The Wicker King von Kayla Ancrum | Rezension

Ich wage zu behaupten, dass niemand auch nur den Hauch einer Ahnung hat, worauf er sich mit „The Wicker King“ von Kayla Ancrum einlässt. Zumindest erging es mir so. Der Klappentext ließ mich eine vollkommen anders ausgerichtete Handlung erwarten, doch was ich stattdessen las, war intensiv. Dunkel. Mysteriös. Aufwühlend. Herzzerreißend. Die Krux an der Sache ist, dass man unter Umständen lange im Dunkeln tappt und den Kern der Geschichte nicht versteht. Doch das macht nichts, denn die Bilder und die Sprache sind so stark, dass man unweigerlich mitgezogen wird. Das Thema entfaltet sich schleichend, anfangs nur wenig greifbar, am Ende trifft es einen mit voller Wucht. Denn in der Welt von Jack und August verschmelzen Realität und Fiktion aus speziellen Gründen, die einem schier das Herz brechen. (Achtung, diese Rezension enthält Spoiler. Das Fazit ist spoilerfrei.)  

Jack pulled him in almost to his chest, then rested his head in the curve of August’s neck. „What would you do for me?“
August shivered while he thought up an answer. „I don’t know. Anything, probably.“
„Do you really mean that?“
(Seite 170)

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Das Geheimnis von Shadowbrook von Susan Fletcher | Rezension

Um schon einmal den Ton dieser Rezension zu setzen: Dies ist mein Buch des Jahres 2019. „Das Geheimnis von Shadowbrook“ von Susan Fletcher überzeugt auf den verschiedensten Ebenen – sprachlich, inhaltlich, mit satten Figuren, die einem aus den Seiten heraus regelrecht entgegentreten. Schicksale, die berühren. Einer Geistergeschichte, die sich subtil und unbemerkt im Gedächtnis festkrallt und abends wieder den Weg ins Bewusstsein findet. Wendungen, die man nicht hat kommen sehen, die alles immer wieder völlig neu ausrichten. Eine klare, sinnliche Sprache, eine starke Protagonistin, die sich Herausforderungen mit messerscharfem Verstand stellt und dabei einen vollkommen neuen Blick auf die Welt erlangt. Ich war vom ersten Satz an gefesselt, wer es beendet hat, sehnt sich mitunter wieder an den Anfang zurück.

Jemand stand vor meiner Tür.
Ich rührte mich nicht.
Ich lauschte.
(Seite 129)

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Five Feet Apart (dt. Drei Schritte zu dir) von Rachael Lippincott, Mikki Daughtry, Tobias Iaconis | Rezension

Auf dem Jugendbuch „Drei Schritte zu dir“, im Original „Five Feet Apart“, basiert der bereits in den Kinos angelaufene gleichnamige Kinofilm, mit Cole Sprouse und Haley Lu Richardson in den Hauptrollen. Es geht um Will und Stella, zwei an Mukoviszidose (medizinisch: cystische Fibrose, CF) erkrankte Teenager, die sich im Krankenhaus während einer Behandlung beziehungsweise Therapie begegnen. Mukoviszidose ist eine angeborene Stoffwechselerkrankung, die nicht heilbar ist und die Lebenserwartung der Betroffenen auf maximal 40 Jahre beschränkt. Ansteckend ist Mukoviszidose nicht, doch CF-Patienten wird dringend geraten, einander nicht zu nahe zu kommen, um das Ansteckungsrisiko mit Infektionen zu minimieren. Zudem ist Will an der Bakterienart Burkholderia cepacia erkrankt, die bei Patienten mit Mukoviszidose ernsthafte Komplikationen verursachen kann. Doch was, wenn sich CF-Patienten ineinander verlieben? Wie soll man dann Abstand halten können? Um diesen Konflikt und das Leben mit der Krankheit geht es in dem Buch. Wie es mir gefallen hat, erfahrt ihr hier.

I wonder, all too often, what it would be like to have lungs this healthy. This alive. I take a deep breath, feeling the air fight its way in and out of my body. (Seite 1)

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Superhero von Anthony McCarten | Rezension

Ja, der Junge auf der Brücke vergleicht sich mit verglühenden Sternen, während er darauf wartet, dass die einzelnen Elemente seines Todeswunsches – Ekel, Wut, Schmerz, Übelkeit, Schwäche, Frustration, Ungerechtigkeit, Neid, Einsamkeit, Reue – sich zu einer Kraft verbinden, die ausreicht, ihn in die Tiefe zu stoßen. (Seite 38)

Auf der diesjährigen LitBlog Convention hatte ich das Glück, der Lektorin Anna von Planta lauschen zu können, die von ihren Begegnungen mit Anthony McCarten und seinen Werken sprach. Sie erzählte auch von ihrem ersten Eindruck von „Superhero“ und ihrem Erstaunen über dieses ungewöhnliche Manuskript. Der Roman ist in Teilen wie ein Theaterstück, wie ein Comic, wie ein Drehbuch geschrieben – ein Sammelsurium der verschiedenen Möglichkeiten, eine Geschichte zu erzählen. Doch nicht allein das macht „Superhero“ zu dem, was es ist: zu einem besonderen Werk.

