Im Schatten des Fuchses von Julie Kagawa | Rezension

„Im Schatten des Fuchses“ ist mein erster Roman von Julie Kagawa, doch ich hatte natürlich schon viel von ihr gehört und über ihre fantastischen Jugendbuchreihen gelesen. Umso neugieriger war ich auf ihre neue „Schatten-Serie“, die zwar auf klassische Jugendfantasy inklusive Liebesgeschichte mit den üblichen Konflikten schließen ließ, doch das japanische Setting, Gestaltwandler, Mönche, Dämonen und Samurai – das versprach interessant zu werden. Ob es das auch war, erfahrt ihr in dieser Rezension.

„Ich sehe mich, Meister Isao.“ Ich fragte mich, ob es diesmal die richtige Antwort war. „In meiner wahren Gestalt. Ohne Illusion oder Abwehr. Ich sehe eine Kitsune.“ (Seite 29)

Das japanische Setting spielt tatsächlich eine elementare Rolle in der Geschichte. Man lernt japanische Sitten kennen, alte Mythen werden erzählt und die Figuren tragen traditionelle japanische Kleidung. All dies katapultiert den Leser in ein historisches, fantastisches Japan. Die liebevoll gestaltete Karte ist dazu eine gelungene Ergänzung. Sie zeigt das Kaiserreich Iwagoto, in dem die freundliche und kluge Halbkitsune Yumeko und der verschlossene Samurai Tatsumi leben. Doch dieses Reich ist in Gefahr und Yumeko trägt den Schlüssel bei sich, um die Katastrophe verhindern zu können: eine geheime Schriftrolle. Nachdem das Kloster, in dem sie aufwuchs, von Dämonen angegriffen wurde, ist es ihre Aufgabe, die Schriftrolle in ein weit entferntes Kloster zu bringen, wo sie fortan beschützt werden kann. Auf ihrem Weg begegnet Yumeko Tatsumi, der selbst den Auftrag hat, die Schriftrolle zu finden. Würde er erfahren, dass Yumeko die Schriftrolle bereits besitzt, würde er sie töten. Also gibt sie an, lediglich zu wissen, wo sich die Schriftrolle befindet und ihn dorthin zu führen. Und so werden sie Gefährten auf einer gefährlichen Reise durch das Kaiserreich.

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Leider gab es einiges, was mir an „Im Schatten des Fuchses“ nicht so gut gefiel. Zum einen waren mir die Figuren zu eindimensional und auch die Entwicklung war mir stets zu abrupt und wenig nachvollziehbar. Yumeko lernt man als freche Gestaltwandlerin kennen, die Verantwortung und Arbeit scheut, wie Katzen das Wasser. Doch kaum hat sie die Schriftrolle, ist sie gewissenhaft, mutig und geradezu weise. Tatsumi ist ein eiskalter Kämpfer, eine Waffe, ein Samurai ohne Gefühle. Er lebt allein zu dem Zweck, seine Aufträge zu erfüllen. Doch kaum ist er mit Yumeko zusammen unterwegs, gerät diese innere Überzeugung ins Wanken. Allzu schnell hinterfragt er seine Überzeugungen, sein Training und seine Aufgabe. Die Nebenfiguren sind ebenfalls etwas farblos und wenig individuell, auch sie konnten mich bis auf eine Ausnahme nicht für sich einnehmen.

Ich war ein einzelner Bauer in einer Partie Shogi, wurde von unsichtbaren Kräften verrückt und zog an mir zugewiesene Orte, ohne zu wissen, warum es geschah. So war es schon immer gewesen. (Seite 230)

Die Geschichte selbst ist im Grunde rund, alles fügt sich gut ineinander, auf Spannung folgt Entspannung, dann wieder Spannung – für meinen Geschmack war es dadurch jedoch schlicht zu perfekt orchestriert und damit vor allem in den ersten beiden Dritteln ziemlich langweilig. Man ahnt als Leser viel zu schnell, was geschehen wird, es gibt keinen unerwarteten Twist, keine überraschende Wendung. Zudem wird die Geschichte mit sehr vielen Hintergrundinformationen über die japanische Kultur angereichert. Im Prinzip wichtig und interessant, doch wirkte es auf mich immer etwas gezwungen und in den Text eingeschoben. Ein Lehrtext in einem Fantasyroman. Abgesehen davon liest sich „Im Schatten des Fuchses“ aber flüssig und angenehm. Mir persönlich war nur die Sprache ab und an zu modern, sie passte nicht zum Setting.

Was mich letztendlich doch etwas für das Buch einnehmen konnte, war das letzte Drittel des Romans. Hier steigert sich die Spannung, es wird dramatisch, hier verändert sich alles. Es kommt endlich Schwung in die Geschichte. Und wenngleich ich bis dahin der Überzeugung war, Band 2 nicht lesen zu wollen, so wurde am Ende doch meine Neugier geweckt. Eventuell gebe ich „Im Schatten des Schwertes“ eine Chance.

