So wie du mich kennst von Anika Landsteiner | Rezension

„So wie du mich kennst“ von Anika Landsteiner erzählt von der engen Beziehung zwischen zwei Schwestern und von der Schwierigkeit, plötzlich alleine zurückzubleiben. Es geht um Karla und Marie, die einander so nahestehen und sich im Wesen doch sehr unterscheiden. Marie sehnt sich fort aus dem kleinen Dorf Seekirch in Unterfranken, in dem sie aufgewachsen sind und in dem jeder jeden kennt und jeder alles vom anderen weiß. Sie möchte als Fotografin Karriere machen und Neues erleben. Karla hingegen fühlt sich wohl in ihrer Heimat, mit ihrem Job bei der Lokalzeitung und ihrem vorhersehbaren, ruhigen Leben. Worauf sie nicht vorbereitet ist, ist die gähnende Leere, die nach dem Tod von Marie in ihr herrscht. Und auch nicht auf die Fragen, die ihr Tod aufwirft. Was hat ihre Schwester vor ihr verheimlicht? Wie soll Karla ohne Marie weiterleben, wie diese Lücke in der Familie füllen? Und sollte ihr eigenes Leben nicht eigentlich „größer“ sein oder ist es okay, mit weniger glücklich zu sein?

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Marilu von Tania Witte | Rezension

Nachdem mich Tania Witte zuletzt mit „Die Stille zwischen den Sekunden“ völlig vom Hocker gehauen hatte, schickte mich die Autorin mit „Marilu“ nun direkt wieder auf eine emotionsgeladene Reise. Die Reise schmerzte enorm, manchmal drohte sie mich zu erdrücken, doch am Ende konnte ich spüren, wie sich aus alldem Stärke und Mut entwickelten. Den Mut, das Leben in all seinen Facetten zu spüren und darauf zu vertrauen, dass man damit umgehen kann. Und die Stärke, die aus Freundschaft erwächst und daraus, sich anderen anzuvertrauen. Ein intensives Leseerlebnis, zu dem ich euch hier mehr erzählen möchte.

[Content Note: psychische Erkrankungen, Suizid, Selbstverletzung]

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LoveStar von Andri Snær Magnason | Rezension

Mit „LoveStar“ wagt Andri Snær Magnason einen absurden, düsteren, tragischen, wahnwitzigen, bitterbösen und überraschend humorvollen Blick in die Zukunft der Menschheit. Tatsächlich ist es die spannendste Dystopie, die mir seit langem begegnet ist. In ihr denkt und entwickelt der Autor und Umweltaktivist Magnason konsequent die digitale und mediale Gesellschaft weiter, gießt sie zu einem fragwürdigen Endprodukt und beschreibt gleichermaßen ihr selbst verursachtes Ende. Es ist eine Reise durch die Abgründe der menschlichen Konsumgesellschaft, in der Menschen von Werbung beeinflusst und gesteuert werden und den Blick für das echte Leben vollkommen aus den Augen verloren haben. Ein durch und durch faszinierender Roman, der mich von der ersten bis zur letzten Seite erstaunt, überrascht und gefesselt hat.

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Wo einst Leben war von Lena Wanke | Rezension

Mit „Wo einst Leben war“ von Lena Wanke erwartet euch eine Dystopie, die anderen Dystopien in vielerlei Hinsicht ähnelt, die aber dennoch absolut aus der Masse heraussticht. Diese Geschichte ist wahrhaftig düster, hoffnungslos und erbarmungslos. Worum es geht: Den Menschen ist der eigene Planet fremd geworden. Sie leben in Hochhäusern im Land Kaimar D., das nach diversen Naturkatastrophen und Kriegen von Götz Kaimar regiert wird. Die Menschen sollen ein sorgloses Leben führen, zahlen dafür jedoch mit dem Verlust jeglicher Selbstbestimmung und Individualität. Ein hochmodernes Gefängnis. Von der alten Welt sind nur noch Trümmer übrig, die heiße Sonne hat die Landschaft versengt und alles Lebendige getötet. Es gibt keine Bäume, keine Tiere, kaum Wasser. Durch diese Wüstengegend schleppen sich die Geschwister Jona, Tobias, Luki und Emma sowie Taube, ein kleines Mädchen, das sie unterwegs bei sich aufgenommen haben. Sie fliehen vor einem Leben in den Hochhäusern, sie wollen ihre Freiheit nicht aufgeben. Doch der Preis für diese Freiheit ist ein Leben in ständiger Angst.