Denn unabhängig vom Erzählstil hat Anthony McCarten eine äußerst feinfühlige Geschichte über einen todkranken Jungen geschrieben, die gleichzeitig traurig, überraschend witzig und vielschichtig ist. Der Autor nimmt das Schicksal von Donald Delpe ernst, zeichnet es aber nicht nur Grau in Grau. Vielmehr strotzt „Superhero“ förmlich vor Farbe und Leben, nicht zuletzt wegen der Comic-Szenen, die man als Leser auf Anhieb vor Augen hat. Sie bringen Abwechslung ins Lesen, ebenso wie in Donald’s tristen Alltag zwischen Behandlungen und Therapie und die Zeit mit seiner Familie. Die Comic-Geschichten sind wunderbar überspitzt und im Grunde dreht sich alles nur um Superhelden und Schurken und Sex. Vor allem Letzterer ist omnipräsent in Donald’s Gedanken und gleichzeitig ein wichtiges Plotelement.

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[Rezension] „Heart. Beat. Love.“ von James Patterson

Wenn ich eines gelernt habe mit diesem Buch, dann, dass man immer erst einen Blick hinein werfen sollte, bevor man es kauft. Denn so entging mir, dass „Heart. Beat. Love“ mit Fotos von den Protagonisten bebildert ist. Die Fotos auf dem Cover zeigen einige Beispiele. Empfinde nur ich das so, oder würde euch das auch enorm stören? Ich versuchte während des Lesens verzweifelt, nicht auf die Bilder zu achten und mich stattdessen auf die Geschichte zu konzentrieren. Ob mir das gelang, erfahrt ihr in meiner Rezension.

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[Rezension] „Liebe ist was für Idioten. Wie mich.“ von Sabine Schoder

Nachdem ich von allen Seiten nur die besten Meinungen zu diesem Buch gehört hatte, gönnte ich es mir schließlich am Welttag des Buches. Ich liebe das Cover und den Titel – vor ein paar Jahren hätte ich es mir sicherlich gerne als Ausdruck in Großformat an die Wand gehangen. Doch konnte mich auch das Innenleben des Buches überzeugen? Das erfahrt ihr hier.

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[Rezension] „Young World – Nach dem Ende“ von Chris Weitz

Da war ich also wieder im New York nach der großen Katastrophe zu Besuch – nachdem alle Erwachsenen und alle kleinen Kinder an einer mysteriösen Krankheit starben und nur noch Jugendliche überlebten. Die Rede ist von der Dystopie-Reihe von Chris Weitz. In Band 1 wurden wir in diese harte und hoffnungslose Welt eingeführt, lernten unter anderem Jefferson und Donna kennen und begleiteten sie auf der gefährlichen Suche nach einem Heilmittel. Band 2 knüpft nahtlos an das Ende von Band 1 an. Vielen Dank an dtv – das junge Buch für dieses Rezensionsexemplar.

Achtung, wer nicht zu viel erfahren möchte, sollte den folgenden Klappentext nicht lesen. Meine Rezension ist frei von Spoilern.

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[Rezension] „Nachruf auf den Mond“ von Nathan Filer

Atome, Neutronen, Protonen, Elektronen – sie spielen eine wichtige Rolle in dem Roman, den ich euch hier vorstellen möchte. Nach diesem Buch habe ich die Welt ein wenig mit anderen Augen gesehen. Eine gleichermaßen faszinierende und erschütternde Erfahrung. Herzlichen Dank an die Verlagsgruppe Droemer Knaur für dieses Rezensionsexemplar.

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[Rezension] „Tage mit Leuchtkäfern“ von Zoe Hagen

Warum fällt die Rezension gerade bei Büchern, die einen zutiefst berührt haben, nur so schwer? Zwei Tage kaute ich auf den Worten herum und schaffte es dennoch nicht, die richtigen auszuspucken. Jetzt aber. Übrigens: Wer auf der Leipziger Buchmesse war, hat die Autorin Zoe Hagen vielleicht live erlebt. Im Rahmen der „Langen Leipziger Lesenacht“ las sie aus ihrem Buch.

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[Rezension] „Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt“ von Nicola Yoon

Ich LIEBE dieses Buch. Absolut. Von der ersten Seite an, bis hin zum letzten Wort. Ich wünschte mir während des Lesens, ich könnte schneller lesen – und wünschte mir gleichzeitig, ich würde langsamer lesen. Es ist mein erstes Buchhighlight für 2016. Eigentlich gehört diese Feststellung ins Fazit, doch im Falle dieses wundervollen Buches von Nicola Yoon will diese Information einfach jetzt schon aus mir heraussprudeln. Eine Ahnung davon hatte ich bereits beim Lesen der Leseprobe. Daher bin ich der Verlagsgruppe Oetinger sehr dankbar dafür, dass sie mir dieses Rezensionsexemplare überließen.

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