Fazit

„Im Schatten des Fuchses“ von Julie Kagawa hat mich leider weniger überzeugt, als erwartet. Es erwartet den Leser nicht mehr als ein typischer Jugendfantasy-Roman, der kaum Überraschungen bietet, dafür aber viele Informationen über die japanische Kultur, die durchaus lebendiger in den Text eingearbeitet hätten sein können. Auch die im Klappentext angedeutete Liebesgeschichte verläuft nach Schema F. Wer Lust auf ein Jugendbuch in diesem Stil hat, macht hiermit nichts falsch und wird sicherlich sehr gut unterhalten. Sprachlich ist „Im Schatten des Fuchses“ nicht anspruchsvoll, es liest sich gut weg, hat aber seine Längen. Einzig das letzte Drittel konnte mich wirklich fesseln – hier dann sogar genug, um neugierig auf Band 2 zu sein.


Im Schatten des Fuchses – Schatten-Serie (Band 1)

kagawa-schatten-des-fuchsesDie junge Yumeko ist eine Gestaltwandlerin – halb Mensch, halb Füchsin. Im Kloster der Stillen Winde lernt sie unter der liebevollen Anleitung von Mönchen, ihre Gabe zu kontrollieren. Doch eines Nachts greifen mörderische Dämonen die Tempelanlage an und setzen sie in Brand. Yumeko gelingt es als Einziger zu fliehen, mit einem letzten Vermächtnis der Mönche in der Tasche: einer geheimnisvollen Pergamentrolle, die sie in einem Tempel in Sicherheit bringen soll. Darauf befindet sich der Teil einer uralten Beschwörung, die so gefährlich ist, dass sie einst in drei Teile zerrissen und an verschiedenen Orten aufbewahrt wurde. Unterwegs trifft Yumeko den Samurai Tatsumi, der auf der Suche nach eben jener Pergamentrolle ist. Gemeinsam setzen sie ihren Weg fort. Tatsumi weiß nicht, dass Yumeko hat, wonach er sucht. Yumeko weiß nicht, dass Tatsumi ein Geheimnis hütet, das sie beide umbringen könnte. Und beide ahnen nicht, dass sie sich niemals ineinander verlieben dürfen.


Infos zum Buch
Verlag (Copyright Cover): Heyne fliegt
Preis:
 17.00 Euro
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-453-27205-7
Altersempfehlung: Ab 14 Jahren
Erscheinungstermin: 23. September 2019


Über Julie Kagawa

Schon in ihrer Kindheit gehörte Julie Kagawas große Leidenschaft dem Schreiben. Nach Stationen als Buchhändlerin und Hundetrainerin machte sie ihr Interesse zum Beruf. Mit ihren Fantasy-Serien „Plötzlich Fee“ und „Plötzlich Prinz“ wurde sie rasch zur internationalen Bestsellerautorin. In ihrer neuesten Erfolgsserie „Talon“ erzählt sie von einer magischen Liebe, die nicht sein darf. Julie Kagawa lebt mit ihrem Mann in Louisville, Kentucky.


Weitere Stimmen zum Buch

Sabrina von The Magnificence of Books | Vera von Veras Literaturtraum | Sarah von Seitenzauberin | Katharina von Golden Letters

3 Gedanken zu “Im Schatten des Fuchses von Julie Kagawa | Rezension

  1. Hachja, wie schade!
    Mit diesem Buch hatte ich auch schonmal geliebäugelt, einfach weil es kulturell ja in dem wenig beschriebenen fantastischen Japan stattfindet. Was mich dann aber abgeschreckt hat, war der Gedanke an jene Schema-F-Liebes-Jugend-Fantasy-Schnulze, die sich irgendwo im Klappentext bereits angebahnt hat. Mit deiner Rezension fühle ich mich dahingehend bestätigt und bin doch froh, Abstand genommen zu haben. Trotzdem schade drum.

    Liebe Grüße!
    Gabriela

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Gabriela,

      ich halte Leute ja ungerne davon ab, Bücher zu lesen 😉 Aber in dem Fall machst du glaube ich das richtige, wenn du es nicht liest. Es gibt ja ein Glück noch andere Romane mit fantastischem Setting in Japan. Kennst du die Reihe „Der Clan der Otori“ von Lian Hearn? Großartig! Oder die „Wolkenvolk-Trilogie“ von Kai Meyer? Auch sehr lesenswert 🙂

      Liebe Grüße
      Anna

      Gefällt 1 Person

      1. Ich glaube der Clan der Otori steht schon auf meinem Wunschzettel! Über das Wolkenvolk hab ich sogar in einer Spezial-Aktion 3 Tage geschrieben, die hat mir wirklich gut gefallen 😊 Aber schön, dass du mich an die Otoris erinnert hast! 🙂

        Liebe Grüße!
        Gabriela

        Gefällt 1 Person

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