The Red Scrolls of Magic – The Eldest Curses (Band 1) von Cassandra Clare und Wesley Chu | Rezension

Mit „The Red Scrolls of Magic“ starten Cassandra Clare und Wesley Chu eine neue Trilogie rund um die Schattenjäger, diesmal mit Alec und Magnus in den Hauptrollen. Eine waschechte Malec-Trilogie also, die von Fans der Schattenjägerwelt sicherlich sehnlichst erwartet wurde. Thematisch knüpft dieser erste Band von „The Eldest Curses“, so der englische Titel der Reihe, nach dem Krieg gegen Valentine an. Alec hat seine Beziehung zu Magnus offiziell gemacht und nun wünschen sich beide nichts mehr als eine Auszeit, um sich zu erholen und vor allem um zu schauen, ob das zwischen ihnen wirklich etwas ist, das Bestand haben kann. Ihre Reise führt sie dabei nach Paris, Venedig und Rom, was sehr romantisch klingt und auch romantisch sein sollte, doch es kommen ein paar Dämonen aus der Vergangenheit dazwischen – und natürlich auch einige echte Dämonen.

„Anyone who wants a Shadowhunter’s protection,“ Alec shouted, „come to me!“ (Seite 155)

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The Wall (dt. Die Mauer) von John Lanchester | Rezension

In Zeiten, in denen der Brexit diskutiert wird, ein Klimawandel bevorsteht und bereits jetzt Flüchtlinge in Europa nach einer sicheren, neuen Heimat suchen, ist „Die Mauer“ von John Lanchester weniger eine Dystopie als vielmehr ein durchaus realistisches Zukunftsszenario. Schauen wir also wenige Jahre in die besagte Zukunft: England hat sich abgeschottet und eine Mauer entlang der Küste errichtet. Diese soll die Bewohner des Landes vor „den Anderen“ schützen, die seit „dem Wandel“ verzweifelt versuchen auf die andere Seite der Mauer zu gelangen. Um das zu verhindern, müssen alle Bürgerinnen und Bürger des Landes zwei Jahre lang Dienst auf der Mauer leisten. Ein gefürchteter Dienst, denn ein Angriff kann jederzeit erfolgen und die Folgen sind fatal. Entweder man wird getötet oder man wird der See übergeben, sobald es ein Anderer geschafft hat, ins Landesinnere zu gelangen. Und so fürchtet sich Joseph Kavanagh, während er seinen Dienst auf der Mauer absolviert – und tatsächlich werden seine schlimmsten Alpträume wahr. [Achtung, diese Rezension ist nicht frei von Spoilern.]

It’s cold on the Wall. That’s the first thing everybody tells you, and the first thing you notice when you’re sent there, and it’s the thing you think about all the time you’re on it, and it’s the thing you remember when you’re not there anymore. It’s cold on the Wall. (Seite 3)

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GRM: Brainfuck von Sibylle Berg | Rezension

„GRM: Brainfuck“ von Sibylle Berg ist eine 640 Seiten lange gnadenlose Beschreibung dessen, was in der heutigen Zeit schief läuft und auf welche katastrophalen Zustände wir in naher Zukunft zusteuern könnten. Und das sind einige: Die Regierung von Großbritannien betrachtet Kapitalismus als das Nonplusultra, die Regierenden haben ordentlich Dreck am Stecken und das ganze System ist für die Tonne. Von der Umwelt ganz zu schweigen. Dieser Roman hat mich mehr als herausgefordert und emotional aufgewühlt. Lange bin ich nicht mehr solch einer Brutalität begegnet. Dem Leser kommt eine geballte Ladung aus Wut, Hass, Neid, Hoffnungslosigkeit, Gleichgültigkeit, Überheblichkeit und Traurigkeit entgegen, gekrönt vom bitteren Sarkasmus des Erzählers. Und dennoch finde ich, dass jeder diesen Roman gelesen haben sollte, auch wenn man, wie ich, einen Monat daran liest, auch wenn „GRM: Brainfuck“ einen fix und fertig macht und auslaugt, denn was darin angesprochen wird ist wichtig.