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Marianengraben von Jasmin Schreiber | Rezension

„Marianengraben“ von Jasmin Schreiber erzählt eine Geschichte, die von Tod, Krankheit, Trauer und Depression handelt. Davon, wie ein Verlust so schwer wiegen kann, dass man tief in den Marianengraben hinabtaucht und man es aus eigener Kraft nicht schafft, wieder an die Oberfläche zu tauchen. Und doch steckt dieser Roman voller Lachen, Lebensfreude und Hoffnung. Und ist es nicht auch in Wirklichkeit so? Dass der Tod unausweichlich zum Leben dazugehört? Dass Trauer und Glück ganz nah beieinander liegen? Wir bewegen uns immer auf einem schmalen Grad zwischen diesen beiden Zuständen, verdrängen das Negative nur allzu gerne – bis wir jemanden verloren haben und uns die Vergänglichkeit von allem bewusst wird. „Man spürt erst etwas durch Veränderung“, sagte Jasmin Schreiber im Rahmen einer Lesung. Ein Gedanke, der ihren Roman durchdringt und so unglaublich faszinierend macht. Es geht um Veränderung des Lebens durch Verlust und Tod, es geht um die Verwandlung von Trauer zu Akzeptanz und es geht, ganz praktisch, um die Veränderung des Alltags. Begeben wir uns also gemeinsam mit den Protagonisten auf einen Roadtrip der Veränderung.

Ich hatte keine Lösung. In mir breitete sich das Nichts aus, es hatte kein Gefühl, kein Aussehen, keinen Geruch, keinen Klang, keinen Geschmack. Ich war ein Menschenkostüm, das Nichts enthielt. (Seite 13)

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Das Geheimnis von Shadowbrook von Susan Fletcher | Rezension

Um schon einmal den Ton dieser Rezension zu setzen: Dies ist mein Buch des Jahres 2019. „Das Geheimnis von Shadowbrook“ von Susan Fletcher überzeugt auf den verschiedensten Ebenen – sprachlich, inhaltlich, mit satten Figuren, die einem aus den Seiten heraus regelrecht entgegentreten. Schicksale, die berühren. Einer Geistergeschichte, die sich subtil und unbemerkt im Gedächtnis festkrallt und abends wieder den Weg ins Bewusstsein findet. Wendungen, die man nicht hat kommen sehen, die alles immer wieder völlig neu ausrichten. Eine klare, sinnliche Sprache, eine starke Protagonistin, die sich Herausforderungen mit messerscharfem Verstand stellt und dabei einen vollkommen neuen Blick auf die Welt erlangt. Ich war vom ersten Satz an gefesselt, wer es beendet hat, sehnt sich mitunter wieder an den Anfang zurück.

Jemand stand vor meiner Tür.
Ich rührte mich nicht.
Ich lauschte.
(Seite 129)

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Postscript – Was ich dir noch sagen möchte von Cecilia Ahern | Rezension

Mit „Postscript – Was ich dir noch sagen möchte“ knüpft Cecilia Ahern an ihren Erfolgsroman „P.S.: Ich liebe dich“ an, der im Jahr 2005 erschien. Die Geschichte um Verlust und Trauer, aber auch Freundschaft und Hoffnung bewegte mich damals sehr und so begann ich ihren neuen Roman mit einigen Erwartungen zu lesen. In mancher Hinsicht wurden die Erwartungen erfüllt, doch zu großen Teilen kam „Postscript“ leider nicht an den Vorgänger heran. Warum das so war, erläutere ich in meiner Rezension. Doch zuvor möchte ich noch ein Lob an die Agentur „ehrlich & anders“ aussprechen, die das Erscheinen des Buches mit einer Aktion begleitet haben. Ganz im Sinne der Geschichte von Holly und Gregg wurden drei Briefe verschickt, die Zitate aus dem Buch beinhalteten sowie Fragen, die zum Nachdenken anregten. Der finale Brief enthielt eine To-Do-Liste mit Aufgaben, mit denen ich mir, aber auch anderen etwas Gutes tun kann. Diese Aktion hat mich begeistert und dafür möchte ich mich herzlich bedanken.

