Der lange Weg zu dir von Martin Widmark und Emilia Dziubak | Kinderbuch

Wer den Autor Martin Widmark bereits kennt weiß, dass ihn mit „Der lange Weg zu dir“ kein gewöhnliches Bilderbuch für Kinder erwartet. Wenn Martin Widmark schreibt, klingen die einfachsten Geschichten wie ein Märchen, wie Poesie. Was er schreibt, dient nicht dem Zweck, Handlung und Moral bis ins kleinste Detail auszubuchstabieren. Seine Worte lassen vielmehr Bilder im Kopf des Lesers entstehen, Gefühle werden geweckt. Und über diese Gefühle wird die Botschaft transportiert, die Widmark seinen Lesern mitgeben möchte. Eine großartige Ergänzung dazu sind die wunderschönen Illustrationen aus der Hand von Emilia Dziubak, siehe auch „Linas Reise ins Land Glück“ und „Die ganze Welt der Dinosaurier„.

„Es waren einmal ein Junge und ein Mädchen, die sich nie getroffen hatten. Zwischen ihnen lag ein großes Meer.“

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Livia von Friedrich Hechelmann | Ein modernes Märchen | Rezension

In einer Zeit, in der man sich am Abend noch lange Geschichten erzählte und niemand wusste, was ein Handy oder ein Laptop ist, …. (Seite 7)

Wenn ein Buch mit Zeilen wie diesen beginnt, dann kann es sich nur um ein Märchen handeln. Und richtig, „Livia“ von Friedrich Hechelmann ist ein Märchen, eine spannende und moderne Märchengeschichte, um genau zu sein, die mit ihren wundervollen Illustrationen in eine andere Welt entführt. Es war ein herrliches Gefühl, an diesen ersten ersten trüben Herbsttagen zu diesem Buch greifen zu können! Doch halt, ich gerate ins Schwärmen – dabei sollte ich erst einmal erzählen, worum es in „Livia“ geht: Ganz klassisch um den Kampf von Gut gegen Böse, und um alles andere, was uns an Märchen begeistert. König und Königin, eine rachsüchtige Gräfin, Intrigen, Gefahren, Tod und Leid, Freude und Hoffnung, Vergebung, Feinde und Verbündete, ein wundersames Findelkind, einen Zwerg und eine Schar freundlicher und gewitzter Tiere.

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Anna Fink – Die Fanfare des Königs von Boris Zatko | Rezension

Aber wieso sah sie Dinge, die anscheinend nicht existierten? Bildete sie sich das alles nur ein? Unmöglich! (Seite 14)

„Mama, erzählst du mir die Geschichte noch einmal?“ Diesen Satz hörte ich jeden Tag mindestens ein Mal, nachdem ich damit begonnen hatte, „Anna Fink – Die Fanfare des Königs“ von Boris Zatko zu lesen. Meine Tochter konnte nicht genug von diesem fantastischen Abenteuer bekommen und ich erzählte ihr gerne davon, denn dieser Trilogie-Auftakt ist durchaus bereits für jüngere Leser geeignet. Ich selbst wurde auf der Frankfurter Buchmesse im vergangenen Jahr auf dieses hübsche Buch aufmerksam, als ich am Stand des mir bis dahin unbekannten Verlags Oberstebrink vorbeiging. Das Cover machte mich extrem neugierig und der Klappentext (siehe Beitragsende) versprach eine abenteuerlich-magische Geschichte. Eine Mutter und ihre Tochter, die in ein seltsames Haus einziehen? Ein verschwundener Vater? Ein großes Geheimnis? Ich war geködert.

Allem voran muss ich die tollen Illustrationen des Autors hervorheben. Boris Zatko arbeitet als freier Autor und Illustrator für Magazine und Verlage. Ich finde es spannend, wenn ein Autor die Illustrationen für seine Geschichte selbst anfertigt. Es ist, als schaute man als Leser durch ein kleines Fenster direkt in den Kopf des Autoren. So wurde die Welt, die Zatko erschuf, noch greifbarer. Und diese Welt ist aufregend! Sie ist ganz nah an der Realität und dennoch auf eine subtile Art und Weise davon entrückt. So wirken die Stadt und die Menschen, denen Protagonistin Anna und ihre Mutter begegnen stets etwas seltsam, sehr kühl und abweisend. Nichts fügt sich so recht zusammen und Anna und ihre Mutter wirken wie Fremdkörper in einem Puzzle, deren fertiges Bild sie – und auch der Leser – nicht kennen. Ich mag es sehr, wenn das Fantastische sich in den Details verbirgt.

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