Vielleicht steht die Welt gerade am Beginn ihres Untergangs. Möglicherweise gab es Pläne, größere Teile der Bevölkerung zu vernichten. Man wird sich auch daran gewöhnen. Die Bösartigkeit des Menschen als Status quo ist immer etwas, an das man sich gewöhnt. (Seite 338)
Die Dummheit ist eine verlässliche Konstante der Menschheitsgeschichte. (Seite 478)

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Gold und Schatten: Das erste Buch der Götter von Kira Licht | Rezension

So ein Quatsch! Ja, das dachte ich auf den ersten Seiten von „Gold und Schatten“ von Kira Licht. Schon wieder ein Bad Boy, der ein naives Mädchen um den Finger wickelt. Schon wieder gibt es irgendein Hindernis, weshalb sie kein Paar werden dürfen. Und natürlich entwickelt das Mädchen geheimnisvolle Fähigkeiten und in ihrer Welt ist bald nichts mehr so, wie sie es bisher kannte. Doch es kommt ein riesengroßes „aber“: Denn „Gold und Schatten“ ist SO lustig. Ich habe mich herrlich amüsiert, ich hatte einen riesigen Spaß beim Lesen dieser Geschichte. Noch dazu wirkt kein Satz gekünstelt und wer die Autorin kennt weiß, dass das nicht von irgendwoher kommt, denn es ist einfach ihr Humor, der da in die Wortgefechte der Figuren einfließt und der sie auch nicht vor Slapstick zurückschrecken lässt. Kurz: Dieser Contemporary-Fiction Roman ist ein einziges Vergnügen und ich kann es nicht erwarten, Band 2 zu lesen.

„Der Blick funktioniert bei mir nicht.“ Meine Knie waren wie Pudding. Ich wollte mich in seine Arme werfen.
„Doch, tut er.“ Noch mehr Arroganz im Blick. „Ich kann dein rasendes Herz hören.“
„So ein Quatsch.“ (Seite 417)

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Freaks von Joey Goebel | Rezension

„Freaks“ von Joey Goebel ist die schrägste Geschichte mit den schrägsten Figuren, die ich seit langem gelesen habe. Anfangs ging mir daher nicht viel mehr als ein ungläubiges, teils skeptisches, teils belustigtes „oooookay“ durch den Kopf, denn die Figuren werden dem Leser alle miteinander direkt zu Beginn in all ihrer wundervollen Exzentrik präsentiert. Und dennoch haben sich Ray, Opal, Luster, Aurora und Ember vollkommen wider Erwarten in mein Herz geschlichen. Goebel fängt einen ein und ehe man sich versieht, steckt man knietief mittendrin. Was anfangs fremd und gar verrückt erscheint, wird nachvollziehbar, man kann sich einfühlen. Joey Goebel durchdringt die augenscheinlichen Seltsamkeiten und fördert zutage, was den Menschen in seinem verschrobenen Kern liebenswert macht.

„Wenn ich losrocke wie ein verliebtes Menschenkind, dann bin ich gottähnlich. Rockmusik ist meine Religion. Ich glaube an Rockmusik.“ (Seite 74)

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Rainbirds von Clarissa Goenawan | Rezension

„Rainbirds“ wurde mir vom Verlag Kiepenheuer & Witsch geschickt und sehr ans Herz gelegt. Noch einmal Danke an dieser Stelle für die schöne Überraschung. „Rainbirds“ ist der erste Roman der indonesischen Autorin Clarissa Goenawan, die für ihre Kurzgeschichten bereits internationale Literaturpreise erhielt, und die mit ihrer Familie in Singapur lebt. Die Geschichte spielt jedoch in Tokio und der näheren Umgebung der Großstadt, so dass für viele ein Vergleich mit den Werken von Haruki Murakami naheliegend ist. Beiden gemein ist auf jeden Fall die große Ruhe, die den Geschichten innewohnt, ebenso die Integration von mystischen Elementen. Ob mich Goenawan ebenso begeistern konnte wie Murakami, erfahrt ihr hier.

Sie
zerfiel
vor meinen Augen
und
wurde
zu
Asche.
(Seite 5)

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Wir. Hier. Jetzt. von K. A. Tucker | Rezension

„Wir. Hier. Jetzt“ von K. A. Tucker erinnert vom Stil her stark an Colleen Hoover. Beide schreiben sie New Adult Romane, in denen es immer auch um persönliche oder familiäre Probleme und Herausforderungen geht. Dieser Roman handelt von Kacey, die mit ihrer kleinen Schwester Livie nach Miami zieht, um einen Neustart zu wagen, nachdem bei einem Autounfall ihre Eltern, ihre beste Freundin und ihr Freund starben. Sie muss der Erinnerung entkommen, dafür kämpft sie beim Kickboxen und zu diesem Zweck hat sie auch eine dicke Mauer um sich herum errichtet. Niemand kommt wirklich an sie heran. Bis auf Trent, ihr neuer Nachbar in Miami. Wird Kacey es wagen, sich ihre Gefühle für ihn einzugestehen und sich auf ihn einzulassen? Nun, geübte Leser des Genres New Adult wissen nun sicherlich schon einiges über den Handlungsverlauf. Schafft es der Roman dennoch, mich mit Besonderheiten zu überzeugen?