Wir wollen unseren Tod kontrollieren, unseren Abschied von der Welt, und wenn wir das nicht können, wollen wir wenigstens bestimmen, wie wir sie hinter uns lassen. (Seite 141)

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Der lange Weg zu dir von Martin Widmark und Emilia Dziubak | Kinderbuch

Wer den Autor Martin Widmark bereits kennt weiß, dass ihn mit „Der lange Weg zu dir“ kein gewöhnliches Bilderbuch für Kinder erwartet. Wenn Martin Widmark schreibt, klingen die einfachsten Geschichten wie ein Märchen, wie Poesie. Was er schreibt, dient nicht dem Zweck, Handlung und Moral bis ins kleinste Detail auszubuchstabieren. Seine Worte lassen vielmehr Bilder im Kopf des Lesers entstehen, Gefühle werden geweckt. Und über diese Gefühle wird die Botschaft transportiert, die Widmark seinen Lesern mitgeben möchte. Eine großartige Ergänzung dazu sind die wunderschönen Illustrationen aus der Hand von Emilia Dziubak, siehe auch „Linas Reise ins Land Glück“ und „Die ganze Welt der Dinosaurier„.

„Es waren einmal ein Junge und ein Mädchen, die sich nie getroffen hatten. Zwischen ihnen lag ein großes Meer.“

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Five Feet Apart (dt. Drei Schritte zu dir) von Rachael Lippincott, Mikki Daughtry, Tobias Iaconis | Rezension

Auf dem Jugendbuch „Drei Schritte zu dir“, im Original „Five Feet Apart“, basiert der bereits in den Kinos angelaufene gleichnamige Kinofilm, mit Cole Sprouse und Haley Lu Richardson in den Hauptrollen. Es geht um Will und Stella, zwei an Mukoviszidose (medizinisch: cystische Fibrose, CF) erkrankte Teenager, die sich im Krankenhaus während einer Behandlung beziehungsweise Therapie begegnen. Mukoviszidose ist eine angeborene Stoffwechselerkrankung, die nicht heilbar ist und die Lebenserwartung der Betroffenen auf maximal 40 Jahre beschränkt. Ansteckend ist Mukoviszidose nicht, doch CF-Patienten wird dringend geraten, einander nicht zu nahe zu kommen, um das Ansteckungsrisiko mit Infektionen zu minimieren. Zudem ist Will an der Bakterienart Burkholderia cepacia erkrankt, die bei Patienten mit Mukoviszidose ernsthafte Komplikationen verursachen kann. Doch was, wenn sich CF-Patienten ineinander verlieben? Wie soll man dann Abstand halten können? Um diesen Konflikt und das Leben mit der Krankheit geht es in dem Buch. Wie es mir gefallen hat, erfahrt ihr hier.

I wonder, all too often, what it would be like to have lungs this healthy. This alive. I take a deep breath, feeling the air fight its way in and out of my body. (Seite 1)

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Die Stille zwischen den Sekunden von Tania Witte | Rezension

Wer gerne feinfühlige, spannende, emotionale und lebensnahe Jugendbücher liest, die als Tüpfelchen auf dem „i“ noch einen ganz besonderen Kniff in petto haben, sollte unbedingt zu „Die Stille zwischen den Sekunden“ von Tania Witte greifen. Mich hat die Geschichte komplett von den Füßen gerissen und ich bin in jeglicher Hinsicht begeistert. Die Figuren, der Schreibstil, die Story, der Spannungsbogen – alles ist rund, alles ist plausibel. Und vor allem geht einem das Schicksal jeder einzelnen Figur nahe, sei es auch die kleinste Nebenfigur. Es geht um das Leben in einer multikulturellen Großstadt, den Schulalltag, die erste Liebe, Freundschaft, Blogs und YouTube. Darüber hinaus geht es um Kriegserfahrungen, Verlust und unverarbeitete Traumata und die Folgen wie eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und Schuldgefühle des Überlebenden.

Ich drehte den Gleisen den Rücken zu, drängelte mich durch die Menschen und stiefelte die Treppe wieder hinauf. Immer nach vorne schauen, nie zurück. (Seite 7)

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