Kuss von Simone Meier | Rezension

Gut, Yann schnarchte ein wenig, im Alter würde es gewiss schlimmer werden, aber noch störte es sie nicht, noch störte sie sich nur selbst. Mit ihren ganz persönlichen Träumen und Gedanken. Mit denen sie sich nachts nicht nur um ein paar Zentimeter, sondern um kleine Welten von Yann entfernte, weil sie mit dem zu tun hatten, was zwischen ihnen gerade nicht stattfand. (Seite 58)

Das fröhlich-verspielte Cover von „Kuss“ von Simone Meier täuscht über den Inhalt hinweg. Dieser Roman ist weit mehr als ein leichtes Beziehungsdrama, es offenbart sich stattdessen ein Blick auf die dunklere Seite der menschlichen Seele. Er fördert Sehnsüchte, Begierden, Zweifel und erotische Fantasien zutage, die im Licht des Tages betrachtet geradezu irrsinnig erscheinen, und die dennoch in den Protagonisten Gerda, Yann und Valerie schlummern.

Valerie, spröde und zynisch, ist überzeugt, den Rest ihres Lebens nicht noch einmal mit einem Mann teilen zu wollen. Zu sehr liebt sie ihre Freiheit und ihre Unabhängigkeit. Oder ist es auch Verletzlichkeit, die durch ihre standhafte Verweigerung von Gefühlen und Nähe zum Ausdruck kommt? Gewinnt man vielleicht doch mehr, als man verliert, wenn man sich auf einen anderen Menschen einlässt? Gerda und Yann sind von außen betrachtet ein Vorzeigepaar – er hat einen guten Job, sie versucht sich unfreiwillig, aber nicht minder zufrieden, in der Rolle der Hausfrau, die das frisch bezogene Haus einrichtet und gestaltet. Ideale Voraussetzungen für die Familiengründung also. Doch was bleibt danach noch im Leben, wenn das Knistern des Neuen längst der Vergangenheit angehört? War es das? Und was, wenn dieses Fehlen, dieses Loch in einem selbst, einen dazu antreibt, sich anderen zuzuwenden. In der Fantasie, in Träumen. Und was, wenn dadurch etwas in Gang gesetzt wird, was unwiderruflich ins Unglück führt?

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Neuerscheinungen im Februar 2019 – Simone Meier, Peter Høeg und mehr

Der Februar verwöhnt uns mit vielen interessanten, ernsten, spannenden und romantisch-fantastischen Romanen. Insgesamt zwölf finde ich besonders bemerkenswert und diese möchte ich euch vorstellen. Allen voran „Die Mauer“ von John Lanchester, ein Roman, der sicherlich viele Diskussionen anfachen wird. Er greift ein brisantes Thema auf, schaut es euch unbedingt an. Weiterhin „Kuss“ von Simone Meier, das ich aktuell lese, „Durch deine Augen“ von Peter Høeg und „Miami Punk“ von Juan S. Guse. Welche Bücher sind eure Favoriten? Viel Spaß beim Stöbern!

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