„Ist das nicht anstrengend?“ fragt er und streichelt mit dem Daumen sanft über meinen Nacken.
„Was?“
„Sich ständig vor anderen zu verschließen?“
„Tu ich gar nicht“, sage ich schnell, aber meine brechende Stimme straft mich Lügen. (Seite 117)

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Ein Sommer in Brandham Hall von L. P. Hartley | Rezension

„Ein Sommer in Brandham Hall“ von L. P. Hartley ist eine Geschichte von tragischer Schönheit, die bereits im Jahr 1953 erschien und damals den Durchbruch für den Autor mit sich brachte. Doch auch heute hat die Geschichte nichts an Wertigkeit verloren, denn die Handlung ist zeitlos und kunstvoll erzählt. Es geht um Marian, die Tochter des Herrn von Brandham Hall, und den Pächter Ted, die sich allen gesellschaftlichen Konventionen zum Trotz ineinander verliebt haben. Und es geht um den jungen Leo Colston, der seine Sommerferien auf Brandham Hall verbringt, und der dazu auserkoren wird, die heimlichen Botschaften der beiden zu übermitteln. So wird er wider besseren Wissens hineingezogen in ein Spiel von Liebe, Eifersucht und Verzweiflung.

Ich war nicht mehr zufrieden mit dem kleinen Erfahrungsbereich, in dem ich mich bisher bewegt hatte. Ich wollte jetzt in großem Stil erleben. […] Mein Traum war meine Realität geworden, mein altes Leben hatte ich abgestreift wie eine Hülle. Und die Hitze war wie ein Medium, das diesen Wandel möglich machte. (Seite 107/108)

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Der Schein von Ella Blix | Rezension

„Der Schein“ ist das gemeinsame Werk der Autorinnen Antje Wagner (u.a. „Schattengesicht„) und Tania Witte (u.a. „Die Stille zwischen den Sekunden„) und vereint daher Wagners wunderbaren Hang zum Mysteriösen mit authentischen Figuren und Humor. Das Ergebnis ist eine Internatsgeschichte der etwas anderen Art, die besonders für jüngere Leser geeignet ist. Es geht um Alina, deren Mutter früh verstarb, und die von ihrem Vater auf das Internat Hoge Zand geschickt wird. Dieses befindet sich auf der fiktiven Ostseeinsel Griffiun und hier geschehen seltsame Dinge. Angefangen bei dem ziemlich schrägen Kiosk-Betreiber Mühstetter, dem unheimlichen schwarzen Schiff, das alle zehn Jahre vor der Nordküste der Insel erscheint und um das sich zahlreiche Mythen und Legenden ranken, bis hin zu Tinka, einem Mädchen, dem Alina bei einem Ausflug in das Naturschutzgebiet begegnet und dem sie sich auf unerklärliche Weise verbunden fühlt. Ein perfektes Rezept für eine abenteuerliche Geschichte. Wie sie mir letztendlich gefiel, erfahrt ihr hier.

War das wirklich der richtige Weg? Der Gang sah nicht so aus, als würde er besonders häufig benutzt. Das Blau des Teppichs schien staubig, und das Knispeln der schwachen Lampe machte mich nervös. Mit jedem Schritt hatte ich das Gefühl, mich mehr und mehr vom Leben zu entfernen. (Seite 62)

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Too Late von Colleen Hoover | Rezension

Colleen Hoover war für mich immer der Garant für Young und New Adult Romane voller Gefühl und Spannung. Ein bisschen erinnern mich ihre Geschichten an Filme wie „The Notebook“: zwei Menschen finden zueinander, aber äußere Umstände oder Geheimnisse aus der Vergangenheit treiben einen Keil zwischen sie, bis am Ende natürlich dennoch alles gut wird. Colleen Hoover scheut nicht davor zurück, unbequemere Themen, wie den Verlust der Eltern, eine schwere Verletzung oder eine harte Kindheit anzusprechen. Oft übernehmen ihre Figuren schon früh ein hohes Maß an Verantwortung, sie kämpfen für ihre Träume und für ihre Liebe und erreichen am Ende das, was sie sich vorgenommen haben. Ein bisschen Seifenoper, ein bisschen Rosamunde Pilcher, der perfekte Snack für zwischendurch also. So ist es teils auch in „Too Late“ von Colleen Hoover, das im neuen dtv Imprint „bold“ veröffentlicht wurde. Der New Adult Roman hebt sich in vielerlei Hinsicht von ihren anderen Werken ab, angefangen bei der Covergestaltung bis hin zu der Tatsache, dass „Too Late“ anfangs nicht mehr als eine Schreibübung war.

„Wenn ich nachher zu euch komme, werde ich dich keines Blickes würdigen“, sagt er. „Ich werde nicht mal in deine Richtung sehen. Aber du sollst wissen, dass du trotzdem das Einzige bist, das ich sehen werde. Das absolut Einzige, Sloan.“ (Seite 138)

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