zu behaupten, dass niemand auch nur den Hauch einer Ahnung hat, worauf er sich mit „The Wicker King“ von Kayla Ancrum einlässt. Zumindest erging es mir so. Der Klappentext ließ mich eine vollkommen anders ausgerichtete Handlung erwarten, doch was ich stattdessen las, war intensiv. Dunkel. Mysteriös. Aufwühlend. Herzzerreißend. Die Krux an der Sache ist, dass man unter Umständen lange im Dunkeln tappt und den Kern der Geschichte nicht versteht. Doch das macht nichts, denn die Bilder und die Sprache sind so stark, dass man unweigerlich mitgezogen wird. Das Thema entfaltet sich schleichend, anfangs nur wenig greifbar, am Ende trifft es einen mit voller Wucht. Denn in der Welt von Jack und August verschmelzen Realität und Fiktion aus speziellen Gründen, die einem schier das Herz brechen. (Achtung, diese Rezension enthält Spoiler. Das Fazit ist spoilerfrei.)  

Jack pulled him in almost to his chest, then rested his head in the curve of August’s neck. „What would you do for me?“
August shivered while he thought up an answer. „I don’t know. Anything, probably.“
„Do you really mean that?“
(Seite 170)

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The Dangerous Art of Blending In von Angelo Surmelis | Rezension

„The Dangerous Art of Blending In“ ist ein „Own Voice“ Roman, in dem Autor Angelo Surmelis seine eigene Kindheit und Jugend verarbeitet. Gleichzeitig hat er ein Werk in die Welt gesetzt, das zeigt, wie schwer es unter anderem Homosexuelle noch heute haben, von der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Welche Ängste sie ausstehen müssen und wie ignorant und verurteilend einige Menschen, vor allem in Kleinstädten, sein können. Homosexualität ist also die eine Sache, doch Surmelis hatte als immigrierter Grieche auch eine strenge und gläubige Mutter, die ihn jahrelang misshandelte. In einer berührenden Autorennotiz schreibt Surmelis, dass seine Therapeutin ihm empfohlen habe, seine Erfahrungen zu Papier zu bringen, doch wann immer er damit begann, war der Prozess zu schmerzhaft. Erst die Erfindung von Evan, so der Name des Protagonisten in diesem Buch, ermöglichte es ihm, die notwendige Distanz zu erlangen. Hier ist seine Geschichte.

„I know how to do this. I do this all the time. Actually, this is what I do. I make everything okay. I make it all normal when it’s not at all.“ (Seite 169)

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Orangen sind nicht die einzige Frucht von Jeanette Winterson | Rezension

In ihrem autobiografischen Roman und ihrem literarischen Debüt erzählt Jeanette Winterson von ihrer Kindheit und Jugend als „Pfingstlerin“. Veröffentlicht wurde es erstmals im Jahr 1985. Von ihrer Mutter als missionarisches „Projekt“ adoptiert, wächst Jeanette mit strengen Regeln auf, das Leben ist vollständig nach der Bibel ausgerichtet, die Gemeinde ein eigener Kosmos. Erst spät besucht sie eine öffentliche Schule und stellt im Zuge dessen erstmals ihr bisheriges Leben in Frage. Doch wie löst man sich aus einer Glaubensgemeinschaft mit äußerst konservativen Glaubensgrundsätzen? Denn für Mitglieder der Pfingstgemeinde sind Scheidungen tabu, ebenso Sex außerhalb der Ehe. Die Evolutionstheorie? Reines Teufelswerk! Und wer  homosexuell ist, wird aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Was also soll Jeanette tun, als sie sich in ein Mädchen verliebt?

Ich wusste, dass Dämonen sich überall dort einschleichen, wo sich eine schwache Stelle zeigt. Falls ich einen Dämon hatte, so war Melanie meine schwache Stelle, aber sie war schön und gut und hatte mich geliebt. Kann Liebe wirklich den Dämonen gehören? (Seite 160)

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